Ukraine – Teil I
Auch wenn es Ende Oktober / Anfang November sicher nicht die beste Reisezeit für die Ukraine ist, so freute ich mich riesig endlich dieses Land etwas kennen zu lernen. So ging es mit Silke für etwas mehr als 5 Tage nach Osteuropa. Das erste Ziel mag sicher für einige Leute merkwürdig anmuten. Es ging auf eine Tagestour nach Tschernobyl.
Die Sperrzone um das Kraftwerk kann man nur im Rahmen einer geführten Tour besuchen. Für mich war dies neben Kiew ein wirkliches Highlight der Reise. Die Eindrücke – besonders der verlassenen Stadt Pripyat direkt neben dem Kernkraftwerk – sind schwer zu beschreiben. Auf der Fahrt im Kleinbus von Kiew nach Tschernobyl wurden zunächst sehr interessante Dokumentationen gezeigt. Dies führte einem nochmals den unglaublichen Umgang mit dem Unfall und dessen Folgen vor Augen. Die Bewohner von Prpyat wurden beispielsweise erst nach 2 Tagen über den Unfall informiert und evakuiert. Eine Vielzahl von Menschen mussten in den ersten Tagen ihr Leben opfern um noch schlimmeres zu verhindern. Aber nun möchte ich nicht zu viel über die Geschichte schreiben, da dies auch nachlesbar ist.
Im südlichen weniger verstrahlten Bereich des Sperrgebietes findet man zunächst viel Natur, ein paar verlassene Häuser und den Ort Tschernobyl selbst. Dieser ist heute eine Art „Versorgungsort“ für Menschen die noch immer im Gebiet arbeiten. Anschließend ging es weiter zu den Reaktoren. Insgesamt sollten einige Kilometer nördlich der Stadt 6 Reaktoren entstehen, wobei zum Zeitpunkt der Katastrophe 4 Reaktoren fertig gestellt waren. Erstaunlicher Weise wurde noch bis ins Jahr 2000 in den Kraftwerken Strom produziert. Besonders das Reaktor 3 - welcher direkt am Unglücksreaktor 4 angrenzt - so lange in Betrieb gehalten wurde, überraschte mich sehr.
Vom Unglücksreaktor ist seit ca. einem Jahr nicht mehr viel zu sehen, da es durch internationale Zusammenarbeit möglich wurde einen neuen Sarkophag über dem Reaktor zu bauen. Dieser soll zunächst für mindestens 100 Jahre ein weiteres austreten radioaktiver Strahlung verhindern. Ein Wahnsinn was durch diese Technologie für die nächsten Generationen hinterlassen wird.
Die Strahlungswerte waren in dem von uns betreten Stücken übrigens gar nicht so hoch. Es gibt vereinzelte Stellen – besonders in Bodennähe – mit sehr hoher Strahlung, aber beispielsweise als wir ca. 500 Meter vom Unglücksreaktor standen, gab es nur eine leicht erhöhte Strahlung. Einmal traten allerdings während der Fahrt in der Nähe des „Red Forest“ extrem hohe Werte auf, welche allerdings nach ein paar Sekunden wieder deutlich abnahmen. Insgesamt haben wir an diesem Tag wohl weniger Strahlung als auf einem Transatlantikflug aufgenommen. Bei Verlassen der Sperrzone wird man übrigens an zwei Checkpoints nach Strahlung vermessen.
Für mich am beeindruckendsten war es die Überreste der Geisterstadt Prpyat zu sehen, welche als Wohnstadt für die Arbeiter der Atomkraftwerke sehr nah an den Reaktoren gebaut wurde. Es ist ein befremdlicher Ort, den rund 50 000 Menschen von heute auf morgen für immer verlassen mussten. Nach dem nun etwas über 30 Jahre vergangen sind, ist es erstaunlich zu sehen wie die Natur die Stadt zurückerobert hat. Wir sahen Überreste eines Vergnügungsparks, eines Schwimmbades, eines Supermarktes und natürlich unzähliger sowjetischer Wohnblocks. Vom Dach eines dieser Wohnblocks hatte man dabei einen sehr interessanten Blick über die Geisterstadt bis zum Kraftwerk. In welchem Zustand das Treppenhaus war, muss man glaube ich nicht weiter erläutern. Ich glaube in Deutschland dürfte man dies nie betreten.
Abschluss der Tour bildete die Besichtigung einer wirklich gigantischen Antennenanlage (Duga 3), welche Teil eines sowjetischen Raketenabwehrsystems war. Voller Eindrücke und Informationen ließen wir den Abend bei einem Spaziergang durch Kiew ausklingen.













