aufbrechen, um auszubrechen – Höhen und Tiefen auf Bali
Gute Nachricht und schlechte Nachricht – zunächste die gute: Der Flug nach Bali verlief reibungslos. Die schlechte: Es gibt keine verrückte Geschichte von illegalen Powerbanks oder ungeplanten Hotelübernachtungen zu erzählen.
Am Flughafen auf Bali holte mich ein vorher arrangierter Fahrer ab und fuhr mich zu meiner Bleibe in Kuta. Ich hatte mich nach ein bisschen Recherche für Kuta entschieden, da es günstig ist, einen Strand hat und nahe am Flughafen liegt. Da mein Flieger relativ spät abends landete, hielt ich das für die beste Lösung. Spoiler Alert: Falsche Entscheidung! Aber dazu später mehr.
Ich kam im Apartment an, das ich mir mit zwei Estinnen und zwei Italienerinnen teilte. Das Apartment lag in einer Seitenstraße, die von einer der Haupteinkaufsstraßen abführte. Es war also einerseits sehr ruhig gelegen, aber nach zwei Minuten Fußweg war man auch auf der Haupteinkaufsstraße. Und zum Strand waren es keine fünfzehn Minuten zu Fuß. Erst als ich nachts noch etwas fürs Frühstück am nächsten Morgen einkaufen wollte, bemerkte ich die Schattenseiten Kutas – Touristen und Touristenfänger. Alle fünf Meter will dir jemand etwas verkaufen, dich in sein Restaurant locken oder dir eine Taxifahrt andrehen. Aufgrund der vielen Menschen auf den viel zu schmalen Fußwegen kommt man kaum vorwärts. Es ist einfach unglaublich nervig und zerstört das Urlaubsgefühl.
An meinem ersten vollen Tag in Kuta ging ich zunächst zu einer Surfschule, die online gute Bewertungen hatte. Ich wollte zumindest ein paar Tage surfen. In Kanada hatte ich schon ein paarmal auf dem Brett gestanden und es sehr genossen. Da die Surflehrer alle unterwegs waren, traf ich in der Surfschule nur eine Dame am Tresen, die mir nicht so richtig weiterhelfen konnte. Sie meinte, ich solle ein E-Mail schreiben und es würde sich dann jemand melden. Etwas enttäuscht ging ich anschließend zum Double Six Beach. Er ist nicht besonders schön und auch ziemlich voll, aber ganz einfach zu Fuß zu erreichen.
Es waren sehr viele Surfer unterschiedlichen Niveaus im Wasser und die Wellen kamen mir nicht allzu stark vor. Also beschloss ich, ein bisschen alleine zu surfen. Ich fragte bei einem der vielen Verleiher, wie viel ein Surfbrett für zwei Stunden kosten würde. Für umgerechnet fünf Euro bekam ich ein Anfänger-Surfbrett. Das Wasser hatte eine super Temperatur und auf dem Brett stellte ich mich auch gar nicht so schlecht an. Da ich mich allerdings im flachen Wasser aufhielt, waren dort so viele andere Surfanfänger, dass es mir irgendwann zu eng wurde. Also begab ich mich ins etwas tiefere Wasser, wo deutlich weniger Surfer waren. Jedoch waren dort keine Wellen mehr. Ich war inzwischen auch ein ganzes Stück vom Strand weg. Daher paddelte ich zurück in den Bereich, wo die Wellen brachen. Als ich eine Welle erwischen wollte, riss sie mich vom Brett und drückte mich unter Wasser. Verwirrt tauchte ich auf und schwamm zu meinem Brett – da kam die nächste Welle. Das passierte dann ein paarmal, bis ich schließlich mein Brett wieder erreichte. Ich versuchte, die nächste Welle zum Strand mitzunehmen, doch wieder wurde ich runtergeworfen. Diesmals jedoch wickelte sich das Band, das meinen Knöchel mit dem Surfbrett verband, um meine beiden Beine. Ich war also unter Wasser und konnte meine Beine nicht bewegen. Das war ein bisschen uncool. Und mit „ein bisschen“ meine ich „sehr“. Ich verbrachte daher einige Zeit unter Wasser, bis ich meine Beine entfesseln konnte. Das hatte ich mir anders vorgestellt. Als ich wieder auftauchen konnte, klammerte ich mich an meinem Brett fest und ließ mich zum Strand treiben. Mit einer Mischung aus Wut und Erleichterung hustete ich gefühlt hundert Liter Wasser aus. Ich setzte mich kurz an den Strand und schaute aufs Meer. Die Wellen waren an der Stelle ungefähr doppelt so hoch wie das, was ich bisher gesurft hatte. Da war ich einfach ziemlich dumm gewesen. Ich gab mein Brett ab und ging zum Apartment. Auf dem Weg holte ich mir in der Apotheke noch etwas, um meinen Magen zu beruhigen. Schließlich hatte ich ordentlich Meerwasser geschluckt. Für den Rest des Tages lief immer wieder Salzwasser aus meiner Nase. Das sollte mir eine Lehre sein. Ohne Surflehrer werde ich so schnell nicht wieder aufs Brett steigen. Aber genug des Dramas. Den nächsten Tag verbrachte ich hauptsächlich auf der Strandliege, um an meinem Teint zu arbeiten. Abends gönnte ich mir eine Massage – so ein richtiger Touri-Tag.
Wie ich jetzt ja weiß, ist Wasser genau mein Element (immerhin bin ich Fisch). Daher ging es an meinem letzten Tag in Kuta zum Waterbom Wasserpark – ein Park voller Wasserrutschen. Der Traum eines jeden Kindes. Und mein Traum. (Siehe Video ganz unten.)
Es gab zwei Röhrenrutschen (eine kleine, eine große), bei denen man auf einem durchsichtigen Boden steht, der weggeklappt wird und einen in den mehr oder weniger freien Fall schickt. Es gab eine Loopingrutsche, eine Trichterrutsche, eine stockdunkle Rutsche, Rutschen, die man nur mit einem Reifen rutschen durfte. So viele Rutschen – ich war im Paradies. Außerdem probierte ich zum Abschluss noch den Flowrider aus. Das ist eine Maschine, die eine künstliche Welle erzeugt, auf der man surfen kann. Ich stellte mich gar nicht mal so dumm an.
Abends ging ich noch ein letztes Mal zum Double Six Beach, um mir den Sonnenuntergang anzusehen. Das war auf jeden Fall eine gute Entscheidung.
Schon an meinem ersten Tag in Kuta hatte ich nach einer anderen Unterkunft in einem anderen Bezirk gesucht und war in Ubud fündig geworden. Ich hatte eine gute Wahl getroffen. Wieder war ich nur ein paar Minuten von der Hauptstraße entfernt und hatte dennoch eine ruhige Lage. Mit Tee und Keksen wurde ich von der Gastgeberin begrüßt. Es gab einen kleinen Haustempel, den ich mir anschauen durfte. Ubud machte einen guten ersten Eindruck.
Nachdem ich mich eingerichtet hatte, ging ich zum Startpunkt des Campuhan Ridge Walk, der mich auf einer natürlichen Erhöhung vorbei an Tempeln zu den Reisterrassen führen sollte. Hier seht ihr ein paar Eindrücke. Vor allem die Reisterrassen fand ich sehr beeindruckend.
Am nächsten Tag besuchte ich den Kunstmarkt in Ubud. Es war ein sehr buntes, enges und touristisches Erlebnis, von dem ich nach einer halben Stunde genug hatte. Ich kann es dennoch empfehlen.
Anschließend fuhr ich zum Tegenungan Wasserfall, ein wirklich schöner Fleck Natur. Leider war es so überlaufen, dass es dem Ort so ein bisschen den Zauber nahm. Ich versuchte, es dennoch zu genießen.
Am Abend hieß es: Früh ins Bett. Denn um 2:15 Uhr wurde ich abgeholt, um Mount Batur, einen aktiven Schichtvulkan mit einer Höhe von 1717m, zu besteigen und von dort den Sonnenaufgang zu genießen. Nach etwa einer Stunde Fahrt erreichten wir den Fuß des Berges, bekamen noch Tee und Kaffee und uns wurde ein Guide zugeteilt. Gegen 4:00 Uhr gingen wir los, um pünktlich zum Sonnenaufgang den Gipfel zu erreichen. Meine Gruppe bestand aus einem australischen Pärchen, einer Deutschen, dem Guide und mir. Wir kamen ziemlich gut vorwärts. Nach der Wanderung in Indien war das hier ein Zuckerschlecken. Mit Taschenlampen bewaffnet ging es immer weiter bergauf. Noch vor Sonnenaufgang hatten wir es geschafft. Als die Sonne aufging, versetzte es alle ins Staunen.
Dieser Ausflug hatte sich auf jeden Fall gelohnt. Oben gab es dann noch Frühstück und als alle Fotos im Kasten waren, ging wieder hinab. Das war natürlich weit weniger spaßig als das Genießen des Sonnenaufgangs, aber wir kamen alle unbeschadet unten an.
Wieder in der Unterkunft angekommen legte ich mich erst einmal schlafen. Für den Abend standen zwei Veranstaltungen auf meiner Liste: Meditation inmitten der Reisterrassen und Balinesischer Tanz. Die Meditation fand im Ubud Yoga House statt. Hier der Blick vom Balkon des Hauses.
Es war meine erste geführte Meditation. Es ging vor allem darum, die Vergangenheit und Zukunft auszublenden und das Jetzt zu genießen. In der Gruppe waren etwa fünfzehn Leute aus verschiedensten Ländern. Ich fand es super, den Reisestress einmal über Bord zu werfen und einfach zu entspannen. Von der Meditation ging es direkt rüber zum Balinesischen Tanz. Blöd nur, dass ich den Weg nicht finden konnte. Ich fragte mich durch und wurde in verschiedene Richtungen geschickt. Irgendwann hörte ich in der Ferne Trommeln und Gesang. Jedoch fand ich keinen Zugang. Das konnte doch nicht wahr sein! Die Veranstaltung lief schon über eine Stunde, als ich schließlich eine Art Hintereingang fand. Keiner wollte mein Ticket sehen, ich setzte mich einfach in die letzte Reihe. Keine Ahnung, was die Story war. Irgendwann sprang ein Mann durchs Feuer und brannte.
Am nächsten Tag begab ich mich wieder in mein Lieblingselement – das Wasser! Es ging zum Schnorcheln nach Nusa Lembongan. Ich hatte das vorher noch nie gemacht, wollte es also mal ausprobieren. Zunächst ging es mit dem Speedboat rüber zur Insel.
Dort bekamen wir unsere Ausrüstung und eine kurze Einweisung. Anschließend fuhren wir mit einem kleinen Motorboot zu drei verschiedenen Spots. Meine Kamera nahm ich nicht mit auf das Boot, ich wollte nichts riskieren. Die ersten paar Minuten im Wasser waren furchtbar. Man kann nur durch den Mund atmen und muss sich darauf verlassen können, dass die Luft durch den Schnorchel ankommt. Natürlich versuchte ich immer wieder, durch die Nase zu atmen und wunderte mich, warum ich keine Luft bekam. Doch als ich irgendwann akzeptierte, dass ich nur durch den Mund atmen kann, fing ich an, es zu genießen. Ich sah wunderschöne Korallen, bunte Fische und sogar einen Babyhai. Irgendwann schaffte ich es sogar, ein ganzes Stück runterzutauchen, um die Korallen aus der Nähe zu betrachten. Dank der Schwimmflossen kam ich super vorwärts. Ich hatte eine Menge Spaß. Erst später erfuhr ich, dass alle anderen in meiner Gruppe bereits Erfahrungen mit dem Schnorcheln hatten, einige hatten sogar einen Tauchschein. Nur ein anderer hatte es vorher noch nie gemacht und ging nach dem ersten Spot auch nicht mehr ins Wasser. Es war in jedem Fall eine wunderbare Erfahrung.
An meinem letzten Tag auf Bali sammelte ich eine weitere neue Erfahrung – ich ging das erst Mal zum Yoga, wieder im Ubud Yoga House. Die Mischung aus Dehn-, Balance- und Kräftigungsübungen war für mich der perfekte Start in den Tag. Anschließend ließ ich mir noch die Haare trimmen und bekam die schmerzhafteste Kopfmassage meines Lebens.
Danach hieß es Abschied nehmen von Bali. Meine Gastgeberin hatte mir eine günstige Fahrmöglichkeit zum Flughafen arrangiert. Am Check-In erfuhr ich, dass der Flug eine Stunde Verspätung hatte. Da ich drei Stunden vor dem Abflug am Flughafen angekommen war, hatte ich nun ganz viel Zeit, die ich mit meinen beiden Freunden Essen und Schlafen verbrachte.
Endlich war es soweit. Ich stieg in den Flieger. Nächstes Ziel: Sydney!
Was in Sydney so abgeht, erfahrt ihr im nächsten Eintrag.
A post shared by Josef Hiemann (@instajuppi) on Sep 17, 2017 at 10:02pm PDT