Welche Relevanz hat aber die ‘hypothetische Ausdruckbedeutung’ für die Theorie? Immerhin werden, wenn auch nur als blinde Variable, also ohne nähere Angaben machen zu können, propositionale Einstellungen berücksichtigt. Und als sei dies nicht schon problematisch genug (vgl. Davidson, D., 1994, S.9), lässt sich daran zweifeln, ob die betroffene Sprache lernbar sein kann, weil diese Offenheit für Neues keine Abgeschlossenheit und Endlichkeit garantiert (vgl. Davidson, D., 1994, S.33)? Dazu später mehr.
Was bislang als Alltags- bzw. Umgangssprache bezeichnet wurde, gilt in Bereichen der Sprachwissenschaften und der Philosophie als ‘natürliche Sprache’, in Differenz zu formalen, künstlichen oder zu Plansprachen. Ein Wort ‘Natur’ kann, muss in diesem Kontext keine Metapher sein, wenn man einen wissenschaftlichen Naturbegriff präferiert, der auch Menschen und ihre Kulturen einschließt. Ein solcher Begriff würde jedoch auch speziell angefertigte Sprachen umfassen, wollte man vermeiden, sie abseits der Natur einer Metaphysik zuzuschieben. Die beanspruchte Differenz von ‘natürlichen’ und ‘künstlichen’ Sprachen wäre dahin.
Tja, wie sprechen, ließe sich fragen. Wenn die Sprache, die in Rede steht, gesellschaftlich geformt ist, dann erhalte ich die Möglichkeit, sie als gesellschaftliche zu bezeichnen, unabhängig von den angeführten klassifikatorischen Schwierigkeiten. Ich werde diese Möglichkeit nutzen, doch auch weiterhin vom Alltag und Umgang der Menschen sprechen, weil die explizite Berücksichtung das besondere Anliegen der vorliegenden Arbeit von Beginn an war und weiterhin sein wird.
Die bisherigen Beispiele betrafen die gesellschaftliche Sprache, die in Deutschland gesprochen wird. Es ist nicht selbstverständlich, dass diese sich in andere Sprachen adäquat übersetzen lassen. Ich scheue jedoch davor zurück, länder- und sprachübergreifend nach Beispielen zu suchen, obleich mir klar ist, dass die deutsche Sprache nur von vergleichsweise regionaler Relevanz ist. Ein unabsehbarer Umfang multilingualer Forschung würde das Projekt überfordern. Eine Begrenzung auf die indo-europäische Sprachfamilie wäre nicht zu rechtfertigen. Beispiele aus einer gesellschaftlichen Sprache reichen aber aus, um theoretisch von Belang zu sein.
Davidson verknüpft die Frage nach einem Spracherwerb mit der nach einer Überschaubarkeit, einer Endlichkeit semantischer Ausdrücke, allerdings in einem anderen Kontext, im Zusammenhang mit Zitaten. “Jedes Zitat ist ein semantischer einfacher Ausdruck, und da es unendlich viele verschiedene Zitate gibt, ist eine Sprache, die Zitate enthält, unlernbar.” (Vgl. Davidson, D., 1994, S.33.) Würde man anstatt von Zitaten von Sätzen sprechen, die Metaphern enthalten, unabhängig davon, ob man diese als ‘einfach’ bezeichnen würde, ergäbe sich ein ähnliches Problem: unendlich viele verschiedene Metaphern dieser Sprache würden einen Lernprozess nicht zum Abschluss bringen können.
Doch wie ist es möglich, weshalb relevant, eine Sprache vollständig zu beherrschen? Davidson stellt eine Anforderung an die Theorie: “Mit der richtigen psychologischen Einkleidung versehen, sollte unsere Theorie uns in den Stand setzen, mit Bezug auf einen beliebigen Satz anzugeben, was ein Sprecher der betreffenden Sprache mit diesem Satz meint (bzw. was dieser nach seiner Meinung bedeutet).” (Vgl. Davidson, D., 1994, S.30.) Die Interpretation von Zitaten kann im vorliegenden Kontext außen vorbleiben, die von Metaphern ist hingegen schon angeführt worden: Metaphern seien wörtlich zu verstehen (vgl. Davidson, D., 1994, S.343). Mit dieser Angabe ist geklärt, wie sich man sich eventuell nicht enden wollende Prozesse vom Leib halten kann.
Mein Vorgehen, muss ich eingestehen, ist nicht ganz unähnlich, doch ich bezweifle, dass stets eine wörtliche Bedeutung fassbar ist. Meine Erläuterungen über einige alltägliche Metaphern, darunter Worte wie ‘Darstellung’, ‘umsetzen’ und ‘verwirklichen’, wären mit einer schlichten Angabe von Bedeutungen nicht explizierbar gewesen. Eine wörtliche Bedeutung ließ sich am einfachsten beim Wort ‘umsetzen’ angeben, unter Berücksichtigung von Möbelstücken, verständlich ist die Metapher dadurch aber nicht geworden. Eine Forderung, mit der Theorie, Metaphern seien wörtlich aufzufassen, die Bedeutungen beliebiger Metapher von Sprechern erfassen zu können, ist äußerst fragwürdig.
Mit der ‘hypothetischen Ausdrucksbedeutung’ habe ich der Pandora eine Pforte geöffnet, ohne sie wirklich reinzulassen. Die Variable zeigt, dass es unzählige Assoziationen in Bezug auf Metaphern geben kann, sie ließen sich sogar empirisch schätzen, bleiben aber außen vor, weil sie theoretisch auf keinen anderen Nenner zu bringen wären. Man könnte der Ansicht sein, dies käme einer Kapitulation gleich. Ich würde betonen, dass es davon abhängt, ob man das anarchische Potential zu nutzen weiß, das in die analytische Theorie integriert wurde. Vielleicht ist ein Umgang damit nicht von jedem lernbar, auf den Umgang mit Logik träfe jedoch Gleiches zu.