Vom Lagerfeuer in die Wolke
Am Wochenende lief im Fernsehen ein Beitrag, in dem ein Familienmitglied auftritt. Da ich im Familienkreis als Medien- und Digitalauskenner gelte, war ich unverzüglich dazu auserkoren, diesen Beitrag für die Ewigkeit zu konservieren und anderen Familienmitgliedern – insbesondere den im Ausland weilenden – zugänglich zu machen.
Unser Haushalt empfängt terrestrisches Fernsehen über DVB-T und wir besitzen auch einen VHS-Videorecorder. Letzterer ist allerdings seit längerem defekt und harrt nun in einer Schmuddelecke seiner letzten Reise. Da aber der öffentlich-rechtliche Sender des Beitrags sowohl einen Livestream als auch eine Mediathek bietet, fiel es mir nicht schwer, der Maxime “digital ist besser” zu folgen.
Plan A war folglich, die Sendung in Ruhe aus der Mediathek abzugreifen. Plan B – für den Fall, dass sie nicht in die Mediathek gestellt werden würde – war, den Livestream mitzuschneiden. Aus Erfahrung weiß ich, dass ein solches Mitschneiden sich oft hakelig gestaltet und man auf den Notbehelf zurückgreift, mit dem Smartphone vom Rechner abzufilmen (was meinem Ruf als Auskenner vermutlich geschadet hätte).
Und obwohl das Netz vor Anleitungen und Werkzeugen zum Herunterladen von Streaming-Inhalten schier überquillt, lande ich rasch bei MediathekView. Dieses Programm bündelt die aktuellen Inhalte der Mediatheken aller deutschen Sender und ermöglicht unkompliziertes Streamen und Abspeichern. Noch während ich damit herumprobiere, stelle ich fest, dass der fragliche Beitrag bereits eine Stunde vor dem Ausstrahlungstermin per Mediathek verfügbar ist. Wenige Minuten später habe ich ihn in Form einer 265 MB großen MPEG-4-Datei auf meinem Laptop.
Um dem Anspruch auf Ewigkeit wenigstens ansatzweise gerecht zu werden, kopiere ich die Aufnahme auf das NAS, das auf unserem Flurschrank vor sich hin brummt und lade sie zu Dropbox hoch. Von dort kann ich sie auch auf mein iPhone herunterladen und an die technisch versierteren Interessenten verteilen. Für die anderen werden wir wohl DVDs brennen. Ich hoffe nicht, dass noch jemand VHS oder Video 8 verlangt. Falls doch, springt aber bestimmt ein Techniktagebucheintrag dabei heraus.
Die soweit reibungslos gelungene Aktion sollte aber nicht über zwei Merkwürdigkeiten hinwegtäuschen. Erstens, dass die umfassend gebührenfinanzierten Öffentlich-Rechtlichen solche selbstproduzierten Inhalte nicht allgemein und dauerhaft verfügbar machen. Das unterscheidet sie ja sehr deutlich von zahlreichen anderen Unternehmen, die genau dadurch ihre Relevanz zu beweisen suchen. Und zweitens, dass ich wohl spätestens mit dem Verteilen von Kopien meines Downloads gegen geltende Gesetze verstoßen werde.