Ein Netzpiloten Tumblr zum Live Blogging von Events und zur Dokumentation von all dem, was uns sonst noch so in unserem mobilen Redaktionsalltag passiert. Kernstück unserer publizistischen Arbeit ist und bleibt unsere Website Netzpiloten.de. 28.-30.09. – SFO:BoxWorks 2015 07.10. – PAR:Lady Pitch Night 2015 03.-05.11. – DUB:Web Summit 2015 11.-13.11. – MIL:Coworking Europe Conference 2015
Scoopcamp 2015: Thomas Wallner stellt Deep 360 vor
Der Produzent, Spieledesigner und Regisseur Thomas Wallner von DEEP inc., zeigt auf dem Scoopcamp 2015 den zahlreichen Zuschauern, wie man Dokumentationen lebensecht darstellen kann.
Mit der beeindruckenden 360°- Dokumentation „The Polar Sea“, führte Thomas Wallner die Zuschauer in seinen spannenden Vortrag ein. Seine Dokumentation ist die weltweit erste 360°- Doku, die in der Arktis gedreht wurde. In seinem Vortrag erklärt er, dass es vor allem wichtig ist, nicht nur Eisberge zu sehen, sondern das Gefühl zu haben, mittendrin zu sein und Einblicke zu bekommen, die man sonst nicht erhält.
Mit der sogenannten Virtual Reality-Brille sieht man nicht nur einen Film – man spielt quasi mit. Bei einem Test, den er seinem Publikum vorgestellt hat, zeigten die Nutzer, die diese Brille ausprobiert haben, ganz eindeutige Reaktionen. Mit einem Lächeln, nahmen sie die Brille ab. Und darauf kommt es Thomas Wallner an. Dass die Leute fasziniert sind von dem, was sie sehen, auch wenn man nach unten blickt und merkt, dass man gar keinen Körper hat.
Spannend ist vor allem, dass die meisten Tester versuchen, nach etwas zu greifen und den Leuten zu winken, die sie in der Virtual Reality sehen. Unser Gehirn empfindet die virtuelle Welt, in der man sich befindet, als real und so führt das den Menschen zu merkwürdigen Reaktionen.
Journalisten nutzen diese Form immer mehr und 360° Kameras werden ebenfalls vermehrt eingesetzt. Das Gefühl, sich in Krisengebieten zu befinden und beinahe hautnah dabei zu sein, vermittelt ein unvergleichbares Gefühl und setzt verschiedene Emotionen im Zuschauer frei. Der Mensch ist quasi der Protagonist in einem Film.
Allerdings gibt es auch diverse Probleme, die es noch zu lösen gilt. Alleine der finanzielle Aspekt spielt eine große Rolle, da die Produktionen nicht nur aufwendig sondern auch teuer sind.
Die Frage, ob es irgendwann alle Dokumentation in der 360° Version geben wird, verneinte Thomas Wallner allerdings. Dennoch war er der Meinung, dass es in Zukunft in jedem Fall mehr werden wird.
Scoopcamp15: Natalia Antelava über die Web-Plattform Coda Story
Natalia Antelava ist die Mitgründerin der Web-Plattform Coda Story, welche sie im Rahmen ihres Vortrags beim Scoopcamp 2015 genauer vorstellt.
Zu Beginn ihrer Karriere war Natalia Antelava freiberuflich in Westafrika unterwegs und ist seitdem für den BBC als Korrespondent im Kaukasus, Zentralasien, dem Mittleren Osten, Washington DC und Indien tätig. Außerdem arbeitete sie schon für den Guardian, das Forbes Magazin, die Washington Post und den New Yorker und wurde zudem für einen News & Documentary Emmy nominiert.
Antelava beginnt ihren Vortrag zu ihrem Startup Coda Story, zunächst mit einer Geschichte aus vergangener Zeit beim BBC. 2008 war sie für die BBC in Myanmar tätig, um über den Zyklon Nargis zu berichten, der zu der Zeit großen Schaden und Verwüstung im Land hinterließ. Während den Berichterstattungen stellte sie sich die Frage, warum man die Dinge nicht in einem größeren Kontext sieht. Der Journalismus wie wir ihn kennen, ist nicht für Fortsetzungen designt. Man ließt eine Zeitung und legt sie im Anschluss auf den Altpapier-Stapel, man guckt sich eine Sendung im Fernsehen an und sobald diese vorbei ist, war es das.
Mit ihrer Web-Plattform Coda-Story möchte sie dagegen vorgehen. Laut Antelava können wir die Dinge im digitalen Zeitalter von Grund auf anders machen. Coda liefert ausführliche Analysen zu Krisenthemen, verzichtet dabei aber auf Breaking News, sondern bleibt einer Story langfristiger treu. Eine neue Art, Krisen und komplexe Themen journalistisch zu erfassen und in seine Einzelteile zu zerlegen. So wird jede Krise in etwa ein Jahr lang abgedeckt.
Letztes Jahr gewann Coda Story bereits beim Global Editors Network annual summit im Wettbewerb „Best Startups for News”.
Ein sehr schöner Vortrag und ein interessantes Projekt für alle, die ebenfalls der Meinung sind, dass die Medien bei den Berichterstattungen zu viele Fragen offen lassen. Bleibt noch abzuwarten, ob sich das Prinzip durchsetzt und vielleicht sogar die Zukunft des Journalismus im digitalen Zeitalter, ein Stück weit mit revolutionieren kann.
BoxWorks: Box will sich als Plattform für digitale Geschäftsmodelle aufstellen
Die diesjährige BoxWorks wirkte fast wie nur ein weiterer Höhepunkte des Unternehmens, das bereits mit dem letzten Quartalsbericht mehrere Erfolge meldete. “Wir haben ein weiteres starkes Quartal abgeliefert, mit einem Umsatzwachstum im Vergleich zum Vorjahr von 43 Prozent und 45 Prozent mehr Rechnungen aufgrund der wachsenden Kundenbasis”, erklärte Box-Geschäftsführer Aaron Levie. In seiner Keynote nannte Levie weitere Zahlen: über 40 Millionen Menschen nutzen die Cloud-Plattform und mehr als 50.000 Unternehmen aus 72 Ländern sind inzwischen Kunden.
Die wirtschaftliche Entwicklung will Box nutzen, um in neue Produkte rund um die eigene Plattform zu investieren. Auf der BoxWorks präsentierte das Unternehmen einige der neuen Innovationen, die vor allem den Box-Kunden helfen, ihre Geschäfte zu digitalisieren. Wie zum Beispiel die iOS-App Capture, mit der Kunde schnell Fotos teilen und Sammlungen an Fotos organisieren können. Und einen neuer HD Video Player in Box, sowie die optimierte Darstellung von medizinischen Bildern und 3D-Interaktionen.
Box geht auch seinen Weg als mit anderen Plattformen interagierender Cloud-Dienst konsequent weiter. Die Zusammenarbeit mit Microsoft Office Online wurde intensiviert (auch durch das Abwerben von Fachpersonal), genauso wie mit der Adobe Document Cloud und Diensten wie Autodesk A360 und DocuSign. Jeetu Patel, für die Unternehmensstrategie und Box als Plattform verantwortlich, erklärte, dass Box die Grundlage für die digitalen Geschäftsmodelle anderer Unternehmen sein will. Jedes Unternehmen, dass auf Content in der Cloud basiert, kann mit Box als Plattform rechnen. Box Platform startet im Oktober.
Zach Watson bezeichnete die BoxWorks vor Kurzem als “größte Cloud-Konferenz der Welt”. Nach einem Vormittag auf der Konferenz ist mir auch vollkommen klar wieso. Eröffnet wurde die BoxWorks mit einem Fireside Chat zwischen Box-Mitgründer und heutigem Geschäftsführer Aaron Levie und Apple-Chef Tim Cook, der mit seinem jüngsten Erfolg – 13 Millionen verkaufte iPhones in nur drei Tagen – angekündigt wurde.
Tim Cook ist nicht oft auf solchen Events zu sehen (angeblich ist er mit Levie befreundet), weshalb das Publikum seine Anwesenheit zu schätzen wusste. Schon anderthalb Stunden vor der Session bildeten sich Menschenschlangen an den Zugängen zur Halle im Moscone Center. Den Apple-Chef wollte niemand verpassen. Morgen werden Cisco-Vorstandsmitglied John Chambers, sowie der Pixar-Mitgründer und heutige Disney-Präsident Ed Catmull, wohl ein ähnliches Interesse auslösen.
Und diese drei Branchengrößen sind nur die bekanntesten Gäste einer Veranstaltung, die erst zum fünften Mal stattfindet, von einem Unternehmen, das gerade einmal zehn Jahre alt ist. Dazu kommen weitere Weltfirmen, die ihre führenden Manager geschickt haben. Der Grund dafür liegt zum einen in der Entwicklung von Box, aber auch in der Bedeutung der Cloud für die heutige Wirtschaftswelt. Watson hat schon Recht mit seiner Aussage, Box hat mit der BoxWorks die wohl größte Cloud-Konferenz der Welt gegründet.
Heute und morgen werde ich von der Veranstaltung in San Francisco berichten, sowohl auf Twitter als auch hier. Im Anschluss wird es dann Artikel über die Themen der BoxWorks wie gewohnt auf Netzpiloten.de geben.
Auf dem Reeperbahn Festival 2015, wurde über die fehlende Vielfalt im Radio stark diskutiert.
Aus den Top 100 Airplaycharts wurden 2014, nur drei Songs von unabhängigen Musikunternehmen veröffentlicht. Beim Anteil der Musik von aufstrebenden Künstlern, sieht das ganz ähnlich aus. Die Frage ist, woran das wohl liegt?
Streaming-Portale wachsen immer schneller und die Anzahl von Radiohörern nimmt deutlich ab. Die Meinungen waren bei dieser Diskussion sehr geteilt.
Eine der Meinungen war beispielsweise, dass das Label, von der ein Titel stammt, nicht der wichtigste Aspekt ist. Wichtig sei vor allem, dass gespielt wird, was der Nutzer hören möchte und was ihm am besten gefällt. Radiosender müssen Bereitschaft zeigen, sich mit neuen Dingen auseinander zu setzen.
Von anderen Seiten war jedoch zu hören, dass es nicht immer nur um die Musik ginge, sondern auch um den informellen oder kulturellen Anteil in einem Sender. Außerdem müsse man Kinder und Jugendliche deutlich von einander differenzieren, denn bei ihnen gehen die Interessen ebenfalls weit auseinander.
Die Vielfalt an Theater, Klassik und Oper hat zwar stark abgenommen aber sie sind zu manchen Teilen immer noch erwünscht. Nicht nur die älteren Leute legen Wert auf gute Bildung und Informationen, sondern auch die jüngere Generation hat einen Bedarf an kulturellem Input.
Weiterhin hieß es, dass so gesehen jeder sein eigener Musikchef ist, denn man hört, was man will. Aber wenn immer alle nur das Gleiche spielen und keinerlei Abwechslung bieten, dann wird es schnell langweilig und vor allem uninteressant - diese Aussage erntete den größten Applaus.
Dass die Leute keine Auswahl im deutschen Radio haben, wurde oft zur Sprache gebracht und es wurde erkannt, dass die Lücke, die im deutschen Radio herrscht, gefüllt werden muss - und das mit intelligentem Radio.
Im Hinblick auf die Frage, ob Hörer überhaupt eine Chance haben, ihre Wünsche frei zu äußern, wurde mit dem Stichpunkt “Social Media” beantwortet. Soziale Netzwerke ermöglichen inzwischen auch den Einzelnen zu hören, auch wenn es immer noch schwierig ist durchzudringen.
Am Ende der Veranstaltung blieb die eigentliche Diskussion über den Titel “Alles nur geklaut” eher unberührt, da es viele Themen und Aspekte gab, über die gesprochen wurde. Und dennoch bleibt zu sagen, dass dieses Panel aufregend und spannend war.
Um die Frage zu klären, wie das Shopping von morgen aussieht, hat Claude Nahon von Mood Media, ein paar sehr interessante Ansätze geliefert.
Dass online und offline Absatzkanäle nahtlos ineinander übergehen werden, steht für Claude Nahon außer Frage. Im Hinblick darauf, welchen nächsten Schritt Marken in Zukunft machen werden, um eine emotionale Bindung zum Kunden zu schaffen, hat Claude drei goldene Regeln aufgestellt:
1. Schätze die Zeit des Kunden - Marken wollen ihren Kunden wertvolle Zeit beim Shoppen schenken, denn die Zeit ist ein wertvolles Gut. Laut Claude besteht nämlich heutzutage kaum noch großartig Toleranz für unnötiges Warten.
2. Liefere deinem Kunden zusätzlichen Nutzen - Gib dem Kunden mehr, als er braucht, denn die Kleinigkeiten machen das Shoppingerlebnis aus. Mit freiem WLAN, der Möglichkeit 24 Stunden am Tag zu shoppen oder Produkte virtuell zu probieren, dürfte wohl jeden Kunden begeistern.
3. Beschäftige Kunden während des Erlebnisses - Sind erst einmal die Sinne, sei es durch Musik oder visuelle Darbietungen, stimuliert, hat der Kunde eine sinnvolle Beschäftigung, um auch hier beispielsweise Wartezeiten zu verkürzen.
Anschließend ging Claude sehr detailliert auf die einzelnen einsetzbaren Effekte ein, die unsere Sinne auf eine schöne Art und Weise benebeln.
Musik: Sie affektiert den Kunden und dass Musik eine ganz besondere Wirkung auf uns Menschen hat, wissen wir wohl alle - aber auch Marken wissen das. Mit relaxenden oder fröhlichen Klängen, wecken sie in ihnen Erinnerungen und beeinflussen ihre Psyche und somit auch den Einkauf.
Gerüche: Sie dienen ebenfalls einer guten Stimmung - auch hier werden Erinnerungen im Kunden wach gerufen oder sie sorgen dafür, dass sie sich einfach nur gut fühlen.
Visuell: Mit visuellen Eindrücken können Kunden ebenfalls gewonnen werden. Auch mit ihnen kann eine ganz angenehme Atmosphäre geschaffen und ebenfalls lästige Wartezeiten überbrückt werden.
Aber auch die Technologie sollten sich Marken zunutze machen, denn mit ihr kann man den Kunden ganz besonders beeindrucken. Ein Virtual-Reallity-Erlebnis, kann nämlich ganz schön spannend sein, wenn man schon lange warten muss.
Als best practice nannte Claude Nohan die Firma Nespresso. Mit seiner einladenden Aufmachung (sowohl online als auch vor Ort) und leckeren Kaffeeproben manövriert es sich, genauso wie Hollister, nach ganz oben.
Reeperbahn Festival 2015: Chris Barton: How Shazam Connects Users with Bands & Brands
So ziemlich jedem ist Shazam ein Begriff. Die App zum identifizieren von Songs ist schon seit den Anfängen des Smartphones vertreten, allerdings ist Shazam auch eine Plattform, die Bands mit Fans zusammenführt und Radio- und Printwerbung mit zusätzlichen Inhalten auf dem Smartphone versieht.
Der Mitbegründer von Shazam Chris Barton, berichtet im Rahmen seiner Session beim Reeperbahn Festival über die Ursprünge von Shazam, wie der Dienst funktioniert und wie Shazam Brands und Bands unterstützt.
Barton beginnt mit allgemeinen Zahlen zum Unternehmen wie die Anzahl an Nutzern (100 Millionen aktive Nutzer) und den Marktwert (etwa eine Millionen Dollar). Im Anschluss kommt er zu der Funktionsweise von Shazam. Dazu zeigt er eine Werbung in Kooperation mit Coca Cola, bei der gezeigt wird, wie Shazam in Produkte integriert wird. Somit lässt sich per Shazam eine virtuelle Cola auf das Smartphone-Display zaubern, die sich dann auch leeren lässt.
Nachdem Barton aufgeführt hat, wie Shazam mit Brands verbunden ist, kommt er nun zu den Bands . Dazu zeigt er eine Liste mit Künstlern die bereits “shazamed“ wurden (die aktuelle Bezeichnung fürs taggen), wie jeder Künstler eine eigene Artist-Seite erhält und die Möglichkeit hat, selbst seine shazams zu veröffentlichen. Weiter zeigt er wie Shazam Künstlern dazu verhelfen kann Touren zu planen, indem durch den Dienst in Erfahrung gebracht werden kann, in welchen Städten es besonders positive Resonanz gibt. Außerdem wird an dem Beispiel von Alex Care gezeigt, wie Shazam dabei geholfen hat, nach anfänglichen Schwierigkeiten sein Album zu promoten.
Zum Abschluss wurden von dem Moderator Slaven Marinovic und aus Publikum noch paar Fragen gestellt.
Eine nette schön präsentierte Session, allerdings vom Inhalt nicht viel mehr als eine Produktpräsentation von Shazam, was den meisten inhaltlich ohnehin schon im Vorfeld klar war.
Wer noch mehr über Chris Barton und Shazam erfahren möchte, kann hier das Interview mit Tobias Schwarz für die Netzpiloten nachlesen.
Reeperbahn Festival 2015: Die Zukunft der Medien für klassische Musik
Heutzutage verlieren Printmagazine für Klassische Musik immer mehr an Auflage und der öffentlich-rechtliche Rundfunk fährt seine Klassik-Formate ebenfalls zurück. Im Rahmen der Reeperbahn-Festival Session, diskutiert das Panel um Moderator Gideon Gottfried über die Zukunft der Medien für Klassische Musik.
Zu Beginn wird das Panel kurz vorgestellt. Dieses setzt sich zusammen aus Torsten Groß, Chefredakteur der SPEX, Carsten Hinrichs Chefredakteur des Klassik- und Jazzmagazins RONDO, Mischa Kreiskott Moderator bei NDR Kultur und Hartmut Welscher Chefredakteur des digitalen Magazins VAN.
Angeregt diskutieren die Panel-Teilnehmer über die Rolle der klassischen Musik heutzutage und mit welchen Strategien man Klassik neue Plattformen bieten kann und neue Zielgruppen erschließen kann. In kleiner Runde wird in gemütlicher Atmosphäre angeregt diskutiert und die jeweilige Sichtweise preisgegeben.
Eines haben alle Vier aber gemeinsam: Sie möchten Klassik einem größeren Publikum zugänglich machen ( vor allem jüngere Leute) und die Neugier in ihnen wecken.
Reeperbahn Festival 2015: Digital & Famous - Showcase mit Europas spannendsten Musikbloggern
Bei der Session Digital & Famous stellen vier europäische Musikblogger ihre Arbeiten vor. Dabei erzählen sie aber nicht nur von beruflichen Dingen, sondern schildern ihren individuellen Weg ins Musikgeschäft.
Für den Musikjournalismus hat das Internet einige interessante und spannende Formate hervorgebracht. Beim diesjährigen Reeperbahn Festival werden die Besten aus Europa für eine rasante Vorstellungsrunde auf die Bühne geholt.
Den Anfang macht dabei die digitale Musikplattform Nordic Playlist. Diese bietet den Nutzern eine Route zur Entdeckung von Musik, durch kuratierte Playlisten, die eigenständig von den eigenen Lieblings-Künstlern und Trendsettern gewählt wurden. Dabei gibt es diverse Sektionen wie natürlich nordische Musik, Elektro, oder Pop. Live Events werden ebenfalls organisiert.
Als nächstes erzählt Matthew Young von Song, by Toad seine Geschichte und fasst praktisch seine letzten zehn Arbeitsjahre zusammen. Bei Song, by Toad handelt es sich um ein independent Plattenlabel und Musikblog mit Sitz in Edinburgh Schottland. Angefangen hat alles mit einem Musikblog, lange bevor Social Media existierte. Nach dem Blog ging es weiter mit Interviews gefolgt von den ersten Sessions. Gegründet wurde das Label im Jahr 2008 und seitdem wurden eine Reihe von bejubelten Alben veröffentlicht von Künstlern wie Meursault, Rob St John und Sparrow and the Workshop.
Im Anschluss kam Katrin von In Bed With zu Wort. Im Rahmen ihres Video-Blogs schlüpfen Künstler in Pyjamas und performen unplugged aus dem Bett heraus. Ab und zu wird dabei auch ein Interview geführt. Das Projekt startete vor rund 6 Jahren, dabei war die Intention, eine intime Atmosphäre mit dem Künstler zu schaffen. Ohne Sex-Talk! Meistens wird die Session dabei direkt dort aufgenommen, wo der jeweilige Künstler schläft, meistens also in einem Hotelzimmer. Der Titel ist übrigens inspiriert von in Bed with Madonna.
Den Abschluss machen die Hamburger Küchensessions. Seit 2010 werden regelmäßig Künstler in die heimische Küche zu einer Session eingeladen. Die Liste der über 160 Gäste ließt sich dabei wie das Who is Who der deutschen Songwriter-Szene. So sind neben internationalen Artists, Künstler wie Bela B und Olli Schulz mit von der Partie. Mit der Zeit entstand daraus sogar ein Label, sowie ein eigenes Festival, das Küchensession-Festival.
Ein Jahrhundert nach der Industrialisierung, kommt eine erneute Welle auf uns zu. Das vernetzte, digitale Zeitalter, mit wachsenden Daten und die daraus folgende Daten-Überflutung und radikaler Transparenz, hat uns eingeholt. Tim Leberecht hat in seinem unterhaltsamen Vortrag einen Einblick gegeben, was das für uns heißt.
“Wir brauchen eine neue romantische Bewegung”. Denn allmählich scheidet sich Business von der Menschlichkeit. Die heranwachsenden Technologien, machen es schwieriger menschlich zu bleiben. Tim Leberecht meint, dass alles viel einfacher wäre, würden wir doch unserer romantischen Ader gegenüber etwas aufgeschlossener sein. Dafür hat er drei einfache Regeln aufgestellt und diese seinem breiten Publikum vorgestellt:
1. Finde das Große im Kleinen
2. Behalte das Geheimnisvolle
3. Leide (ein bisschen)
Nachdem er die drei Regeln ausführlich und unterhaltend erklärt hat, ging Tim auf die Sicht des Kunden genauer ein. Denn gerade für den Kunden sollte man seine einfühlsame und vor allem romantische Art beibehalten, denn der Kunde merkt sich zwar nicht, was oder wie ihm etwas gesagt wurde - aber er erinnert sich an das Gefühl, was es in ihm ausgelöst hat.
Wir Menschen sind, laut Tim Leberecht, nicht romantisch genug, denn dabei ist der Mix, aus Einfühlungsvermögen, Intimität und Abenteuerlichkeit, das, was die Romantik ausmacht.
“Die Momente, in denen wir die Kontrolle verlieren, sind die Momente, in denen wir uns verlieben” - damit hat Tim Leberecht nicht ganz unrecht.
Abschließend gab er den Zuhörern das Zitat: “Um anzufangen - fang an!” - von William Wordsworth mit auf den Weg.
Wie sieht die Zukunft der Musikwirtschaft aus und was hat es eigentlich mit den Metadaten auf sich? Um diese und einige andere Fragen zu klären, haben sich Ollie Buckwell, Bill Wilson und Nathan Brenner zusammen getan, um darüber zu diskutieren und ihre Erfahrungen auszutauschen.
Nachdem alle Sprecher vorgestellt wurden und Bill Wilson als wohl wichtigste Person im Musikbusiness betitelt wurde, ging es dann los.
Um am Anfang einmal zu klären, was Metadaten eigentlich sind: Sie identifizieren einen Song. Sie sind die Informationen, die sich hinter einer Aufnahme verstecken. Und auch die Frage, welche Musik bezogenen Daten es überhaupt gibt, konnte schnell beantwortet werden. Der Künstler, der Preis, das Foto etc. Sie alle sind wichtige Metadaten, die zum Song dazu gehören. Und das zeugt natürlich auch von einer extremen Wichtigkeit für die Musikindustrie.
Die meisten Konsumenten wissen nicht, was alles hinter so einer Produktion beziehungsweise einem fertigen Song steckt und da entpuppt sich schon eines der großen Probleme der Musikbranche. Laut der Aussage, die in den Raum geworfen wurde, kauft der Kunde nur, was ihm gefällt und selbstverständlich nicht den Song, weil da besonders viel Arbeit hintersteckt. Dass der Kunde auch für alle weiteren Kosten hinter dem Song bezahlt, blendet dieser oft aus.
Der Fotograf, zum Beispiel, der das Cover für das neue Album geschossen hat, wird leider ebenfalls oft ausgeblendet. Die Konsumenten sehen eben immer nur den Künstler - nicht den Fotografen für dessen Foto. Das bezieht sich nicht nur auf Fotos, sondern auch auf die Arbeit, die das Unternehmen für die Aufnahme hat.
Der schwierige Teil, die Metadaten mit sich bringen ist, dass man diese nur schwer oder gar nicht rückgängig machen kann. Sind sie einmal draußen, dann bleiben sie oft und die Änderungen bedürfen einer Menge Aufwand.
Ein weiteres Problem kann außerdem die stetig wachsende Technologie sein. Aber nur, wenn man diese nicht im Auge behält. Wichtig ist, mit der digitalen Welt mit zu wachsen und ihr eine Chance zu geben - sonst hat man, vor allem im Musikbusiness, schnell verloren.
Abschließend kann man jedoch sagen, dass das eigentliche Geld und die eigentliche Arbeit sich oft hinter einem Song verbergen.
NEXT GOES REEPERBAHN FESTIVAL und wir Netzpiloten gehen mit. \o/ Heute Abend sind unsere Autoren Jenny Eilitz und Patrick Kiurina beim Startup-Pitch auf dem Reeperbahn-Festival und die nächsten beiden Tage dann auf Sessions der Digitalkonferenz und der NEXT.
Zum Schluss erzählen die Redner Ole Reißmann und Hakan Tanriverdi darüber, wie über die Jahre in Hollywood über Hacker berichtet wurde. Dazu zeigen die beiden Journalisten diverse Filmausschnitte, wodurch sich sehr gut sehen lässt, wie zu den jeweiligen Zeiten über Hacker nachgedacht wurde.
Das erste Beispiel ist der Film “Weird Science“ aus dem Jahre 1985. Also zu einer Zeit, wo noch nicht jeder einen Computer zuhause stehen hatte. Dadurch konnte Hollywood das Hacken mit Hilfe von 3D-Effekten visuell so darstellen, dass es im Gegensatz zur Realität unterhaltsam wirkt.
Danach folgt der Film “Hackers“ aus dem Jahre 1995. Auch hier kommen wieder haufenweise unrealistische Darstellung bezüglich Computertechnik und dem Vorgang des Hackens vor. Beispielsweise küsst ein Teenager seinen Computermonitor, woraufhin er einen Stromschlag bekommt. Zu dieser Zeit beginnt in den USA eine Debatte über das Internet, bei der die Leute anfingen über den “Informations-Highway“ zu sprechen.
Es folgen unter anderem weitere Beispiele aus den Filmen Password Swordfish, Enemy Of The State, sowie aus Skyfall.
Inhaltlich geht es aber immer um dasselbe, nämlich um die überzogene, unrealistische Darstellung von Hackern auf Seiten Hollywoods. Diese wird natürlich auch verwendet, um den visuell eher langweiligen Vorgang des Hackens etwas aufzupeppen.
Gegen Ende eines sehr unterhaltsamen und stimmungsvollen Vortrags, erwähnen die beiden Redner noch, wie mit der Zeit die anfangs sehr unrealistischen 3D-Animationen, heutzutage nicht mehr ganz so abwägig sind. Mit Produkten wie der 3D-Brille Oculus Rift, nehmen solche “Zukunftsvisionen“ langsam aber sicher Gestalt an.
In der dritten von drei Pitch-Sessions des Midemlab auf der diesjährigen Midem, stellten sich Startups zu den Themen Hardware und Internet Of Things vor.
VideoStitch
Den Anfang machte das französische Startup VideoStitch, das fünf modifizierte GoPro-Kameras um das Ende eines Stativs gebunden hat (keine Sorge, mehr Kameras sind möglich), und somit ein virtuelles 3D-Livevideo mit 360°-Rundumblick erzeugt, das durch eine Oculus Rift gezeigt werden kann. Dadurch kann man beispielsweise als Oculus-Ruft-Träger mit auf der Bühne während eines Konzertes stehen. Und das war es auch schon, für rund 8.000 US-Dollar pro Gerät. Geld verdienen will VideoStitch aber auch mit Software für das 360°-3D-Livevideoerlebnis. Die Jury wirkte etwas unbeeindruckt. Vielleicht lag es daran, dass jemand fünf modifizierte GoPro-Kameras um das Ende eines Stativs gebunden hat.
Trak
Das französische Startup Trak ist so eine Art festes Material gewordenes Shazam. Es bietet ein Wearable-Armband für 79 Euro an, dass sämtliche Musik trackt, die Nutzer hören, während sie das Armband tragen. Nach einem langen Tag voller Musik hat man dann die gesamte Musik des Tages in einer Playlist versammelt (zurzeit können bis zu 40 Lieder gespeichert werden). Dafür, dass es am Anfang sogar für 49 Euro gekauft werden kann, gab es voreiligen Applaus vom Publikum. Später möchte Trak durch an einen Anteil an den Transaktionen, die mit dem Armband getätigt werden, Geld verdienen. Neben dem Kauf von Musik kann das an sich jede Art von drahtloser Bezahlung sein, beispielsweise auch das Bezahlen von Getränken auf Festivals. Die Jury zeigte sich ebenfalls begeistert, vor allem aber wegen dem Wearable an sich. Sicherlich auch, da dieses Startup nahezu von Shazam aufgekauft werden muss. Trak war bisher das einzige Startup beim Midemlab, dass nahezu garantiert Gewinne für Investoren darstellt.
FretX
So richtig kann ich gar nicht erklären, was FretX ist. Es sieht aus wie ein Stück zerschnittener Lappen, den man sich irgendwie auf die Saiten seiner Gitarre heftet und dadurch eine Verbindung zu einem Lernvideo erstellt. Ja, ich weiß. Mir fällt es wirklich schwer das Produkt des französischen Startups aus Labana zu erklären. Der Jury gefällt es aber offenbar, auch wenn sie noch nicht überzeugt ist, dass Leute diesen Weg wählen werden, um Lieder auf der Gitarre zu lernen. Schaut euch doch einfach das Video an:
Hooke
Das US-amerikanische Startup Hooke startet wieder mit einem Vergleich: sie wollen das GoPro für Sound bauen. Im Grunde handelt es sich um ein Paar Kopfhörer, das gleichzeitig den uns umgebenden Sound in 3D aufzeichnet. Die Verbindung einer vollkommen neuen Art Geräusche aufzunehmen mit beinahe als Alltagsgegenstand anzusehenden Kopfhörern ist wirklich beeindruckend, die Anwendungsmöglichkeiten sind nahezu unbegrenzt – vom realistischen Geräusch einer Unterhaltung in einem Podcast bis hin zum Geräusch in der Kurve eines Fußballstadions. Sound wird so definitiv wesentlicher erlebbarer. Ich habe mich erst vor wenigen Tagen mit dem Hamburger Startup Audioguide.me darüber unterhalten. Sie sind vom 3D-Sound begeistert (sucht mal Videos dazu auf YouTube und schaut sie mit Kopfhörern) und ein Paar Kopfhörer von Hooke werden sie lieben. Die Jury wirkte so, als ob ihr nur die Verbesserung der Technologie als zukünftige Entwicklung zu wenig wäre, aber das sie es hier mit einem interessanten Projekt zu tun haben, war wohl allen klar.
Lucie Labs
Lucie Labs aus Frankreich hat ebenfalls ein smartes Armband hergestellt, nur dass das Wearable diesmal den Nutzern helfen soll, ein Liveerlebnis noch besser zu erleben. Quasi Augmented Experience vom eigenen Armband ausgehend, während man beispielsweise auf einem Konzert ist. Was heißt das? Die Musiker können die Armbänder als Teil ihrer Leuchtshow benutzen – sie blinken zum Beat. Und mehr können sie auch nicht, nur leuchten. Das Armband wird 25 US-Dollar kosten und zusammen mit Konzerttickets verkauft, mit der Nutzung des Services möchte das Unternehmen weitere Einnahmen erzielen. Die Jury schien, wer mag es ihnen verdenken, nicht sehr begeistert zu sein.
Rescued Ideas
Drittes Armband beim Midemlab ist das "The Basslet" vom Berliner Startup Rescued Ideas, das einem als Nutzer Musik in 3D erleben lässt. Keine Sorge, das ist weniger schmerzhaft als der berüchtigte Musikknochen im Ellenbogen, aber laut dem im Pitch gezeigten Video ein ebenso prägendes Erlebnis – nur eben mit einem Lächeln auf den Lippen. Im Grunde kann jedes Geräusch in ein haptisches Gefühl umgewandelt werden, das Geschäft kann sich also auch einmal von der Musik wegbewegen. Aber das ist Zukunftsmusik. Erst einmal soll durch den Verkauf des Armbands Geld verdienen werden, die Technologie kann auch mit Kopfhörern und Smartphones zusammen gedacht werden. "Pretty fucking awesome" war dann auch das erste Fazit der Jury. Es sieht so als, als ob Rescued Ideas als einziges deutsches Startup beim Midemlab 2015, den beiden Berliner Vorjahressiegern als diesjähriger Gewinner folgen könnte.
Immersive Album
3D, 360° und interaktives Audio scheint ein bereits relativ breiter Trend in der digitalen Musikbranche zu sein. Auch das britische Startup Immersive Album setzt darauf und arbeitet an einer Plattform genau dafür. Im Pitchvideo gab es deshalb schon diverse Testimonials von Branchengrößen. Die Technologie scheint in ihren Features riesig zu sein. Keine Ahnung, was die hier noch auf der Bühne machen. Demnächst wird wohl jedes zweite Plattenlabel zu den Kunden gehören, denn durch Immersive Album wird eine vollkommen neue Form der Interaktion mit den Fans möglich sein. Die erste Frage der Jury war dann auch, was sie hier noch wollen. Im erster Linie wohl um Profil zu gewinnen, und Kunden zu gewinnen, sicherlich aber auch wegen dem tollen Wetter in Cannes. Irgendwie ist es klar, dass Immersive Album zu den Gewinnern des Midemlab gehören werden, andererseits wäre das auch Schade, denn ein den Push in der Entwicklung nötiger habendes Startup wird wohl auf die Plätze verwiesen werden.
Belleds Technologies
MIT-Student Michael Chen vom US-amerikanischen Startup Belleds Technologies präsentiert "The Q", ein smartes Audio- und Lichtsystem. Das bedeutet, dass sich das Licht dem Beat der Musik anpasst – es leuchtet dann ganz aufgeregt. Neben dem vermeintlichen Spaß von bunten Lichtern und lauter Musik wird wohl auch Strom gespart… Es tut mir leid, aber ich sehe da überhaupt nichts in diesen "The Q" genannten Glühbirnen. Was soll das? Wieso wurde jemand dafür von Boston nach Cannes eingeladen? Noch mehr erschreckt mich, dass es wohl Airbnb-Vermieter gibt, die Verträge mit Belleds Technologies haben und "The Q" in ihre Wohnung integrieren. Vielleicht sollte ich doch wieder öfters ganz klassisch in ein Hotel gehen. Nur zur Sicherheit. Seltsam, dass die Jury wesentlicher gnädiger als ich war und dem Produkt sogar was abgewinnen konnte.
Phonotonic
Schon wieder ein Startup aus Frankreich: Phonotonic. In der Hardware-Kategorie gibt es erstaunlich viele französische Startups. Und dieses hier weiß wirklich zu beeindrucken: der vieleckige Würfel wandelt via die App sämtliche Bewegung in Sound um. Das muss man vielleicht gesehen haben, aber mit nur wenigen Bewegungen entstand ein toller Sound. Bei einem zu erwartenden Preis von 79,90 Euro und einer Freemium-App muss eigentlich nicht mehr viel gesagt werden. Shut up and take my money! Die Jury zeigte sich sehr neugierig auf Phonotonic. Verständlich. Zurzeit sind die Lager wohl alle (auch verständlich), aber bis Weihnachten soll es den Würfel wieder geben.
Prizm
Prizm also. Man könnte sich heutzutage auch einen anderen Namen geben. Stoierhinterziehung vielleicht. Oder so. Naja, vielleicht auch was, mit weniger Nähe zu unbeliebten Themen. Vielleicht ist die Überwachung durch US-Geheimdienste aber auch kein so großes Thema in Frankreich oder ein französischer Jan Böhmermann hat den Begriff noch nicht durch Satire weiter abgewertet. Aber ich schweife ab. Zurück zum Pitch des Startup Prizm, das seinen Nutzern automatisch Musik vorspielen will, die zum Kontext und dem der Leute in der Nähe passt. Das Gerät versucht also zu raten, und das bei mehreren Leuten, welche Musik jetzt passen würde und spielt sie automatisch ab. Dies können auch noch für den Nutzer unbekannte Lieder sein, wodurch Streaming- und Musik-Plattformen Zulauf haben könnten. Die Nachfragen der Jury zeigten dann, dass das Startup beim Lernverhalten noch aufholen muss, was ihnen aber bewusst ist. Chancenlos sind sie sicherlich hier nicht. Ich bin gespannt, wie der Verkaufsstart im Oktober anläuft.
Serienfan Ulrike Klode vereint „Berufsguckerherz“ mit „Fanherz“ und redet über starke Frauen in Serien. Allerdings beschränkt sich ihr Vortrag auf US-Serien, da die meisten einfach darüber erreicht werden.
Es gibt immer mehr spannende Serienfiguren und das Bild der Frauen in Serien hat sich über die Jahre deutlich verändert. Dazu stellt die Rednerin drei Frauenfiguren genauer vor.
Figur 1: Veronica Mars aus „Veronica Mars“: Wie lebt es sich im Reich der 90210-Teenager, wenn man arm ist? -> soziale Ungerechtigkeit
Figur 2: Alicia Florrick aus „The Good Wife“: Die Figur verbindet Karriere und Familie und das Durchsetzungsvermögen einer Frau
Figur 3: Clare Underwood aus „House of Cards“: Antiheldin, intrigiert sich ins weiße Haus, unnahbar, skrupellos
Und 3 Frauen hinter den Kulissen:
Amy Poehler: Schauspielerin, Comedian, Drehbuchautorin, Produzentin, all rounder
Shonda Rhymes: kreativer Kopf, hat eine Entwicklung durchgemacht: Von jeder Serie werden Frauen komplexer, selbstständiger und bedeutender
Jenji Kohan: Disruptorin der Branche
Was macht das mit den Zuschauerinnen? Ulrika Klode bevorzugt komplexe Frauenfiguren, allerdings gibt es mittlerweile einen gesunden Mix aus starken Frauen- und Männerrollen. Des weiteren gibt es Projekte, die ganz deutlich an einer weiblichen Zielgruppe ausgerichtet sind (beispielsweise Netflix-Serien wie „Orange is the new Black“ oder „The Fall“). Ulrikes Bevorzugungen sind allerdings nicht auf alle Frauen zu beziehen, dafür gibt es die Medienforschung, welche sagt, dass starke Figuren Vorbild sein können und dazu beitragen, dass sich das Selbstbild verändert. Aber wir müssen uns darüber austauschen, was es mit uns macht. Ulrike warnt aber vor unterschwelligen Botschaften.
Auch mit Männern machen starke Frauenfiguren etwas: selbst männliche Seriencharaktere kommen nicht um starke Frauen herum.
Hillary Clinton könnte profitieren: Wenn das in Serien geschieht, ist es nicht unwahrschenlich, dass auch Frauen das im realen Leben machen. Wir müssen darüber allerdings reden und uns austauschen.
Ein schönere Beitrag für das glückliche Serienherz.
Warum niemand mehr bloggt oder seine eigene Seite fürs Publizieren nutzen möchte und warum sich niemand für das Indieweb und reclaim.fm interessiert.
Zu Beginn seines Vortrags, räumt Felix Schwenzel gleich ein, dass der gewählte Titel eigentlich totaler Quatsch sei, da er im Rahmen seines Vortrags eigentlich zeigen möchte, warum das Indiweb seiner Meinung nach die Zukunft ist. Ob innerhalb oder außerhalb des Mainstreams – es boomt.
Die Frage warum sich keiner für Plattformen wie Indiweb und reclaim.fm interessiert ist einfach. Sie sind einfach zu kompliziert. Das Potential der Plattformen lässt sich zwar erkennen, allerdings ist es selbst für Technikaffine-Menschen sehr schwer zu verstehen.
Selbst Schwenzel erzählt, wie er sich damit schwer tut und auch nur halbwegs durchblickt. Das verdeutlicht er an dem Beispiel der Replies-Funktion: “Was sind z.B. Replies? Eine Antwort auf eine Antwort?“ Nach eigenen Aussagen hat Schwenzel sehr lange gebraucht um einen Durchblick zu bekommen, das gleiche gilt für reclaim.fm.
Im Anschluss geht Schwenzel genauer auf das Thema Bloggen ein. Was ist Bloggen? Und warum Blogge ich? Für Felix Schwenzel liegt die grundlegende Motivation fürs Bloggen darin, die eigenen Gedanken ausführlich zu strukturieren. Es ist für ihn eine Art kreative Selbstbefriedigung. Gehirnjogging bei dem ein permanenter Austausch mit der Welt und anderen Leuten stattfindet. Dabei handelt es sich natürlich nicht um eine allgemein gültige Definition, sondern um Schwenzels eigene.
Zu der Frage warum sollte man bloggen, gibt es nicht viel zu sagen, außer dass es einfach toll ist. Die Faszination ist schwer zu vermitteln. Bezüglich Einstiegshürden, sieht Schwenzel nicht so sehr die technischen Hürden als problematisch sondern vorwiegend psychologische. Kaum einer traut sich. Trotzdem hat sich in den letzten 5 Jahren etwas Entscheidendes verändert und zwar Social Media. Dort wird zwar nicht direkt ins Internet geschrieben, aber dafür Freunden, Familie etc. Das funktioniert laut Schwenzel zum einen, da es geringe technische Hürden gibt und zum anderen liegt es daran, dass psychologisch gesehen die Leute dort reden wo Leute sind (”wo die Party ist”) und nicht wo keiner ist, da es psychologisch frustrierend ist.
Bei den Erklärungsversuchen bezüglich Indiweb und reclaim wird es schwierig. Wie der Redner selbst diverse Male selbst sagt, ist es sehr komplex. Leider gilt das auch für den weiteren Verlauf des Vortrags. Für Leute die nicht gerade tief in der Materie stecken, ist es in dieser kurzen Zeit so gut wie unmöglich, einen Durchblick zu erlangen.
Als Beispiel für die guten Aspekte der Plattformen, macht Schwenzel ein Selfie und postet es auf Instagram. Durch eine Funktion wird der Post anschließend sowohl bei Facebook, als auch auf Twitter geteilt. Allerdings passiert das Ganze so schnell, dass man weder versteht wie es funktioniert, noch worin der Sinn bzw. der Bedarf dahinter liegt.
Für Felix Schwenzel ist spätestens durch das Instagram Beispiel klar, Indiweb hat Zukunft. Damit geht ein Vortrag zu Ende, dessen Thematik leider den Rahmen einer 30-Minütigen Präsentation sprengt und mich mit einem über meinem Kopf schwebenden Fragezeichen zurücklässt.
Nebenan: Meike Rensch-Bergner: Wertschätzung ist unsere Währung
Meike, oder auch bekannt als FrauCrafteln, sagt, dass Nähblogs mehr zeigen als nur schöne Bildchen und dass es um mehr geht, als das Thema Nähen und schöne Klamotten. Alles was in dieser Community geschieht, passiert durch einen wertschätzenden Umgang. In dieser Nische wird nur sehr nett miteinander umgegangen.
Blogs sind eine super Gelegenheit seine Meinung und deren Rückmeldungen auszutesten. Anfangs sahen alle Blogs für Meike aus wie Tagebuchblogs, aber mittlerweile ist die Definition viel zu eng. Blogs sind gut vernetzt, selbst produzierte Inhalte, welche ohne Türsteher zugänglich sind. Durch die Vernetzung untereinander passiert Aufmerksamkeit und Relevanz. Blogs sind kein flüchtiges Medium, denn in dem man Posts untereinander verlinkt, alle an einem Ort sammelt und es im Internet behält, bleiben sie erhalten.
Im Gegensatz zur gängigen Meinung sind Blogs nicht tod, sondern im Mainstream angekommen. Jeder schreibt über alles, es gibt sehr viele Nischen, welche spezielle Themen behandeln, die aber nur für ein Bruchteil der Menschen interessant sind. Dies steht im Gegensatz zu Foren: Dort wird zu einem Thema geschrieben, und es ist meist angenehm, wenn es beim Thema bleibt (ufert aber auch gerne mal aus). Bei Blogs geht es um den Menschen in Bezug zu dem Thema, man kann die persönliche Entwicklung des Menschen zu Thema verfolgen.
Man kann mit Nähen und DIY Umsätze machen, es ist immernoch kein überwiegend positives Thema. Aber es ist ein Trend und ein Thema, obwohl es in den Medien zurückhängt. Googelt man „Handarbeit macht“, erscheinen als erstes Suchergebnis „Handarbeit macht schlank“ und als zweites „Handarbeit macht glücklich“.
Das Überthema der Blogs kann man als „Special Interest Blogs“ bezeichnen, dazu gehören „DIY-Blogs“, unter das wiederum die Nähblogs fallen. Die Nähnerds, zu denen sich Meike zählt, sind ein weiteres Untergebiet davon. Nähnerds zeichnet sich davon aus, dass sie keinen „Quatsch“ nähen, also anstelle von Kinderklamotten und Sofakissen eher die eigene Kleidung herstellen. Diese Gruppe besteht überwiegend aus Frauen.
Es wird zwischen Handwerk und Handarbeit unterschieden (strickt geregelt über ne Kammer vs. eigene Nutzung, einfachere Werkzeuge). Das allerdings ist eine unsinnige Unterscheidung, denn nähen ist synonym zu schneidern, und schneidern ist ein Handwerk.
Wie relevant ist die Nische der Nähnerds? Es gibt ca. 1000 Nähnerds, und deutlich mehr NähbloggerInnen. Die Nähnerds sind sehr gut vernetzt, es findet viel gemeinsam statt. Die zentrale Plattform der Blogger ist der me made mittwoch. Dieser erreich eine große Reichweite (25.000 Klicks), und bedeutet viele Kommentare und Klicks für die verlinkten Blogger. Er wird unter anderem von Meike moderiert, Genähtes wie Kissen fliegen raus, die vorgestellten Kleider müssen getragen werden. Es gibt auch Themenevents, wie zum Beispiel der Blümchen-Monat-Mai.
Blogposts von Meike beinhalten meist ein Tutorial, also eine Anleitung mit Worten, Fotos und teilweise YouTube, im Bezug zum Werk und auf die Metaebene: Was macht das nähen und das tragen mit mir? Meist sind das lange Beiträge, welche aber tatsächlich gelesen und kommentiert werden mit konstruktivem Feedback.
Die Kultur des wertschätzenden Miteinander macht es den Frauen einfacher, sich zu zeigen und es verändert die Frauen und die Leser: es ist gegen das 90-60-90-Ideal, die Frauen auf der Plattform zeigen das echte Leben.
Daraus resultiert auch die zentrale Message: Hier darf ich mich zeigen! Bloggen ist das Medium, um zu zeigen, wie man wirklich ist und den Medien mit ihrem perfekten Bild etwas entgegenzusetzen.