Sommer 1968, 1970er Jahre und 18.6.2026
Kinderkochtechnik
Die Mutter zieht um und muss ihren Dingbesitz reduzieren. Beim Kistenpacken drückt sie mir ein altes, zerfleddertes Büchlein in die Hand: „Dein Kinderkochbuch!“
Es ist von Dr. Oetker und enthält nicht Rezepte für Pfannkuchensuppe mit Papierschnipseln, wie Kathrin Passig vermutet, als ich ihr ein Bild davon schicke, sondern richtige Kochrezepte, für die zum Beispiel„Mittelhitze“ gebraucht wird.
In den meisten kommen Produkte von Dr. Oetker zum Einsatz, Puddingpulver etwa oder Vanillezucker. Der erste Puppenherd, auf dem ich gekocht habe, war demjenigen auf dem Titelblatt des Oetker-Kochbuchs recht ähnlich. Betrieben wurde er mit Zündwürfeln.
Meine Mutter schreibt mir später zu diesem Bild: „Soweit ich mich erinnere, funktionierte dieser Herd mit Rechaudkerzen. Aber wahrscheinlich hast du hier eher mit kalten Haferflocken und Weinbeeren gekocht. Die Gefahr, sich zu brennen, war doch recht gross. Der Herd gehörte ursprünglich Sophie. Am Sonntag Morgen, wenn Grossmueti in der Kirche war, haben wir mit Pabs Buchstäbelisuppe und Schoggicreme gekocht. Du könntest auf dem Foto ca. 3 Jahre alt sein.“
Der Herd ist also aus den späten 40er / frühen 50er Jahren. Ich habe das „Füderle“ und „Zöisle“ (Feuern und Zündeln) geliebt. Später habe ich einen elektrischen Kinderherd bekommen, was gemäss Wikipedia heute aus der Mode gekommen ist. Heutige Kinder würden auf Nachbildungen aus Kunststoff oder Holz und nur im Spiel, nicht in echt kochen.
In meiner Erinnerung habe ich mir an dem elektrischen Herd häufiger die Finger verbrannt als an dem mit Feuer betriebenen. Vielleicht war ich auch deshalb untröstlich, als meine Hausverwaltung im Februar 2026 im Rahmen der Umstellung auf eine postfossile Zeit die Erwachsenen-Gasherde entfernt, die Gasleitung gekappt und elektrische Herde installiert hat.
(Franziska Nyffenegger)












