21. November 2021
Wohin es führen kann, wenn man Monate lang nur ums Karree geht
Am Ausgang der Booster-Impfung hätte ich mir noch das Zertifikat aufs Smartphone beamen lassen können, aber da stand wieder eine lange Schlange. Selbstverständlich habe ich es hinterher bereut, weil ich vergessen habe, wie das eigentlich geht. Ich beschloss, kein Taxi zu nehmen, lieber noch ein bisschen herumspazieren.
Auch auf dem Hinweg war ich mit dem Bus gefahren, wo ich mich wunderte, dass man wieder vorn einsteigen konnte und die Fahrerin keine Maske trug. Da ich noch einen Fahrschein zum Abstempeln hatte, stieg ich hinten ein und schob sie dem Automaten ins Maul.
Als ich also nach einem kurzen Spaziergang den Bus für die Rückfahrt nehmen und dem maskenlosen Fahrer (immerhin hinter einer Plexiglasscheibe!) einen 5-Euroschein für ein Kurzfahrtticket geben wollte, schwieg er mich an. Ich stand blind vor ihm (Brille beschlagen), wusste nicht, was er demonstrieren wollte. In den Nebel hinein fragte ich, was los sei, und er ließ sich zu der Auskunft herab, man könne nur noch bargeldlos bezahlen. Panik. Meinetwegen stand der Bus nun schon mindestens gefühlte fünf Minuten an der Haltestelle herum, und ich wusste nicht, wie ich das jetzt hinkriege. „Sie müssen Ihre Scheckkarte HIER drauf legen!“ Beim hektischen Gesuche nach ihr fiel mir das Portemonnaie runter (wirklich wahr), und mein Peiniger fuhr immer noch nicht los. Zum Schluss erledigte er gnädig die restlichen Handgriffe für mich und gab Gas, dass ich mich gerade noch festhalten konnte. Haha, ein Sturz quer durch den Bus wäre ja nun der Supergau gewesen, Entschuldigung, dass ich das so ausführlich erzähle, ich wollte damit nur aufzeigen, wohin es führen kann, wenn man Monate lang nur ums Karree geht.
(Elinor Richter, zuerst veröffentlicht bei Facebook)













