Bereits zu Beginn meiner Eingliederungs-Therapie wird mir eines bewusst: Das Übel kommt in Wellen...
Tage, an denen ich glaube, schon bald mich aus eigener Kraft herausgestrampelt zu haben, folgen Tage, an denen ich denke: es geht einfach nicht weiter und umgekehrt.
Es gibt Faktoren, die bedingen, zu welcher Kategorie ein Tag gehören wird. Einer dieser Faktoren ist meine Sachbearbeiterin im Jobcenter.
Wenn eine Anfang Zwanzigjährige mit mir spricht, als sei ich schwer von Begriff oder eine potentielle Gefahr für Staat und Gesellschaft, trifft mich das hart. Ich habe Hegel gelesen, Rousseau´s Ideen nachvollzogen und den Kant´schen Imperativ für gut befunden.. Ich habe mir die Zeit im Wartebereich 4 mit Musil vertrieben... All das befähigt mich nicht zu denken, ich sei besser als eine Sachbearbeiterin, die gerade ihre Lehre abgeschlossen hat. Das weiß ich. Das habe ich verstanden. Das würde ich nicht denken. Aber all das befähigt mich doch, von mir zu denken, dass ich der deutschen, englischen und spanischen Sprache mächtig bin. Wenn eine Sachbearbeiterin mit mir spricht und mir die Regeln der Therapie erklärt, so nehme ich doch an, dass ich diese verstehen kann. Ist das arrogant? Eigentlich will ich nur, dass “die Würde des Menschen unantastbar” bleibt, ich möchte mich nicht nach jeder Sitzung schlechter fühlen...
Das Übel an diesem Wellengang ist nicht seine kurviger Verlauf der Therapie, daran kann und wird man sich gewöhnen. Das Übel ist, umso mehr Auf´s und Ab´s ich erlebe, umso länger scheint mir die Periode des Ab und umso mehr zusprechende Worte benötige ich, um an das Auf zu glauben. Was aber, wenn andere Sitzungsteilnehmer nicht genug Freunde und Bekannte, nicht genug Familie haben, die Ihnen immer wieder zusprechen?
Da wird mir ganz anders...
Einer da draußen, sollte dringend Kommunikationstrainigs für Jobcenter-MitarbeiterInnen veranstalten, einer da draußen sollte mit Ihnen über die Macht der Worte, der Sprache und der Zeichen sprechen.. Einer da draußen, sollte ihnen sagen, dass es nicht förderlich ist, den anderen als “Anderen” zu kennzeichnen und ihn das spüren zu lassen. Einer da draußen sollte ihnen sagen, dass ein demotivierter Patient vermutlich noch länger für die Eingliederung benötigt