Die Krankheit der 1000 Gesichter
MS wird im Volksmund auch als Krankheit der 1000 Gesichter bezeichnet. So wie die Krankheit tausend Gesichter hat, haben auch tausende Gesichter diese Krankheit. Ich habe eines davon. Bleiben wir gleich einmal bei Gesichtern. Mit unserer Mimik sind wir in der Lage, durch kleinste Muskelkontraktionen, gute 3000 Variationen von Emotionen abzubilden. Manche davon sind offensichtlich, andere bleiben gut versteckt. Ich bin mir sicher, dass jeder schon einmal das gute „du kannst mich mal kreuzweise“-Lächeln auf den Lippen hatte. Und so verhält es sich auch mit der MS-Symptomatik. Einige Symptome sind „offensichtlich“ während andere kaum bis gar nicht für andere wahrnehmbar sind. Zu den häufigsten Symptomen zählen:
-Taubheitsgefühl oder Kribbeln in den Beinen oder Armen
-starke Müdigkeit und rasche Erschöpfung
-Probleme bei der Darmentleerung oder Blasenentleerung
-Gang- oder Gleichgewichtsstörungen
-Sehstörungen auf einem Auge
Doch nur, weil Patient A diese Symptome hat muss Patient B diese nicht haben und Patient C kämpft mit ganz anderen Problemen. Damit ist jede MS-Erkrankung individuell.
„Häh? Du kannst doch laufen.“ - Gut beobachtet. MS ist auch kein Muskelschwund.
„Oh, du hast MS, dann endest du ja im Rollstuhl!“ - Nein, mein Bewegungsapparat ist nicht betroffen.
„Ich bin auch manchmal müde… Sei nicht so faul!“ - Kann sein, aber ich kämpfe mit Fatigue.
„Du siehst doch gar nicht krank aus.“ - Richtig. Weil meine Symptome nicht offensichtlich sind. Ich für meinen Teil sehe etwas schlecht. Mein linkes Auge will manchmal nicht so wie ich will und Power-Point-Präsentation mit Seitenlicht, sind der Endgegner. Auch Rot und Orange sind für mein Auge ein und dasselbe. An manchen Tagen komme ich nicht aus dem Bett, weil mein Körper viel zu müde ist. Das liegt nicht daran, dass ich zu wenig schlafe. Ich könnte 20h schlafen und nichts würde sich ändern. Manchmal ist mein Kopf ein schwarzes Loch. Dann kann ich einen Text fünfmal lesen oder dir noch so lange zuhören, es kommt einfach nicht an.
Ist das jetzt ein Grund den Kopf in den Sand zu stecken? Ich glaube nicht.