2020
Um 25 komme ich zur Arbeit, um 110 gehe ich nach Hause
Ich arbeite in der Zentralverwaltung einer großen deutschen Universität. Während für WissenschaftlerInnen Vertrauensarbeitszeit gilt, muss ich meine Arbeitszeit erfassen. Dazu schiebe ich morgens und abends eine altmodische Stempelkarte (“Zeitwertkarte”) in eine Stempeluhr, die sich am Eingang meines Dienstgebäudes befindet. Neben der Stempeluhr sind nummerierte Steckfächer, in denen man seine Karte aufbewahren kann. Manche KollegInnen schreiben ihren Namen auf die Karte. Die meisten belassen es bei der Nummer, die mit dem Steckfach korrespondiert. Ich finde es etwas fragwürdig, dass die Kartensteckfächer einfach offen zugänglich sind. Es ist allerdings keine Pflicht, die Karte dort aufzubewahren.
Die Stempeluhr “stempelt” mit einem Nadeldrucker auf die Karte eine Zahl, die der aktuellen Uhrzeit entspricht. Die Zählung beginnt um 6:30 Uhr bei Null, eine Einheit entspricht 6 Minuten. Ich muss im Durchschnitt 85 Einheiten am Tag da sein (8 Std. + 30 Min. Mittagspause). Wenn ich um 9 Uhr komme, stempelt die Maschine “25” in die Spalte “kommt”. Wenn ich um 17:30 gehe, stempelt sie “110” in die Spalte “geht”. Mit einer Taste an der Stempeluhr kann man auch manuell die Spalte wählen.
Am Ende des Monats übertrage ich die auf der Karte aufgedruckten Zahlen in ein Excel-Tool, das ausrechnet, wie viel ich im Monat gearbeitet habe. Es hat auch eine Funktion um Urlaubstage und Gleittage abzurechnen und eine Statistikfunktion. Die Arbeitseinheit-Summen schreibe ich auf die Stempelkarte. Die Karte werfe ich in einen Briefkasten, der von der Personalabteilung geleert wird.
Am meinem früheren Job, an einer großen technischen Universität, war der Prozess sehr ähnlich. Statt Zeiteinheiten druckte die Stempeluhr dort allerdings “Dezimal-Uhrzeiten” auf die Karte (14:30 Uhr = 14,5; 14:45 = 14,75 etc.). Das zugehörige Excel-Tool war etwas weniger elaboriert, ohne Urlaubstags- und Statistikfunktion.
An der technischen Uni gab es in neueren Gebäuden schon elektronische Zeiterfassungssysteme, bei denen man nur noch einen Chip an die “Stempeluhr” halten muss. (Kann sein, dass es das an meiner jetzigen Uni auch gibt, ich weiß es nicht). Auf dem alten Zentralcampus und in vielen anderen Gebäuden, die schon länger zur Uni gehören, gibt es aber weiterhin Papier-Stempeluhren.
(Laura)








