Meine internationalen Wünsche bleiben unerfüllt und ich muss Schulden beim Zahnarzt machen
Beim britischen Zahnarzt soll ich, wie schon beim letzten Besuch, gleich nach der Behandlung mit der Kreditkarte am Kartenzahlgerät bezahlen. Das ist einfacher als in Deutschland, wo ich darum auch immer bitte, damit die Rechnung nicht irgendwo bei mir auf einem “ganz wichtig, bald erledigen”-Stapel verloren geht. In Deutschland scheint es sehr kompliziert zu sein, die Rechnung sofort nach der Behandlung zu erzeugen, und bezahlt habe ich gelegentlich in bar, weil meine N26-Karte von älteren Kartenzahlgeräten nicht akzeptiert wird. In den letzten Jahren habe ich meistens am Empfangstresen der Praxis stehend mit der App der Bank das Geld überwiesen.
Beim britischen Zahnarzt ist die Rechnung sofort fertig und es wirkt so, als müssten auch andere Menschen gleich nach der Behandlung bezahlen. Heute aber habe ich ein Problem. Mein Konto ist schon weitgehend zur neuen Bank umgezogen, ich habe die Kreditkarte aber noch nicht erhalten und erledige deshalb weiterhin alle Kartenzahlungen vom alten Konto aus. Dort liegt nicht mehr genug Geld für die Zahnarztrechnung.
Ich frage, ob ich den Betrag vielleicht auch überweisen könnte (”direct transfer” sage ich auf gut Glück, denn bisher musste ich in diesem Land noch nie etwas überweisen). Kein Problem, sagt die Frau am Empfang, ich gebe Ihnen die Bankdaten. Ich sehe auf die Rechnung, wo die Bankdaten tatsächlich nicht stehen. Ein Spiralblock wird aus einer Schublade geholt. Auf dem Spiralblock stehen handschriftlich die Bankdaten der Praxis. Sie sehen seltsam aus, eine Bankleitzahl kann ich nicht erkennen und die Kontonummer ist ganz kurz. “Oh”, sage ich, “I need the ...” Ich besinne mich rechtzeitig, bevor ich IBAN sage, denn das hilft sicher nicht weiter, “the international number”.
So was haben sie nicht, erklärt man mir. Noch nie gehabt, noch nie gebraucht. Ein leiser Vorwurf scheint in der Erklärung mitzuschwingen. Erst nicht zahlen können und dann internationale Dinge wünschen! Ich entschuldige mich ausschweifend. Kein Grund zur Scham, sagt die Empfangsfrau, wir müssen sowieso noch telefonieren wegen des nächsten Termins, “we’ll finalize it on the phone when you have your new card”. Ich wollte eigentlich nicht telefonieren, ich fand es sehr schön, dass bei dieser Praxis bisher alles per Mail ging. Unter einem telefonischen Kartenzahlvorgang kann ich mir auch nichts vorstellen, aber ich tue so, als wüsste ich, wie das geht und verlasse die Praxis.
Zu Hause liegt die neue Kreditkarte im Briefkasten.