Weilburg, Germany 1910/20
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Weilburg, Germany 1910/20
Schloss Weilburg at night, Hessen, Germany.
A few days in Germany, a visit to 15 villages and towns in the Marburg and Kassel region. Known for their "post-and-beam" construction houses. ( Wolfhagen, Fritzlar, Melsungen, Spangenberg, Rotenburg ad Fulda, Morschen, Wetzlar, Alsfeld, Weilburg, ……..) Some impressions.
Spaziergang im Schloßgarten . . . . . . #Weilburg #WeilburgerSchloss #Spätsommer #Garten #Barock #blütenzauber #Blütenpracht https://www.instagram.com/p/B1t2gwSiM__/?igshid=1w9t7vh8inncr
A wildcat in his enclosure at the animal park in Weilburg, Germany.
Photograph: Ronald Wittek/EPA
Burg Runkel in Runkel an der Lahn in the Limburg-Weilburg district of Hessen, Central Germany. The town’s first documentary mention was in 1159 in a document in which nobleman Siegfried von Runkel had his name appear as a witness. It is believed that he was the one who built the castle. The town still has old bridges and inns and is worth a visit if you enjoy medieval architecture.
Gefangen. #Weilburg #Tiergarten #Zaun https://www.instagram.com/p/BtjEiZ0AF1a/?utm_source=ig_tumblr_share&igshid=s66miwyzqkt9
Walking in Weilburg – Mit gemischten Gefühlen durch eine kafkaeske Stadt
Als Wanderer zwischen den Welten suche ich mir meine Ziele oftmals nicht selbst aus. Ich folge Eingebungen. So auch am Sonntag, den 23. März, als ich den spontanen Entschluss fasste nach Weilburg zu fahren. Ich kennen die Stadt seit vielen Jahrzehnten, aber immer nur als Durchgangsstation für weitere Ziele. Meist geht es dann weiter in den Westerwald, oder sonst wohin. Die Male, wo ich in Weilburg etwas aufsuchte, kann ich buchstäblich an einer Hand abzählen. Zweimal habe ich mit meiner Frau das Rosenhang-Museum besucht. Ein Ort mit einer Lost-Places-Atmosphäre. Die Räume der alten ehemaligen Brauerei, wo heute Bilder von Elvira Bach, Lüpertz und Immendorf hängen sind passend zur Kunst ein wenig gruselig. Unverputzte Mauern, dunkle verschachtelte Räume. Im wahrsten Sinne des Wortes morbider Charm. Garantiert nicht jedermanns Sache. Wir sind jedes Mal die einzigen Besucher, die in kalten Räumen den „Neuen Wilden“ hinterhertrauern.
Immer wenn wir wieder im Auto sitzen und an den Fassaden alter ehemaligen Fabrik-Gebäuden vorbeifahren, einen kurzen Blick in die kleinen engen Felsschluchten werfen, die früher vielleicht mal Eingänge für dahinterliegende zugemauerte Erzschächte waren, denken wir uns, dass die Stadt ihre besten Jahre lange hinter sich hat und streng genommen nur noch ein großes Museum ist. Wie kleine Burgen thronen die dazugehörigen Fabrikanten und Ingenieurs-Villen auf halber Höhe über den Lahn, für die man im 19. Jahrhundert extra ein Schiffstunnel durch den Berg schlug, um den wertvollen Rohstoff mit kleinen Schleppkähnen an den Rhein und dann weiter ins Ruhrgebiet zu schaffen. Einiges wurde wohl schon auf einer Insel bei Bad Ems verhüttet.
Ebenfalls hoch über der Lahn, auf einem Felsplateau liegt das eigentliche Schmuckstück der Stadt, das prächtige Residenzschloss der Fürsten von Nassau, dahinter ducken sich demütig die Häuser der ehemaligen Untertanen. Wer hier eine quirlende kleine Metropole sucht – zum Beispiel sowie in Herborn – wird bitter endtäuscht. Weilburg könnte als Filmkulisse für einen Kafka-Roman herhalten. „Das Schloss“, aber eben nur als Kulisse, denn für ein Machtzentrum ist es einfach zu klein und bedeutungslos. Die letzten Nassauer räumten 1866 das Feld, nachdem ihr Fürst bereits 1816 nach Wiesbaden Biebrich umgezogen war. 1912, zwei Jahre vor dem ersten Weltkrieg wurde an der Ausfallstraße nach Bad-Homburg eine große Kaserne errichtet, in der sich heute eine Technic-Akademie befindet.
Stadtbegehung mit Intuition
Genau hier begann am Sonntag, 23. März meine Stadtbegehung der anderen Art. Gemächlich schlenderte ich durch ein kleines Villenviertel, stattliche Häuser, an denen ich Jahrzehnte lang auf der steilen Ausfallstraße immer nur vorbeigerauscht war. Das Weilburg trotz seines Innenstadtplateaus eigentlich in einem Talkessel liegt habe ich immer als beklemmend empfunden. Die gewaltigen Höhenunterschiede innerhalb der Stadt haben mich wiederum an Pirmasens erinnert. Eine Stadt, an die ich als ehemaliger Redakteur gleichfalls sehr ambivalente Erinnerungen habe. Es passierten vor und während meiner Zeit dort sehr gruselige Dinge. Kinder verschwanden spurlos, Menschen sprangen von der großen Schlucht-Talbrücke in den Tod, ein junger Lehrer beging vor einem Fuchsbau im Wald Suizid mit Schlaftabletten und wurde dann nur noch anhand von Skelettresten identifiziert … Auch Pirmasens war ja mal eine provinzielle Residenzstadt und hat nach Verlust der Schuhindustrie, deren letzte Zuckungen ich noch miterlebte, eigentlich nie wieder an ihre Blütezeit anknüpfen können. Solche Städte sind irgendwie nur noch Erinnerungsorte, und haben in dieser Hinsicht Ähnlichkeiten mit Friedhöfen.
Hinter der alten Kaserne geht es Terrassen artig steil abwärts in ein kleines enges Seitental der Lahn. Dahinter ein dichter Wald mit steilen Hängen. Der Name „Erbstollen“ deutet auf die florierende eiserne Vergangenheit hin. Ein steiler, schmaler Weg, den ich durch Zufall fand, führt vorbei an stillen dicht bewachsenen Gärten. Peter Handke, der in seinen Büchern gerne solche Orte als „Wildnis in der Stadt“ beschreibt hätte seine Freude gehabt. Unten, fast schon an der Lahn, ein paar versprengte Häuser. Wege die nach Nirgendwo führen. Steile Hänge, Felsen, Auwald. Plötzlich eine Straße ohne Gehweg und dahinter die Bahn. Wer in die Innenstadt will, muss durch eine enge dunkle Fußgängerunterführung unter dem steinernen Bahndamm und den Leinpfad nehmen. Die Lahn hat wenig Wasser, was mir als alten Kanufahrer natürlich sofort auffällt und gleichzeitig die Lust nimmt, demnächst mein Boot mal wieder startklar zu machen.
Die fünfte Dimension: Kalvarienberg und Heiliggrab-Kapelle
Nach ein paar hundert Metern, die ich von bewunderten Kommentaren eines älteren Paares begleitet, im ziemlichen Eiltempo zurückgelegt habe, stehe ich vor der Einmündung zweier Tunnels. Das Straßentunnel führt in den nördlichen Teil der Stadt, das Schiffstunnel in die gleiche Richtung Lahnaufwärts. Auch die Bahnstrecke verschwindet im Berg. Links zweigt eine Uferstraße ab, die um die Altstadt führt. Aber es gibt noch einen fünften Weg. Eine Art fünfter Dimension. Man mag mich für einen Spötter halten, aber ich meine es todernst. Dieser Weg führt – über eine steile Felsen-Treppe - direkt zu Gott: Zum Kalvarienberg und zur Heiliggrab-Kapelle. Als ich diesen Hinweis las war ich wie vom Donner getroffen. Allein, dass es solche Orte in einer calvinistischen Residenzstadt gibt – die Schlosskirche hat die Aura einer Bahnhofsvorhalle – hat mich buchstäblich aus den Schuhen gehauen. Um so mehr, dass ich, der knapp 30 Km entfernt wohnt, nie davon gehört habe. Die Felsentreppe, die alte spätgotische Kapelle, die fast griechisch-orthodox anmutet und darüber noch eine überdachte Kreuzigungsgruppe. Dazwischen uralte Gräber. Das alles wirkte dermaßen unwirklich, fantastisch, jeglicher räumlichen Zuordnung enthoben. Gräber in einen Felshang, verwinkelt, überwachsen, geheimnisvoll. Ein heiliger Ort, der zweimal den Bilderstürmern trotze. Das erste Mal nach der Reformation, das zweite Mal, als übereifrige Lokalpolitiker aus dem Juwel einen Stadtpark machen wollten, dann aber von empörten Bürgern gestoppt wurden. Gott sei Dank!
Privatgrab im Villenviertel
Beim Rückweg durch das Villengebiet kam ich an einem stattlichen Anwesen mit großem Park vorbei und wunderte mich, dass sich vor dem Haus ein Wegkreuz befand. Doch wie groß war mein Erstaunen, als ich feststellte: Es war kein Wegkreuz. Es war ein Grab. Ein Privatgrab, außerhalb eines Friedhofes. Einer der Toten war ein im ersten Weltkrieg gefallener Familienangehöriger. Dies alles hat mich sehr nachdenklich gemacht. Nichts war geplant. Mein Spaziergang durch Weilburg habe ich mehr oder weniger dem Zufall und meiner Intuition überlassen…
Wo ist der vermißte kleine Junge?
Zwei Tage nach meiner intuitiven Exkursion verschwand nicht weit von meinem Rundgang entfernt ein kleiner sechsjähriger Junge. Das hat mich innerlich sehr aufgewühlt, zumal ich bei dem Spaziergang dauernd an unseren fast gleichaltrigen Enkel denken musste, und den Entschluss faste mit ihm mal das Bergbaumuseum zu besuchen, dass im Schloss untergebracht ist. Wo ist dieser kleine vermisste Junge, nach dem seit Tagen intensiv gesucht wird? Wie der aufmerksame Leser gemerkt hat, ist die Suche in einer solchen verwinkelten von einer Fluss-schlinge und dichten Wäldern und Tälern umgebenen Stadt keine leichte Aufgabe.