Der Stern. / 26.02.2020

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Der Stern. / 26.02.2020
Ansichtskarte
POTSDAM Institut für Lehrerbildung
BILD UND HEIMAT REICHENBACH i.V., 1981
Foto: Mohr, Berlin
Annotation aus der FG Ostmodern
Philokartie am Samstag. Was vom Preisausschreiben bleibt.
Wer Ansichtskarten sammelt, weiß um den hohen Anteil und Wert von Gewinnspieleinsendungen. Völlig auf Vergänglichkeit von einer Woche zur nächsten ausgerichtet, leisteten diese Preisausschreiben einen nicht zu unterschätzenden zur Kulturerbesicherung.
Denn hätte der Saarländische Rundfunk nicht im Jahr 1992 den Kammersänger Günter Wewel eine Folge “Kein Schöner Land” durch die Landschaft seiner Heimat, nämlich das Sauerland führen lassen und wäre darin nicht die Aufforderung gefallen, doch bitte per Postkarte mitzuteilen, welcher Fluss denn nördlich von Winterberg aus dem Morast eines Hanges des Rothaargebirges tritt, dann hätte auch Frau F. , die offenbar an diesem Oktober-Donnerstag, mutmaßlich in ihrer Wohnung in einem um 1963 nach Plänen des heute nur noch wenig bekannten Diplom-Ingenieurs Florian Lorbeer errichteten Vorzeige-Siebengeschosser unweit der Alten Fahrt in der, allerdings nur noch für wenige Monate so heißenden, Albert-Klink-Straße, das Abendprogramm des Ersten Deutschen Fernsehens einschaltete, sicher nicht eine zehn Jahre alte Ansicht des Instituts für Lehrerbildung “Rosa Luxemburg”, erbaut als ein Herzstück der Potsdamer Ostmoderne nach Entwürfen des Selmanagić-Schülers Sepp Weber und seinem Team (Wolfgang Merz, Dieter Lietz und Herbert Gödicke), herausgesucht, um darauf korrekt anzugeben: “Nördlich der Stadt Winterberg entspringt die Ruhr und mündet in den Rhein.”
Im Anschluss wurde die vom Wuppertaler Grafiker Gerd Aretz stilisierte Quedlinburgerin Dorothea Erxleben, verkörpert einst 1963 durch die Schauspielerin Helga Göring in einer DDR-Fernsehproduktion, was Frau F. vielleicht noch erinnerte, als noch durch und durch westdeutsche Briefmarke, da bereits 1987 herausgegeben, aufgeklebt und, zum Ausgabezeitpunkt der Briefmarke unvorstellbar, mit einem kräftigen Poststempel “Potsdam 60” entwertet sowie anschließend auf den Sonderstempel “Potsdam 100 Jahre 993-1993” mit abstrakten Sanssouci-Schwüngen blickend auf die Reise nach Saarbrücken geschickt - W-6600, denn Fünf-ist-Trümpf-Rolf sollte erst im kommenden Sommer die neuen Postleitzahlen verkünden.
Aber da Günter Wewel führte und Frau F. folgte, liegt nun, dank welch verschlungener Überlieferungspfade auch immer, diese Ansicht vor uns und dass sie trotz Schwarz-Weiß-Abzug (Foto: Mohr) Potsdam-Gelb leuchtet, liegt auch daran, dass man sich selbst erinnert, zugleich aber staunt, wie großzügig man in der DDR mit dem Raum der Stadtzentren verfuhr und wie modern, darin fast bescheiden, das Bildungszentrum in die Stadt gestellt wurde. Fast wie schüchtern leuchten die Sterne nur versteckt ums Ecke.Urbanität entstand durch die Geschäfte im Erdgeschoss. Gut erkennbar ist die Werbebehauptung, es gäbe “Eleganten Chic” “Für Sie Für Ihn”, ein Anspruch der sich teils einlöst, an der Uniformkultur der DDR jedoch, wie man unschwer sieht, vorbeiging, aber wo ist das nicht der Fall? Die Menschen gehen ihrer Wege und dies weitgehend zu den Schaufenstern orientiert. Der enorme öffentliche Raum wird kaum genutzt, was zur Folge hat, dass die typische Strukturierung mit Sitzbänken, Pflanzschalen und Betonpapierkörben besonders artifiziell erscheint. Dass einer der Papierkörbe übervoll ist und somit die Ordnung stört, rettet die Situation ein wenig.
Ob Frau F. etwas gewonnen hat, ist nicht rekonstruierbar. Dass wir als Zurückschauende aber durch ihre Kartenauswahl etwas gewonnen haben, ist unabweislich, nämlich einen Rückblick auf einen verschwundenen Ort in einer vergangenen Zeit, der und die, wie die Welt eben so läuft, erstaunlich präsent in die Gegenwart nachwirken. (Berlin, 21.03.2020)
University of Applied Science (1970-74) in Potsdam, Germany, by Sepp Weber with Hartwig Ebert, Peter Mylo and Fritz Neuendorf. The building is severely endangered by demolition.
Das Hotel. / 23.09.2019
Taken in North Africa in the spring of 1942, these two photographs show Unteroffizier Franz Schwaiger and his BF109F, "Yellow 3" of 6./Jagdgeschwader 3 with his friend Sepp Weber. Gisela was the name of Schwaiger's Girlfriend.