SMWHH: Guter Grund zu Gründen.
Moderiert von Jennifer Schwanenberg, diskutierten Wolfgang Macht, Tabea Grzseszyk, Oliver Aligiani und Markus Huth über die Möglichkeiten des Gründens von Medien-Startups und die gängigen Probleme und Risiken.
Wolfgang Macht ist Gründer der Netzpiloten AG, damals noch eine Software für Touren durch das Netz (die immer noch funktioniert). Im Jahr 2001 platzte die Internetblase und die Netzpiloten mussten sich zwangsläufig weiterentwickeln. Das Magazin Netzpiloten.de existiert immer noch, hat sich seitdem öfters neu erfunden und ist inzwischen neben den Hello-Magazine nicht mehr das einzige Medienprodukt. Macht erzählte, dass das Gefühl ein Startup zu sein, in einem Medienunternehmen, was sich ständig verändert, nicht aufhört.
Das Hamburger Medium "Sieh die Welt" veröffentlicht Dokumentationen im Netz. Momentan läuft das Projekt spendenfinanziert, sie haben aber auch eine Art Bezahlschranke, bei der man für Inhalt mit einem Facebook-Like bezahlt. Die Gründer Aligiani und Huth haben aber feststellen müssen, dass das Internet nicht so spendenbereit ist, wie sie erhofft hatten. Hostwriter.org vermittelt Journalisten international. Das Startup ist bisher stiftungsfinanziert. Grzseszyk ist sicher, dass Unsicherheit und der Zwang zu Experimenten auch in Zukunft bleiben werden und das Projekt langfristig nur mit einer Mischfinanzierung überleben kann.
Warum gründet man?
Die "Sieh die Welt"-Gründer beantworten die Frage mit dem Wunsch, ihr eigenes Ding zu machen und der eigene Chef zu sein. Dann muss man sich von einem Stein zum nächsten arbeiten, und dran bleiben, bis einem nichts mehr einfällt.
Auf die Frage nach der Internetblase von 2001 antwortet Wolfgang Macht, dass es ein enormer Tiefpunkt war, vor allem nach einer Phase, „in der alles möglich war“. Nachdem mit einem Schlag alles weg war, kommt die Suche nach Alternativen und es entwickelt sich ein starker Trotz. Grzseszyk wirft ein, dass ihr Macht mit dieser Aussage große Hoffnung für die Zukunft ihres Startups mache. Er fährt damit fort, dass man dann seine Beweggründe rekapitulieren muss. In diesem Fall haben sie sich mit Bloggern zusammengeschlossen. Die Cash Cow des Unternehmens ist aber die Vermarktung von Gewinnspielen.
Tabea Grzseszyk sagt, dass das Internet ein großes Potential hatte, vor allem in den frühen Jahren, wo alles möglich war. Mittlerweile sind die Freiräume begrenzt und daher sehr umkämpft. Das Hostwriter kein super Geschäftsmodell ist und dass die Frage, wie Geld in das Startup kommen soll, immer noch ungeklärt ist, gibt die Gründerin zu. Heutzutage sei man gezwungen, sich auf Skalierbarkeit einzulassen, um weiterhin überleben zu können. Macht ergänzt, dass er keinen Grund sehe, warum das Internet nicht werbefinanziert sein soll. Huth erklärt, dass Medien-Startups es trotzdem sehr leicht haben, weil jeder anfangen kann, indem man zum Beispiel eine Website baut und man erstmal anfängt. Bleibt man auch dabei, findet man einen Weg.
Finanzierung
Auf die Frage, ob eine Anschubfinanzierung notwendig ist, antwortet Grzseszyk mit einem deutlichen ja, denn gerade im Medienbereich ist das ihrer Meinung nach wichtig. Investoren suchen eher „nach dem nächsten großen Twitter“ als nach kleinen Nischenprodukten. In dem Kontext stellt sie auch die GEZ-Gebühren infrage als Vorteil für Öffentlich-rechtliche Sender im Gegensatz zu kleineren Unternehmen, die eine wichtigere (jüngere) Zielgruppe ansprechen.
Huth erklärt, dass man erstmal gucken muss, wie die Marke ankommt und sich etablieren kann. Dann kann man seiner Meinung nach immer noch Investoren suchen, die sich für die gleiche Zielgruppe interessieren. Wolfgang Macht sagte dazu, dass es ein großes Startup-Problem sei, ob Startups erst Geld sammeln und dann loslegen oder erst loslegen und mit einem fertigen Produkt Investoren ansprechen. Crowdfunding würde dieses Dilemma seiner Meinung nach lösen.
Am Ende ging es nochmal kurz um die von den Netzpiloten geplante Blogger Business Lounge in Berlin, die das Netz anfassbar machen soll, indem sie Blogger im analogen Raum zusammen bringt. Netzpiloten-Leiter Tobias Schwarz wird darüber noch auf der Social Media Week berichten.
Insgesamt ein gelungenes Panel, das inhaltlich anspruchsvoll war und beim Zuhören Spaß machte.
Image: Alexandra von Heyl/Netzpiloten, CC BY 4.0










