Ende April - Anfang Mai 2022
Der nachgerüstete Assistent
Wir sind für 12 Tage in Israel. An 7 Tagen davon haben wir einen Leihwagen, mit dem wir das Land erkunden. Es ist ein Suzuki Crossover S-Cross. Der hat Automatik und fährt sich vom ersten Meter ab ganz prima.
Beim ersten Einsteigen wandern die Augen über die Armaturen. Man muss sich ja vertraut machen mit dem, was einem da so angezeigt wird. Großartige Überraschungen sind zunächst nicht zu verzeichnen. Alles ist da, wo man es erwartet. Gut gefällt mir der Tempomat mit Abstandsregelung. Während meine Augen so hin- und herschweifen, entdecke ich ein ca. 6 bis 7 cm im Durchmesser messendes rundes Display, das beinahe verschämt links in der Ecke über dem Armaturenbrett sitzt. Am Rand sind auch ein paar Knöpfe angebracht, die ich erst mal nicht antaste.
Schnell stellt sich heraus, dass es eine Art Spurhalteabstandsverkehrszeichenerkennungsassistent ist. Wenn man nicht blinkt und eine Fahrstreifenbegrenzungslinie überfährt, piept es. Fährt man nach Meinung des Geräts zu dicht auf den Vordermann auf, piept es auch. Es zeigt auch den Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug vermutlich in Sekunden bei der aktuellen Geschwindigkeit an. Außerdem wird die – ebenfalls nach Auffassung des Geräts – im aktuellen Streckenabschnitt geltende zulässige Höchstgeschwindigkeit angezeigt. Hält man sich nicht an die Geschwindigkeit (+10 km/h) – es ist leicht zu erraten: Piept das Ding.
Es handelt sich offensichtlich um eine Nachrüstlösung. Als Hersteller identifiziere ich “Mobileye”. Hier findet man eine Art Test und Beschreibung. Zu dem Display gehört noch eine Kameraeinheit oben in der Mitte der Frontscheibe.
Damit wird ständig die Straße gefilmt und nach Objekten gescannt: Linien, Verkehrszeichen, andere Fahrzeuge, aber auch Fußgänger, wie ich durch einen weiteren lauten Piepton erfahre, als das Ding meint, dass da was mit einer Person auf der Fahrbahn zu knapp gewesen wäre. War es aber nicht.
Seit unser Volvo V40 verkauft ist, der ebenfalls Verkehrszeichen lesen konnte, was das neue (gebrauchte) Mobil nicht kann, interessiere ich mich tatsächlich für so ein Gerät. Darum beobachte ich etwas genauer, was es so leistet. Verkehrszeichen erkennt es leidlich gut. Es kommt einigermaßen häufig vor, dass Gerät und ich unterschiedlicher Meinung sind. Wie auch der Volvo erkennt es auch keine Ortsschilder (die in Israel auch tatsächlich SEHR unscheinbar sind: Nur ein rundes Schild mit einem kleinen Haus darin. Schon mit dem Volvo wurde einem daher gerne mal angezeigt, dass man innerorts 100 oder so fahren darf. “Mobileye” blendet das letzte Geschwindigkeitszeichen aber verhältnismäßig schnell wieder aus. Wann genau, habe ich nicht herausgefunden. Es kann etwas mit einmündenden Straßen zu tun haben.
Das Gepiepse beim (angeblichen) Verlassen des Fahrstreifens nervt mich schnell. Sooo gut und eindeutig sind die Fahrbahnmarkierungen dann auch nicht. Abgesehen davon will man im dortigen Verkehr auch niemandem mit dem “deutschen” Geblinke irritieren. Man fährt, wo Platz ist. Und man weiß, wo jemand, der schneller sein will, hinfahren wird: Da, wo Platz ist. Blinken scheint daher überflüssiger Luxus zu sein. Wichtiger ist, dass die Hupe geht!
Die Knöpfe am Display entpuppen sich als Lautstärketasten. Aber man muss dem Gerät bei jedem Fahrtantritt aufs Neue sagen, dass es ruhig sein soll. Das nervt schon ganz schön. Vielleicht möchte ich dieses Gerät doch nicht in meinem eigenen Auto haben.
Es sei denn, die Software ist hierzulande anders programmiert. Wie ich in den Tagen nach Abgabe des Leihwagens in Taxen und Bussen sehe, scheint dieses Gerät in israelischen Fahrzeugen Pflicht zu sein (ob auch in allen Privatfahrzeugen, weiß ich nicht). Darum erscheint es mir auch logisch, dass man das Gepiepse nicht dauerhaft abschalten kann. Was ich von den Taxi- und Busfahrern lerne, ist, dass man das Gepiepse aber anscheinend schnell zu ignorieren weiß.
(Markus Winninghoff)















