Anna Amalia [aus dem Off]: Letzte Woche bei Weimars nächster Dichterfürst hatten die Knaben eine ganz besondere Aufgabe: Es wurde schlüpfrig! Ein Dichterfürst muss nicht nur die holde Damenwelt bezirzen können, sondern auch den schwierigen Spagat zwischen Liebe und Lust perfekt beherrschen. Deshalb haben wir die Knaben auf den Prüfstand geschickt: In der Lyrik mussten sie sich ebenso beweisen wie in der Prosa und im Rezitieren. Einigen fiel das leichter als anderen und nicht alle hatten das Zeug zum Casanova….
[Rückblende]
Kotzebue (stotternd): Die Lie-…also, ähm…die Liebe ist…
Anna Amalia [aus dem Off]: Aber nicht nur August hat sich schwer getan. Auch bei Friedrich hakte es hinten und vorne…
[Rückblende]
Schiller: Sangir liebte seinen Selim zärtlich, wie Du mich…
Anna Amalia (unterbricht ihn): Also nee, wart mal, Friedrich, so wird das nix. Das müssen wir noch ein bisschen üben. Was ist denn heut los mit dir? Du bist doch sonst nich so schüchtern?! Warst du noch nie in ein Mädchen verliebt? Komm, der Wolfgang soll da nochmal ein bisschen mit dir dran arbeiten! Dann will ich bei der Entscheidung aber auch echt was sehen.
Goethe (räuspert sich, kniet sich vor Schiller, nimmt seine Hand und schaut ihm tief in die Augen): Keine Sorge, Friedrich, ich zeig dir nochmal, wie das richtig geht:
Ich denke dein, wenn mir der Sonne Schimmer
vom Meere strahlt;
Ich denke dein, wenn sich des Mondes Flimmer
In Quellen malt.
Ich sehe dich, wenn auf dem fernen Wege
Der Staub sich hebt;
In tiefer Nacht, wenn auf dem schmalen Stege
Der Wandrer bebt.
Ich höre dich, wenn dort mit dumpfem Rauschen
Die Welle steigt.
Im stillen Haine geh’ ich oft zu lauschen,
Wenn alles schweigt.
Ich bin bei dir; du seist auch noch so ferne,
Du bist mir nah!
Die Sonne sinkt, bald leuchten mir die Sterne.
O, wärst du da!
(Friedrich errötet, die restlichen Kandidaten tuscheln im Hintergrund)
Goethe (im Einzelinterview): Der Friedrich war anfangs ja keiner meiner Favoriten, aber mittlerweile hat er mich völlig von sich überzeugt! Ich hab mich dann nochmal mit ihm zusammengesetzt und ihn hart rangenommen, im Mündlichen hat er sich dann aber noch retten können. Ich bin überzeugt, dass Friedrich ganz großes Potenzial hat.
[Rückblende]
(Schiller und Novalis stehen Händchen haltend vor der Jury)
Anna Amalia: Jaaaa, Friedrich, bei dir waren wir uns lange nicht einig. Der August Wilhelm wollte dich ja eigentlich nicht weiterkommen lassen, aber der Wolfgang hat sich sehr für dich eingesetzt und…hier ist dein Scherenschnitt! Herzlichen Glückwunsch! Dafür musst du jetzt aber auch richtig Gas geben! (zu Novalis) Novalis, es tut mir Leid: Ich habe heute leider keinen Scherenschnitt für dich!
(Friedrich bricht in Tränen aus und umarmt Novalis, der ihm gratuliert.)
[Einzelinterviews]
Novalis: Ja, ich wär ja schon gern geblieben, aber der Friedrich is auch einfach so gut! Ich freu mich jedenfalls für ihn, der kommt bestimmt noch voll weit!
Kotzebue: Also, ich kann die Entscheidung so gar nicht nachvollziehen. Anscheinend muss man sich nur mit Goethe gut stellen, wenn man hier weiterkommen will. Na ja, es is ja offenkundig, dass der Goethe eine Schwäche für jüngere Blondinen hat. (dreht sich von der Kamera weg, um Friedrich zu begrüßen) Friedrich!!! Herzlichen Glückwunsch! Du hast das so verdient!
Kleist [heulend]: Der Novalis und ich, wir haben uns so gut verstanden und jetzt muss er gehen. Ich find das voll schade! Ich mein, ich freu mich für Friedrich, aber der Novalis wird mir halt schon fehlen…
Scharffenstein: Mir ist das eigentlich ziemlich egal, ob der Friedrich weiter ist oder nicht. Im Endeffekt sind wir hier doch alle Konkurrenten und ich bin ja nicht hier, um Freunde zu finden. Außerdem bin ich immer der Meinung, dass die Freundschaften und Gefühle vom Friedrich nur angelesen sind. Also keine echte Konkurrenz.
Friedrich: Es ist mir egal, was die anderen sagen, ich hab mein Bestes gegeben und mehr kann ich nicht tun. Ich mein, es tut mir Leid, dass Novalis wegen mir früher gehen musste, aber ich will ja auch weiterkommen! Das hier ist die Chance meines Lebens und ich werde sie auf jeden Fall nutzen! Ich wollte schon immer mit Goethe zusammenarbeiten und jetzt kann ich das und das lass ich mir auch nicht nehmen!
.Anna Amalia [aus dem Off]: Wie fruchtbar diese Zusammenarbeit noch werden soll, wie sich die Anderen so machen und was beim Publikum ankommt, das sehen Sie jetzt in der neuen Folge Weimars nächster Dichterfürst. Diesmal: Die Balladen-Ausgabe!