10. November 2019
Umständliche Vermessung von zehn Kilometern Waldweg
Wie bereits berichtet, gehe ich regelmäßig joggen und zeichne gelaufene Strecken und Zeiten mit der App RunKeeper auf. Das geschieht weniger aus sportlichem oder gesundheitlichem Ehrgeiz, als aus Spieltrieb und einem Hang zur Dokumentation.
Heute nehme ich mit einigen Freunden an einem 10-km-Crosslauf im Tegeler Forst teil und möchte diesen Anlass nutzen, um die entsprechende Badge in in Fitocracy einzuheimsen, wohin meine Läufe von RunKeeper aus synchronisiert werden. Da es sich um eine offizielle Veranstaltung mit abgesperrter Strecke handelt, werde ich an keiner Ampel warten müssen und bin zudem einigermaßen motiviert, eine gute Zeit zu laufen (und nicht z.B. mittendrin ein paar Schritte zu gehen, um an meinem Smartphone herumzunesteln, um die Playlist zu wechseln oder dergleichen).
Eine Karte der Laufstrecke wurde vorab veröffentlicht. Prinzipiell würde es also genügen, meine Laufzeit zu stoppen, sodass ich Strecke und Zeit später in Ruhe manuell in der Web-Applikation von RunKeeper eingeben kann. Aber einerseits bin ich nicht sicher, wie genau die Zeitnahme durch die Veranstalter erfolgt und wie exakt die veröffentlichte Streckenkarte ist, und andererseits ist es natürlich authentischer, meinen Lauf tatsächlich selbst zu tracken. Also wird das Smartphone eingepackt.
Es besteht allerdings die Gefahr, dass der schon etwas altersschwache Akku des Telefons Probleme verursacht. Wenn man das Gerät bei einstelligen Temperaturen herausholt, schaltet es sich mitunter erst einmal aus. Sicherheitshalber packe ich also auch diese billige Digitaluhr mit Stoppfunktion ein, die ich neulich für einen anderen Anlass bei Decathlon gekauft habe.
Noch deutlich vor dem Start klärt sich allerdings die Lage: Die Startnummern (ca. DIN-A5-Format), die von den Veranstalterïnnen ausgeteilt und von den Läuferïnenn mit Sicherheitsnadeln vorn am Shirt befestigt werden, haben einen integrierten RFID-Chip für die Zeitnahme. Man läuft damit an Start und Ziel an einem Lesegerät vorbei, wodurch die Zeit ermittelt werden kann. Dass der Chip in die Startnummer integriert ist, kannte ich noch nicht. Bisher hatte ich nur das System, bei dem der Chip in einem Plastikgehäuse steckte und mit den Schnürsenkeln am Schuh befestigt werden musste.
Ich verzichte also auf die Digitaluhr, starte aber zu Beginn des Laufs die RunKeeper-Aufzeichnung. Ein Weilchen später meldet sich die App vernehmlich mit der Durchsage, dass nun fünf Minuten vergangen seien, sowie mit meiner aktuellen Geschwindigkeit. Das war so jetzt nicht beabsichtigt – normalerweise laufe ich mit einem Headset, wodurch nur ich diese Informationen erhalte. Dass jetzt alle um mich herum alle fünf Minuten wichtigtuerische Ansagen meiner sicher nicht olympischen Laufgeschwindigkeit zu hören bekommen, ist mir ein bisschen peinlich.
Ich könnte nun irgendwie das Smartphone herausfummeln und versuchen, diese Benachrichtigungen abzustellen oder das Headset einzustecken. Andererseits scheint sich niemand der Laufnerds um mich herum daran zu stören. Und vor allem führt mir die Ansage deutlich vor Augen, dass ich gerade für meine Verhältnisse sehr schnell unterwegs bin. Deutlich zu schnell, um zehn Kilometer durchzuhalten. (In der Euphorie des Starts ordentlich Gas zu geben, um dann in der zweiten Hälfte eines Laufs übel einzubrechen, gilt als typischer Anfängerfehler.)
Ich mäßige also mein Tempo und lasse die zwei Freunde, die mir seit dem Start schon ca. 100 m vorausgeeilt sind, die ich aber immer noch im Blick habe, endgültig davon ziehen. Eine Weile später werde ich von einer weiteren Freundin, die ich zunächst hinter mir gelassen hatte, eingeholt und dann auch überholt. Später hole ich sie wieder ein und am Ende laufen wir gemeinsam durchs Ziel. Ich bin sehr zufrieden, denn meine Laufzeit ist deutlich besser als erwartet, was ich sowohl dem Ansporn durch die mitlaufenden Freundïnnen zuschreibe, wie auch der Mischung aus Motivation und Selbstkontrolle durch die RunKeeper-Ansagen.
Nach dem Zieleinlauf pausiere ich erst einmal die RunKeeper-App, denn diese hat bis dahin nur 9,83 km Laufstrecke gemessen. So wird das natürlich nichts mit der 10-km-Badge! Wir geben unsere Startnummern wieder ab, trinken etwas und quatschen und auf dem Weg zum Parkplatz setze ich für RunKeeper den Lauf noch etwas fort. So komme ich auf die vollen 10 km Strecke, versaue mir durch drei Minuten gemütlichen Schlenderns allerdings auch ein wenig die die gute Laufzeit.
(Virtualista)











