Viele Dinge gehen momentan durch meinen Kopf. Ich weiß nicht, wie ich es ordnen kann. Es ist wie ein Haufen Kleidung, der einfach nur in den Schrank geworfen und da dann liegen gelassen wird, alles durcheinander. Jeans und T-Shirts zu einem Ball zusammen geknüllt und Pullover liegen in der selben Lade wie die Shorts. Denn ehrlich, wer räumt schon seinen Kleiderschrank auf?
Aber meinen mentalen Kleiderschrank muss ich wohl in Ordnung bring, denn momentan weiß ich nicht ganz, was ich anziehen soll. Ich hab so viele Sachen in der letzten Woche erfahren, dass meine Emotionen irgendwie von einem Extrem ins nächste hüpfen, bis ich am Ende gar nicht mehr weiß, was ich fühlen soll.
Ich weiß ja nicht mal, womit ich jetzt anfangen soll. Ob ich alles einfach hier auskotzen soll oder doch zwei Posts machen soll. Ordnung schaffen.
Scheinbar haben meine Freunde mitbekommen, dass es mir nicht gut ging. Geht? Es ist schwer zu sagen, wie es mir momentan geht. Aber in den letzten Wochen war das ziemlich einfach zu sagen. Beschissen. Und es ist schwer zu glauben, dass meine Freunde mich gar nicht wirklich leiden können, wenn sie wochenlang in einem Gruppenchat über meine mentale Verfassung schreiben und schließlich meine Familie kontaktieren, weil sie sich Sorgen machen. Fuck, alleine wenn ich das nieder schreibe, möchte ich wieder heulen. Und das nicht nur vor Freude, denke ich. Ich bin so leicht von meinem Emotionen überwältigt und kann sie doch nicht zuordnen.
Ich liebe meine Freunde. Aufrichtigst. Aber ich halte Menschen gerne auf Abstand. Weil ich weiß, dass ich sie wieder verlieren werde, früher oder später. Ich bin nicht in der Lage, Kontakte aufrechtzuerhalten. Und es ist unrealistisch, davon auszugehen, in 50 Jahren noch dieselben Freunde zu haben, wie jetzt. Aber diese Menschen, ich liebe sie so sehr, ich hab Angst. Wohl ein Thema für Therapie, nicht?
Achja, ich sollte erwähnen, ich geh jetzt wieder in Therapie. Also noch nicht. Aber nach einem ausgiebigen Gespräch hat sich ergeben, dass ich das wohl wieder aufnehmen sollte. Nicht, dass ich nicht schon länger darüber nachgedacht hätte. Also hab ich. Darüber nachgedacht. Doppele Verneinungen, yay.
Aber es von anderen zu hören, ist immer ein bisschen anders. “Du solltest vielleicht mal wieder mit deiner Therapeutin sprechen.” Ja, sollte ich. Witzig, nicht? Mein Problem ist nämlich, dass ich mit niemanden reden kann. Nicht mit Familie, nicht mit Freunden. Klar kann ich manche Dinge ansprechen, aber wirklich auskotzen, was mich momentan belastet? Würde doch nur andere belasten.
Aber dann sitze ich eine Stunde vor einer Person, die ich kaum kenne und schütte ihr mein Herz aus. Nicht, dass das vom ersten Tag an großartig funktioniert hätte. Nein, absolut nicht. Ich lasse mir Dinge gerne aus der Nase ziehen. Wie ein Freier, der sich von der Prostituierten, die er bezahlt, erstmal zum Essen ausführen lässt. Das dann auch schätz ich auch von ihm bezahlt wird? Ihr wisst, worauf ich hinaus will. (Ihr, meine nicht existenten Leser. Euch schütt ich auch mein Herz aus, ihr, die ich nicht kenn und die mich nicht kennen.)
Immerhin ist es ihr Job, mir zuzuhören. Mich reden und reden zu lassen und mir zu helfen, wenn notwendig. Dafür wird sie ja bezahlt. Trotzdem gibt sie mir das Gefühl, dass sie es gerne tut, dass sie mich ganz gut leiden kann, trotz der Sachen, die ich ihr erzähle. Dass ich nicht gewertet werde. Trotzdem habe ich mich lange nicht getraut, sie zu fragen, ob sie Zeit für mich hat. Denn so wichtig sind meine Probleme doch gar nicht, richtig? Sie hat sicher wichtigeres zu tun als mir zuzuhören. Mir und meinen Problemen, die andere Leute sicher ohne einen Therapeuten lösen können, Probleme, die vollkommen normal für andere Leute sind. Oder?
Aber jetzt ist es beschlossene Sachen. Ich gehe wieder in Therapie und ich bin ehrlich gesagt erleichtert. Bin froh, dass ich sagen kann, dass jemand mir geraten, wieder hinzugehen. Dass ich nicht selbst anrufen muss und erklären muss, wieso ich nicht alleine zurecht komme. So wie andere Menschen. Menschen, die richtige Probleme haben. Und ich denke, sie kommen damit zurecht. Aber vielleicht bin ich auch nicht so aufmerksam wie meine Freunde. Vielleicht bin ich so beschissen darin, mit meinen eigenen Dingen zurecht zu kommen, dass ich erst recht beschissen darin bin, mich mit anderen zu beschäftigen. Fuck. Meine Freunde schaffen’s doch auch, warum ich nicht? Scheiße, warum ich nicht? Warum kann ich nichts auf die Reihe bringen, alleine?
Das einzige, was ich schaffe, ist es, mich hier auszukotzen. Und selbst das ist bestenfalls armselig. Frau Therapeutin, hab doch bitte bald einen Termin für mich frei.