"Ich gehe deinen Onkel besuchen, Essen steht im Kühlschrank!", schrie meine Mutter, die sich, mit dem Telefon an einem Ohr, langsam aber konzentriert im Schlafzimmer meiner Eltern umzog. "Alles klar, danke!", rief ich zurück.
Meine Mutter besucht oft die Familie meines Onkels. Er hat eine liebenswürdige Frau, seinen Jüngsten, ein kleiner verspielter Einjähriger und seine Älteste, eine sechsjährige, intelligente Tochter. Die Kinder verstehen sich blendend mit meiner Mutter, die ständig mit meiner Tante auf der Terrasse des 2 Stöckigen Hauses sitzt und sich, mit ihr unterhaltend, einen Tee genehmigt. Beide, verheiratet mit einem ausländischen Mann der den ganzen Tag arbeitet, unterhalten sich oft bis in die späten Stunden des Tages über allerlei Kuriositäten aus ihrem Alltag. Die konstanten Besuche sind schon in den normalen Tagesablauf der beiden übergegangen, wie ein Ritual wird bei jedem Wetter der neueste Klatsch beredet. Da viele Verwandte der Zwei im Ausland leben, hilft man sich so in einem Land voll fremder Gesichter gegenseitig. Bewundernswerter Weise ergänzen sie sich und passen dadurch zusammen wie Dick & Doof. Wo der einen bei der Essenszubereitung ausgeholfen wird, wird der anderen in Sachen Internet weitergeholfen. Meißt’ findet man die beiden dann auch, total vom eigentlichen Thema abgeschweift, am Wohnzimmertisch lachend bei einer Tasse Tee wieder.
"Ich bin aber später bei D., nur dass du Bescheid weißt!", rief ich ihr durch den dünnen Schlitz meiner Zimmertür entgegen. "Wann wirst du denn losgehen?", fragte Sie. "Ich werde in einer halben Stunde meine Sachen packen, wieso?"
"Na dann kann ich dich ja Begleiten.", hallte es aus der Küche.
Einen Augenblick. Mir fiel ein, dass das Grundstück meiner Verwandten in entgegengesetzter Richtung lag. Wie war es also möglich dass-
Ich hatte vergessen, dass mein Onkel seit einem Monat verstorben ist und meine Mutter ihn regelmäßig besuchen geht. Am Nordfriedhof, der auf dem Weg zu meinem Freund liegt.