Gerade lösche ich lieber täglich E-Mails, als mich darum zu kümmern, in den Einstellungen die Benachrichtigungen zu deaktivieren. Und vielleicht beschreibt das ganz gut meinen Allgemeinzustand, gerade nur an der Oberfläche des Nötigsten zu kratzen, anstatt die Dinge tiefer anzupacken. Was tiefer bei mir zu finden sein soll, weiß ich gerade ohnehin nicht. Ich fühle mich wie unter einer Schneedecke begraben, geschneit hat es aber eigentlich woanders, also nennt man das wohl Symptomverschiebung. Daran erinnert mich auch der unangenehme Geschmack in meinem Mund, bei dem ich nicht weiß, ob er von Ekel vor mir selbst, der Welt oder der Zukunft kommt. Wie normalerweise am Neujahrsmorgen, nach zu viel Gin-Mate, Chips und Zigaretten. Aber ich rauche seit Februar nicht mehr, trinke nur noch ganz wenig und Neujahr war auch nur eine Perle im Rosenkranz, der mir durch die Finger geglitten ist, vor dem gebetsartigen Murmeln der Weltgeschichte. Wenn ich Kaffee trinke, tue ich das mit der Absicht ein Gefühl von Wärme und Geborgenheit in mich aufzusaugen, auch wenn der Geschmack bereits nach der zweiten Tasse einen Würgreiz bei mir auslöst. Ich wollte nie geboren werden und ungewollte Geschenke stehen bei mir unberührt im Regal. Oder wie Sherlock sagt: "The value she conferred on my life is a currency I do not know how to spend". Und vielleicht kann ich Geldgeschenke von meiner Familie deshalb so schlecht annehmen, weil ich ihnen schon von ihrer allerersten Investition abgeraten hätte.
L. M.
















