Das Sein ist das Nichts des Seienden: das Meer, Natur, die Gattung ist nur durch beständige Vernichtung der Welle, des Lebewesens, des Einzelnen. Aber das Seiende ist auch das Nichts des Seins: im ephemeren Einzelnen ist es als Allgemeines negiert. Das Sein ist erborgt vom unausgesetzten Hervorbringen und Vernichten des Seienden; insofern ohnmächtig und Schein. Und das Seiende, von dem es die Macht des Bestehens erborgt, ist dadurch das Mächtige und Wirkliche. Doch dies Mächtige ist gejagt von der Furie des Verschwindens, und jenes Ohnmächtige der ewig thronende Götze. Seine Dauer verdankt sich dem stets wieder gezollten Tribut, und die Pflichtigen sind ohne Dauer. Haben sie ihn erlegt, sind sie dahin. So ist es mit dem Sein, den ewigen Gatungen - so ist es mit der Natur bewandt. Sie ist dieser vor sich selbst verborgene Widerspruch, den erst die Analyse vor Augen legt.
Schweppenhäuser, Hermann: Zum Problem des Todes. in: Vergegenwärtigungen zur Unzeit? Gesammelte Aufsätze und Vorträge, Lüneburg, 1986: 222.












