Okay, hierbei handelt es sich nicht um ein Hotel, sondern ein Zelt. Aber es ist nicht irgendein Zelt. Es ist mein Zelt in dem Camp eines glatzköpfigen Yoga Gurus im Sektor 14 der Kumbh Mela in Allahabad. Eine knappe Stunde musste ich mich mit kühlen Kopf als würdig für seine Unterkunft erweisen und dem Meister gut zureden. Natürlich verleugnete ich geschickt, dass ich absolut nicht für Yoga gemacht bin, mit Gliedmassen, die sich biegen lassen wie die morschen Äste einer alten Eiche.
Jeden Abend schnappten sich die zwei nervigen Töchter des Yoga Gurus das Mikrofon, in das der Guru gewöhnlich seine Yoga-Befehle wetterte. Unentwegt sangen sie Lieder, rezetierten Mantras, zählten alle hinduistischen Götter auf, dann wussten sie nicht weiter im Text und laberten minutenlang wirres Zeug in einer Lautstärke, die einem den Schlaf raubte. Wie mir schien, brauchten Kinder in Indien kein Schlaf, vor allem nicht auf der Kumbh Mela.
Das alles hört sich nicht gerade nach einem Traumhotel an, aber dieses Zelt war der einzige Platz für Privatsphäre weit und breit. Und auf seiner Decke im Stroh zu liegen und Millionen -mit bizarrer Energie geladene Menschen- um sich herum zu wissen, auf dem größten Pilgerfest der Welt, das in Allahabad nur alle 16 Jahre stattfindet, verwandelte augenblicklich jede Entbehrung in einen süßen Traum.