Outing in der Schule- Transgenderblog 03
Keine Ahnung aber ich bin grade motiviert zu schreiben, also dachte ich, kann ich jetzt vom Outing in meiner Schule berichten. Ich bin mittlerweile schon eine Weile aus der Schule raus. Damals war ich 18 und hatte etwa noch die Hälfte der 12. Klasse vor mir. Ich wusste, dass ich es nicht mehr aushalte bis zum Abschluss und falls es schief gegangen wäre, wäre es nur noch ein halbes Jahr gewesen. Ich schreib das ab jetzt in einer Geschichtenperspektive.
Es war Montag, was bedeutete die Ferien waren zuende und nun hätte ich eine Woche voller Aufregung vor mir. Erneut wischte ich mir die schwitzigen Hände an meiner Jeans ab. Die Musik, die über die Kopfhörer zu mir durchdrang, konnte mich auch nicht beruhigen. Unruhig beobachtete ich die Schüler und Lehrer die durch die Gänge schlenderten. Ein Mädchen aus meinem Kurs kam zu mir und setzte sich neben mich auf die Stufen und begrüßte mich. Smalltalk haltend warteten wir auf unsere Lehrerin. Wenige Augenblicke später kam sie auch schon um die Ecke und öffnete uns den Raum. Ich schlenderte hinter meiner Banknachbarin her und setzte mich auf meinen Platz. Mit fahrigen Bewegungen packte ich meine Sachen auf den schmalen Tisch. Ich wippte mit dem Bein und sah jedes Mal nervös zur Tür, sobald ein Schüler den Raum betrat. Ein kurzer Blick zur Uhr verriet mir, dass es nicht mal mehr ganz 10 Minuten bis zum Unterrichtsbeginn waren, was meine Nervosität nicht schmälerte.
Meine Biologielehrerin fing irgendwann meinen Blick auf. Ein Lächeln bildete sich auf ihren Lippen. “Sie hat den Zettel bekommen” schoss es mir in den Kopf. “Das ist gut... ist es das? Ja ist es” wirbelten die Gedanken in meinem Kopf umher. Sie kam vom Lehrerpult zu uns herüber.
“Ich hab den Brief bekommen. Da stand drin, dass ich was dazu sagen soll?” fragte sie an mich gewandt. “Ja genau.” “ Und was genau soll ich sagen?” “Einfach nur ganz kurz was, damit der Kurs bescheid weiß” “Okay” sie schenkte mir ein weiteres Lächeln und ging zurück zum Lehrerpult.
Die letzten Minuten vergingen sehr schnell. Die innerliche Unruhe war noch etwas schlimmer geworden. Dann klingelte es und der Unterricht hatte offiziell angefangen. Meine Lehrerin kam hinter dem Pult hervor und stellte sich, wie vor jeder Stunde, vor den Kurs und begrüßte uns.
“Guten Morgen. Bevor wir mit dem Unterricht anfangen, wurde ich noch darum gebeten etwas kurzes zu sagen. DN ist ab jetzt nicht mehr in diesem Kurs.”
Verwirrt drehten sich die zwei Mädchen aus meiner Klasse zu mir um und sahen mich mit irritierten Blicken an, begleitet mit einem “Hä?” Meine Lehrerin lächelte erneut. “Sondern ab heute heißt er Tao-blue. Denn er ist Transgender und empfindet sich als Junge und möchte auch ab jetzt dementsprechend angesprochen werden. Falls jemand noch fragen dazu hat, kann er sich gern an ihn oder an mich oder Fr. S wenden.” Sie warf mir einen kurzen fragenden Blick zu und ich bestätigte ihr mit einem Lächeln, dass alles gut wäre und sie mit dem Unterricht anfangen kann.
Unmittelbar nach ihrer Erklärung ging ein kurzes “Ah” durch die Runde, was mir signalisierte, dass alle es verstanden hatten. Die beiden Mädchen vor mir drehten sich wieder zu mir und sagten mir wie verwirrt sie kurz waren und das sie sich für mich freuten und es mutig fanden, dass ich mich outete.
Langsam ließ meine Aufregung nach und ich konnte mich auf den Unterricht konzentrieren.
Nach der Stunde folgte die nächste Stunde mit einem Outing am Anfang. Durch meine ganzen Kurse musste ich das alles also mehrfach durchstehen, doch glücklicherweise musste ich mich nicht selbst vor die Kurse stellen und es sagen. Ich hatte mich vor den Ferien an eine Vertrauenslehrerin gewandt, die mich schon seit der 7. Klasse kannte und sehr offen mit den Themen umgeht. Zusammen mit ihr hatte ich überlegt, wie ich mich am besten outen könnte. Schließlich schrieb sie kurze Briefe, in denen stand wie ich fortan gern angesprochen werden wollte und wie mein neuer Name lautet und das jeder Lehrer kurz ein paar Worte an den Kurs richten sollte.
Den restlichen Tag war ich noch relativ aufgeregt, doch die nächsten Tage waren um einiges entspannter und irgendwann war ich nur noch gespannt, wie die einzelnen Lehrer es den Kursen erzählen würden.
Es war die richtige Entscheidung das damals zu machen und auch die Art und weise war zu dem Zeitpunkt die beste Variante für mich.
(ach so keiner meiner neuen Namen ist übrigens Tao oder Blue)
-Tao-blue











