Fröhliche Weihnachten auf Netflix - Shitstorms, Prequels, und Selbstsabotage
Diese Woche hat Weihnachten offiziell begonnen, da Netflix beschlossen hat “Falling for Christmas”, den neuen Weihnachtsfilm mit Lindsay Lohan, schon jetzt online zu stellen, und die Welt daraufhin beschlossen hat ihn schon jetzt anzusehen anstatt ihn einfach, ich weiß nicht, auf die Liste zu geben und erst im Dezember anzuschauen, wie wäre es damit?! Aber nein, offenbar versteht die Welt den Sinn von Streaming Services immer noch nicht, und wenn man sich ansieht was manche von denen so treiben, dann verstehen die selbst ihren Sinn ja wohl auch nicht, also ist das wohl einfach so.
Ich habe es überlebt mir “Hocus Pocus 2″ nicht im September sondern erst am 30. Oktober anzusehen, und wenn ich Zeit dafür gehabt hätte, dann hätte ich mir den Film sogar am 31. Oktober angesehen, also zu Halloween! Genauso werde ich es überleben mir “Falling for Christmas” erst gegen Weihnachten anzusehen. Aber bis dahin hat Netflix andere Prioritäten, da die Weihnachtsgeschenke dort dann “Glass Onion” und die “Witcher”-Prequel-Serie, “The Witcher: Blood Origin”, sein werden. Die haben beide nichts mit Weihnachten an sich zu tun, haben aber nun mal dieses Startdatum bekommen, weil die Leute an den Feiertage mehr Zeit und Lust zum schauen haben, zumindest nehmen sie das an.
Allerdings dürfte das “Witcher”-Prequel nicht der Erfolg werden, den sich Macher und Streaming Service gewünscht haben, und daran ist Netflix selbst Schuld. Denn die mussten ja lange vor der Ausstrahlung der 3. Staffel von “The Witcher” verkünden, dass Henry Cavill in der vierten Staffel nicht mehr dabei sein wird. Normalerweise verkündet man solche schlechten Nachrichten so spät wie möglich, in diesem Fall also nachdem die dritte Staffel online gegangen ist, oder wenn man mit Außendreharbeiten für Staffel 4 beginnt, falls das früher der Fall sein sollte als die neuen Folgen online kommen. Und falls es eine Regnerationsszene direkt aus “Doctor Who” entnommen geben sollte, in der Henry Cavill aus irgendwelchen Gründen zu Liam Hemsworth wird, dann sagt man das eben, wenn die dritte Staffel online kommt. Natürlich bestand immer die Gefahr, dass Henry Cavill die Katze aus dem Sack lässt, aber er hat genau das eben nicht getan, es war Netflix, die irgendwie dachten, dass zwei Monate vor der neuen “Witcher”-Serie das Fandom gegen sich aufzubringen eine gute Idee ist.
Jetzt habe ich ja hier schon mal gefragt, was Netflix eigentlich gegen Liam Hemsworth hat um ihn in so eine Situation zu bringen. Die Lage wurde für ihn durch die Verkündung der Tatsache, dass er eigentlich immer schon in der näheren Wahl für Geralt war, nicht besser, sondern schlimmer, da nun die “Sie wollten in Wahrheit immer ihn und haben Henry Cavill deswegen absichtlich aus der Serie geekelt”-Theorie aufkommen kann. Das wäre nicht das erste Mal, dass so etwas passiert, nur das letzte Mal, dass das offen gesagt wurde, betraf es eine so kleine Rolle, die seit dem umgebracht und vergessen wurde (aka Fandral im MCU), weswegen sich niemand wirklich darüber aufgeregt hat, außer denen, die es wussten. Jetzt ist das aber anders, weil es die Hauptrolle ist.
Aber man sollte eben auch fragen, was Netflix eigentlich gegen Michelle Yeoh hat. Denn natürlich waren die Youtube-Kommentaren zum neuen Trailer nur voll mit “Get Henry Cavill back”-Posts, und es liegt durchaus im Bereich des Möglichen, dass ein großer Teil des Fandoms sich die Prequel-Serie jetzt einfach aus Trotz heraus nicht ansieht, der sie sich ansonsten sicher angsehen hätte. Das ist einfach nicht die Art von Promotion, die fair gegenüber Cast und Crew der neuen Serie ist. Vermutlich sind das nicht mal die gleichen Autoren und Produzenten wie bei der Mutterserie. Sprich, wir haben es mit lauter Leuten zu tun, die absolut nichts mit dem Recasting-Nonsense zu tun haben, die nun aber Schaden nehmen, weil Netflix nicht daran gedacht hat erst 2023 zu verkünden, dass es eine vierte Staffel ohne Henry Cavill geben wird.
Ich meine, normalerweise zittern wir nach jeder Staffel, ob es danach weitergeht, und dann gehen sie auf einmal hin und sagen uns lange vor der Fertigstellung von Staffel 3, dass eine vierte geben wird? Zugleich gibt es für einen scheinbar sicheren Kandidaten wie “Cobra Kai” immer noch keine Bestätigung für Staffel 6, und ja, wir wissen, dass das an Sony liegt, aber als aktueller Rechtsinhaber könnte Netflix ja zumindest irgendetwas zu dem Thema sagen um die Fans zu beruhigen und/oder Sony ein wenig unter Druck zu setzen, indem Fan-Power eingesetzt wird. Und was ist mit dieser ganzen Geschichte, dass schon Wochen lang bekannt war, dass “The Sandman” weitergeht, bevor Netflix das öffentlich bekannt gegeben hat? Und warum erhalten dann Ryan Murphy-Serien auf einmal so schnell Verlängerungen, selbst “Monster”, was eigentlich als Mini-Serie konzipiert gewesen war und teilweise durchaus gerechtfertig in der Kritik stand, wenn es wirklich wahr ist, dass die Angehörigen der Opfer nie darüber informiert wurden, dass die Serie gemacht wird? Ist Ryan Murphy irgendwie das Lieblingskind von Netflix, oder wie soll ich das verstehen? Ich meine, nach allem, was ihm von Fox im Laufe der Jahre angetan wurde, wäre es schön für ihn, wenn er mal einen Arbeitgeber hat, der ihn zur Abwechslung schätzt, aber wenn man von anderen Showrunnern noch vor Veröffentlichung ihrer ersten Staffeln Sätze hört wie: “Ja, natürlich würden wie die Roman-Trilogie gerne ganz verfilmen und eine zweite und dritte Staffel machen, aber wir müssen abwarten was der Algorithmus dazu sagt”, dann erkennt man da schon eine gewisse Resignation und Frustration bei den Kreativen.
Offenbar wird was Content angeht mit zweierlei Maß gemessen, und ganz zu durchschauen ist nicht wie das funktioniert, aber scheinbar ist es nicht mal eine Kostenfrage an sich, sondern eher so, dass Serien mit Fan-Following irgendeiner Art prinzipiell schlechter behandelt werden als solche ohne. Was eine sehr seltsame Logik ist. Sollte man nicht die Projekte, die mehr Menschen interssieren, besser behandeln anstatt schlechter?
Auf jedem Fall wurden Michelle Yeoh und ganz ”Blood Origin” ziemlich mies mit dieser ganzen Re-Casting-Bekanntgabe sabotiert. Und dabei scheint es fast als wäre das einfach nur passiert, weil “Witcher”-Fans sowieso alles fressen, was man ihnen vorsetzt, egal wie mies man sie behandelt. (Zwei Trailer gibt es schon, und man weiß eigentlich immer noch nicht worum es in dieser Serie wirklich gehen wird, was ein neuer Beweis zu dieser Theorie ist).
Netflix mag zwar denken, dass sie bestimmen können wann Weihnachten ist, wann wir uns Neuerscheinungen anschauen müssen (praktisch gleich, sprich im ersten Monat ganz damit wir im Alogrithmus aufscheinen), aber unser Weihnachtsgeschenk an uns selbst sollte sein, dass wir uns ein wenig Selbstrespekt schenken.
Feiert Weihnachten wann ihr wollt, lasst euch nicht vom Algorithmus erpressen, denn meistens bringt es sowieso nichts, dass wir brav in der ersten Woche alle neuen Folgen einer Serie bingen, im Grunde haben wir keinen Einfluss darauf was weitergeht und was nicht (siehe eben die ganze “Cobra Kai”-Situation), entspannt euch, genieß was da ist wann ihr wollt, und wenn ihr das tut, dann erinnert sich das Streaming Service eurer Wahl vielleicht auch wieder mal daran, was der Sinn eines Streaming Services ist. Und schaut euch einfach nicht an, was ihr nicht anschauen wollt. Aber bitte lasst den Grant auf gewisse Produkte und ihre Macher auch nicht an deren Spin-Offs aus. Shitstormed die, die es verdient haben, und nicht deren arme Couisns, die einfach nur eine gute Serie sein wollten.
Und wenn das alle tun, dann können wir vielleicht zumindest online ein einigermaßen friedliches Weihnachten feiern.










