Metaphern
Fatigue ist gerade mein “Lieblingsthema”. Wahrscheinlich weil es das Symptom meiner MS ist, welches ich am meisten fürchte. Wenn ich Verabredungen deswegen absagen muss - andere Betroffene mögen das nur allzu gut kennen - kommen Fragen wie: “Fatigue? ..du bist dann müde, oder wie? Ich fühle mich auch ziemlich abgeschlagen heute.” Dass das nicht im Geringsten zutreffend ist, muss ich wohl niemandem erzählen. Obwohl ich natürlich weiß, dass es in dieser Gesellschaft niemand leicht hat aka wer ist schon gesund und was heißt das überhaupt!? Tatsächlich aber - ich weiß nicht, ob sich in diesen Situationen meine Borderline-Seiten bemerkbar machen oder ob es anderen MS Betroffenen ohne Persönlichkeitsstörung ähnlich geht - fühle ich mich davon unfassbar angegriffen. Ich fühle mich nicht ernst genommen, nicht verstanden. Habe das Gefühl, dass mich die anderen als Drama Queen abstempeln (rational weiß ich, dass meine engen Freunde viel Verständnis dafür haben, mich nicht verurteilen und mit diesen Fragen einfach nur versuchen wollen zu verstehen, was sich da bei mir abspielt. Meine Emotionen reagieren allerdings gegenläufig. Da der Struggle real ist, habe ich einige Metaphern bzw. Umschreibungen gesucht und gefunden, um die für mich am präsentesten Symptome für die Außenwelt erklärbar zu machen: - Was ist Fatigue für mich? Ich weiß, dass sie auftaucht, wenn ich ein Kribbeln auf der Kopfhaut und einen heiß-kalt-Wechsel an der Innenseite meiner Stirn (zwischen Hirn und Schädeldecke) spüre. Dann irgendwann setzt das Gefühl ein, dass mein Schädel geöffnet ist und eine wechselwarme Duschbrause über mein Hirn läuft (Ja, das klingt eklig und ist es auch.) Gleisende Müdigkeit setzt ein, das Denken stagniert, sprechen fällt schwer. Ich habe kein Schlafbedürfnis, bin allerdings antriebslos und schwach. - Wie fühlen sich die Sensibilitätsstörungen an? Dauerhaft scheint mein rechtes Bein in Mitleidenschaft gezogen. Es kribbelt und ich erfahre Temperaturmissempfindungen. Tagsüber fühlt es sich so an, als ob ich eine sehr enge Strumpfhose tragen würde, die hin und wieder an meinen Beinhaaren zieht. Die Strumpfhose ist sehr nass und wechselt zwischen einem Zustand von in kaltem Wasser getränkt und dann wieder in heißem Wasser getränkt sein. Abends liege ich dann oft im Bett und kann nicht schlafen, weil sich meine Beine anfühlen, als ob sie verbrennen würden. Also in der Form, als würde man die ganze Zeit in eine viel zu heiße Badewanne steigen und es konsequent ignorieren. - Taubheitsgefühle? Die machen sich in der Regel am Steiß, Hintern und Bauchraum bemerkbar. Es ist eine Mischung zwischen Lokalanästhesie und einem engen Korsett, was mir den Atem abschnürt. Manchmal ist es auch nur so, als ob ich zu lange auf einem Körperteil gelegen hätte (in dem Fall gesessen), sodass ich es nicht mehr spüre. Wenn es sehr schlimm wird, dann denke ich, dass mich jemand so sehr umarmt, dass es mich völlig zerquetscht.










