Schreibaufgabe #1: Erwachsen (Attack on Titan)
Wenn ich mal wieder eine kleine Schreibblockade habe, habe ich da eine ganz liebe Freundin, die mir wahllos fünf Wörter hinwirft und Spaß daran hat, was ich daraus zusammenpuzzle.
Da in aller Regel ziemlich zusammenhanglose Szenen dabei rauskommen, sind sie leider auch nicht als eigene FFs geeignet, aber ich finde, hier passen sie sehr schon hin.
Also, hier die erste von ... mehreren. Die Schlagwörter waren
Himmel, Unterwäsche, Ohren, Krawatte, Halskette
Verpackt habe ich das ganze in Traineealltag mit Eren und Jean, plus Erinnerung von Eren. Viel Spaß. ;)
Erwachsen
„Sag mal, was ist das eigentlich für eine Halskette, die du da immer trägst?“, fragte Jean mit einem Mal grummelnd und Eren sah ihn einen Moment lang verständnislos an. Er war gerade in Gedanken nicht wirklich da gewesen. Er hasste Hausarbeitsdienste und schaltete dabei in der Regel ziemlich ab.
„Achso, das hier?“, er schob den Wäschekorb in eine Hand und zog den Schlüssel heraus, den er um den Hals trug, „Der gehört zum Keller meines Elternhauses…“
Eigentlich wollte er noch fortfahren, aber Jeans Blick wurde auf einmal seltsam betrübt und er drehte den Kopf weg. Vermutlich wollte er nicht mehr darüber hören. Eren schnaubte innerlich, hielt aber den Mund. Eines Tages würde auch Jean einsehen müssen, dass es Realität war. Dass er mehr als einen Menschen kannte und kennen lernen würde, der durch die Titanen sein Zuhause oder seine Familie verloren hatte.
Eren schüttelte bei dem Gedanken den Kopf, schob den Schlüssel wieder unter sein Shirt und stellte den Wäschekorb vor den Leinen ab. Er wusste nicht genau, was sie aufhängen würden, er zog wahllos etwas aus dem Stapel und fing einfach an das braune Etwas auszuschütteln. Als er sich streckte, um an die Leine zu kommen – und sich fragte, welcher Idiot die so hoch gehängt hatte, damit ganz sicher einige Rekruten niemals daran kamen – ging sein Blick hinauf zu einer Wolke und blieb dort einen Moment. Sie erinnerte ihn an etwas. Nachdenklich legte er den Kopf schief und schmunzelte ein wenig traurig, als er schnell den Umhang nach oben warf, um den Blick zu versperren. Das war nicht die Zeit daran zu denken…
„Mama! Mama! Was ist das?“, fragte Eren und lief auf seine Mutter zu, die sich lächelnd zu dem kleinen Jungen herab beugte.
„Das nennt man Krawatte, Eren. Das tragen erwachsene Männer zu besonderen Anlässen.“
„Krawatte?“, wiederholte Eren und legte den Kopf nachdenklich schief, ehe er auf seine Hände hinabsah und die Krawatte suchend hochhob. „Und wie trägt man das?“, fragte er und wickelte sich den Stoffstreifen um den Kopf. „So?“
Seine Mutter lachte nun wirklich, drückte sanft seine Hände zur Seite und nahm ihm die Krawatte ab, um sie mit ein paar geübten Bewegungen richtig um seinen Hals zu finden. „Nein, Schatz, so. Man muss sie richtig knoten, siehst du? Das bringt Papa dir auch noch bei, wenn du größer bist.“
Eren murrte unwillig. Er mochte es gar nicht, wenn sie das sagte. So klein war er doch gar nicht mehr! „Warum kannst du es mir nicht jetzt zeigen?“
„Weil ich jetzt Abendessen kochen muss. Sei brav und renn nicht wieder weg, Eren, ja?“
Damit stand sie auf, wuschelte ihrem Sohn nochmal durch die Haare und verschwand in der Küche. Eren überlegte kurz ihr zu folgen, entschied sich dann aber dagegen und huschte nach draußen auf den kleinen Balkon, auf dem seine Mutter schon die Wäsche aufgehängt hatte.
„Ich bin doch kein Baby mehr…“, grummelte er und setzte sich auf das Geländer, stützte die Hände auf den Beinen ab und sah einem Vogel nach, der nach oben in den etwas trüben Himmel hinaufflog. Es würde vermutlich bald regnen, es waren ganz viele Wolken zu sehen. Sein Blick huschte eher desinteressiert darüber. Bis auf eine. Sie gefiel ihm. Sie sah aus wie ein Mensch, aber ein Mensch mit großen, weit aufgespannten Flügeln, wie ein Vogel.
Eren seufzte. Wie gerne hätte er Flügel und würde durch die Luft fliegen, über diese Stadt, hinaus, sehen, was da noch war. Da musste es einfach mehr geben. Es konnte doch nicht sein, dass die ganze Welt nur aus den Mauern und den Titanen bestand… es musste noch etwas anderes geben…
Er hatte das Warten satt, er wollte endlich groß sein und nach draußen. Etwas tun, irgendwas… er spielte gedankenverloren mit der Krawatte, die noch um seinen Hals baumelte, als ihm etwas einfiel. Erwachsene Männer trugen die? Sein Blick huschte zu der Wäsche herüber, zurück zur Krawatte und wieder zur Wäsche. Und ein begeistertes Strahlen breitete sich auf seinem Gesicht aus, als er vom Geländer sprang.
Eren konnte nicht anders, als bei der Erinnerung leise lachen. Als sein Vater etwa eine halbe Stunde später nach Hause kam, war Eren in seiner Unterwäsche aufgetaucht (weil das die einzige Hose gewesen war, die ihm nicht ewig zu lang war) und hatte ihm inbrünstig erklärt, dass er jetzt erwachsen wäre.
Als seine Mutter die durch das draußen spielen total versaute Unterhose gesehen hatte, hatte sie ihm am Ohr gepackt und eine Standpauke gehalten und er hatte anschließend die Wäsche schrubben müssen.
„Was ist so lustig?“, knurrte Jean neben ihm. Eren sah zu ihm herüber, als er die letzte Jacke aus dem Korb nahm und ausschüttelte. Für einen Moment überlegte er fast sich mitreißen zu lassen und ihm von dem Unsinn zu erzählen, den er als Kind fabriziert hatte, doch dann siegte die Vernunft. Jedem, aber nicht Jean, würde er davon erzählen.
„Nichts, ich habe mich dich nur gerade als Hausfrau vorgestellt. Dir steht das Kleid nicht.“, log er automatisch.
Und Jean starrte ihm einen Moment lang einfach nur fragend an.