Sommer, die Zeit, in der uns die Fernsehsender - scheinbar einfach weil sie es können –unsere geliebten Serien vorenthalten. Begründet ist dies dadurch, dass sich das heimische Fernsehen zunehmend an dem US-Fernsehen orientiert, wo die Network-Serien großteils von Mai bis Oktober in der Sommerpause sind, um den Produktionsteams auch einmal einen längeren Urlaub zu gönnen.
Lasst uns diese Pause also nutzen um uns der Zukunft, sprich dem Herbst, zu zuwenden und ansehen, was bei den amerikanischen Upfronts herausgekommen ist, sprich welche US-Serien der Networks nächsten Herbst auf die Bildschirme zurückkehren und dadurch in weiterer Folge vermutlich auch irgendwann bei uns zu sehen sind.
Bei ABC war der Seriensensenmann dieses Jahr erfreulich zurückhaltend, was die Serien angeht, die ich mag. Es hat lediglich „Resurrection“ erwischt, was also bedeutet, dass wir, wenn die zweite Staffel ein ähnliches Erzähltempo vorlegt wie die erste, die bei uns zur Zeit auf VOX zu sehen ist, wohl keine Antwort, auf die Frage, was zum Teufel in dieser Serie eigentlich vor sich geht, bekommen werden. Es sei Interessenten also angeraten sich stattdessen lieber der Romanvorlage zu zuwenden, die allerdings „The Returned“ heißt, aber nichts mit der gleichnamigen US-Serie zu tun hat, die wiederum ein Remake der viel gepriesenen französischen Serie „Les Revenants“ ist, die ihrerseits auf dem gleichnamigen Film basiert. (Schon verwirrt? Willkommen in Club! Auf jeden Fall sind es jeweils verschiedenen Versionen von zwei Stoffen, die sich mit der Frage auseinandersetzen, was passiert, wenn Tote auferstehen und in unser Leben zurückkehren anstatt unsere Gehirne essen zu wollen).
„Revenge“ wurde auch beendet, was aber nicht überraschend kommt, und angesichts gewisser Plotwendungen der letzten Jahre vermutlich auch überfällig war. Ebenfalls abgesetzt wurde die neue Genreserie „Forever“, zu der es schon die ersten Rettungskampangen gibt, die darauf hoffen, dass sich Netflix dem unsterblichen Gerichtsmediziner Henry Morgan annimmt. Meine Meinung dazu: Wenn Netflix schon eine Serie mit Ioan Gruffudd wiederbeleben möchte, dann sollten sie bitte Sarah Michelle Gellar anrufen und eine weitere Staffel „Ringer“ machen. Allerdings habe ich „Forever“ nie gesehen, also bin ich da wohl etwas voreingenommen.
Wie schon erwähnt war ABC dieses Jahr erstaunlich großzügig und hat scheinbar auch mehr Wert auf Kritikerreaktionen als auch Quoten gelegt, was erklärt warum sowohl „Galvant“ als auch „Agent Carter“ verlängert wurden. Letztere bekommt in ihrer 2. Staffel zehn Folgen spendiert, anstelle von nur acht. Ob sich das auf die Episodenanzahl von „Agents of Shield“ auswirken wird, als deren „Midseasonbridge“ Peggy Carter wohl wieder fungieren wird, ist noch unbekannt. Was bekannt ist, dass der Bobbi/Hunter-Spin-Off der eigentlich kommen sollte, sowie der zweite geplante Spin-Off, vorerst gestorben sind. Es ist anzunehmend, dass die entsprechenden Storylines stattdessen in die 3. Staffel eingebaut werden. Luke Mitchell (Lincoln) und Henry Simmons (Mac) werden in dieser 3. Staffel übrigens in den Hauptcast befördert.
„Castle“ geht scheinbar nun doch mit Stana Katic in eine 8. Staffel (sehr zu unserer Erleichterung, denn Castle ohne Beckett wäre witzlos), dafür dürfen wir uns von Captain Gates verabschieden. „Once Upon a Time“ bekommt wie zu erwarten war eine 5. Staffel und „Grey’s Anatomy“ eine 12. „Grey’s“ sage ich für diese allerdings eine drastischen Quoten-Abfall voraus, ich weiß ja, dass die Leute, die diese Serie immer noch schauen im Prinzip alles mit sich machen lassen, aber diesmal könnten die Autoren doch zu weit gegangen sein. Wie hieß es so schön vor einigen Wochen im Internet „This is Grey’s Anatomy not Game of Thrones!“.
Ach ja, und nicht zu vergessen: „The Muppets“ sind zurück in Serie! Die neue Serie wird ein Mockumentary in der alle bekannten und geliebten Muppets mit dabei sein sollen und wir einen Blick hinter die Kulissen ihrer Late-Night-Talkshow werfen. Hab ich schon erwähnt, das ABC dieses Jahr zum Großteil richtige Entscheidungen getroffen hat?
Kommen wir zum CBS. Als erstes: „C.S.I.“ ist nicht mehr, die Franchise geht durch eine zweite Staffel vom neuesten Spin-Off „CSI: Cyber“ mit Ex-Medium Patricia Arquette weiter, doch die Mutterserie wurde eingestampft. Zumindest fast, denn angeblich soll es für treue Fans ein Abschiedsspecial im Herbst geben. Dass „The Mentalist“ und „Two and a Half Men“ ebenfalls zu Ende gegangen sind, dürfte jeden bereits bekannt sein, das Finale der halben Männer durften wir erst kürzlich auf Pro7 durchleiden. Die anderen bekannten CBS-Sitcoms („2 Broke Girls“, „The Big Bang Theory“, „Mike&Molly“, „Mom“) gehen alle weiter. Die „NCIS“-Franchise (früher war es mal die „JAG“-Franchise, da „NCIS“ ursprünglich als Spin-Off von „JAG“ begann, ich mein ja nur) geht auch dreifach weiter (ja, auch die L.A.-Version). „The Good Wife“ hat erfreulicherweise trotz den alljährlichen Unkenrufen auch wieder mal die Kurve gekriegt, genau wie die Remake Version von „Hawaii 5.0“, „Criminals Minds“, „Elementary“ und „Blue Bloods“. „Person of Interest“ geht auch weiter, allerdings mit einer verkürzten Staffel, was ein schlechtes Zeichen für die Zukunft der Serie sein könnte (denn verkürzte Staffel sind das meistens) und sehen werden wir diese Staffel vermutlich auch erst nächstes Jahr. Aber immerhin geht es weiter mit Finch und Reese.
Aufregendste Neubestellung des Senders ist nicht der neueste „Criminal Minds“-Spin-Off, sondern: „Supergirl“ mit ehemaligen „Glee“-Goldkelchen Melissa Benoist, die auf Grund der Serien ihren Auftritt im „Glee“-Finale versäumte. Blondiert soll sie als Kara-El aus dem Schatten ihres Cousins treten. Nach dem ersten Preview zu schließen, wird ihr das mit Bravour gelingen und wenn die Serie die Pilotqualität hält, könnte „Supergirl“ der ganz große Hit der neuen Serienseason werden (oder der ganz große Flop, weil Qualität selten zieht). Ursprünglich hieß es wegen überschneidenden Produzententeams, dass die Serie im „Arrow/Flash“-Universum spielen könnte, nach dem Preview bin aber nicht überzeugt davon, da es SPOILER Superman scheinbar als bekannte Größe im „Supergirl“-Serienversum gibt SPOILER Ende, doch nachdem Zeitlinienspielereien in „The Flash“ würde ich es dennoch auch nicht ausschließen. Calista Flockhart spielt in der Serie übrigens Karas Prada tragende Chefin Kat Grant.
Kleine aber fein ist das CW-Programm: Fans von „Hart of Dixie“ dürften weinen, alles andere geht aber weiter. Schon sehr früh wurden die neuen Staffeln für „The 100“, „Arrow“, „The Flash“, „Supernatural“, „The Vampire Diaries, „The Originals“ und „Reign“ bestellt. Auch „iZombie“ und „Jane the Virgin“ gehen weiter und auch das unerklärliche Phänomen der jährlichen „The Beauty and the Beast“-Remake-Verlängerungen ist ungebrochen (wenn ich nur wüsste, wer da mit wem schläft).
Sorgenkind hierbei ist „The Vampire Diaries“, denn SPOILER Nina Dobrev verlässt die Serie mit Ende der 6. Staffel SPOILER ENDE. Dass das keine Auswirkungen auf die Quoten haben wird, kann ich mir einfach nicht vorstellen. Weitere Neuigkeiten zur Serie: Nachdem Steven R. McQueen die Serie ebenfalls bereits im Verlauf der 6. Staffel verließ und Michael Trevino zum Nebendarsteller herabgestuft wird (was, lasst uns ehrlich sein, keinen großen Unterschied zu Tylers Screentime in den beiden vorhergehenden Staffeln machen wird), besteht der Hauptcast für die 7. Staffel nur noch aus: Paus Wesley, Ian Somerhalder, Kat Graham, Zach Roerig, Matt Davis, Candice Accola und Michael Malarkey. Nina hat bestätigt, dass sie zumindest im Serienfinale dabei sein möchte und Steven R. McQueen hat über Gastauftritte zumindest verhandelt, trotzdem wird sich das Feeling der Serie sehr ändern und Bamon-Shipper dürften vielleicht endlich glücklich werden (was mir überhaupt nicht schmecken würde, aber da es alle anderen wollen, sehe ich es als Schwert des Damokles über uns schweben).
Spin-Off „The Originals“ hat das Schwestern-Problem, dass sich seit Claire Holts Serienausstieg in der 1. Staffel stellt, unterdessen dadurch gelöst, dass in der 3. Staffel die andere Schwester zur Hauptfigur befördert wird. Unterdessen schockiert uns die Serie vor allem mit einer Tat von Klaus am Ende der letzten Staffel, die die Karten die New Orleans mal wieder neu mischen dürfte.
Was das andere CW-Serienuniversum betrifft: OMG! „Arrow“ und „The Flash“ kriegen Zuwachs. Eigentlich gleich zweifach, wegen dem animierten Spin-Off „Vixen“, aber viel aufregender ist der 2016 kommende Spin-Off „Legends of Tomorrow“, in dem Arrow und Flash zumindest im Pilotfilm mit dabei sind, der sich jedoch um andere bekannte Figuren aus dem Serienuniversum dreht die als Team zusammenarbeiten müssen um die Welt zu retten. Rory hat die Tardis gestohlen und reist als Rip Hunter (Arthur Darvill) in die Vergangenheit und rekrutiert dort ein ungewöhnliches Team aus Helden und Schurken, zu dem Ray Palmer (Brandon Routh), Hawkgirl (Ciara Renee), Captain Cold (Wentworth Miller), Heatwave (Dominic Purcell) und Dr. Martin Stein (Victor Garber) gehören. Für Aufregung sorgte der geplante Spin-Off aber vor allem deswegen weil Caity Lotz als White Canary ebenfalls zum Team gehört. Der erste Trailer scheint zu bestätigen, dass Sara Lance doch ins Leben zurückkehrt, was Fans weltweit glücklich macht. Der Hype um die Serie hat schnell begonnen und ist wie es scheint gerechtfertigt, selbst wenn die Serie nur die Hälfte von dem, was sie verspricht liefert. Zuvor dürfen wir uns in den Mutterserien auf mindestens ein weiteres Crossover-Event freuen und während sich die Produzenten, was „Arrow“ betrifft, ziemlich bedeckt halten, wissen wir, dass in der besten neuen Serie der letzten TV-Season („The Flash“) multiple Zeitlinien eine Rolle spielen werden. Wer braucht die JLA-Reihe, wenn das Fernsehen so viel besser ist?
Zu Fox: Bekannterweise ging „Glee“ ja mit einer verkürzten teilweise sehr schrecklichen 6. Staffel zu Ende, schloss jedoch mit einer der besten Folgen überhaupt als vorletzte Folge und einem wirklich gelungenen Serienfinale, und auch ansonsten hält sich die Begeisterung über das Serienprogramm des Senders durch sehr gemischte Neuigkeiten irgendwie in Grenzen.
Zuerst mal zu den eher guten Neuigkeiten: „Gotham“, „New Girl“, „Bones“ und „Family Guy“ bleiben dem Sender erhalten, was die Fans freuen dürfte. „Sleepy Hollow“ bekommt eine dritte Staffel, wer allerdings einen Blick auf die Forderungen des Senders an die Produzenten geworfen hat, dürfte sich wünschen, dass es nicht so wäre. Weg von der Mythologie und hin zu Monster oft he Week-Episoden? Nein, das hören die Fans nicht gerne. Ebenfalls nicht gerne hört man, dass Harry Shearer die „Simpsons“ verlässt und als gezwungene Reaktion darauf neue Sprecher für seine Rollen gesucht wurden/werden. Offenbar steuert Fox die Staffel 30 für die Serie an, länger wird es aber vermutlich nicht weitergehen und die Frage ist, ob es überhaupt eine gute Idee ist eine Serie so lange über ihre Blüte hinaus leben zu lassen, auch wenn die Quoten immer noch stimmen.
Rückkehrer des Jahres ist eine neue verkürzte Staffel von „Akte X“, die wir erst 2016 zu sehen bekommen werden. Ob das gut oder schlecht ist, wird sich weisen. Es wäre nett zu erfahren, warum die Alieninvasion nicht gekommen ist, aber „ I want to believe“ lässt schlimmes erahnen, es ist aber natürlich auch möglich, dass Chris Carter aus seinen Fehlern gelernt hat.
Ansonsten neu auf Fox: Die Serienversion von „Minority Report“ dürfte sogar eine Fortsetzung des Films sein. Ryan Murphys „Scream Queen“ hat einen interessanten Cast, könnte aber auch so ein Bauchfleck werden wie die späteren Staffeln von „American Horror Story“ (ich sage nur Angela Bassett als Marie Leveaux und trotzdem war „Coven“ ein narrativer Misthaufen). „Lucifer“ basiert auf Neil Gaimans „Sandman“-Version des Charakters (der auch Spin-Off Comics bekam) und hat sich schon durch den ersten Trailer den Zorn von mindestens einer erzkonservativen Gruppe zugezogen. Ein wirklich guter Anfang, wie man so schön sagt.
Zu NBC: Nachdem der Sender „Constantine“ absetzte, bestand noch die kleine Hoffnung, dass die Versuche der Produzenten die Serie unter dem Titel „Hellblazer“ beim SyFy-Channel oder anderswo unterzubringen Erfolg haben könnten, doch leider ist dieser Versuch gescheitert und damit ist „Constantine“ offiziell die einzige Comicverfilmung die in dieser Season abgesetzt wurde.
Auch ansonsten war NBC mit den Absetzten wieder mal fleißig, dafür stehen aber auch genug Nachfolgeserien an. „Grimm“ gehört zu den Überlebende, genauso wie Dauerbrenner „Law and Order: SUV“ und „The Blacklist“, aber letztlich interessiert uns das alles nicht, denn eigentlich interessiert uns auf NBC zur Zeit nur eins: „Heroes: Reborn“.
Dazu ein paar Fakten: Überraschenderweise kommt die Miniserie schon im Herbst. Nachdem man zuerst dachte es wäre eine Nachfolgeserie, schien es sich dann eindeutig um einen Spin-Off zu handeln, nachdem nur Jack Coleman als Noah Bennet aus der Original-Serie zurückzukehren schien. Inzwischen wurden aber auch Hiro, Matt, Mohinder und Micah als Gäste angekündigt, was dazu führt, dass die Zahl der Figuren mit einmal Mal groß genug war um zu sagen: „Mist, jetzt muss ich es mir doch ansehen“. Der Quinto hat eine Mitwirken abgelehnt und Peter werden wir angeblich auch nicht zu sehen bekommen, und ob Claire außerhalb von Archivmaterial zu sehen sein wird ist auch nicht bekannt. Wenn aber wirklich keine Petrellis mit dabei sind, ist der Status als Spin-Off wenigstens offensichtlich und vielleicht hat die Serie genug Erfolg um eine „richtige“ Nachfolgeserie zu ermöglichen. Die Hoffnung stirbt zuletzt und lasst uns abwarten, wer noch aller überraschend angekündigt wird.
Damit hätten wir die Networks. Zu Privatsenderserien und in andere Länder komme ich vielleicht das nächste Mal. Bis dahin: Keep on tuning. Und haltet euch dabei an VOX, wo ihr die 3. Staffel von „Arrow“ und die 1. von „Outlander“ sehen könnt.