Wenn ein Lokal das Wort "Top" im Namen führt erwartet sich die Spritzweincrew nicht weniger als das Maximum. 😉 Jedoch kann dieses Kino nicht mit dem besten Spritzwein Wien dienen. Die präsentierte Mische ist maximal durchschnittlich. #wien #vienna #topkino #spritzweininwien #manbringedenspritzwein #spritzweinisdesleiwandste #lifeisbetterwithaspritzer #dreizweiunddreisigstel #zuerstwasserdannwein #keineeiswürfel #keinerdbeerpfirsichribiselwein #keinezitrone https://www.instagram.com/p/B5TadIhFpBV/?igshid=jy3xgp10hswp
Montag, 16. Juni 2014: Premiere von „Cigán“ im Top Kino Wien
Als Adams Vater gewaltsam ums Leben kommt, heiratet seine Mutter dessen Bruder Zigo, um die Familie zu versorgen. Während Adams Vater darum bemüht war, sich den „Weißen“ anzunähern, lehnt Zigo diese Parallelwelt ab und hält sie mit der Welt der Roma für unvereinbar. Allerdings bezeichnet er auch selbst das Leben in seiner Siedlung, geprägt von Armut, Diskriminierung, Drogen, Gewalt und Kriminalität, als unmenschlich: „A gypsy can live like a human here only when he Stops to be a gypsy“. Doch Zigo hält im Gegensatz zu seinem Stiefsohn an der Befürwortung des Roma-Daseins fest. Wenn Adam nach Erlebnissen wie der Zwangsverheiratung seiner Jugendliebe oder versuchter Hilfestellung durch örtliche Journalisten immer wieder an seinem Leben zweifelt, schnauzt er Zigo an: „If you want to be a gypsy BE a gypsy“. Adam schafft es am Ende nicht, aus seiner kriminellen Lebenswelt auszubrechen, ohne erneut kriminell zu werden,
„Cigán“ wurde in einer Romasiedlung in der Ostslowakei mit der Unterstützung des ganzen Ortes gedreht. Die Figuren spielen sich selbst und sprechen ihre Sprache, der Film ist lediglich mit englischen Untertiteln versehen. Viele Erfahrungen der Bewohner_innen flossen in den Film ein und bieten so eine vielseitige Darstellung der Lebenswelt der Roma. Es wird die Diskriminierung, besonders durch die örtliche Polizei, ungeschönt dargestellt, die Armut und Kriminalität, aber auch ausgelassene Feste und Lebensfreude. Viele Meinungen kommen vor, von denen alle ihre Begründungen und ihr Identifikationspotential haben. Keine Figur ist ausnahmslos gut oder böse, aber alle sind geprägt von Traditionen, Lebenswelten und Vorurteilen, zwischen denen sich Adam schließlich nicht mehr zurechtfindet.
Nach der Vorführung standen der Regisseur und der Drehbuchautor sowie Kameramann Marek Leščák dem Publikum für eine Diskussion zur Verfügung, welche von der ORF-Journalistin und Roma-Aktivistin Gilda Horvath moderiert wurde. Eröffnet wurde die Veranstaltung von Gerhard Marchl vom Karl-Renner-Institut und Helene Trauner vom Wiener Institut für Internationalen Dialog und Zusammenarbeit (VIDC).
Martin Šulik erzählt, dass es notwendig war, sich aufgrund fehlenden Vorwissens und schlechter Quellenlage selbst ein Bild vom Leben der Roma in der Ostslowakei zu machen. Dabei besuchte das Team Dörfer, welche sehr gut integriert waren, aber auch viele, in denen hohe Arbeitslosigkeit herrschte und die abgekapselt von der restlichen Gesellschaft lebten. „Die Roma sind ein Spiegel unserer Gesellschaft“, übersetzt die Dolmetscherin die Ausführung des Regisseurs. „Alle Probleme, die auch wir haben, kommen dort vor, nur sind sie durch die Armut hyperbolisiert. In der Struktur unserer heutigen Gesellschaft haben die Roma kaum Chancen auf Arbeit. Die Gesellschaft muss ihnen helfen, da heraus zu kommen.“
Weiters berichtet der Regisseur von den Dreharbeiten im Dorf, die von den Bewohner_innen der Romasiedlung sowie des benachbarten nichtromanischen Dorfes großteils sehr positiv aufgenommen worden waren: „Als wir den Film bei einem großen Fest auf einem Fußballfeld vorgeführt haben, sind alle einen Moment lang zusammen gesessen.“ Er geht besonders auf das Identifikationspotential des Films ein: „Viele junge Roma konnten sich mit Adam identifizieren, die Älteren eher mit dem Stiefvater, dem negativen Helden. Es wird ihre tatsächliche Lage gezeigt, aber auch etwas aus ihrem Inneren. Manche Roma fanden aber auch, dass keine „Weißen“ ihre Seele darstellen können. Die nichtromanischen Dorfbewohner_innen empfanden den Film wiederum als eine wichtige Information über die Roma, teilweise allerdings als idealisiert.“
Martin Šulik erzählt noch eine andere Geschichte: Die Romasiedlung mit etwa 2000 Einwohner_innen und das benachbarte Dorf mit etwa 1200 Einwohner_innen sind ein gemeinsamer Wahlbezirk. Doch da die Romasiedlung zerstritten war, konnten die Einwohner_innen ihre politische Kraft nicht nutzen. Nach den Dreharbeiten rafften sie sich zusammen und wählten gemeinsam einen Bürgermeister. Dieser Trend zum gemeinsamen politischen Engagement der Roma breitet sich in der Ostslowakei nun immer stärker aus. Dennoch ist Diskriminierung immer noch an der Tagesordnung. Prägend sind die Bezeichnungen „schwarz“ und „weiß“: Obwohl die Haut der Roma, wie eine Zuseherin bemerkt, wenig dunkler als jene der Nichtroma ist, werden sie trotzdem als „schwarz“ im Sinne von „unrein“ bezeichnet.
Antiziganismus hat eine lange Tradition. Besonders im Nationalsozialismus waren Roma eine der besonders stark verfolgten Volksgruppen, die jedoch heute eher in Vergessenheit geraten ist. In Wien sollen der Barankapark im zehnten Wiener Gemeindebezirk und der Romaplatz am Bruckhaufen im 21.Wiener Gemeindebezirk an dieses Leid erinnern. Von dort wurden ganze Roma-Familien und viele Sintis in Konzentrationslager deportiert, von denen nur wenige Überlebende nach Kriegsende zurückkehrten. Heute zählen diese Plätze zu den 38 Orten der Erinnerung von The Vienna Project.