11.-13. April 2023
Händewaschen in Großbritannien: Es bleibt schwierig
Das Campingplatz-Waschhaus ist ganz neu und hat Mischbatterien (in diesem Land selten) mit Bewegungssensor. Beim ersten Versuch, mir die Hände zu waschen, kommt acht Sekunden lang immerhin angenehm temperiertes (in diesem Land selten) Wasser und dann keines mehr. Ich wedle und wedle und glaube dann, dass der Hahn defekt ist. Mit dem Ellbogen öffne ich die Türverriegelung und wasche mir die Hände in der Nachbarkabine weiter. Weiter, aber nicht zu Ende, denn auch hier gibt es nach acht Sekunden kein Wasser mehr und alles Wedeln bleibt ergebnislos. Ich gehe wieder zurück in die erste Kabine, und jetzt ist der Wasserhahn dort wieder bereit, eine kleine Portion Wasser herzugeben. Ich vermute einen seltsamen Timeout, vielleicht muss man immer eine Minute warten.
Beim nächsten Besuch im Waschhaus versuche ich die Wartetheorie zu testen, werde aber ungeduldig und probiere in der Wartezeit andere Dinge aus. Vielleicht hat man ja aus dem Rassismusdebakel mit dem Seifenspender gelernt und meine Hände sind zu weiß für den Sensor? Probehalber halte ich meinen schwarzen Jackenärmel unter den Sensor und bekomme einen nassen Ärmel. Das lässt sich aber auch nicht reproduzieren.
Bei den folgenden Besuchen probiere ich alles durch: Unterschiedliche Wedel-Arten, unterschiedliche Entfernungen, unterschiedliche Beleuchtung, Abtrocknen des Sensors, es hilft alles nichts. Das Wasser kommt manchmal willig und sofort, manchmal lange gar nicht mehr, dann aber doch wieder, ein Muster kann ich nicht erkennen. Es ist bei allen Wasserhähnen im Waschhaus gleich, ein einzelner defekter Sensor scheidet also als Fehlerursache aus.
Am Ende des Aufenthalts habe ich viel Zeit investiert, aber auch viel Wasser gespart. Jedenfalls beim Händewaschen; die Duscharmaturen waren sehr gut (in diesem Land selten) und wahrscheinlich habe ich das beim Händewaschen eingesparte Wasser beim Duschen verbraucht. What you lose on the swings you gain on the roundabouts.
Diesen Bewegungssensor-Wasserhahn der Firma “Dart Valley Taps” sollte man eher nicht kaufen, außer vielleicht, wenn man einen Campingplatz betreibt und seine Gäste hasst..
Update: Nach Betrachtung der “Dart Valley Taps”-Website glaube ich, der Wasserhahn kann nichts dafür. Wahrscheinlich kommt auf dem Campingplatz das “Washroom Control System” zum Einsatz, “specially designed to meet the requirements of the modern day safe-ensuite in mental health units, prisons and police cells”. Es hat eine “lock-out”-Option “to limit the number of operations in each period of adjustable run times”, und diese Option hat jemand entweder total verkonfiguriert oder gar nicht konfiguriert und ihre Defaulteinstellung ist unbrauchbar. Meine erste Theorie von der Wartezeit war also wahrscheinlich doch richtig und alle späteren Theorien nur das Ergebnis von abergläubischem Versuchsrattenverhalten.
(Kathrin Passig)














