1984
Meine erste Stelle in der IT-Branche
Nachdem ich durch meine studentische Tätigkeit in Reisebüro und Werbeagentur einige Zeit mit einem Kunden aus der IT-Branche gearbeitet habe (ich bin zwar ahnungslos, aber interessiert, im Gegensatz zu den meisten anderen Mitarbeitern – und spreche nach einem USA-Aufenthalt passables Englisch) beschließe ich, mich direkt beim Kunden auf meine erste feste Stelle zu bewerben – als Übersetzer.
Als Newcomer gehört neben meinen Aufgaben in der Übersetzung von Drucksachen, Flyern, Handbüchern und Schulungsunterlagen auch der monatliche Druck und Versand von Deckungsbeitragsrechnungen und anderen Auswertungen, die wir für Kunden in unserem Rechenzentrum in London vornehmen. Der Drucker ist fast schreibtischgroß, gedruckt wird auf Tabellierpapier mit grün-weißen Streifen – mit einem Höllenlärm.
Die Daten werden über eine Telefonleitung abgerufen. Kurz vorher hatten die Kunden ihre Daten zur Berechnung noch per 8-Zoll-Diskette geschickt. Eine typische Auswertung für einen Kunden benötigt ein bis zwei Pakete bedrucktes Papier in A3-Größe. Ich muss die Berechnungen verpacken und für den Transport zur Post sorgen.
8-Zoll-Disketten sind also obsolet. Ich biete an, das Rack für die 8 Zoll-Disketten zu verkaufen – mein Chef glaubt nicht, dass mir das gelingt, erteilt mir aber die Erlaubnis, das auf eigenes Risiko zu machen. Ich finde tatsächlich einen Käufer auf der Suche nach Ersatzteilen, der mir fast 2.000 DM bezahlt. Nach einigem Hin- und Her darf ich das Geld behalten.
Für die Kommunikation mit Kollegen im In- und Ausland gibt es ein erstes rudimentäres E-Mail-System.
Foto: Shieldforyoureyes Dave Fischer / Retro-Computing Society of Rhode Island institution QS:P195,Q18857750, Silent-700, CC BY-SA 3.0
Per TI Silent Writer, einer schreibmaschinenähnlichen Tastatur mit eingebautem Thermo-Drucker und Modem kann ich mit den Kollegen in der Zentrale in Ann Arbor, Michigan, kommunizieren. Es dauert eine ganze Weile, bis ich den Kommandosatz verstehe und der Sinn der Anwendung erschließt sich mir noch nicht richtig. Aber: ich bin online!
Wenig später: ein Supportfall – ein Kunde in Duisburg kann nicht drucken. Mein Chef fährt selbst von Köln aus dorthin und stellt fest, dass die Putzfrau den Stecker gezogen hatte für den Staubsauger.
Für eine Präsentation fordern wir von den Kollegen in Frankreich eine dringend benötigte Kopie einer Diskette an. Vorder- und Rückseite (ja, das gab’s). Die Kopie kommt per Fax.
Für die Auslieferung unserer neuen grafischen Software zur Darstellung von div. Grafiken müssen wir amerikanische Tastaturen in den USA bestellen und mit ausliefern. Grund: die Software nutzt den kompletten Hauptspeicher von 640 kb. Für den deutschen Tastaturtreiber mit seinen ca. 5 kb ist einfach kein Platz mehr.
(Rainer Glaap)












