27.02.2020
Scooter fahren wollen wie so ein Tier
Wir haben vom Büro einen Elektrotretroller (”Trottinett”) angeschafft, weil wir wissen wollen, wie diese recht neue Fahrzeuggattung sich fahrdynamisch so verhält. Es ist ein Roller der Marke TIER, die aufgearbeitete Roller aus dem Verleih verkaufen. Es ist uns wichtig, dass es nicht einer der leichteren Klapproller mit E-Motor ist, wie es sie in Supermärkten gibt. Die scheinen zumindest in Berlin keine große Verbreitung zu haben. Viel mehr sieht man die Sharing-Scooter. Und mit den Dingern passieren auch viele Unfälle. Die Verleihbedingungen der Anbieter untersagen Fahrversuche etc., weswegen wir eben einen eigenen anschaffen.
Der Roller kommt an in einem Karton, den andere als Tiny House bezeichnen würden. In dem Tiny House Karton wohnt der Roller, dem man seinen Großstadtkampf noch an einigen Stellen ansehen kann. Bei uns wird er es besser haben (vorerst jedenfalls, solange wir ihn nicht absichtlich crashen). Ein Karton ist noch dabei mit einem Helm sowie eine Mappe mit Sicherheitshinweisen, aber keine Anleitung.
Der Roller sagt keinen Pieps.
Wir suchen nach einem Schalter oder Ähnlichem. Nichts. Immerhin finden wir eine Ladebuchse. Nach dem Einstöpseln erwacht der Roller zum Leben. Der Akku war volllkommen leer. (Ich hoffe, dass er elektronisch abgeschaltet wird, bevor er sich tiefentlädt.)
Als der erste von fünf Balken in der Ladeanzeige erscheint, macht der Roller dann auch “Piep”, wie es sich für einen Roller gehört. Es piept noch vier weitere Male, bis der Akku voll ist. Im übrigen piept der Roller jetzt auch einfach mal, wenn er ungenutzt herumsteht. Ich hoffe, er verlangt keine Aufmerksamkeit wie so ein Tamagotchi.
Jetzt stehen wir mit drei Ingenieuren um den Roller herum. Was tun? Mal anschieben und den Fahrhebel drücken. Nichts passiert. Lange drücken, schneller drücken, doppelt und dreifach drücken: Immer noch nichts.
Bevor wir uns komplett zum Horst machen, komme ich auf die Idee, die App des Anbieters zu öffnen, die ich mir zu Beginn des Scooter-Booms aufs Handy geladen, aber nie genutzt habe.
Dort gibt es tatsächlich auch einen Menüpunkt “myTier”, wie die Privat-Rollersparte genannt wird. Dort muss ich den Roller noch über Bluetooth verbinden (wofür mir aber das Passwort fehlt. Wie ich es bekomme, ist eine andere Geschichte). Danach kann ich den Roller entsperren. Bis dann auch das Versicherungskennzeichen da ist, brettern wir erst mal den Flur im Büro rauf und runter.
(Markus Winninghoff)









