Mein Kühlschrank summt. Also, der pfeift jetzt nicht „La Paloma″ oder sonst irgend’nen debilen Schwachsinn. Er ist halt alt und vom Sperrmüll und da macht er nun dieses Geräusch, dass man aus alten Filmen kennt, wenn elektronische, altersschwache Geräte in den Tropen kurz vorm Kollaps ins Bild eingeblendet werden, um dem Publikum mitzuteilen, dass es jetzt nostalgisch wird. Meist gepaart mit lense flair und nem Schwenk zu einem dreitagegebärtigen Mann in den frühen Dreißigern, der gerade aus dem Suff erwacht – optional in seiner eigenen Kotze. So summt der.
Mein Kühlschrank summt also und ich höre das eigentlich gar nicht; hauptsächlich, weil ich beschissen höre. Andererseits gehört dieses Summen zum Grundrauschen meiner Wohnung. Genauso wie die miefigen Sportklamotten (die rauschen olfaktorisch) oder die Pfandflaschensammlung auf dem Balkon.
Mein Kühlschrank summt und diesmal höre ich es. Gottverdammt, kann der nich' „La Paloma″ pfeifen? Dann hätte ich hier wenigstens was zu schreiben. Kommt bestimmt gut an, so hyperventilierendes Gewäsch über summende Kühlschränke und den schädlichen Einfluss ekelhafter Retrohaftigkeit heutiger, moderner Küchengeräte. Man habe ja nix gegen moderne Küchengeräte, aber seit wir den Thermomix ins Land lassen, geht es dem Euro schon deutlich schlechter und überhaupt warum haben die alle die neuesten Handys?
Mein Kühlschrank summt und ich schreibe lieber darüber, als an meinem eigentlichen Projekt zu arbeiten, mit dem ich „mal was ausprobieren″, mindestens aber zwei Pulitzerpreise gewinnen wollte. Überhaupt machen jetzt alle nur noch Projekte, um Jahre und einige Millionen später „Fertig″ drauf zu schreiben und es Elbphilharmonie zu nennen. Mein summender Kühlschrank und ich high-fiven jetzt, weil wir keinen Gag über den Berliner Fast-Flughafen gemacht haben.
Mein Kühlschrank summt und ich überlege, wieso Schreiben eigentlich so ein pervers beschissenes Hobby ist. Mein Kühlschrank summt und ich schreibe total meta über das Schreiben und summende Kühlschränke, weil das leichter ist, als sich so ne beschissene Geschichte auszudenken, mit der man vielleicht nen Pulitzerpreis gewinnt oder wenigstens nen Fernsehdeal. Von der Kohle könnte man sich nen Kühlschrank der nichtsummenden Sorte leisten und in völlig ekelhafter, moderner Retrohaftigkeit sein Leben fristen mit einem neumodischen Kühlschrank, der alles kann und perfekt wäre, wenn er doch auch wenigstens so ein bisschen summen würde.
Mein Kühlschrank summt und ich denke darüber nach warum ich manchmal so schön malerisch doof in der Gegend rum aus-der-Wäsche-gucke, dabei tagdenke oder nachträume, mich also irgendwie inspiriert fühle und in meinem Kopf sich hübsche, kleine Geschichten tummeln. Mit Fetzen zum Nachdenken, Schmunzeln, was zum Spielen, Schokolade. Wunderbar klare und einfache Worte zusammengekettet zu Texten, die in meinem Kopf machen was sie sollen, aber auf dem Papier dann machen was sie wollen. Sich zusammenrotten und wie Dorfkinder an der Bushaltestelle auf den Boden rotzen und dabei einen Text ausgeben, den man gerne auch Gedankenkotze nennen darf.