Leben mit der Apple Watch
Seit 2017 besitze ich eine Apple Watch Series 2 und trage sie seitdem fast immer. Die Watch verdrängt keine andere Uhr, ich hatte schon viele Jahre keine Armbanduhr mehr, ich kenne aber eine Person, die ihre schöne und teure Breitling seit Besitz einer Apple Watch kaum noch trägt.
Ohne iPhone ist die Apple Watch nutzlos, sie funktioniert nur in Kombination. Die Konfiguration erfolgt über das iPhone, die Geräte müssen aber nicht zu jeder Zeit verbunden sein. Die Kommunikation kann über Bluetooth und über WLan erfolgen.
Der Akku hält je nach Nutzung 15 Stunden, wenn ich sie während des Duschens nochmal auflade, bis zu 24 Stunden. Ich trage die Watch gerne nachts, weil die Schlafanalyse-App Autosleep dann die genausten Ergebnisse liefert. Außerdem kann man sie so als Wecker benutzen.
Ich habe die Watch so konfiguriert, dass alle Benachrichtigungen, die am iPhone erscheinen, auch auf der Watch erscheinen. Es gibt unterschiedliche Vibrationsmuster für Kalender-Erinnerunngen, iMessage-Nachrichten (und SMS) und andere Benachrichtigungen – ich kann also ohne auf die Uhr zu schauen schon fühlen, von welcher Art die Benachrichtigung ist. Ich dachte im Vorfeld, dass ich dadurch mehr selektiere und seltener aufs Handy schaue, das hat sich allerdings für mich kaum bewahrheitet.
Die Interaktion mit der Watch geschieht hauptsächlich durch Sprachsteuerung. Ich habe Siri vorher am iPhone nie benutzt, weil ich keinen Vorteil und den Nachteil der Albernheit des in das Handy Sprechens sah, bei der Apple Watch ist es allerdings sinnvoll. Es ist möglich, per Spracherkennung auf Nachrichten zu antworten, was ich allerdings nie mache. Hauptsächlich nutze ich Siri für «Timer 2 Minuten» für meinen Tee, außerdem die unwahrscheinlich praktische Erinnerungsfunktion für «Erinnere mich heute Abend um 19:30 an Wäsche aufhängen» oder dergleichen. Die Möglichkeit, Erinnerungen in mein Handgelenk zu sprechen und sie dort auch zu gezeigt zu bekommen, ist im Alltag für mich eine echte Bereicherung.
Beworben wurde die Watch von Anfang an als Fitness-Helfer und einige Funktionen sind auf einen Gedanken der Sportlichkeit ausgerichtet. Die Watch kann den Puls optisch (und wenn das Armband fest genug ist, auch ziemlich genau) messen, außerdem erkennt sie Bewegungen in alle Richtungen. Anhand des Pulses und der Bewegungen berechnet sie den Aktivitäts-Kalorien-Verbrauch, zählt die Minuten, in denen man trainiert (Phasen erhöhter Herzfrequenz) und die Stunden, in denen man mindestens 5 Minuten gestanden hat (das Erkennen von Hinsetzen und Aufstehen funktioniert allerdings nicht immer genau). Kern der Fitness-Funktion der Watch sind die Aktivitätsringe – ein roter Ring für Aktivitäts-Kalorien, ein grüner Ring für Trainingsminuten und ein blauer Ring für Stunden, in denen man gestanden hat. Jeden Tag werde ich ermuntert, die Ringe zu schließen, bekomme Auszeichnungen für verschiedenste Leistungen und werde im Zweifel (oft sonntags) erinnert, dass ich mich normalerweise um diese Zeit schon mehr bewegt hätte. Es ist möglich, den Bewegungsfortschritt mit Freunden zu teilen, die ebenfalls die Watch haben, ich habe das mit meinem Freund aktiviert. Für jedes absolvierte Training von ihm bekomme ich eine Mitteilung auf die Uhr, außerdem sehe ich seine Ringe. Alle Daten sind über die «Aktivitäten»-App am iPhone einsehbar.
Oben: Bewegungsringe und detaillierte Aufzeichnungen der Aktivitäts-Kalorien. Unten links: Details zu einem «Schwimm-Training», Unten rechts: Schlafanalyse mit AutoSleep.
In der Trainingsfunktion trackt die Watch Fortschritt und Kalorienverbrauch verschiedener Sportarten – ich habe Joggen, Fahrradfahren und Schwimmen bereits benutzt. Beim Joggen und Fahrradfahren werden unter anderem Puls, Geschwindigkeit und die Strecke durch das eingebaute GPS aufgezeichnet, beim Schwimmen werden – nach voreingestellter Beckenlänge – sehr präzise der Schwimmstil (Rücken / Brust) und die Anzahl der Bahnen aufgezeichnet. Ich lasse die Watch auch kurze Strecken mit dem Fahrrad aufzeichnen, weil ich mich über quantifizierte Bewegung freue.
Ich habe noch nie mit der Watch telefoniert (was die Series 2 nur in Kombination mit dem Handy kann, die Series 3 allerdings auch ohne), aber ich telefoniere generell selten. Die Pokémon-Go-Watch-App war beim ersten Ausprobieren so schlecht, dass ich es seitdem nicht mehr versucht habe. Die Watch erkennt automatisch und sehr gut, wann ich den Arm so hebe, dass ich auf die Uhr schauen will, nur im Bett leuchtet sie mir manchmal ungefragt ins Gesicht, das kann man aber mit dem Theater-Modus unterbinden. Es gibt verschiedene «Zifferblätter» zur Auswahl, von einfachen Zeiger-Uhr-Imitationen bis zum von mir benutzten Siri-Watchface, auf dem kommende Termine, die Uhrzeit, Timer und Wecker und andere, von der künstlichen Intelligenz hinter Siri ausgewählte Dinge angezeigt werden.
Dass ich alle Termine, Erinnerungen, Timer und Wecker auf einen Blick sehe, finde ich sehr praktisch. Ich würde nicht behaupten, dass ich die Apple Watch brauche, aber sie macht viele Dinge einfacher, und manche Dinge (hauptsächlich Sport) interessanter.