ich werde wohl nie in worte fassen können, wie es sich anfühlt, nutzlos zu sein.
ich möchte es immer wieder versuchen, in deutsch, in englisch, aber ich versage jedes mal.
oft wünsche ich mir, philosophin zu sein, oder soziologin, oder kunstwissenschaftlerin, irgendetwas hochtrabendes, nur, dass ich etwas fundamentales zu dieser gesellschaft sagen kann. oder ich wünsche mir, mit einer gabe, einem talent dazu beizutragen, dass die welt ein besserer ort wird. ich wünsche mir, dass ich eine bessere kumpanin und freundin sein kann, mit mitgefühl und empathie, mit der fähigkeit, sich mit den problemen anderer auseinanderzusetzen und ratschläge zu geben, oder anregende diskussionen zu führen. ich wünsche mir mehr kreativität und den willen, dinge auszuprobieren. ich wünsche mir ein gebiet, ein thema, eine fähigkeit, etwas, in dem ich gut bin und mit selbstbewusstsein sagen kann: das möchte ich machen, dazu bin ich hier.
aber was ist, wenn ich nur hier bin, um nichts zu sein? kann es nicht auch möglich sein, dass ein mensch einfach nur sein soll, ohne dass er nach höherem strebt? und warum fühlt es sich so schrecklich an, diese erkenntnis, dass man zu nichts nutze ist? dass man niemals zu seiner wahren bestimmung gelangen wird. was, wenn die wahre bestimmung nur ein grundloses dahinleben bedeutet?
ich bin 26 und ich habe nicht die leiseste ahnung, wie meine zukunft aussehen könnte. ein ziel vor augen, andere in meinem alter haben das. ich nicht. und die suche nach diesem ziel dauert mir langsam zu lang. einen anhaltspunkt gibt es nicht. wo starte ich, und starte ich? wenn man nichts findet, an dem man sich festhalten kann, wo hält man sich dann fest? ist das abstürzen in die leere tiefe dann nicht vorprogrammiert?
wie schön wäre es wohl, wäre man ein tier... man lebt im hier und jetzt und muss entscheidungen treffen, sofort, sonst stirbt man mit sicherheit. ein mensch zaudert zu viel und ein tier darf sich das nicht erlauben. und tut es das, dann ist das der sichere tod. oft denke ich, dass es ein fluch ist auf dieser wunderbar bunten und viele wunder enthaltenden welt ein mensch zu sein. zu denken, zu sinnieren, entscheidungen zu treffen, die nicht unbedingt das beste für die welt bedeuten.
für mich ist es das. ein fluch. ich bin der graue und farblose flecken staub, den man wegputzen sollte, damit andere bunte lichterscheinungen den freien platz besetzen können und schillern und leben und eine bleibende erinnerung hinterlassen können. ich weiß, was nützt uns das alles, wenn die erde irgendwann nicht mehr sein wird? aber mit dem wissen zu sterben, dass man sein bestes getan hat, und dass man geliebt wurde, dass man vermisst wird, und dass man etwas hinterlassen hat, das die menschen nach dir vielleicht wertschätzen... ist das nicht, nach dem wir alle streben?
und deshalb empfinde ich mein dasein als fluch, denn ich weiß, dass ich nichts dergleichen hinterlassen werde. niemand wird mich vermissen, wenn meine zeit kommt und niemand wird je sagen: ja, sie hat mir sehr am herzen gelegen, sie war ein wundersamer mensch, sie hat großen eindruck auf mich gemacht.
ich bin kein mensch, der für großes bestimmt ist, und sei es noch so klein. dafür bin ich viel zu sehr scheusal und viel zu unsichtbar.
was ist, wenn natürliche auslese auch selbstmord beinhaltet? das ist etwas, über was ich schon lange sinniere. schließlich sind wir menschen ja im grunde genommen auch nur überintelligente tiere. wenn wir also uns selbst dem tod übergeben, könnte es nicht ebenfalls wie tod durch katastrophen, hunger, kometeneinschläge, blitztreffer, ertrinken, autounfälle, kampf gegen gegnerische individuen oder krankheiten eine art der auslese sein? oder empfindet der mensch die auslese niederer kreaturen durch schwäche und krankheit und kämpfe als gar zu unerträglich grausig wenn man sie auf die menschheit bezieht? höchstwahrscheinlich. selbstmord ist immer noch ein stigma. aber vielleicht tut man der menschheit ja einen gefallen damit, so sehr es die menschen vielleicht nicht wahrhaben wollen? ein mensch weniger, der diese erde zerstören kann.
oh, ich würde gern sagen können: jeder mensch ist wichtig, jeder hat einen nutzen. ich würde wirklich gern daran glauben, dass auch ich nicht vollkommen sinnlos auf die welt gekommen bin. aber mir fällt es schwer zu glauben. der glaube an etwas ist mir nicht in meine wiege gelegt worden. mein kopf empfindet glauben als eine utopie. eine wunderschöne, manchmal auch sehr gefährliche fantasie. ich denke, dass ich es nicht mehr erlernen kann, zu glauben, zu hoffen und mit diesem glauben und dieser hoffnung im herzen einen sinn des lebens zu finden.
und doch, ich habe angst vor dem tod und der möglichkeit meinem leben ein ende zu bereiten. selbst dazu bin ich zu feige. wie ich in allen dingen meines lebens stets zu feige bin um wirklich eine veränderung zu vollbringen. man sagt, man soll die angst bei den hörnern packen, nur dadurch kann man über sich hinauswachsen. mein hirn wiederholt aber immer wieder die gleiche leier: die hörner der angst sind viel zu gefährlich, überlass’ sie den stärkeren und fähigeren. ich weiß, dass ich mich dadurch immer mehr zu einem nichts verkleinere und schließlich irgendwann in leere übergehe. auch, wenn ich ich mir wünsche, dass das auf magische art und weise umgekehrt wird. aber magie ist nichts für ungläubige, die wirkung ist also nutzlos.
irgendwann wird es zu spät sein, die angst zu überlisten und sie zu stärke umzuwandeln. ich fürchte es könnte zu bald schon zu spät sein.
warum kann ich mich nicht als alte frau sehen? in meiner zukunft sterbe ich jung. in meinen träumen werde ich nicht alt. in meinen fantasien habe ich keine zukunft.
was für ein schlechter versuch, das gefühl der nutzlosigkeit und die daraus resultierende verzweiflung zu beschreiben. ich bitte um entschuldigung.