25.10.2017
Mittelmäßig alte Computer im Gebrauch
Ich habe für einige Monate die Chance, einen richtigen Schreibtisch in einem richtigen Büro an der Uni zu benutzen, obwohl ich nur studentische Hilfskraft bin. Weil ich in diesem Semester viel schreiben muss, finde ich das toll. Mein Haupt-Notebook ist ein 11,6″ MacBook Air – an einem Schreibtisch möchte ich aber einen größeren Bildschirm haben. Ich könnte einfach einen Bildschirm hinstellen, habe aber sowieso noch ein 15″ PowerBook G4 von 2004, das eine Freundin vor langer Zeit defekt ausrangiert hatte und das ich reparierte. Es ist trotz der 13 Jahre alles intakt – das Slot-in-DVD-Laufwerk liest und schreibt ohne Probleme, der Bildschirm leuchtet gleichmäßig hell und ist angenehm matt, der Lüfter macht kaum Geräusche und der Akku ist egal, weil es sowieso einen Stand-PC ersetzt.
Apple hat 2006 von PowerPC-Prozessoren auf Intel-Prozessoren umgestellt, wodurch Software von diesem Zeitpunkt an explizit für beide Architekturen entwickelt werden musste, um auf beiden Systemen aktuell zu bleiben. Spätestens seit Einführung des App-Stores wurde allerdings kaum mehr Software für die PowerPC-Plattform entwickelt, auch weil mit dem 2009 erschienen Mac OS 10.6 auf Betriebssystemebene die Unterstützung für die alte Architektur weggefallen ist.
Aber weil ich das Notebook so wahnsinnig schön finde, die Tastatur die beste ist, die ich je benutzt habe und weil ich alte Technik sowieso gut finde, versuche ich, den Computer als Arbeitsgerät herzurichten.
Im Bild geöffnet: TextWrangler beim Schreiben dieses Beitrags
Das erste und wichtigste Problem ist das Internet: Die installierte Version von Safari wird von Google und anderen Seiten als veraltet gebrandmarkt, kann viele Dinge nicht, deren genaue technische Hintergründe mir nicht klar sind, und ist insgesamt nicht gut nutzbar. Zu meiner großen Freude gibt es aber das TenFourFox-Projekt, das ungefähr aktuelle Versionen von Firefox nicht nur portiert (das hat Aurora auch getan), sondern auch auf genau den PowerPC-Prozessor hin optimiert, den man benutzt (das hat Aurora anscheinend nicht getan). Das Ergebnis ist, dass ich die Google-Mail-Weboberfläche und den Google-Kalender (wenn auch mit ein klein wenig Rücksicht auf das Alter des Geräts) nutzen kann. Alle Seiten laden korrekt, das Internet steht mir offen.
Die letzte unterstützte Version des «Words» von Apple – Pages '09 – ist meiner Meinung nach weiterhin stabiler, praktischer und von reicherem Funktionsumfang als die aktuell erhältliche, also ist auch Schreiben kein Problem. Für Markdown nutze ich TextWrangler in einer alten Version. Auch Adobe InDesign CS3 läuft schön und schnell.
Ich muss aber nicht nur Techniktagebuch-Artikel verfassen, sondern auch arbeiten – dazu gehört insbesondere das Scannen von Dingen und das Drucken anderer Dinge. Sowohl für den Epson-Scanner als auch den Brother-Laserdrucker – beide circa 4 Jahre alt – gibt es funktionierende Treiber, die mich die Geräte über das Netzwerk nutzen lassen.
Die größte Überraschung ist Spotify. Nach einigem Suchen habe ich einen alten PowerPC-Client (Version 0.6.6) aufgetrieben, der ohne Anpassung einfach funktioniert, obwohl die serverseitige Software viele Jahre älter sein muss (leider finde ich keine Release Notes). Das sieht bei Dropbox und GoogleDrive und allen anderen Cloud-Diensten, die ich kenne, anders aus: Hier wurde der PowerPC-Support eingestellt, die Client-Software verbindet sich nicht mehr mit dem Server. Weil ich aber seit längerem eine eigene Lösung mit Unison nutze, ist das egal.
(Franz Scherer)











