3. August 2025
Meine Papier-Visitenkarten sind plattformunabhängig und zukunftsfest und haben schon drei Technologien überlebt
Als ich heute wieder eine meiner Visitenkarten rausgebe, fällt mir auf, dass ich eine Angabe darauf gleich streichen kann: Skype: thomaswiegold steht da, neben Festnetz- und Mobilfunknummer und der URL meiner Webseite (auf die Angabe einer physischen Adresse verzichte ich schon länger und nenne nur Berlin als Ort).
Aber Skype ist seit Mai dieses Jahres Geschichte. Das einstmals revolutionäre Angebot, einfach via Software weltweit zu telefonieren, und es kostete nix, und eine Telefonnummer musste man dafür auch nicht wissen: Das ist vorbei. Seit 2003 gab es diesen Dienst, lange bevor heutige Messengerdienste so ganz nebenbei auch Sprach- und Videotelefonie anzubieten begannen. Und am Ende zog Microsoft, das Skype 2011 übernommen hatte, den Stecker. (Und möchte statt dessen sein kostenpflichtiges Teams-Angebot als Ersatz platzieren.)
Nun habe ich Skype in den vergangenen Jahren kaum noch für den ursprünglich vorgesehen Zweck genutzt. Statt mit Personen zu telefonieren, nutzte ich es vor allem für Live-Schalten mit Fernsehsendern. Die Deutsche Welle vor allem schaltete fast immer via Skype (und dass sehr viele Sender weltweit nicht, wie in den Geschäftsbedingungen verlangt, das bei der Ausstrahlung kenntlich machten, war vielleicht auch ein wirtschaftliches Problem für Skype).
Aber es ist ja nicht das erste Mal, dass eine Kommunikationsangabe auf meiner papiernen Visitenkarte durch das Ende der dahinter stehenden Technik oder Technologie überholt ist. Genau genommen erlebe ich das bereits zum dritten Mal.
So hatte ich bis Ende der 1990-er Jahre eine Telex-Nummer. Also das Büro der Firma, für die ich arbeitete. Und die stand natürlich auch auf der gedruckten Karte. Ich bin mir nicht mehr ganz sicher, ob die Zeit der Telex-Kennung auf meiner Visitenkarte endete, weil ich 1999 die Firma verließ – oder ob vorher schon diese Übermittlungstechnik als überflüssig galt und die Nummer gar nicht mehr angegeben wurde.
Vor ein paar Jahren dann habe ich darauf verzichtet, eine Fax-Nummer auf die Karte zu drucken. Natürlich gab es Fax da noch, genauso wie es technisch gesehen heute noch existiert. Auch wenn es immer weniger genutzt wird. (Obwohl ich bislang darauf achte, dass mein Drucker ein Multifunktionsgerät ist, das auch als Faxgerät genutzt werden kann. Aber ich kann mich nicht mehr erinnern, wann ich das letzte Fax versandt, geschweige denn empfangen habe.)
Die drei Kommunikationstechniken/-technologien sind also obsolet und finden sich nicht mehr auf meiner Visitenkarte. Die traditionellen analogen Papier (eigentlich Papp)kärtchen sind dagegen immer noch in Gebrauch, bisweilen hat man den Eindruck: mehr denn je. Aller Digitalisierung zum Trotz. Wer mal auf einer hippen Startup-Konferenz unterwegs war, weiß was ich meine.
Das hat vor allem einen, nennen wir es sozialen Grund. Jemandem seine Visitenkarte zustecken geht nebenbei und übrigens auch dann, wenn das Gegenüber zwar unwillig ist, sich aber nicht zu sehr wehrt. Dagegen bedarf es schon ausdrücklichen Kooperationswillens, gegenseitig die QR-Codes eines Messengerdienstes mit dem Smartphone einzulesen.
Außerdem: wer sagt denn überhaupt, dass der andere meine Kontaktdaten auf seinem Gerät haben will? Die Staatssekretärin oder das Vorstandsmitglied, denen ich meine Karte zustecke, die wollen selbst meine Daten gar nicht haben. Aber sie werfen die Karte in ihrem Vorzimmer ab, und da gibt's ne gute Chance, in der Adressdatei des Büros zu landen.
Mal ganz davon abgesehen, dass all die neuen Austausch-Techniken - FNC? QR-Codes? - eine begrenzte Lebenszeit haben. Oder kennt noch jemand einen Menschen, der (wie auch ich Anfang des Jahrtausends) immer noch seine Kontaktdaten über die Infrarot-Schnittstelle eines Palm Pilot übermittelt?
(Thomas Wiegold)










