irgend ---- wann
sprengen Wurzeln
den Asphalt.
Mauern bröckeln.
Grün
sprießt aus
den Zwischenräumen.
Achtsam wartet
stilles Leben
auf den Durchbruch.

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irgend ---- wann
sprengen Wurzeln
den Asphalt.
Mauern bröckeln.
Grün
sprießt aus
den Zwischenräumen.
Achtsam wartet
stilles Leben
auf den Durchbruch.
.
straßabwärts windet
.
sich ein sachter traum durch die
.
gedächtnisspalten
.
neu
keine tiere wohnen in den spalten türen dichten ohne quietschen es ist kein leben in den ritzen dreifach verglastes glas spart energie wo sonst die spinnen sitzen
»Spalte« – 20. Oktober 2025
Einladung zum Montagsgedicht
An fast jedem Montag gibt es um 16 Uhr auf dem Wortspielplatz Texte zu einem Stichwort. Wer will, kann mitmachen: Am Montag einen selbst verfassten Text zum Thema mit den Tags ‘montagsgedicht’ und ‘spalte’ versehen und in den eigenen Blog einstellen. x
Spalte, oder: sepiafarben blättert die Tapete
Im Schlafzimmer tropft es
von der Decke,
Stimmen, Wörter,
unverständlich
fallen aus der Tapete,
die sich drum herum
wölbt, als wolle sie nichts
damit zu tun haben,
und sepiafarben abblättert
~
An manchen Tagen tropfen
die Wörter lauter,
haben eigene Gedanken,
Bilder, Wünsche, Befehle -
wenn du nicht aufpasst
durchnässen sie dich,
wühlen sich in deine Haare
und flüstern dir von
dort aus zu
~
Aus dem Spalt heraus
tentakeln sich Tintenflecken
in unsere Welt, greifen
jetzt nach anderen Zimmern
halten sich fest,
fremde Worte, fremde Stimmen,
dunkle Schleier, wie
Tintentropfen im Aquarium
Tinte tropft in den Kaffee,
~
Duschkopf stottert tintentrüb
Worte, Wände voller Worte,
flüstern, sie sind in den Haaren,
flüstern mir zu, überall
tropfen in den Teppich, tropfen,
tropfen, fallen auf
den Sessel, die Armlehne,
schneiden sich ein, tief,
die Füllung tropft heraus,
~
tropft, Tinte, Worte,
Schreie aus dem Spalt
Decke, Schlafzimmer,
mach dass es aufhört,
bitte, sperrt es
weg! Es ist
zu viel, ist überall,
bitte!
---
Doktor Disko (2025-10-18)
Die Eidechse
Er betrachtete die strahlende Sandsteingöttin, die als sinnliche Schönheit in der Altarnische stand, bewacht von Nymphen und zwei eng ineinander verschlungene Drachen, die wie aus der Asche auferstandene Phönixe in einem ewigen Prozess der Erde aussahen. Auf einem Schenkel der Göttin entdeckte er eine smaragdgrüne Eidechse. Er wollte sich vergewissern, ob sie echt war, da huschte sie flink unter einer Spalte und verschwand. Damit hatte ihm die Echse ihre äußerst agile Lebendigkeit vorgeführt. Auferstehungsfähigkeit und Zeugungskraft geschahen von selbst, unabhängig von dem, was er sich dachte oder vorstellte, die Echse brauchte niemanden, sie konnte sich selbst am Leben erhalten.
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Untitled von Florian Thein Über Flickr: 2016, Aurich Yashica T5, Agfa Vista Plus 200