über neobourgeoise Ignoranz
Was macht einen Menschen aus? Es ist wohl am ehesten die Fähigkeit Meinungen zu bilden, denn ohne diese wären wir charakterlich wohl kaum zu unterscheiden. An exakt diesem Punkt möchte ich meine Gesellschaftskritik ansetzen. Wie ist denn der Mensch von heute? Wir sind politisch engagiert, aber parteilos. Wir sind nicht homophob, außer wenn sich zwei Männer in der Öffentlichkeit küssen. Wir sind nicht rassistisch, solange die Flüchtlingsunterkunft weit genug entfernt ist. Umweltschutz ist nur gut, wenn er weder Geld noch Arbeit fordert. Kapitalismus gilt als böse, Antikapitalismus ist verpönt. Die Welt ist ein Irrsinn! Doch um diesem Text eine konstruktive Wendung zu verschaffen, sind Ursprung und Auswirkung zu beachten. In unseren Zeiten ist es nicht mehr notwendig für etwas zu kämpfen. Wir folgen Erwartungen, denn Außenwirkung ist existenziell, Taten letztendlich bedeutungslos. So ist es förderlicher, Meinungen zu haben, für die man nicht einstehen braucht. Die Ignoranz ist das lasterhafte Privileg der oberen Gesellschaftshälfte, die untere Hälfte ist von Unmündigkeit geplagt. Beachtet man nun, dass Demokratie vom Diskurs lebt, wird das Bild recht dystopisch. Drum möchte ich hier meine Stellung beziehen: Ich bin politisch engagiert, Antikapitalist und Pazifist. Ich stehe immer für Liebe ein, für freie Liebe! Ich bin überzeugt, dass Kulturen einander bereichern, umso mehr seit eine Flüchtlingsunterkunft in meiner Nachbarschaft steht. Rechtsstaatlichkeit ist mir ein hohes Gut. Nun, da meine Karten auf dem Tisch liegen, bitte ich Euch.














