Hab' jetzt schon einige Posts gelesen, die sich über Queerbaiting aufregen und sich einen offiziell queeren (=schwulen) Vincent Ross wünschen. Im Prinzip stimme ich dem zu, ABER—
Gerade bei Vincent finde ich, ist es (fast) gar nicht nötig. Vincent fällt allein schon durch seine Kleidung auf den ersten Blick auf. Eine maskulin gelesene Figur - ein Kommissar - trägt Rock, Pelzkragen und Chiffon-Blusen, dazu Kajal und Nagellack, das ist ja schon ein deutliches Statement gegen Gendernormen und Konformität. Im Grunde ist alleine das schon queer. (Nicht vergessen, dass wir hier auf tumblr eine ganz andere Sicht auf das Thema haben als die Boomer-Zuschauer der ARD!)
Was Vincent als Figur für mich viel spannender macht sind nicht die stereotypen Details (und da schließe ich Sexualität mit ein), sondern wie er sich gibt. Die Widersprüche. Dass sein Verhalten nicht zu den gängigen Vorurteilen über Schwule oder Transpersonen passt. Dass er klug ist und durchaus Ansagen machen kann. Dass er mit anpacken kann, dass er nicht zimperlich ist und kein bisschen 'affektiert'. Dass er weiß wie er auf andere Leute wirkt, dass er sich nicht von (Mikro-)Aggressionen provozieren lässt sondern gelassen darauf reagiert. Dass er gut ist in seinem Job und diesen 'ganz normal' macht.
Er ist offensichtlich und gewollt anders (=queer), aber dadurch dass das nicht thematisiert wird, wird doch gerade klar gemacht, wie 'normal' er ist. Stellvertretend für andere queere Menschen, denn wir alle leben ganz normale Leben und es ist idR nicht unsere Sexualität, die uns ausmacht oder definiert.
Klar würde ich gerne wissen, was es mit Vincents Ring auf sich hat. Es steht ja zu vermuten, dass er wegen einer in die Brüche gegangenen Beziehung nach Frankfurt gewechselt ist. Aber ehrlich gesagt, finde ich es nicht wichtig zu wissen, ob diese Bezieung mit einem Mann war. Denn was ändert das an Vincent als Charakter?