Seven Beauties (Wertmüller, 1975)

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Seven Beauties (Wertmüller, 1975)
La volgarità! Nell'amore non c’è volgarità. Ve la siete inventata voi ricchi, la volgarità. Brutta bottana industriale socialdemocratica!
Travolti da un insolito destino nell'azzurro mare d'agosto
[Warnung: arg milieu-intern]
Viel Häme gab es bereits für diesen Text und wie üblich ist sie teils übertrieben (und sagt einiges über die ‘Kritiker’), aber hier hat es Wertmüller auch nicht anders verdient. Abgesehen von Unsachlichkeiten ist der Duktus diesmal wirklich miserabel - aber das Verwerflichste liegt an anderer Stelle. An der Bahamas schätze ich, dass sie Verschüttetes offenbart, dass sie einen selbst aus unbewusst eingeschlagenen Denkpfaden herausreißt. Diesen Job leistet sie noch immer ganz gut (stark abhängig vom/n Autor/in mittlerweile) - so durchaus auch in diesem Text. Das Problem ist aber ein Methodisches der Ideologiekritik an sich. Auch als rein negativ muss sie im einzelnen Bewusstsein immer einen Ausgangspunkt nehmen, der letztlich positiv ist, und gegen den man selbst blind bleibt, wenn man ihn sich nicht bewusst macht. Der Linke etwa leistet Ideologiekritik soweit, wie es dem eigenen Ausgangspunkt nicht entgegensteht und bleibt ewig blind oder aber er gesteht es sich offen ein, ‘als Linker’ zu agieren und lebt forthin mit den Widersprüchen und legitimiert das als ‘Politik’. Die Unzulänglichkeiten sind offensichtlich und so ist der Anspruch der quasi 'freien’ Ideologiekritik, sich von solchem Standpunkt zu lösen, zu begrüßen. Allerdings nimmt man diesen eben spätestens dann ein Stück weit ein, wenn man den Gegenstand der Kritik wählt - und tut man dies nicht mit einem gewissen allgemeinen Interesse, dann waltet das eigene, natürlich auch in die Totalität eingeschlossene Hirn (Warenform-Denkform) und der Ausgangspunkt wird auch aus unbewussten Motiven eingenommen. Wertmüller hat nun scheinbar ein großes Bedürfnis, gegen Die Partei zu schreiben - und zunächst ist dagegen ja nichts einzuwenden, dass man sich so damit auseinandersetzt und eine Kritik formuliert: In der Wahl der Gegenstände ist das eigene Interesse ja auch nie ganz zu tilgen - und sollte es auch gar nicht, ist es doch der zuverlässigste Motor der intellektuellen Arbeit. Reguliert wird dies aber dadurch, wenn man nicht einfach so ins Blaue hinein Ideologiekritik betreibt, sondern eben ein Interesse hat, das an diese gekoppelt ist (und das ist ja eigentlich der Anspruch der Bahamas im Sinne der kritischen Theorie): die befreite Gesellschaft, Kommunismus also. Interesse meint nicht Ziel einer ‘Praxis’, sondern Perspektive der Theorie - die dadurch zur Kritik wird. Mit dieser Perspektive wäre nun auch klar, dass es sich im Fall hier um ein Randphänomen handelt, eine unbedeutende Zeitschrift und eine 1%-Partei. Möchte man hier also abseits des Erkenntnisgewinns zwingend eine Folge fürs Handeln ableiten, wäre dies allemal negativ: Man liest die Titanic eben nicht und hält sich von der Partei fern bzw. wählt sie nicht. Und man kann sich getrost wieder relevanteren bzw. schöneren Dingen widmen. - Dabei will es Wertmüller aber nicht belassen, was andeutet, dass er sich in der Kritik nicht mehr vom Gegenstand leiten lässt, der natürlich auch seine Relevanz vorgibt, sondern von seinem Bedürfnis, seinem Interesse: u.a. sich auch ja von allem abzugrenzen, womit er in Berührung kommen könnte (vgl. auch den Leipzig-Text). Und Abgrenzung will Resultate sehen. Abseits des diesmal noch ärger polternden Schreibstils, der bei allen Treffern, die er inhaltlich landet, den Text teils ins Peinliche zieht, und abseits des schwachen Abschnitts über Prostitution fordert er nämlich - und das ist der eigentliche Affront - am Schluss die Leser auf, “alles in ihrer Macht stehende zu unternehmen, den Herren Tim Wolff, Martin Sonneborn, Leo Fischer und ihren zahlreichen kichernden Claqueuren das lustige Leben und Wirken gründlich zu versauern". - Hier steht also ernsthaft am Ende eine Aufforderung zum politischen Engagement, verbunden mit dem schrecklichen Pathos vom 'Einsatz der ganzen Person', das doch sonst zurecht auch in der Bahamas kritisiert wird. Wem außer dem Autor und seinem Bedürfnis ist denn bitte geholfen, wenn man ein paar Randfiguren das Leben schwer macht? (Man könnte weiter fragen, was damit eigentlich genau gemeint ist..) Wenn ich Agitation will, um mir mein Subjekt-Dasein mit milieu-interner Pseudopraxis oder mein Bewusstsein mit Moral (hier eben: 'Du stehst doch wohl auf der Seite des Westens oder?!') zu füllen, kann ich auch zu linker Postille oder rechter 'Islamkritik' greifen.
Also nein, ich werde mit Sicherheit nichts unternehmen. Ich wünsche Fischer & Co trotz Humordifferenzen einzig und selbstverständlich, dass sie nicht Ziel von Islamisten werden - und, muss man angesichts der Wortwahl wohl ergänzen, auch von eventuellen Folgen solcher light-Fatwas verschont bleiben. Ansonsten kann man sie getrost links liegen lassen und sich Texten widmen, die nicht wütend zum Handeln auffordern, sondern ruhig die Widersprüche offen legen - hoffentlich auch weiter in der Bahamas. Setzt man sich aber am Ende wie hier nur noch zum Ziel, belanglosen Satirikern das Leben zu “versauern”, hat man mit dem richtigerweise abgelegten Standpunkt auch die Perspektive verloren, die die ‘freischwebende’ Ideologiekritik an solch Irrflügen hindern könnte.
“Der Gegensatz beginnt damit, daß der Justus Wertmüller die Kritik, die ja ein Instrument der gesellschaftlichen Vivisektion, und die Polemik, die in Wahrheit ein Florett ist, gerne mit einer Dampframme verwechselt. So ist seine Dampframme konstruiert, daß sie unbedingt und jedenfalls auf Entscheidung geht. Im Prinzip ist das richtig, weil ja die Kritik ihrem Adressaten einen Spielraum öffnen soll, einen Raum der Entscheidung und der Freiheit, indem sie, gerade durch ‘Denunziation’ (Marx), einen Ort konstituiert, an dem subjektive Verantwortung und also die Freiheit von Ideologie überhaupt möglich wird. Falsch ist dagegen, wenn die Alternative, innerhalb derer sich entschieden werden soll, aus dem blauen Himmel erfunden wird. Dann setzt sich der Mann an der Ramme dem bestimmten Verdacht aus, es ginge ihm nicht um die Entscheidung zwischen dem Wahren und dem Falschen, sondern darum, die Position des Dezisionisten als solche zu okkupieren, d.h. die Position der Justitia, die die Waage hält und damit selbst im Jenseits von wahr und falsch operiert. Stimmte dieser Verdacht, so wäre das ganz falsch. Denn das wäre die Position des bürgerlichen Intellektuellen, des Theoretikers, der im Geiste tut, was der Wert praktisch tut." - Joachim Bruhn (bereits 2003)
„Die kritische Theorie ist weder ‚verwurzelt‘ wie die totalitäre Propaganda noch ‚freischwebend‘ wie die liberalistische Intelligenz. [...] Die Festigkeit der Theorie rührt daher, daß bei allem Wandel der Gesellschaft doch ihre ökonomisch grundlegende Struktur, das Klassenverhältnis in seiner einfachsten Gestalt, und damit auch die Idee seiner Aufhebung identisch bleibt.“ - Max Horkheimer
«Io sono mica più io, guarda... Impazzita, ubriaca, come se m'avessero violentato i turchi, rapito i corsari... Insomma, sensazioni primordiali. Sconvolta guarda, davvero. Io non lo so se tu puoi capire. È stato meraviglioso per me. E per te?» «Mah... insomma... mica male»
Travolti da un insolito destino nell'azzurro mare d'agosto
Kommunisten, die jede Form der Gleichheit außer den gleichen Zugang zum gesellschaftlichen Reichtum bekämpfen, haben daher eine hohe Meinung von den Errungenschaften der kapitalistischen Welt und meinen damit die Entfaltung der Produktivkräfte in jenem umfassenden Sinne, wie sie schon von Marx pointiert wurde: als Entwicklung der materiellen Voraussetzungen für allgemeinen Luxus unter nicht-kapitalförmigen Produktionsverhältnissen, aber eben auch als Entwicklung der Fähigkeit, genießen zu können, die wiederum Voraussetzung für Luxus ist, und ohne die im Kapitalismus meist schmerzhaft vollzogene Individualisierung nicht denkbar ist. Die kapitale Subjektform, unter der das Individuum befaßt ist, ist einerseits Inbegriff der Zumutungen, die das falsche Produktionsverhältnis für den Einzelnen bereithält, und die er an sich selbst vollziehen muß, hält aber doch das Versprechen bereit, über die Beschränkungen seiner Herkunft, seines Geschlechts, seiner Erziehung, seiner Gewohnheiten hinauszuwachsen, wie eben auch das Kapital sich nicht mit der einfachen Reproduktion bescheiden kann, sondern beständig über sich hinaustreibt, d.h. allgemeinen und maßlosen Reichtum produzieren muß. Daß das Kapital genauso wie die Subjektform, die es konstituiert, dieses Versprechen unmittelbar zugleich Tag für Tag dementieren muß, indem es das Individuum faktisch im Vollzug des Immergleichen festbannt, darin liegt für Kommunisten der Angelpunkt der Kritik am Kapital: Nicht daß es Vergnügen produziert, sondern daß es das Vergnügen mit Versagung und Verzicht durchtränkt, werfen sie ihm vor. Kommunisten, die sich diese Bezeichnung nicht nur angemaßt haben, werden daher das kleine beschädigte Glück im Bestehenden zugleich als schäbig benennen wie es gegen alle Versuche seiner falschen Aufhebung verteidigen, gegen jene also, die statt dem Vergnügen mit Versagung das Vergnügen an der Versagung organisieren wollen.
Justus Wertmüller
RIP Lina Wertmüller
Lina Wertmüller, a central figure of Italian cinema and the first woman to be nominated for an Academy Award in the best director category, died this week, Italy’s Ministry of Culture confirmed…She was 93… Wertmüller made films that were both debased and staunch in their moral standing, condemned and adored, with pitch-black endings preceded by comedic beats. “I think I have two souls,”…
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Era il lontano marzo del 2014 a Roma… lì iniziai a capire chiaramente cosa fosse il cinema, dopo le tue lezioni. Eri così diretta, senza esitazioni davi le giuste dritte e ci hai raccontato storie di set ed attori di altri tempi! Rimarrai indelebile nei miei ricordi più belli del cinema… Grazie Maestra Lina ❤️ . . . #linawertmüller #wertmüller #wertmuller #linawertmuller #cinema #tv #maestra #roma (presso Roma) https://www.instagram.com/p/CXQvYl2qC1C/?utm_medium=tumblr
Was das kapitalkonstituierte Subjekt in Deutschland und in den USA unterscheidet, ist scheinbar marginal und deswegen grundlegend: seine Stellung zur Objektivität. Das Subjekt erlebt die äußere Welt als Schicksal, als seine Wünsche und seinen Willen willkürlich durchkreuzendes Verhängnis. Die Hochzeit bürgerlicher Emphase, als die Welt noch als zu erobernde ‘Domäne des Willens’ vor seinen Augen lag, ist zwar hier wie dort vorbei; in den USA hallt sie aber deutlich vernehmbar nach. Während man dort dem Schicksal trotzt, sich herausgefordert fühlt und gegen die erdrückende Übermacht der Verhältnisse auch noch dann anrennt, wenn es als völlig aussichtlos erscheint, ist hier das gesellschaftliche Schicksal etwas, in das man sich murrend und widerstrebend fügt, in das man sich ergibt und dessen Vollstrecker man schließlich spielt, indem man die vermeintlichen Verursacher des eigenen Elends eigenhändig vernichtet. Eigenverantwortung, wie sie in Deutschland gefordert wird, ist die unerbittliche Verneinung jenes unglücklichen Restes von Subjektivität, der sich noch störend in einem regen könnte, um gegen andere umso ungehemmter vorgehen zu können: Dann greift der Deutsche nach seinem Nachbarn aus, dem er seine Disziplinlosigkeiten vorrechnet oder durch die Staatsgewalt sanktionieren läßt oder – wenn er revolutionär gestimmt ist – durch entsprechende Kiezmilizen in die Schranken weist. Eigenständig handelt man hier nur im Auftrag einer höheren Macht, Initiative entwickelt man hier nur als Vollstreckungsbeamter: Dieser Idealismus kennzeichnet das deutsche Subjekt als subalternen Aktivisten, als Charaktermaske des Souveräns, die sich die Gebote des Apparats als eines staatvermittelten Ganzen völlig zu eigen gemacht hat.In den USA hingegen werden, jeder Evidenz zum Trotz, seltsame Maximen aus längst vergangenen Zeiten gläubig hochgehalten. Wer sich nicht unterkriegen lasse, der werde es schaffen, wer wirklich für sich selbst verantwortlich sei, habe auch das Zeug, seines Glückes Schmied zu sein und könne es schon von daher vom Tellerwäscher zum Millionär bringen. In solchen Glaubenssätzen äußert sich scheinbar ungebrochen die Basisideologie kapitalistischer Vergesellschaftung, die das Individuum als autonom und die Gesellschaft als die Summe der Einzelnen, als ihr für sie auch einsichtiges Produkt vorstellt. Natürlich ist dies eine blanke Lüge, und die Deutschen scheinen demgegenüber der Wahrheit näher zu sein, wenn sie die Welt als unbegreifliches Schicksal und sich selbst als Abhängige begreifen. Dieser Realitätstüchtigkeit verdankt sich ihr spontaner Alltagsantikapitalismus, der zugleich Ausdruck ihres Sozialcharakters ist und damit genau das, woran die Linken immer so gerne 'anknüpfen’ wollen, wenn sie Politik machen. Doch dieser scheinbar so illusionslose Antikapitalismus ist durch und durch regressiv und ressentimentgeladen. Deutsche setzten eine Unperson an Stelle des untergegangenen Individuums, an das sie nie geglaubt haben und wissen sich schon deshalb gerade als bekennende Antikapitalisten mühelos einzuordnen in den grauen Schicksalszug ihrer Volksgenossen. Jegliche Kritik des Kapitals, die von Linken formuliert wird, muß und wird sich daran messen lassen, ob sie diesen deutschen Antikapitalismus bekämpft statt ihn zu bedienen und ihn gar zur Tat zu ermuntern. Das Schicksal, das Verhängnis, von dem die Deutschen raunen, ist die zum metaphysischen Prinzip erhobene Subjektlosigkeit, der die Subjekte sich gleichzumachen haben. Während die Deutschen dem Gegebenen metaphysischen Charakter zusprechen, verleihen die Amerikaner dem individuellen Pragmatismus die Weihen eines dem Calvinismus nachempfundenen metaphysischen Prinzips. Diese schlechte und durch und durch lügenhafte Ideologie ist aber unter den gegebenen Umständen trotzdem der Platzhalter des Besseren und ein Vorschein von Emanzipation. In den USA liegt offen zutage, was den Kapitalismus konstitutiv ausmacht, Illusionen braucht sich da keiner zu machen. Da alle ihr Geschäft offen betreiben, ist wenig Raum für deutsche Projektionen. Es besteht in den USA einfach kein Grund, den Krisen- und Katastrophencharakter des Kapitals zu exterritorialisieren und entsprechend personalisiert nach außen zu projizieren – und wenn dies trotzdem geschieht, nimmt es sich so albern und lachhaft aus, wie Nazis in amerikanischen Spielfilmen regelmäßig geschildert werden. Die Unversöhntheit, der reale Zynismus des Kapitals liegt hier offen zutage – diese Schroffheit und eben nicht ihre sozialstaatliche und kulturelle Einebnung ist aber nach Marx eine Voraussetzung der Revolution. Dem Schicksal trotzen, auch wenn es unsinnig ist, ist einerseits ein Nachhall bürgerlicher Aufklärung – man läßt sich von Gott, Kirche und anderen Mächten nicht beeindrucken und besteht auf seinem Glück – es ist andererseits pure Verstiegenheit. Verstiegen ist aber auch das Ansinnen jedes Revolutionärs heute, dem es um das Glück, zuvörderst das eigene, das das Glück aller anderen mitmeint, zu tun ist. Sein Vorhaben, schon als Kritik, ist so aussichtslos wie das Bemühen um Glück jedes Subjekts heute. Sein Ansinnen ist verstiegen und aussichtlos, nach dem Maß jeder 'realistischen’ instrumentellen Vernunft irrsinnig – und deshalb muß es trotzdem unternommen werden: 'Je unmöglicher der Sozialismus ist, desto verzweifelter gilt es für ihn einzutreten’ (Horkheimer). Der Trotz, den solche Verzweiflung mobilisiert, die Sturheit, sich ungeschmälerte Erfahrung und Einsicht nicht abmarkten zu lassen, der Wille, es immer wieder neu zu versuchen – all diese Eigenschaften, die den Rebellen ausmachen, unterscheiden sich vorderhand nicht von der Selbstbehauptung bürgerlicher Subjekte; und von ihrem Vorhandensein zehrt revolutionäre Kritik, die sich schließlich gegen das Subjekt selbst wendet, all diese Momente aufbewahrt. Die letzten Feinde der Bürger sind selber die letzten Bürger – aber garantiert nicht die Kollektivmonaden deutscher Provenienz. So bleibt, wenn auch schäbig, im Zweifel rücksichtslos und von keiner kalkulierbaren Vernunft gesteuert, bei den Amerikanern und ihrem Staat noch ein Rest des Interesses an seinen Vorteilen, am Fortbestehen und Glück zurück – verrückt bis zum Verbrechen und zur Selbstzerstörung, aber nur dadurch noch nach menschlichem Maß.
Justus Wertmüller / Clemens Nachtmann (2002)