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Xenobots! Abgefahren welchen Reifegrad diese mittlerweile erreicht haben!
Gewebekügelchen aus der Petrischale könnten einmal die Basis für biologische Roboter bilden
Wer keinen Pelz trägt, immer schnell sein muss und sich Fettpolster nicht leisten kann, der mag es grundsätzlich eigentlich eher warm. Oder er erfindet Tricks, wie der Hammerhai.
Hammerhaie sind immer einen genaueren Blick wert: Die Tiere verschaffen sich eine überlegene Rundumsicht mit ihrer bizarren Kopfform, beherrschen die unbefleckte Empfängnis und ernähren sich bei Gelegenheit auch einmal ganz haiuntypisch vegetarisch. Und außerdem halten sie unter Wasser die Luft an, um auch in kälteren Tiefen warm und leistungsfähig zu bleiben – ein Trick, den man noch bei keinem anderen Hai-Familienmitglied gesehen hat, berichtet Mark Royer von der University of Hawaii mit seinem Team jetzt auf der diesjährigen »Ocean-Sciences«-Fachtagung in San Diego.
Die Regulierung der Körpertemperatur ist für alle Haie ein grundsätzliches Problem: Die marinen Wirbeltiere haben anders als etwa Säugetiere oder Vögel keine ausgefeilten Mechanismen, um Temperaturschwankungen in ihrer Umwelt auszugleichen und so einen gleichmäßig leistungsfähigen Stoffwechsel zu gewährleisten. Haie müssen daher, so dachte man bisher, ständig in Bewegung bleiben, damit die Abwärme ihrer Muskulatur sie warm hält. Der Hammerhai kontert den Wärmeverlust aber zusätzlich durch den Trick des Luftanhaltens, wenn er in kältere Tiefen abtaucht, berichten Royer und Co, die neun Haie mit Sensorpaketen über eine bis gut drei Wochen hinweg physiologisch überwacht hatten.
Die Tiere tauchen vor Hawaii regelmäßig aus dem rund 25 Grad Celsius warmen Oberflächenwasser schnell und sturzflugartig in Tiefen von 800 Metern, wo ihre Umgebung dann plötzlich nur noch vier Grad warm ist. Dabei stellen sie den Gasaustausch über ihre Kiemen vollständig ein, wie die Sensordaten verraten. Die anatomisch-physiologische Ursache für die Beobachtung ist unklar: Entweder schließen die Tiere ihr Maul, so dass kein Wasser mehr die Kiemen durchströmt, oder sie leiten den Blutkreislauf über eine Umleitung an den Kiemengefäßen vorbei und verhindern so den Gasaustausch. In jedem Fall kühlt sich das Blut nicht so stark ab, wie es im tiefen kalten Wasser zu erwarten wäre.
Die Sensoren verrieten darüber hinaus viel über das Alltagsleben der Tiere. Meist schwimmen die Haie gemächlich in rund 100 Meter Wassertiefe, um von dort zu ihren plötzlichen Tauchsprints aufzubrechen; ihre Körpertemperatur bleibt aber auch unter 150 Meter Tiefe in zunehmend kaltem Wasser konstant hoch. Sie verbringen meist rund fünf Minuten in größeren Tiefen, um dann wieder auf 300 Meter Tiefe aufzusteigen. Erst hier fällt ihre Körpertemperatur plötzlich ab, wenn die Hammerhaie tief durchatmen, Wasser also ihre Kiemen wieder durchströmt. Die Tiere müssen hier nun offenbar notgedrungen etwas ausruhen und sich aufwärmen: Sie bleiben rund 45 Minuten relativ nahe an der Oberfläche, bevor sie wieder in die Tiefe sprinten können. Unklar bleibt übrigens, warum der Hammerhai überhaupt seine Ausflüge zum Meeresgrund macht. Vermutlich jagt er dort unten größere Kopffüßer, die gelegentlich im Mageninhalt von toten Exemplaren gefunden wurden. Royers Team plant, die Kiemen, Mäuler und Unterwassererlebnisse der Tiere in Zukunft wenn möglich zusätzlich mit Hammerhai-Kameras zu überwachen.
Support your local artists! <3 (Heiko Stein) <3
Ihre größten Vertreter hielt man einst für Meeresungeheuer, heute diskutiert man die Möglichkeit, sie könnten aus dem All gekommen sein. Ein Blick auf die Erforschung der Tintenfische.
Toller Artikel. <3
Siemens baut im Seehafen Kiel eine 16-MVA-Landstromanlage, die bisher größte in Deutschland. Jährlich spart sie über 8.000 Tonnen CO2.
Die Anlage vom Typ »Siharbour« von Siemens kann zwei Schiffe parallel mit zertifiziertem Ökostrom versorgen. Die Anlage soll in der Kreuzfahrtsaison 2020 den Testbetrieb aufnehmen. Der Hafen von Kiel ist Ausgangspunkt für Kreuzfahrten und verfügt über Fährverbindungen ins Baltikum sowie nach Skandinavien. Im Jahr 2018 liefen 32 verschiedene Kreuzfahrtschiffe den Kieler Hafen 174-mal an.
»Mit der Landstromanlage können wir Strom aus erneuerbaren Energiequellen sowohl zu den Kreuzfahrtschiffen am Ostseekai sowie dem Fährverkehr am Schwedenkai liefern«, sagt Port of Kiel-Geschäftsführer Dr. Dirk Claus. »Künftig werden 60 Prozent des Energiebedarfs der Kiel anlaufenden Schiffe klimafreundlich mit Landstrom gedeckt. Denn sie können ihre Dieselgeneratoren während der Liegezeit abschalten.«
Die Siemens-Anlage besteht aus vier Geafol-Gießharztransformatoren, vier luftisolierten Mittelspannungs-Schaltanlagen vom Typ Nxair sowie einem 16-MVA-Frequenzumrichter. Die Gießharztransformatoren mit Bemessungsleistungen von 6 und 16 MVA sind besonders für harte Umgebungsbedingungen wie der salzhaltigen Luft am Hafen geeignet. Die Schaltanlage kommt ebenfalls auf Grund ihrer Robustheit und kompakten Bauweise zum Einsatz. Für eine unterbrechungsfreie und effiziente Stromversorgung der anlegenden Schiffe sorgt das Siemens Umrichtersystem »Siplink«. Es besteht aus einem Frequenzumrichter sowie einer Software zur zentralen Steuerung der beiden Liegeplätze. Damit können zwei Mittelspannungs-Netze unterschiedlicher Frequenz miteinander verbunden werden – nämlich das örtliche Verteilnetz mit 50 Hz sowie das Bordnetz mit 60 Hz. Das System synchronisiert beide Netze und übernimmt die Stromversorgung automatisch innerhalb weniger Minuten. Zudem wird die Energieversorgung der beiden voneinander getrennten Schiffsnetze koordiniert, so dass eine parallele Versorgung stattfinden kann.
Bereits im Frühjahr 2019 wurde die ebenfalls von Siemens errichtete Landstromversorgung am Norwegenkai in Betrieb genommen. Bislang konnten dadurch rund 1.000 Tonnen CO2 eingespart werden.
Diese Szenerie wirkt nur auf den ersten Blick idyllisch. Denn was hier so grün funkelnd um eine Koralle durchs Wasser schwebt, ist Zeichen eines echten Umweltproblems. Es handelt sich um Mikroplastik-Partikel. Die Anreicherung von Mikroplastik in Böden und Gewässern ist längst ein weltweites Problem. Auch in den Weltmeeren schwimmen bekanntermaßen jede Menge dieser winzigen Kunststoffpartikel. Sie entstehen, wenn zum Beispiel Plastiktüten langsam in immer kleinere Teile zerfallen. Daneben trägt auch industriell hergestelltes Mikroplastik zur Belastung bei. Dieses gelangt unter anderem über Kosmetikprodukte ins Abwasser und dann in die Ozeane. Was die Kunststoffteilchen für die dort lebenden Tiere bedeuten, beginnen Forscher gerade erst zu verstehen. Klar ist aber: Viele Meeresbewohner nehmen die Partikel auf – mit potenziellen Gesundheitsfolgen. Jeremy Axworthy von der University of Washington in Seattle und seine Kollegen haben nun erneut bestätigt, dass auch Korallen Mikroplastik „schlucken“. Viele dieser Nesseltiere leben mit Algen-Symbionten zusammen, die sie mit Zucker und anderen Nährstoffen versorgen. Doch zusätzlich ernähren sie sich mitunter von im Wasser schwimmenden Organismen wie Zooplankton – und diese haben oftmals eine ähnliche Größe wie Mikroplastik. Im Experiment mit zwei vor Hawaii heimischen Korallenspezies testeten die Forscher daher, ob die Tiere zwischen Kunststoff und Zooplankton differenzieren können. Es zeigte sich: Manche Korallen nehmen Mikroplastik – auf dem Bild als fluoreszierende grüne Teilchen zu sehen – offenbar nur unter bestimmten Bedingungen auf. So fraß die Spezies Pocillopora damicornis die Plastikteilchen nur dann, wenn Axworthy und sein Team zusätzlich Zooplankton ins Wasser gaben. Wurde ihr Kunststoff allein angeboten, nahm sie diesen nicht auf. Wie es dazu kommt, ist bisher unklar. Denkbar ist aber, dass die Koralle bestimmte chemische oder physikalische Signale des Futters wahrnimmt, dieses aber dann nicht von dem ebenfalls im Wasser befindlichen Plastik unterscheiden kann. „Wir fangen gerade erst an, die Auswirkungen von Mikroplastik auf Meeresbewohner zu begreifen“, konstatiert Axworthys Kollegin Jacqueline Padilla-Gamino. Schadet die Aufnahme der Plastikteilchen den Korallen, wäre dies jedoch ein weiterer Faktor, der das Überleben der Tiere bedroht. Schon jetzt machen den Korallen Feinde wie korallenfressende Seesterne, aber vor allem saures Wasser und steigende Temperaturen durch den Klimawandel zu schaffen. Bei zu großer Hitze verlieren die Tiere ihre Algen-Symbionten und erbleichen förmlich – das Ausweichen auf Zooplankton-Nahrung gilt daher auch als Strategie, um diesen Verlust zu kompensieren. QUELLE: © damals.de - Daniela Albat
2019 Shipbreaking Records
Die meisten Reedereien entscheiden sich nach wie vor für den höchsten Preis auf den schlechtesten Abwrackwerften.
Nach neuen Daten, die von der NGO Shipbreaking Platform veröffentlicht wurden, wurden im Jahr 2019 674 Hochsee-Handelsschiffe und Offshore-Einheiten an die Abwrackwerften verkauft. Von diesen Schiffen wurden 469 große Tankschiffe, Massengutfrachter, schwimmende Plattformen, Fracht- und Passagierschiffe an nur drei Stränden in Bangladesch, Indien und Pakistan abgewrackt, was fast 90% der weltweit abgewrackten Bruttotonnage ausmacht.
"Bangladesch ist nach wie vor der bevorzugte Abladeplatz für mit Giftstoffen beladene Altschiffe. Das Wissen über die irreparablen Schäden, die durch schmutzige und gefährliche Praktiken im Wattenmeer verursacht werden, ist weit verbreitet, doch für die meisten Schiffseigner ist der Gewinn der einzige entscheidende Faktor, wenn sie ihre Schiffe zum Abwracken verkaufen", sagt Ingvild Jenssen, Gründerin und Direktorin der NGO Shipbreaking Platform.
Im vergangenen Jahr kamen mindestens 26 Arbeiter beim Auseinanderbrechen der weltweiten Flotte ums Leben. Die Plattform dokumentierte Unfälle, bei denen 24 Arbeiter am Strand von Chattogram [früher bekannt als Chittagong] ums Leben kamen. Damit ist 2019 das schlechteste Jahr für die Werften in Bangladesch, was die Zahl der Todesopfer seit 2010 betrifft. Mindestens weitere 34 Arbeiter wurden schwer verletzt. Während die Gesamtzahl der Todesopfer in den indischen Werften unbekannt ist, bestätigten lokale Quellen und Medien mindestens zwei Todesfälle in Schiffsabwrackwerften, die behaupten, sicher zu arbeiten, aber nicht in die EU-Liste der zugelassenen Schiffsrecyclinganlagen aufgenommen wurden [1].
DUMPERS 2019 - Schlimmste Praktiken
Die VEREINIGTEN ARABISCHEN EMIRATE und GRIECHENLAND stehen 2019 an der Spitze der Länderdumper. Die VAE-Eigner waren für die höchste absolute Zahl der 2019 an südasiatische Abwrackwerften verkauften Schiffe verantwortlich: insgesamt 45 Schiffe. Die griechischen Eigner folgten dicht gefolgt von 40 gestrandeten Schiffen.
Der Preis für den "schlechtesten Firmendumper" geht an die taiwanesische Containerschifffahrtslinie Evergreen. In den letzten Jahren stand das Unternehmen wegen seiner schädlichen Schiffsabwrackungspraktiken im Rampenlicht. Im Januar 2018 gab die norwegische Zentralbank ihre Entscheidung bekannt, sich von Evergreen zu trennen, da der Schiffseigner wiederholt Schiffe für schmutzige und gefährliche Abwrackungen am Strand von Chattogram verkauft hatte. Seitdem hat das Unternehmen seine Politik eindeutig nicht geändert. Elf der Schiffe von Evergreen landeten 2019 in Südasien. Am 23. Juli kam der Kutterführer Shahidul bei der Arbeit in der Khawja-Schiffswerft von Kabir Steel in Bangladesch ums Leben. Shahidul war gerade dabei, die EVER UNION von Evergreen abzuwracken, als er aus großer Höhe fiel. Er starb auf der Stelle.
Die Schüttgutreederei Berge Bulk ist der Zweite für die schlimmste Unternehmenspraxis. Vier Schiffe des auf den Bermudas ansässigen Schiffseigners landeten in Bangladesch, weil sie schmutzig und gefährlich zerbrochen waren. Die Verschrottungspraktiken von Berge Bulk sollten die Lloyd´s List Asia Awards dazu veranlassen, den Preis für "Excellence in Environmental Management", den das Unternehmen kürzlich für sein Engagement für den Umweltschutz erhielt, zurückzuziehen. Es ist in der Tat nichts Löbliches daran, das Leben der Arbeiter ernsthaft zu gefährden und die empfindliche Küstenumgebung zu verschmutzen.
Der dänische Containerschifffahrtsgigant Maerskhat im vergangenen Jahr vier Schiffe an den indischen Stränden abgewrackt. Das Unternehmen zögerte nicht, das dänische Schiffsregister zu verlassen, um die neuen EU-Gesetze zu umgehen, die die Nutzung von EU-genehmigten Recycling-Anlagen vorschreiben, und mindestens zwei der Schiffe verließen sogar die EU-Gewässer und verstießen damit gegen ein internationales und europäisches Verbot der Ausfuhr von gefährlichen Abfällen in Entwicklungsländer.
Im November verurteilten die Gerichte in Bangladesch den illegalen Bruch von Maersks FPSO Nordseeproduzent, der an den Barzahlungskäufer GMS verkauft und 2016 in betrügerischer Weise aus dem Vereinigten Königreich exportiert worden war. Im Vereinigten Königreich sind strafrechtliche Ermittlungen im Gange.
Zu den anderen bekannten Schifffahrtsunternehmen, die 2019 ihre giftigen Schiffe an südasiatischen Stränden versenkt haben, gehören Costamare, CMA CGM, Diamond Offshore, ENSCO, MOL, MSC, NYK Line, Tidewater und Vale
In Indien rühmen sich nun viele Werften, ihre Strandeinrichtungen modernisiert zu haben, um den Anforderungen des Hongkong-Abkommens der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation zu entsprechen. Jüngste Inspektionsbesuche der Europäischen Kommission in Alang und Medienberichte geben jedoch Anlass zu ernsthafter Besorgnis im Zusammenhang mit der Verschmutzung des Gezeitenbereichs, dem Fehlen medizinischer Einrichtungen, der Verletzung von Arbeitnehmerrechten und der mangelnden Kapazität zur sicheren Entsorgung einer Reihe von gefährlichen Abfallströmen, einschließlich Quecksilber und radioaktiv kontaminierten Materialien, die typischerweise auf Offshore-Öl- und Gasanlagen anfallen. Keine Anlage in Südasien erfüllt die Sicherheits- und Umweltanforderungen für eine EU-Zulassung.
Alle an Chattogram, Alang und Gadani verkauften Schiffe gehen über die Hände von Schrotthändlern, besser bekannt als Barkäufer. Diese zahlen den höchsten Preis für Altschiffe und sind von Natur aus mit den Werften verbunden. Die Barkäufer benennen die Schiffe auf ihrer letzten Reise in der Regel um, registrieren sie neu und markieren sie neu. Schwarze Flaggen wie Palau, Komoren und St. Kitts & Nevis waren 2019 besonders beliebt: Fast die Hälfte der nach Südasien verkauften Schiffe wechselte nur wenige Wochen vor dem Einlaufen in den Strand die Flagge einer dieser Registrierungsstellen. Keines der Schiffe strandete unter einer EU-Flagge, obwohl viele Schiffe von einer europäischen Reederei verkauft wurden.
"Die politischen Entscheidungsträger müssen wirksame Maßnahmen ergreifen, um Schiffe zu den von der EU genehmigten Standorten umzuleiten. Die Tatsache, dass alte Schiffe unter Flaggen registriert sind, die für die mangelhafte Umsetzung des internationalen Seerechts bekannt sind, lässt ernsthafte Zweifel an der Wirksamkeit von Rechtsvorschriften aufkommen, die nur auf der Gerichtsbarkeit der Flaggenstaaten basieren, einschließlich der EU-Schiffsrecyclingverordnung", so Jenssen.
Banken, Pensionsfonds und andere Finanzinstitutionen prüfen heute aktiv, wie sie zu einer Verlagerung hin zu besseren Schiffsrecyclingpraktiken vor dem Strand beitragen könnten, wobei bei der Auswahl von Vermögenswerten oder Kunden nicht nur finanzielle Erträge, sondern auch soziale und ökologische Kriterien berücksichtigt werden. [2] Polizei und Umweltbehörden überwachen auch zunehmend die Bewegungen von Altschiffen. Nach dem Seatrade-Urteil in den Niederlanden, wo erstmals ein Schiffseigner strafrechtlich dafür verantwortlich gemacht wurde, dass er vier Altschiffe an indische Werften verkaufen wollte, werden derzeit mehrere andere Fälle von illegalem Verkehr untersucht. [3] Die Beihilfe und die Einhaltung von Umweltkriminalität ist gleichermaßen strafbar: Versicherer, Makler und maritime Garantiebesichtiger könnten daher ebenfalls haftbar gemacht werden. Durch die Aufklärung der undurchsichtigen Praktiken des Abwrackens von Schiffen zeigen diese Fälle, wie wichtig es ist, bei der Auswahl von Geschäftspartnern die gebührende Sorgfalt walten zu lassen.
"Saubere und sichere Lösungen sind bereits verfügbar. Wir begrüßen Unternehmen wie das niederländische Unternehmen Van Oord, die seit vielen Jahren eine verantwortungsbewusste Schiffsrecyclingpolitik »off the beach« betreiben. Während andere Schiffseigner über den Mangel an Kapazitäten für nachhaltiges Recycling klagen, wurden nur 31 Schiffe in von der EU zugelassenen Anlagen recycelt, was nur einen kleinen Bruchteil dessen darstellt, was diese Werften bewältigen können", erklärt Nicola Mulinaris, Kommunikations- und Politikbeauftragter der NGO Shipbreaking Platform.
Quelle: shipbreakingplatform.org
[1] Die EU-Schiffsrecyclingverordnung ist seit dem 1. Januar 2019 in Kraft. Nach der Verordnung müssen Schiffe unter EU-Flagge in einer der derzeit 41 zugelassenen Anlagen weltweit, die in der EU-Liste aufgeführt sind, recycelt werden. Von der EU zugelassene Schiffsrecyclinganlagen müssen hohe Standards für den Umweltschutz und die Sicherheit der Arbeitnehmer einhalten. Die EU-Liste ist die erste ihrer Art; sie ist die einzige Liste von Anlagen, die unabhängig geprüft wurden, und stellt einen wichtigen Bezugspunkt für nachhaltiges Schiffsrecycling dar. Jeder Schiffseigner, der sich für sicheres und sauberes Schiffsrecycling entscheiden möchte, kann sich einfach für eine der 41 Anlagen entscheiden, die jetzt auf der Liste aufgeführt sind.
[2] Anfang 2018 waren die skandinavischen Pensionsfonds KLP und GPFG die ersten, die sich aufgrund ihrer Strandpraktiken von vier Reedereien, darunter die Containerschifffahrtsgesellschaft Evergreen, trennten.
[3] In Schottland wird noch immer gegen Diamond Offshore und den Barzahlungskäufer GMS ermittelt, weil sie versucht haben, drei stark kontaminierte Plattformen, die in der Nordsee betrieben wurden und in Cromarty Firth kalt gestapelt waren, illegal zu exportieren. Die Bohrinseln werden seit Januar 2018 in Schottland zurückgehalten.
Alkohol ist legal, Cannabis aber nicht. Über die Legitimität dieser Gesetzeslage wird immer wieder debattiert. Doch die deutsche Politik hält an dem Verbot fest - obwohl die Strafen hauptsächlich Konsument*innen treffen.
Wer erst Cannabis verurteilt und dann im nächsten Bierzelt das Fass ansticht, legt doppelte Standards an«, so äußerte sich die SPD-Vorsitzende Saskia Esken jüngst zur Frage der Legalisierung von Cannabis. In der bundesdeutschen Realität wird diese Unterscheidung weiterhin aufrechterhalten. Dabei bewirkt das Verbot keinen Rückgang des Konsums. Im Jahr 2015 hatten fast dreimal so viele Bundesbürger zwischen 18 und 59 Jahren in ihrem Leben mindestens einmal Cannabis konsumiert wie noch 1995. Obwohl die fadenscheinigen Argumente zum Erhalt des Verbots auch auf der ökonomischen, sozialen und strafrechtsrelevanten Seite bröckeln, scheint eine Freigabe in Deutschland noch immer undenkbar.
Daran ändern auch die Gesetzeslockerungen in EU-Mitgliedsstaaten nicht, die etwa in Portugal oder den Niederlanden zu einer Entkriminalisierung der Konsument*innen führten. Im Gegenteil setzen deutsche Behörden die THC-Nullgrenze noch strikter durch. Immer mehr cannabisbezogene Strafverfahren werden eingeleitet, 2018 waren es über 13 000 mehr als im Vorjahr. Rund 80 Prozent dieser Verfahren werden nicht gegen Dealer geführt: Nach der Kriminalstatistik des Bundeskriminalamts werden jeden Tag knapp 500 Strafverfahren gegen Cannabiskonsument*innen eröffnet.
Ein Beispiel dieser unverhältnismäßigen Härte ist das laufende Verfahren gegen Betreiber einer Braunschweiger Hanfbar, die wegen des Vertriebs von Cannabistee angeklagt sind. Laut Staatsanwaltschaft reiche der Tee bei Missbrauch für eine Berauschung aus. Angesichts dessen, dass vergleichbare Produkte legal im Netz erhältlich sind, widerspricht das geforderte Strafmaß von 2,5 Jahren ohne Bewährung einheitlichen Maßstäben für den Hanfproduktmarkt - und ist gegenüber einer Bevölkerung, die sich zu knapp 60 Prozent dafür ausspricht, dass »der Besitz geringer Cannabismengen zum Eigenverbrauch nicht mehr strafrechtlich verfolgt werden sollte«, schwer zu rechtfertigen.
Das strikte Vorgehen gegen Cannabis zeigt sich auch im Bereich der medizinischen Abgabe. Zwar ist es seit 2017 für »schwer erkrankte Menschen« möglich, Cannabis auf Rezept zu erhalten. An der Umsetzung hapert es jedoch. Viele Ärzte sind nicht ausreichend informiert, zudem fehlt es an einem ausreichenden Angebot, da Cannabis bisher zu großen Teilen importiert wird.
Auch der Weg dorthin war umkämpft. Bereits vor zwanzig Jahren gab es den ersten Beschluss des Bundesverfassungsgerichts zum Einsatz als Arzneimittel, dennoch gelangten Patient*innen nicht leichter an medizinisches Cannabis. Das lag auch an den Krankenkassen, welche die Kosten für die Behandlung nicht übernehmen wollten.
Im Mai 2005 gab das Bundesverwaltungsgericht erstmals einem MS-kranken Kläger Recht und bewilligte ihm die Anwendung von Cannabis zu Therapiezwecken. Seitdem gab es mehrere Gesetzesinitiativen aus den Reihen der Linkspartei, der Grünen und der FDP. Wegweisend war außerdem ein Urteil, bei dem im April 2016 einem Patienten nach fünfzehn Jahren die Genehmigung zum Eigenanbau erteilt wurde.
Wäre der Anbau und Vertrieb in Deutschland legal, hätte das auch ökonomische Vorteile: Im November 2018 veröffentlichte der Wirtschaftswissenschaftler Justus Haucap eine Studie, die zeigte, dass der Bundesrepublik durch das Cannabisverbot Steuer- und Sozialabgaben von etwa 2,7 Milliarden Euro jährlich entgehen.
Immerhin scheint das Thema Legalisierung sein Nischendasein endgültig aufgegeben zu haben. Neben Esken befürworten auch Norbert Walter-Borjans und die Grünen-Vorsitzende Katrin Göring-Eckardt die Freigabe von Cannabis. Die neue Drogenbeauftragte Daniela Ludwig beeindruckt das wenig. In einigen Dingen ist sie zwar etwas fortschrittlicher als ihre Vorgängerin Marlene Mortler. So traf sie sich im November 2019 mit Vertretern des Deutschen Hanfverbandes und war bereit, sich über Wege einer alternativen Drogenpolitik zu beraten. Dennoch hält sie eine Legalisierung in den nächsten zehn Jahren für unwahrscheinlich.
Was in Deutschland nur diskutiert wird, wird in anderen Ländern Realität: In Italien ist der Eigenanbau seit Dezember nicht mehr strafbar und in Neuseeland wird noch dieses Jahr ein Referendum über die Lockerung des Cannabisverbots stattfinden.
QUELLE: https://www.neues-deutschland.de/artikel/1131261.cannabisverbot-legalisierung-ausser-sicht.html
Werkzeuggebrauch bei Seevögeln entdeckt
Sie setzten Stock oder Stein gezielt für ihre Zwecke ein: Nur von wenigen Tierarten ist bisher Werkzeuggebrauch bekannt. Diese Gemeinde der tierischen Tüftler hat nun einen überraschend wirkenden Neuzugang erhalten: Forscher haben dokumentiert, wie Papageientaucher Stöckchen im Schnabel zur Körperpflege einsetzen. Dies legt nahe, dass Seevögel möglicherweise komplexere kognitive Fähigkeiten besitzen als bisher angenommen, sagen die Biologen.
Der Mensch hat das Konzept auf die Spitze getrieben, doch auch in der Tierwelt gibt es raffinierte Werkzeugnutzer. Besonders ausgefeilt ist das Verhalten bei unseren nächsten Verwandten – den Menschenaffen. Sie besorgen sich verschiedene Genstände aus ihrer Umwelt, passen sie teilweise sogar an und nutzen sie dann für unterschiedliche Zwecke wie etwa zum Nüsseknacken oder Termitenangeln. Auch von Elefanten ist der Einsatz von Werkzeugen bekannt und die Vogelwelt hat ebenfalls einige erstaunlich clevere Tüftler zu bieten.
Cleverere Seevögel: Papageientaucher Vor allem die als besonders intelligent geltenden Vertreter der Rabenvögel und der Papageienvögel sind dafür bekannt, teils in komplexer Weise Werkzeuge einzusetzen. Meist steht dabei die Nahrungsbeschaffung im Fokus. Doch auch Körperpflege durch Werkzeuge wurde schon beobachtet: Neben Affen und Elefanten kratzen sich manchmal auch Papageien mit Stöckchen an schwer erreichbaren Körperstellen. Genau diese Verhaltensweise zeigt offenbar auch ein Vogel, der zwar „Papagei“ im Namen trägt, aber mit diesen Vögeln eigentlich nichts zu tun hat: Der Papageientaucher (Fratercula arctica) ist ein Vertreter der Seevögel. Dabei handelt es sich um eine Gruppe, die bisher nicht gerade für hohe kognitive Leistungen bekannt war.
Das charakteristische Merkmal der Papageientaucher ist der bunte Schnabel in dem sie oft gesammelte Fische aufgereiht herumtragen. Die etwa taubengroßen Vögel brüten in Erdhöhlen an einigen Küsten im nördlichen Atlantik sowie im westlichen Nordpolarmeer. Wie die Forscher um Annette Fayeta von der University of Oxford berichten, gelangen ihnen die Beobachtungen des Werkzeuggebrauchs dieser Vögel an zwei weit voneinander entfernten Orten: in einer Brutkolonie an der Küste von Wales und im über 1700 Kilometer entfernten Island.
Ein Stöckchen zum Kratzen In Wales beobachteten die Wissenschaftler einen Papageientaucher im Wasser, wie er einen Holzstab im Schnabel hielt und sich damit den Rücken etwa fünf Sekunden lang kratzte. Offenbar hatte er das Werkzeug zuvor an Land aufgesammelt und zu seinem Rastplatz auf der Wasseroberfläche mitgenommen. In Island konnten die Forscher das Verhalten dann sogar mithilfe einer Kamerafalle auf Video bannen: Zu sehen ist ein Papageientaucher, der einen Holzstab vom Boden aufhebt und sich damit an der Brust kratzt. Das Video brach leider kurz nach dem Kratzen ab. Bei anschließenden Aufnahmen lag das Stöckchen dann allerdings am Boden. Offenbar hat es der Vogel nach dem Gebrauch fallen lassen. Die Forscher sehen darin einen Hinweis darauf, dass es sich nicht um ein Verhalten im Rahmen der Beschaffung von Nistmaterial handelt. Doch warum kratzen sich die Vögel so intensiv und sogar mithilfe von Werkzeugen? Den Forschern zufolge sind die Kolonien der Papageientaucher oft stark von Zecken befallen. Vermutlich versuchen die Vögel durch ihr Verhalten, die Parasiten aus ihrem Federkleid zu entfernen oder sich Erleichterung vom Juckreiz zu verschaffen. Möglicherweise ist ihr speziell geformter Schnabel dazu nicht gut geeignet, erklären die Wissenschaftler.Bisher bleibt allerdings unklar, wie die Vögel das Verhalten entwickeln. Möglicherweise lernen sie es durch Beobachtungen anderer. Es könnte sich aber auch um ein instinktives Verhalten handeln. Diesen Fragen wollen die Forscher nun durch weitere Untersuchungen nachgehen. „Zusammenfassend zeigt unsere Entdeckung, wie wichtig es ist, die Diskussion über die Entwicklung des Werkgebrauchs bei Tieren auf einen breiteren Rahmen auszudehnen“, schreiben die Forscher. „Wir ermutigen andere, nun auch Tierarten einzubeziehen, die traditionell nicht als gute Kandidaten für die Verwendung von Werkzeugen gelten. In unserem Fall rechtfertigen die Erkenntnisse nun weitere Studien zu den kognitiven Fähigkeiten der Seevögel – ein Thema, das bisher vernachlässigt wurde, aber offensichtlich Potenzial bietet“, so die Wissenschaftler.
Quelle: Fachartikel: PNAS, doi: 10.1073/pnas.1918060117
HELDEN DER MEERE
Ein einzigartiges Portrait unserer Ozeane mit all ihrer Schönheit, ihrer Faszination und Kraft. Aber auch ihrer immensen Probleme, denen wir uns dringend stellen müssen. Wenn das Meer stirbt, stirbt auch der Mensch. Vielleicht einer der bedeutendsten Sätze unserer Zeit, der sich bewahrheiten könnte, falls es uns nicht gelingt unser Verhalten schnell genug zu ändern. Deshalb habe ich die unterschiedlichsten „Helden der Meere“ begleitet, um Lösungen zusammenzutragen, die uns diese Veränderung ermöglichen können. Sie alle haben eines zum Ziel: Die Rettung unserer Ozeane. Klimawandel und Verschmutzung sind zwei der bedeutendsten Faktoren, die gravierende Auswirkungen auf das Leben im Wasser haben. Mein Weg wird mich überall dorthin führen, wo sich der Fußabdruck unserer modernen Welt wiederfinden lässt, aber vor allem auch dorthin, wo bereits ein Umdenken begonnen hat und die Menschen den Weg zur Rettung unserer Ozeane bereits eingeschlagen haben. Denn was wir brauchen, sind Lösungen! Solche, die für uns alle greifbar sind.
Um genau diese Lösungen für alle Menschen zugänglich zu machen wird in der weiteren Entwicklung des Projektes eine digitale Datenbank entstehen, auf der alle Aktivitäten zum Schutz und Erhalt des marinen Ökosystems gebündelt dargestellt werden. Das Buch und der Dokumentarfilm bilden die Basis, mit deren Hilfe die Aufmerksamkeit der Menschen auf dieses Ziel gerichtet wird. Stellen Sie sich vor es gäbe eine vereinte Interessengemeinschaft, die das Ziel der Rettung der Meere in sich trägt. Eine Datenbank im Internet deren Inhalt, Navigation und Handhabung einer Kombination aus Wikipedia und Google Earth ähnelt. Ein visueller Globus zum Erlernen und zum direkten Handeln. Die Digitalisierung steht erst am Anfang und benötigt jetzt den Pioniergeist kreativer Innovationen. Ich glaube an ein Netzwerk, das den Namen „Heroes of the Sea“ trägt und die Menschen weltweit miteinander verbindet. Der gemeinsame Wunsch, die Meere zu retten wird so zum Auslöser für eine globale Bewegung.
Man denke an die Zukunft unserer Kinder, die auf spielerische Weise mit dem Wissen aus dieser Datenbank das Meer erkunden können und in gemeinschaftlichen Aktionen sogar Teil einer Lösung werden können. Wir verbinden sämtliche Hilfsorganisationen und bilden einen sicheren zertifizierten Zugang zu den am dringendsten erforderlichen Maßnahmen. So entsteht in kürzester Zeit eine weltumspannende Ansammlung an Helden, die uns mit Ihrem Einsatz als leuchtendes Beispiel vorangehen.Je nach Interessengebiet filterbar kann die Webseite die verschiedensten Parameter zum Thema Ozeane veranschaulichen. Ob es die „Helden“ sind oder die Hotspots der Verschmutzung. Ob man nur nach Informationen über die Gefährdung von Korallenriffen sucht oder mehr über die Bedeutung von Social Plastik erfahren möchte. Alles kann durch eine einfache Navigation dargestellt werden und verhilft jedem Besucher der Seite zu mehr Wissen und Verständnis.
Im Auftrag unserer Erde kann jeder, von jung bis alt, selbst aktiv werden und seinen Mitmenschen davon berichten. Die Option zum Hochladen neuer „Helden“ ist dafür gemacht, auch die Einzelpersonen zu erfassen, die vielleicht sonst nie Beachtung erfahren hätten. Durch diese interaktive Möglichkeit der Beteiligung bekommt jeder die Chance, sich einzubringen und den Inhalt der Webseite zu erweitern. Wir erzeugen Kooperationen, schaffen Verbindungen und bieten über eine „Take-Action“ -Funktionen die Möglichkeit zur direkten Hilfe.
Verfolgen Sie die Entwicklung des Ozean Projektes auf meiner Facebookseite: York Hovest
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Der Meeresgrund gehört zu den am wenigsten erkundeten Bereichen unseres Planeten – dies gilt auch für seismische Messungen. Doch jetzt haben US-Forscher eine Methode demonstriert, die Erdbeben, Vulkanausbrüche und sogar verborgene Verwerfungen im Meeresgrund verblüffend einfach detektieren kann. Denn statt neue Sensoren zu installieren, lassen sich solche Messungen auch mit Seekabeln durchführen – den Leitungen, die fürs Internet und andere Telekommunikationszwecke längst alle Meere durchziehen. Die Rückstreuung von Laserpulsen verrät dabei Dehnungen und Stauchungen dieser Kabel und detektiert selbst kleinste Erschütterungen wie ein Test vor der kalifornischen Küste belegte.
Drei Viertel unseres Planeten sind von Meeren bedeckt, entsprechend viele geologisch und geophysikalisch relevante Prozesse spielen sich in den Ozeanen ab. Die meisten Erdbeben und rund 80 Prozent der Vulkanausbrüche finden beispielsweise unter Wasser statt und auch viele Plattengrenzen und Verwerfungen verlaufen vor den Küsten der Kontinente. „Es gibt einen enormen Bedarf an mehr Seismologie auf dem Meeresgrund“, erklärt Erstautor Nathaniel Lindsey von der University of California in Berkeley. Doch neue Seismometer und andere Messinstrumente am Meeresgrund zu installieren, ist extrem aufwändig und entsprechend teuer: Man benötigt Schiffe, um sie hinzubringen und Tauchroboter oder Taucher für die Installation am Grund. Außerdem sind leistungsfähige Batterien oder andere Stromquellen für den Betrieb der Geräte nötig. Aus diesen Gründen sind bislang nur wenige Messnetze oder Einzelsensoren in den Ozeanen aktiv.
Photonenstreuung im Glasfaserkabel als Seismometer Eine Lösung für die ozeanischen Messlücken könnte nun eine Methode liefern, die die schon am Meeresgrund vorhandene Technik für seismische Messungen nutzt. Denn weltweit durchziehen tausende Kilometer Seekabel die Meere – die Glasfaserleitungen, die das Rückgrat der globalen Telekommunikation bilden. Über sie laufen Daten in Form von Laserpulsen von Kontinent zu Kontinent. Lindsey und sein Team haben nun einen Weg gefunden, diese Kabel zu einer Art Seismometer umzufunktionieren. Als Testfeld diente ihnen ein rund 50 Kilometer langes Seekabel, das von der Küste der Monterey Bay in Kalifornien zu einer Untersee-Messstation im Pazifik führt und wissenschaftliche Messdaten überträgt. Als das Glasfaserkabel im März 2018 wegen Wartungsarbeiten vorübergehend stillgelegt wurde, nutzten die Forscher die Chance, um ihre Experimente durchzuführen. Für ihre Messungen nutzten Lindsey und sein Team die Tatsache, dass Erschütterungen am Meeresgrund auch die Glasfaserkabel ein klein wenig dehnen und stauchen. Schickt man nun kohärente Laserpulse durch das Kabel, verändern sich durch diese subtilen Bewegungen die Frequenzmerkmale und die Ankunftszeiten der Photonen, die vom Kabelinneren zurückgestreut werden. Dieses sogenannte Backscattering werteten die Forscher an einem rund 20 Kilometer langen Teilstück des Seekabels vier Tage lang kontinuierlich mithilfe eines Spektrometers aus. Durch Vergleiche mit Referenzsignalen ermöglichte dieses sogenannte Distributed Acoustic Sensing (DAS) die präzise Erfassung selbst kleiner Erschütterungen. „Diese Systeme registrieren auf einen Meter noch Veränderungen im Bereich von Nanometern bis zu hunderten Picometern“, erklärt Co-Autor Jonathan Ajo-Franklin vom Lawrence Berkeley National Laboratory. Durch spezielle Anpassung der Laserpulse konnten die Forscher die Rückstreuung an jedem zwei Meter langen Teilstück der Leitung gesondert messen. Dadurch verwandelten sie das 20 Kilometer lange Glasfaserkabel im Prinzip in 10.000 einzelne Bewegungssensoren.
Erdbeben, Verwerfungen und die Gezeiten Die ersten Tests waren erfolgreich: In den vier Tagen zeichneten die Forscher mithilfe des Seekabels eine ganze Bandbreite seismischer Ereignisse am Grund des Pazifiks auf. Unter diesen war ein Erdbeben der Magnitude 3,4, das sich 45 Kilometer von der Küste entfernt im Landesinneren ereignete, dessen Bebenwellen sich aber bis in den Meeresgrund fortpflanzten. Lindsey und sein Team konnten anhand ihrer Messdaten nicht nur die Merkmale dieses Bebens identifizieren, die seismischen Wellen enthüllten wie eine Art Tomograph auch einige zuvor unbekannte geologische Formationen im Meeresgrund. Weil die Beschaffenheit des Untergrunds die Erdbebenwellen auf charakteristische Weise modifiziert, verändern sich auch die subtilen Merkmale des Glasfaserkabels und damit die photonischen Messdaten. Dadurch konnten die Forscher einige zuvor unbekannte tektonische Verwerfungen 15 bis 19 Kilometer vor der Küste kartieren. Zusätzlich registrierte ihre Methode auch die Veränderungen durch die Gezeiten oder die von starken Wellen verursachten Erschütterungen. „Dies ist das erste Mal, dass irgendjemand Offshore-Glasfaserkabel verwendet hat, um diese Art von ozeanografischen Signalen einzufangen oder um tektonische Strukturen zu kartieren“, sagt Ajo-Franklin. Er und seine Kollegen sehen in dieser Methode großes Potenzial, um die großen Messlücken unter den Ozeanen endlich zu schließen. Bisher haben sie ihre Tests zwar nur an „dunklen“ Leitungen durchgeführt – Glasfaserkabeln, die gerade nicht für Datenübertragungen verwendet wurden. Doch die Forscher haben bereits damit begonnen, auch Messungen in aktiven Leitungen durchzuführen. Dabei passen sie ihre Mess-Laserpulse so an, dass sie in nicht für den Datentransfer verwendeten Kanälen und Frequenzen liegen. „Das Schöne an der Glasfaser-Seismologie ist es, dass man dafür schon vorhandene Telekommunikationskabel nutzen kann, statt 10.000 neue Seismometer installieren zu müssen“, sagt Lindsey. „Man geht einfach zur Anschlussstelle und verbindet das Messinstrument mit dem Ende der Glasfaser.“
Quelle: Nathaniel Lindsey (University of California, Berkeley) et al., Science,doi: 10.1126/science.aay588128. November 2019 © wissenschaft.de - Nadja Podbregar
Gewaltig und massig: Wale sind die größten Tiere auf unserem Planeten – doch auch bei diesen Wesen stellte sich ein Wachstumslimit ein. Was bestimmte es? Forscher haben nun systematisch untersucht, warum Wale nicht noch größere Dimensionen erreichen. Die Daten belegen, dass das Kosten-Nutzen-Verhältnis bei der jeweiligen Ernährungsweise der Meeresgiganten buchstäblich maßgeblich ist.
Bei gigantischen Tieren kommen vielen Menschen sofort die Dinosaurier in den Sinn – doch ein Tier unserer Zeit übertrifft diese Riesen der Vergangenheit bei weitem: Mit einer Länge von über 30 Metern und einem Gewicht von mehr als 100 Tonnen ist der Blauwal das größte Tier, das jemals auf unserem Planeten existiert hat. Neben diesem Vertreter der Bartenwale haben auch die Zahnwale einen Spitzengiganten hervorgebracht: Der König dieser Meeressäuger ist der bis zu 20 Meter lange und über 50 Tonnen schwere Pottwal. Wie die Forscher um Jeremy Goldbogen von der Stanford University berichten, gab es bisher nur Annahmen dazu, welche Faktoren hinter den Ausmaßen dieser Wale stecken. Um nun erstmals genauere Daten zu sammeln, hat das internationale Wissenschaftlerteam Informationen von zahlreichen Fressaktionen der Tiere gesammelt. Ihr Ziel war es dabei, den Energieaufwand bei der Nahrungsaufnahme sowie die Ausbeute zu erfassen. So war eine Einschätzung des Kosten-Nutzen-Verhältnisses bei der jeweiligen Ernährungsweise der Wale möglich.
Energetische Preis-Leistungs-Verhältnisse im Blick Die Datensammlung war mit einem enormen Aufwand verbunden: Um die Unterwasseraktivitäten der Wale zu verfolgen, verwendete das Team Multisensor-Aufnahmegeräte, die vorübergehend durch Saugnäpfe auf den Rücken der Tiere angebracht wurden. Untersucht wurden nicht nur die Rekordgiganten, sondern auch kleinere Vertreter der Barten- und Zahnwale. In den Geräten erfassten Beschleunigungsmesser, Drucksensoren, Kameras und Hydrophone die Bewegungen der Tiere bei ihren Futtertauchgängen . Mithilfe von Sonargeräten in den umliegenden Gewässern und Aufzeichnungen von Beutetieren in Walmägen schätzten die Wissenschaftler auch die Beutedichte in der Nachbarschaft jedes markierten Wals ein. „Energie ist gleichsam die Währung aller Lebensformen, und wir wollten wissen, wie das Verhältnis zwischen Energiegewinn und Energieaufwand beim Fressverhalten von Walen mit unterschiedlichen Körpergrößen und Fütterungsstrategien ist“, sagt Goldbogen. „Dieses Verhältnis zeigt die Futtereffizienz eines Wals auf und gibt Aufschluss darüber, warum manche Wale so groß sind und warum sie nicht noch größer werden“, erklärt der Meeresbiologe. Wie er und seine Kollegen berichten, zeichneten sich deutliche Unterschiede zwischen den beiden Gruppen der Wale ab. Die sogenannten Bartenwale wie der Blauwal, Finnwal oder Buckelwal verwenden Strukturen aus Reihen von biegsamen, haarähnlichen Gebilden im Maul, um Krill und andere kleine Beute aus dem Meerwasser herauszusieben. Sie suchen nach dichten Beständen ihrer Beute und verleiben sich bei einem Beutezug fast immer viel mehr Kalorien ein, als sie für die Aktion verbrauchen. Sie erreichten den höchsten Energieertrag von allen im Rahmen der Studie untersuchten Walarten. Den Forschern zufolge zeichnet sich bei den Bartenwalen zudem ab: Die Größe ist kein Hindernis bei ihrer Strategie der Nahrungsaufnahme.
Zwei unterschiedliche Konzepte Bei den Zahnwalen ist die Lage hingegen deutlich anders, berichten Goldbogen und seine Kollegen. Diese Meeressäuger verwenden Echolokalisierung bei der Futtersuche und fressen nur ein Beutetier pro Aktion. Besonders die Pottwale müssen vergleichsweise tief tauchen, um ihre Beutetiere wie Tiefseekalmare und große Fische zu erreichen. Dadurch konnten sie sich allerdings auch eine Art Schlaraffenland erschließen, das anderen großen Räubern nicht zugänglich ist. „In 300 Metern Tiefe gibt es eine Menge Tintenfische zu fressen“, sagt Goldbogen. Aber diese Beutetiere müssen dennoch gejagt werden und das kostet viel Energie, wie die Daten zeigen. In einigen Fällen konnten die Zahnwale während eines Tauchgangs nicht genug Nahrung aufnehmen, um die aufgewendete Energie auszugleichen, ergaben die Berechnungen. Der Pottwal hat demnach seine Möglichkeiten ausgereizt, sagen die Wissenschaftler. Wenn diese Zahnwale noch größer wären, könnten sie ihren steigenden Energieverbrauch nicht mehr durch die Ausbeute in der Tiefsee decken – es gibt dazu einfach nicht genug große Tintenfische im Ozean, so die Wissenschaftler.
Wale leben auf Messers Schneide Die Bartenwale ernähren sich hingegen von kleinen, aber sehr häufig vorkommenden Krillbeutetieren, die in bestimmten Teilen der Welt für kurze Zeit in hohen Bestandsdichten auftreten. Bei ihnen wird eine noch weitere Zunahme der Körpergröße von der saisonalen Verfügbarkeit ihrer Beute eingeschränkt, erklären die Wissenschaftler. „Die größten Bartenwale ernten in den hohen Breiten in den nur wenigen üppigen Sommermonaten die Krillbestände ab“, sagt Goldbogen. „Durch die enormen Netto-Gewinne können diese Wale dort Fettreserven aufbauen, von denen sie bei ihren Wanderungen zu ihren Winterquartieren und Kinderstuben in den niedrigeren Breiten allerdings zehren müssen, die nur wenig Nahrung bieten“, erklärt Goldbogen. Wie er und seine Kollegen betonen, verdeutlicht die Studie damit, dass die großen Walarten energetisch betrachtet auf Messers Schneide leben. Insbesondere angesichts des Klimawandels, der Überfischung und anderer Bedrohungen in den Meeren ist dies im Hinblick auf ihr zukünftiges Überleben problematisch: „Wenn wie im Fall des Blauwals die einzige Beute Krill ist und etwas den Rückgang der Bestände verursacht, kann es schnell kritisch werden, weil diese Wale nicht in der Lage wären, genug zu fressen, um sich zu versorgen“, resümiert Goldbogen.
Quelle: Smithsonian, Fachartikel: Science, doi: 10.1126/science.aax904413. Dezember 2019 © wissenschaft.de - Martin Vieweg
Erwärmung, Versauerung und Verschmutzung machen den marinen Ökosystemen der Erde zunehmend zu schaffen – doch wie Wissenschaftler nun betonen, gibt es ein weiteres Problem im Reich Poseidons: Die Sauerstoffgehalte schwinden, was mit Verschiebungen des biologischen, chemischen und physikalischen Gleichgewichts in den Meeren verbunden ist. Wie die Wissenschaftler erklären, spielt erneut die Klimaerwärmung eine problematische Rolle beim globalen Sauerstoffverlust in den Ozeanen.
Das „Lebenselexier“ in den Ozeanen steht schon lange im Fokus eines internationalen Forscherteams unter der Beteiligung des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel. In den letzten Jahren haben sie durch umfangreiche Probenahmen und Analysen die Sauerstoffgehalte in vielen Gewässern der Welt untersucht, Entwicklungen verdeutlicht und Ursachen für den Rückgang des O2-Gehalts aufgezeigt. Ihre Ergebnisse präsentiert nun ein 562-seitiger Bericht der International Union for Conservation of Nature (IUCN). Da der Sauerstoffverlust zu einem großen Teil von der Erderwärmung getrieben wird, sollte der Bericht einen weiteren „Weckruf“ an die Teilnehmer UN Klimakonferenz in Madrid darstellen.
Warmem Wasser entfleucht der Sauerstoff Wie die Forscher berichten, ist der globale Sauerstoffgehalt in den vergangenen 50 Jahren im Durchschnitt um mehr als zwei Prozent zurückgegangen. Ihnen zufolge sind die erhöhten Wassertemperaturen im Zuge des Klimawandels dabei ein wichtiger Faktor: Je wärmer Oberflächenwasser ist, desto weniger Sauerstoff kann es aufnehmen. Das warme Wasser führt außerdem dazu, dass die Schichtung des Ozeanwassers stabiler wird, wodurch sich Vermischung und Zirkulation abschwächen und es schwieriger wird, das Innere der Meere zu belüften. Der Bericht verdeutlicht zudem das regional sehr unterschiedliche Ausmaß des Sauerstoffmangels. Vor allem Regionen, in denen weitere Faktoren zur Sauerstoffknappheit beitragen, sind demnach besonders schwer betroffen. Vor allem in Küstengewässern wird durch unnatürlich intensive Nährstoffzufuhr durch Düngemittel und Fischzuchten das Algenwachstum begünstigt, wodurch der Verbrauch von Sauerstoff steigt. „Wenn man bedenkt, dass gerade küstennahe Gebiete wie vor Peru oder Westafrika für einen großen Teil der weltweiten Fischereierträge verantwortlich sind, kann sich das schon jetzt direkt auf den Menschen auswirken“, betont Andreas Oschlies von GEOMAR.
Für Fisch und Co wird’s „stickig“ Aus den Daten, die die Forscher in den letzten Jahren gesammelt haben, geht hervor, dass im vergangenen halben Jahrhundert die Wassermenge im offenen Ozean, in der jeglicher Sauerstoff fehlt, um mehr als das Vierfache gewachsen ist. In Küstengewässern, einschließlich Flussmündungen und Randmeeren, haben sich Standorte mit niedrigem Sauerstoffgehalt seit 1950 sogar mehr als verzehnfacht. „Wir erwarten außerdem, dass die Sauerstoffkonzentrationen auch außerhalb dieser Gebiete weiter absinken werden, wenn sich die Erde weiter erwärmt“, sagt Oschlies. Wie die Forscher betonen, ist nun allerdings weitere Forschungsarbeit auf dem Gebiet nötig, um genauere Einschätzungen zu ermöglichen. „Zum Beispiel zeigen Computermodelle immer noch einen geringeren Sauerstoffverlust, als wir ihn im Meer wirklich messen. Das bedeutet, dass wir noch nicht alle damit zusammenhängenden Prozesse verstanden haben“, unterstreicht Oschlies. „Deshalb freuen wir uns, dass die IUCN dieses Thema mit dem neuen Report aufgreift und neue Wege für die zukünftige Forschung aufzeigt“, so der Wissenschaftler.
Quelle: GEOMAR, Fachartikel: Ocean deoxygenation: Everyone’s problem – Causes, impacts, consequences and solutions. Gland, Switzerland: IUCN. xxii+562 pp13. Dezember 2019 © wissenschaft.de - Martin Vieweg
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IPCC-Sonderbericht: Klimafolgen für Ozean und Eis
Die Erde ist zu drei Vierteln von Wasser bedeckt – entsprechend groß ist der Einfluss der Ozeane auf Klima, Stoffkreisläufe und die gesamte Lebenswelt auf unserem Planeten. Ein aktueller Sonderbericht des Weltklimarats IPCC liefert nun neueste Daten und Prognosen dazu, wie Meere und Eisreservoire weltweit auf den Klimawandel reagieren. Der Bericht bestätigt, dass sich sowohl das Abschmelzen der polaren Eiskappen als auch der Meeresspiegelanstieg in den letzten gut zehn Jahren deutlich verstärkt und beschleunigt haben. Setzt sich dieser Trend fort, könnte der Meeresspiegel bis 2100 sogar um mehr als einen Meter ansteigen – deutlich mehr als im letzten Weltklimabericht vorhergesagt. Wie der Sonderbericht unterstreicht, zeigen auch die Meeresumwelt und die marinen Ökosysteme klare Anzeichen für klimabedingte Veränderungen.
In den letzten Jahren haben zahlreiche Studien bereits dargelegt, dass der Meeresspiegel durch die globale Erwärmung und die Zunahme der Eisschmelze ansteigt und dass sich dieser Anstieg zunehmend beschleunigt. Auch das Abschmelzen der Gletscher in den Polargebieten, aber auch den Hochgebirgen hat sich in den letzten Jahren weiter beschleunigt. Gleichzeitig gibt es starke Indikatoren dafür, dass sich durch den Einfluss des Klimawandels auch eng mit dem Meer verknüpfte Wetter- und Klimaphänomene wie starke Wirbelstürme, Sturmfluten und El-Nino-Ereignisse häufen.Um diese Einzelaspekte auf eine einheitliche, wissenschaftlich abgesicherte Basis zu stellen, hat nun das Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) alle aktuellen Erkenntnisse in einem Sonderbericht zusammengefasst. Für den „Special Report on the Ocean and Cryosphere in a Changing Climate“ (SROCC) haben mehr als 100 Wissenschaftler aus 36 Nationen knapp 7000 Forschungsarbeiten aus aller Welt gesichtet und ausgewertet. Diese Daten und Aussagen bilden nun die offizielle Basis für politische Entscheidungen von Regierungsvertretern und Gremien in aller Welt.
Meeresspiegel steigt stärker als zuvor prognostiziert
Zu den Kernaussagen des IPCC-Sonderberichts gehören neue Daten und Prognosen zum Meeresspiegelanstieg. Demnach liegt der jährliche Anstieg der Pegel inzwischen bei knapp vier Millimetern pro Jahr. Diese Rate erhöht sich zudem jährlich um rund 0,1 Millimeter – der Meeresspiegelanstieg beschleunigt sich demnach immer mehr. Der Bericht bestätigt auch, dass sich die Ursachen für das Ansteigen der Meere verschoben haben: Zwar nimmt die Erwärmung des Meerwassers und die damit verbundene thermische Ausdehnung weiterhin deutlich zu. Den größten Beitrag aber liefert inzwischen das Abschmelzen der Eiskappen. Auch die Prognosen für die zukünftige Entwicklung des Meeresspiegels wurden im aktuellen Bericht präzisiert und um 10 bis 15 Prozent erhöht. Demnach könnten die Pegel bei einer weitgehend ungebremsten Erwärmung (IPCC-Szenario RCP 8.5) bis zum Jahr 2100 im Schnitt um 61 bis 110 Zentimeter gegenüber den Pegeln bis 2005 steigen. Damit rückt erstmals auch ein Meeresspiegelanstieg von mehr als einem Meter in den Bereich des Wahrscheinlichen.
Der Sonderbericht bestätigt auch den zunehmenden Effekt der Erwärmung auf das Eis der Antarktis und Grönlands. Demnach hat sich der Eismassenverlust in Grönland gegenüber dem Zeitraum von 1997 bis 2006 inzwischen verdoppelt und in der Antarktis verdreifacht. Konkret hat die Masse des antarktischen Eisschilds in der Zeit seit 2006 um 155 Gigatonnen pro Jahr abgenommen – das ist deutlich mehr als noch im 5. Weltklimabericht angegeben. Hauptursache hinter diesem Eisverlust ist das Ausdünnen und Zurückziehen der Auslassgletscher der Westantarktis. Auch in Grönland hat der Gletscherrückgang an Tempo zugenommen. Lag der Eisverlust dort von 1997 bis 2006 noch bei rund 215 Gigatonnen pro Jahr, waren es im darauffolgenden Jahrzehnt bereits 278 Gigatonnen jährlich.
Folgen auch für die Meeresumwelt
Im neuen Bericht bestätigt das IPCC aber auch die ökologischen Folgen des Klimawandels für die Meeresumwelt. So leiden besonders die marinen Ökosysteme der Tropen unter der zunehmenden Versauerung, Sauerstoffarmut und Erwärmung des Meerwassers. „Veränderte Wechselwirkungen zwischen Arten haben zu kaskadierenden Folgen für die Struktur und Funktionsweise von Ökosystemen geführt“, heißt es im Sonderbericht. Das könnte schon in der nahen Zukunft zu spürbaren Effekten führen: „Für die Ökosysteme der Ozeane von der Oberfläche bis zum Tiefseeboden wird bei allen Emissionspfaden im Laufe des 21. Jahrhunderts ein Rückgang der globalen Biomasse mariner Tiergemeinschaften, ihrer Produktion und ihres Fangpotenzials sowie eine Verschiebung der Artenzusammensetzung projiziert“, so das IPCC. Unter anderem könnte bei ungebremstem Klimawandel das maximale Fangpotenzial der Fischerei bis 2100 um 20 bis 24 Prozent sinken. Für Warmwasserkorallen, Seegraswiesen und Tangwälder prognostizieren die Forscher selbst bei einer gemäßigten Erwärmung um 1,5 bis zwei Grad hohe Risiken.
„Der Bericht unterstreicht, dass der Klimawandel Ozean und Kryosphäre schon stark verändert hat und dass wir Menschen auch schon heute von diesen Veränderungen betroffen sind“, kommentiert Klimageograf Ben Marzeion von der Universität Bremen die Inhalte des IPCC-Sonderberichts. Gleichzeitig betont der Sonderbericht aber auch, dass die schlimmsten Folgen des Klimawandels noch durch entsprechende Maßnahmen verhindert werden können. Entscheidend dafür seien ehrgeizige und dringende Emissionsreduktionen und anhaltende Anpassungsmaßnahmen. „Zu den wichtigsten Voraussetzungen für die Umsetzung wirksamer Reaktionen auf klimabedingte Veränderungen in Ozean und Kryosphäre gehört die Intensivierung der Zusammenarbeit und Koordination unter Regierungsbehörden über räumliche Maßstäbe und Planungshorizonte hinweg“, heißt es im IPCC-Sonderbericht. Mit anderen Worten: Die Politik muss sich schnellstens auf gemeinsames und effektives Handeln einigen.
QUELLE: IPCC Special Report on the Ocean and Cryosphere in a Changing Climate (SROCC)
Warum das Klimapaket der Bundesregierung das Klima nicht retten wird & welche wichtige Rolle die Höhe des CO2-Preises hat.
Environmental activists Greta Thunberg and George Monbiot have helped produce a short film highlighting the need to protect, restore and use nature to tackle the climate crisis. Living ecosystems like forests, mangroves, swamps and seabeds can pull enormous quantities of carbon from the air and store them safely, but natural climate solutions currently receive only 2% of the funding spent on cutting emissions. The film’s director, Tom Mustill of Gripping Films, said: 'We tried to make the film have the tiniest environmental impact possible. We took trains to Sweden to interview Greta, charged our hybrid car at George’s house, used green energy to power the edit and recycled archive footage rather than shooting new.'
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CREDITS Narrators: Greta Thunberg & George Monbiot Director: Tom Mustill Producer: Triangle Monday DoP & Editor: Fergus Dingle Sound: Shaman Media GFX: Paraic Mcgloughlin Online: Bram De Jonghe Picture Post: Special Treats Productions Mix: Mcasso Music Audio Post: Tom Martin NCS Guidance: Charlie Lat Music: Rone / InFiné Music The Independent film by Gripping Films(Tom Mustill) was supported by: Conservation International Food and Land Use Coalition Gower St With guidance from Nature4Climate Natural Climate Solutions www.grippingfilms.com FIND OUT MORE: #naturenow www.naturalclimate.solutions