2 Tage später kann ich es immer noch kaum fassen ... ich bin Halbmarathon gelaufen ... ich bin ins Ziel gekommen ... ich wurde nicht vom Besenwagen überrollt ... einfach unglaublich *kopfschüttel*.
Aber mal der Reihe nach ... hier kommen die letzten Tage vor dem Lauf quasi im Zeitraffer ;o)
Dienstag, 17.05.16
30 Minuten-Lauf, der aufgrund der schwülwarmen Luft nicht so gut verlief wie ich gehofft hatte. Dementsprechend mittelprächtig war dann auch die Herzfrequenz mal wieder.
Mittwoch, 18.05.16
Ein Stündchen passives Höhentraining auf 4.000m. Die Sättigungswerte waren für die Höhe in Ordnung und ich konnte einigermaßen gut entspannen.
Donnerstag, 19.05.16
Nach einem stressigen Tag im Büro sollte ich eigentlich nur 30 Minuten GA1 laufen. Und dann funktionierte mal wieder nix - zu warm, HF zu hoch, Beine schwer. Hab mich dann gezwungen, zwischendurch immer wieder zu gehen und die Einheit auf 45 Minuten ausgeweitet. Wirklich zufrieden war ich mit dem Lauf aber natürlich nicht.
Freitag, 20.05.16
Nach der Arbeit ging’s mit Aggi und Yvonne nach Gelsenkirchen, um die Startunterlagen abzuholen. Das war wirklich super organisiert und nach 10 Minuten hatten wir schon alle Unterlagen zusammen *Daumenhoch*. Enttäuschend war allerdings der Inhalt des Beutels - außer haufenweise Werbeflyer und 2 Stückchen Traubenzucker nix drin. Das kenne ich von anderen Veranstaltungen ganz anders, aber naja. Anschließend ging es dann mit den Mädels aber noch zum Chinamann *mjam*
Samstag, 21.05.16
Eigentlich hatte ich mir ja vorgenommen, den Tag vor dem Halbmarathon ganz entspannt zu gestalten. Aber daraus wurde natürlich nichts. Pünktlich um 7 Uhr ging’s zum Wocheneinkauf, dann kurz nach hause, die Plörren wegbringen und direkt weiter zum Friseur (für den Fall, dass ich am nächsten Tag versagen sollte, hatte ich zumindest die Haare schön *haha*).
Vom Friseur aus bin ich dann direkt wieder nach Gelsenkirchen gefahren, um mein Laufshirt umzutauschen. Ich hatte mir ursprünglich eins in Größe M bestellt, um dann festzustellen, dass dies Einheitsgrößen für Männlein und Weiblein waren und meins demnach viel zu groß war *grmpf*. Zum Glück war der Umtausch aber kein wirkliches Problem und ich konnte mit einem Shirt in Größe S wieder die Heimfahrt antreten :o).
Zuhause angekommen hatte ich dann noch genau eine Stunde Zeit zum Entspannen, bevor es zum Vortrag “Laufen mit Watt” bei Bewegungsfelder ging. Der war mal wieder super interessant. U.a. waren nämlich 2 Herren der Firma Winkels da und haben über Laufstil und Laufökonomie referiert. Das war wirklich spannend und ich habe beschlossen, demnächst auf jeden Fall mal eine Laufanalyse machen zu lassen. Ich bin mir nämlich ziemlich sicher, dass mein Laufstil alles andere als optimal ist *hust*.
Schlussendlich war ich also erst gegen 17.30 Uhr zuhause und konnte erst dann die Füße hochlegen ... nicht gerade viel, aber besser als gar nix.
Der große Tag
04.00 Uhr - Der Wecker klingelt ... also raus aus den Federn und ganz in Ruhe duschen und wach werden.
06.15 Uhr - Frühstück ... irgendwie habe ich es geschafft, mir 1,5 Brötchen reinzuzwängen. Das war ganz schön anstrengend, aber musste natürlich sein. Dazu gab’s einen Kaffee und schon mal 500 ml Magnesium.
07.00 Uhr - Nachdem Schinzi und Aggi bei mir eingetrudelt waren, ging es auch direkt los ... Abfahrt nach Gelsenkirchen.
07.30 Uhr - Sämtlichen Strassensperrungen erfolgreich aus dem Weg gegangen und einen kostenlosen Parkplatz nur 5 Gehminuten vom Start/Ziel entfernt ergattert *tschakkabääääm*
08.00 Uhr - Im Startbereich noch mal schnell das stille Örtchen aufgesucht. Und Schinzi hat damit auch direkt ihre allererste Nutzung eines Dixiklos erfolgreich gemeistert *haha*.
08.40 Uhr - Einchecken in die Startbox. Dabei festgestellt, dass Schinzi als einzige doch in eine andere Startbox muss ... blöd gelaufen *grmpf*. Langsam steigt die Spannung und ich versuche mir immer wieder mehr oder weniger erfolgreich einzureden, dass ich nur einen sehr langen Trainingslauf mit Zuschauern am Rand vor mir habe. Funktioniert nur noch mittelprächtig *Panikmodusan* *uaaaaahhhh*.
09.00 Uhr - Startschuss für den ersten Startblock und erste Verwirrung. Mir war gar nicht klar, dass jeder Startblock seinen eigenen Startschuss haben würde ... aber egal, im Nachhinein war es so viel entspannter, weil nicht so viele Leute auf einmal losgerannt sind.
09.13 Uhr - Startschuss für den dritten, also unseren Startblock ...
Mein erster Halbmarathon beginnt ... (Bilder siehe weiter unten)
KM 0 - Super Stimmung am Start, tolles Publikum!
KM 1 - Aggi ist noch bei mir und wir genießen die ersten Meter. Den Ballon vom 2:30 Std Pacemaker haben wir fest im Blick.
KM 2 - Aggi läuft nun einige Meter vor mir und ich stelle fest, dass es irgendwie extrem unangenehm von der Temperatur her ist. Ich schaue regelmäßig auf meine Garmin und checke Watt- und Pace-Werte, um nicht zu schnell anzulaufen. Die HF liegt jetzt schon bei knapp unter 160, was mir nicht wirklich in den Kram passt. Aber egal ... bis jetzt fühlt sich alles noch recht gut an.
KM 3 - Erste Verpflegungsstation ... ich schnappe mir 2 Becher Wasser und gehe ein Stück, um vernünftig trinken zu können. Aggi habe ich nicht mehr im Blick, dafür aber den 2:30er Ballon einige Meter vor mir.
KM 5 - Ich komme langsam Richtung Zeche Zollverein, also bekannte Gefilde, und halte Ausschau nach Bocki, die sich irgendwo hier eigentlich zum Anfeuern platzieren wollte. Langsam wird das Laufen dann auch anstrengend und ich versuche mit einer Verminderung der Pace die Herzfrequenz wieder in den Griff zu bekommen.
KM 6 - Zweite Verpflegungsstation ... ich gehe wieder ein Stück, um einen Becher Wasser zu mir zu nehmen. Von Bocki weiterhin keine Spur ... vielleicht hat sie es nicht geschafft oder ich hab sie am Fanpoint übersehen?!
KM 7 - Aufgrund der verwinkelten Streckenführung an der Zeche habe ich den 2:30er Ballon aus den Augen verloren. So langsam macht mir auch die schwülwarme Luft richtig zu schaffen. Außerdem schmerzt das linke Schienbein, aber immerhin macht der rechte Fuß stillschweigend seine Arbeit.
KM 8 - Die nächste Verpflegungsstation am Ende der Zechenrunde auf der Gelsenkirchener Straße, bei der ich neben Wasser jetzt auch ein Elektrolytgetränk zu mir nehme. Dann geht es rechts ab auf eine Trasse, die sich endlos vor einem erstreckt. Hier sind dann auch kaum noch Zuschauer am Rand. Ein Glück, dass ich mich doch dazu entschieden hab, mit Musik auf den Ohren zu laufen.
KM 10 - Ich laufe immer noch auf der Trasse ... rechts und links nichts als Gebüsch, unter mir ein endloser Schotterweg. So fühlt es sich zumindest an und ich merke, dass ich immer weiter in ein Tief abrutsche. In meinem Kopf geben sich Hunderte von Gedanken die Klinke in die Hand, die wenigsten davon positiv. Eigentlich habe ich keine Lust mehr zu laufen, aber irgendwie machen die Beine trotzdem weiter. Genau bei KM 10 quasi ein Checkpoint für die Zwischenzeit ... daneben sitzt ein Helferlein vor einem Zelt. Hat der hier etwa übernachtet? Die Belustigung darüber hält irgendwie nicht lange an ...
KM 12 - Es geht wieder besser voran, gerade bin ich an meinen Eltern vorbei gekommen, die mich vom Trassenrand aus angefeuert haben. Das war wirklich das perfekte Timing und hat mich für einige Kilometer lang aus meinem Tief geholt. Kurz vorher bei KM 11 gab’s auch endlich wieder was zu trinken ... diesmal habe ich sogar schon zur Cola gegriffen. In der Hoffnung, dass mich das wieder etwas wacher macht.
KM 14 - Ich überquere den Rhein-Herne-Kanal und schaue sehnsüchtig auf das Wasser. Was würde ich jetzt für eine Runde in unserem heimischen Pool geben *seufz*. Dann wieder der Blick nach vorne und fast hätte ich sie übersehen ... Bocki und Stephan mit Hund! Was für eine Überraschung! Ich freue mich riesig darüber und laufe wieder mit positiveren Gedanken weiter Richtung Nordsternpark.
KM 15 - Wieder eine Verpflegungsstation ... es gibt jetzt nur noch einen Becher Cola und das erste Mal greife ich auch zu einem Schwamm, den ich über Kopf und Beinen ausdrücke und mir damit zwischendurch noch das Gesicht kühle.
KM 17 - Mittlerweile geht es wieder durch Wohngebiet und es feiern viele Zuschauer am Strassenrand. Man sieht tolle Sprüche auf Plakaten (”Jetzt umzudrehen wäre doch auch irgendwie blöd!” *haha*), wird in einer Tour angefeuert, klatscht am Strassenrand wartende Kinder ab und quält sich einfach immer weiter. Auf die Garmin schaue ich so gut wie gar nicht mehr ... mir ist alles egal, ich will einfach nur noch ankommen und dass es vorbei ist.
KM 18 - Die letzte Verpflegungsstation ... ich schnappe mir noch mal Cola und Schwamm. Wirklich gut fühle ich mich nicht, aber die restlichen 3 km werde ich auch noch irgendwie hinter mich bringen ... im Notfall auch gehend.
KM 19 - Es zieht sich wie Kaugummi ... ich muss ständig Gehpausen einlegen, weil die HF vollends unter die Decke schießt. Das “wieder Anlaufen” gestaltet sich immer schwieriger und tut in den Beinen weh, aber ich zwinge mich trotzdem. Noch ist der 2:45er Ballon nicht an mir vorbeigekommen und ich kann ihn hinter mir auch nirgends entdecken.
KM 20 - Es geht zurück auf die Feldmarkstraße, d.h. ich bin dem Ziel nahe und schöpfe noch mal neue Kraft. Und dann biege ich auf die Zielgerade ab ... was für ein irres Gefühl, ich lasse mich von den Zuschauern ins Ziel tragen und gebe noch mal richtig Vollgas.
KM 21,0975 - Ich hab’s geschafft, ich bin Halbmarathon gelaufen, ich habe nach 2:36:24 Stunden das Ziel erreicht ... aber wirklich realisieren kann ich es noch nicht.
Wie sagte der Sieger des Vivawest-Marathons Elias Sansar später in einem Interview mit dem WDR so schön? “Das Gefühl ins Ziel zu kommen, kann man nicht beschreiben. Dieses Gefühl muss man sich erlaufen.” Und damit hat er sowas von recht. Ich kann mich noch daran erinnern, dass ich mir irgendwann während des Rennens geschworen habe, die Laufschuhe anschließend in die Tonne zu kloppen ... und kaum war ich im Ziel hatte ich schon die nächsten sportlichen Pläne im Kopf *haha*. Mein erster Halbmarathon war für mich definitiv eine Achterbahnfahrt der Gefühle, und dass ich ihn erfolgreich beendet habe, hatte vermutlich viel mehr mit meiner Willenskraft (wo auch immer die her kam) als mit dem Trainingszustand meiner Beine zu tun. Schlussendlich bin ich aber nun überglücklich und unendlich stolz auf mich selbst, dass ich das geschafft habe!
Und damit kommen wir nun auch schon direkt zu meinen Danksagungen:
- meine Orgels Aggi, Schinzi und Yvonne: Ich bin sowas von stolz auf jeden einzelnen von euch. Danke, dass ihr dieses Abenteuer mit mir zusammen in Angriff genommen habt. Und egal, was andere sagen ... wir sind die Geilsten! ;o)
- Aljoscha & Stephan: Danke für die Trainingspläne, für die Ratschläge, für die Ermahnungen, für eure Geduld, für all die Motivation und dass ihr immer an mich geglaubt habt. Ihr seid und bleibt die besten Coaches aller Zeiten. Ohne euch hätte ich das niemals geschafft.
- meine Family: für die immerwährende Unterstützung an und neben der Strecke und dafür, dass ihr trotz meiner immer wieder verrückten Ideen ohne Wenn und Aber hinter mir steht.
- Peter: für das spontane Tapen meines Fußes und die Unterstützung beim Training. Du bist ein wahrer Motivationskünstler!
- Bocki, Stephan und Britta: für den Support an der Strecke und zuhause am Laptop. Habe mich riesig darüber gefreut!
- mein eigener Körper: dafür, dass Du mich immer wieder an die Grenzen gehen lässt, dass Du jede verrückte Idee mit Dir machen lässt, mir aber zwischendurch auch immer mal die rote Karte zeigst, mir Steine in den Weg legst und mich damit immer stärker wieder zurückkommen lässt.
Und natürlich geht ein großes Dankeschön auch an alle anderen, denen ich auf dem Weg zu meinem ersten Halbmarathon begegnet bin, mit denen ich zusammen trainiert habe, die mich unterstützt und immer wieder motiviert haben, meinen Weg verfolgt oder sonst irgendwie beteiligt waren! Ich werde jetzt hier keine Namen aufzählen, weil ich sonst sicherlich irgendjemanden vergessen würde. Deshalb fühlt euch einfach bitte alle angesprochen!
Und nun noch ein paar Erkenntnisse:
1. Ich bin ein Halbmarathoni! Das muss ich mir momentan immer wieder selbst sagen, weil ich es einfach nicht glauben kann *haha*
2. Am Tag danach hat man so einen megamäßigen Kohldampf. Habe mir vom Coach erst mal bestätigen lassen, dass das normal ist, und dann ordentlich zugeschlagen *haha*
3. Sollte ich jemals noch mal einen Wettkampf mit 21 km oder mehr laufen, suche ich mir auf jeden Fall potentiell kühlere Monate dafür aus. Ich bin für Hitzeschlachten und hohe Luftfeuchtigkeit einfach nicht gemacht.
4. Leichter Muskelkater am Folgetag, der heute aber wieder so gut wie verschwunden ist. Dafür fangen tatsächlich die Füße schon wieder an zu kribbeln. Werde mich aber zurückhalten und morgen erst mal für 30-60 Minuten locker aufs Rad gehen. Donnerstag geht’s dann zumindest für eine kurze Einheit wieder zurück in die Laufschuhe.
5. Die Woche nach dem HM Urlaub zu nehmen, war eine großartige Entscheidung *haha*.
Tja, und damit ist dieser Blog jetzt wohl auch an seinem Lebensende angekommen. In den nächsten Tagen werde ich mal meine Gedanken sammeln und überlegen, wie meine “sportliche Laufbahn” weitergehen soll. Und für die nächsten Ziele wird es dann vermutlich auch wieder einen Blog geben ;o).Nun ist aber erst mal Regeneration angesagt ...
In diesem Sinne bedanke ich mich für euer Interesse und eure Aufmerksamkeit und sage leise bis bald *verbeug*
Eure Halbmarathoni Jini