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Ich will meine Samstagsnächte nicht mit Partys verbringen, ich will dich lieber den ganzen Abend Lächeln seh'n.
25. Juni 2017 | Hamburg Underground/S-Bahn
Durch das nächtliche Hamburg
Meine Freundin und ich sind zum fast selben Zeitpunkt jeweils in einen anderen Stadtteil umgezogen. Der Weg zu ihr gleicht noch einer Odyssee, jetzt, da mir der Weg und die vielen unterirdischen Gänge beim Umsteigen noch nicht vertraut sind. Und so wage ich mich nach ein paar guten Gläsern Bowle durchs nächtliche Hamburg wieder nach Hause.
Wenn man ein paar Wochen lang nur noch mit der S-Bahn gefahren ist, gleichen sich die U-Bahnsteige plötzlich in gewisser Weise, ein bekanntes Gefühl schleicht sich in den müden Körper, der sich auf die gewohnten Sitze sinken lässt.
„Ich fick dich und deine Mutter, du Fotze!“ Jugendliche Klänge hallen durch den Waggon. Er schlägt ihr auf die nackten Oberschenkel, zieht an ihrem Haar, „du Fotze“, ich beobachte die beiden, ob sie meine Hilfe braucht, doch sie wehrt sich, bestimmt, aber nicht so aggressiv und vulgär wie er, „und wenn sich jetzt einer einmischt, den fick ich“, und ich bin froh, als sie sich an der nächsten Station erhebt und aussteigt und ihn mit seinem Handy zurücklässt. Stattdessen wird ein junger Mann aus seiner Lache aus Erbrochenem vom Bahnsteig von seinem Kumpel in den Nachbarwaggon gehievt. Ich atme erleichtert auf, während ich beobachte, wie in dem Nachbarwaggon junge Damen hastig von ihren Plätzen weichen und an die jeweiligen Wagenenden flüchten.
Am Hauptbahnhof renne ich zur S-Bahn, folge etwas orientierungslos den Pfeilen, bin mir nicht sicher, wie viel Zeit ich zum Umsteigen habe, finde mich dann aber mit elf Minuten Wartezeit am Bahnsteig in der leeren Bahnhofshalle. Um diese späte Uhrzeit, wenn laut Anzeigetafeln die ersten Züge erst in zwei Stunden wieder abfahren, wirkt der Hauptbahnhof ungewöhnlich friedlich. Als eine einsame Lok durchrauscht, hat das fast etwas von einem Traktor in der Innenstadt. Ein Gefühl von Sehnsucht.
Die anderen Wartenden am Bahnsteig sind entspannend ruhig, natürlich fängt man den ein oder anderen Blick der Männer ein, der eine geht provokativ nur ein paar Zentimeter vor meinem Gesicht an mir vorbei, schiebt sich nur kurz als verschwommener Schemen durch mein auf die Lichter der Bahnhofshalle fokussiertes Blickfeld. Nicht sehen, nicht gesehen werden, ist nachts oft so etwas wie ein Naturgesetz.
In der S-Bahn stellt sich dann die Vorfreude auf das Bett ein, die an der nächsten Station jäh unterbrochen wird. Eine Durchsage des Lokführers vermeldet einen Polizeieinsatz aufgrund einer Schlägerei an der nächsten Haltestelle, meiner Zielhaltestelle, die die Weiterfahrt bis auf Unbestimmtes noch behindert. Ein Raunen geht durch den Waggon. Im Türbereich unterhalten sich zwei junge Männer mit Sommerhüten in Gebärdensprache, dem Brillenträger daneben in der Viererbank sinkt der Kopf auf die Schulter, ein vergleichsweise zum Rest der Fahrgäste älterer Herr erhebt sich und verkündet mit lauter, rauer Stimme, dass hier gerade seine Zeit vergeudet wird. Ob er eine Rakete bauen soll, fragt er in die Runde und stellt sich dann namentlich vor.
Ein paar Momente lang scherzt er mit den jungen Männern, die wohl zu dem mittlerweile in das Schlummerland abgedrifteten Brillenträger gehören. Dann geht ihm plötzlich seine Herzensdame ab. „Wo ist denn meine Frau, meine Frau?“, fragt er und lässt seine Blicke durch den Waggon streifen. Er erhebt sich und wandelt ans andere Ende des Waggons, auf mich zu. Ich senke den Blick. Auf seinem Weg bleibt er an zwei jungen Blondinen hängen, die ihre Beine im Mittelgang gelagert haben. Er wedelt mit dem Armen, „husch husch“, doch die beiden Frauen bewegen sich nur träge und auch nur die eine. Er starrt der Verbleibenden auf die Beine, „du auch“, doch sie weigert sich, ist doch genug Platz zum Durchgehen, was er dann auch macht.
Nicht sehen, nicht gesehen werden, ist nachts oft so etwas wie ein Naturgesetz, und so geht er an mir vorbei zur hintersten Sitzbank, wo er die jungen Männer in den mysteriösen Verbleib seiner Herzensdame einweiht. „Vielleicht hast du die Richtige einfach noch nicht gefunden“, versucht einer der Männer den Fall zu klären.
Nachdem der einsame Romeo noch einmal verkündet hat, dass er wohl eine Rakete für den Zug bauen müsse, damit wir endlich weiterfahren können, wird plötzlich über Kunst diskutiert. Die Mona Lisa, die Mona Lisa hat er mal gesehen, wie heißt noch einmal der Maler, Picasso, Picasso? Picasso! Ja, der Picasso, der war ja verrückt, verrückt war der. Nein, Picasso war das doch nicht, oder? Wer war das mit der Mona Lisa?
„Leonardo da Vinci“, meldet sich ein junger Mann zu Wort. Ein erleichtertes Lachen geht durch die Reihen. Da Vinci! Natürlich. Jemand ruft den Namen des einsamen Kunstkenners durch den Waggon, doch der reagiert nicht.
Stattdessen breitet sich ein eindeutiger Geruch im Waggon aus. Ich schiele auf die hinterste Sitzbank. Der Mona Lisa-Connaisseur hat sich mittlerweile einem jungen Mann mit langen Haaren und Bart zugewandt, der für sie beide Joints dreht. Ich wende mich wieder dem schlafenden Brillenträger zu, dem jetzt ein Feuerzeug aus der Hand gefallen ist. Einer der Männer im Türbereich bückt sich und versucht, ihm das Feuerzeug wieder in die Hand zu stecken, was den verschlafenen Brillenträger aufweckt. Verwirrt starrt er seinen Nachbarn an. Der erklärt ihm mit großen Gesten, was gerade passiert ist und gibt ihm dann sein Feuerzeug zurück. Der Brillenträger wirkt so, als würde er nur die Hälfte verstehen, seine Augenlider hängen auf Halbmast und seine Finger lösen sich wieder, sodass das Feuerzeug zurück auf den Boden fällt.
Sein neuer Kumpel bückt sich wieder, gibt ihm sein Hab und Gut zurück, klopft ihm lächelnd auf die Schulter, der Brillenträger nickt dankbar, der freundliche Helfer legt einen Finger an sein Ohr, schaut erwartungsvoll, der Brillenträger nickt weiter, begriffsstutzig, bis er den Blick seines Nachbarn bemerkt.
„Danke“, sagt er und der hilfsbereite Freund lächelt zufrieden.
„Danke“, wiederholt der Brillenträger im Takt seines nickenden Kopfes, der Anstalten macht, zu einem Perpetuum mobile zu werden. Bis das Kinn auf der Brust hängen bleibt. Wieder wird der Name des einsamen Kunstkenners durch den Waggon gerufen, es herrscht Aufbruchsstimmung. Und tatsächlich setzt sich einen Moment später der Zug in Bewegung.
Als ich aussteige, diskutieren zwei Polizisten mit ein paar jugendlichen Damen am Bahnsteig, das Blaulicht durchbricht die ruhige Nacht und ich laufe an der leeren Straße entlang nach Hause, wo noch hinter dem Großteil der Fenster die Lichter brennen, während das Schwarz des Himmel langsam heller wird.
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Guten Morgen zusammen und Euch allen einen schönen Sonntag. #morning #morgen #samstagnacht #saturdaynight #innenhafen #innenhafenduisburg #was ondernachtübrigblieb #fotografie #photography #streetlife #duisburg #ruhrgebiet #ruhrpottliebe #ruhrpott #ausgetrunken (hier: Duisburg Innenhafen) https://www.instagram.com/p/CD8LEvIH4xr/?igshid=ghlxhuh7ue9p
Menschen von Berlin 🤍 // #SamstagNacht #BisBald https://www.instagram.com/p/CDFaCPRHKM5/?igshid=1obn4emyei6ti
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Ich liebe diese Momente, an denen alles unwichtig ist. In denen nur zwei Menschen existieren. Alter, Herkunft, Beruf, Name, es ist alles egal. Es zählt nur wer du bist, ganz tief in dir. Es zählt nur, das wir passen. Für diesen einen kurzen Moment. Für einen Augenblick.