Odysseus findet heim - Nolan produziert einen Hit, aber warum?
"Die Odyssee" ist endlich in die Kinos gekommen und ist kein Flop, sondern ein Hit. Weil es offenbar einer von zwei Filmen in diesem Jahr ist, für den die Amis ins Kino rennen. Warum auch immer. Jetzt ist es nicht so, dass ich mir gewünscht hätte, dass der Film floppt, allerdings ist es so, dass alle anderen Sommerblockbuster gefloppt sind (zuletzt die Live Action-Version von "Vaiana") oder zumindest hinter den Erwartungen zurück geblieben sind ("Toy Story 5" scheinbar, aber wohl vor allem deswegen weil er international teilweise erst nächste Woche nach Ende der WM in die Kinos kommt, weil natürlich alle Leute, die Fußball schauen Toy Story-Fans sind - oder so). Deswegen ist es erstaunlich und unfair, dass ausgerechnet "Die Odyssee" den Fluch gebrochen hat und das Kinojahr 2026 auf das Niveau vor Covid hebt.
Jetzt kann man Punkte wie Christopher Nolan und die ganze Antiwerbung, die in Wahrheit Werbung für den Film gemacht hat, anführen um zu erklären warum das passiert ist, die Wahrheit ist aber viel einfacher: Die Amis stehen auf Filme mit griechischen Helden, das hat sich scheinbar seit den klassichen Sandalen-Filmen nicht geändert, auch wenn man sich darüber wundern kann warum jetzt eineinhalb Jahrzehnt lang so gut wie keine neuen mehr gekommen sind, wenn das doch so ist. Natürlich spielen Kosten eine Rolle, und man könnte auch arugmentieren, dass die letzten paar alle gefloppt sind. Zwei "Herkules"-Filme runter ins Klo, "Percy Jackson" nach Film Zwei in Schande eingestellt, der "Zorn der Titanten" hat die Karriere des Hauptdarstellers jenseits von Pandora praktisch beendet, der zweite "300"-FIlm wird heute aus guten Gründen totgeschwiegen und schon davor ...- ingesamt gesehen sind die letzten beiden großen Sandalen-Blockbuster - "Alexander" und "Troja" - auf wenig Gegenliebe beim Publikum gestoßen.
Was es umso verwunderlicher macht, dass heute alle so tun als wäre "Troja" ein guter Film gewesen, der alles richtig gemacht hat, was "Die Odyssee" falsch macht. Weil der ja so viele griechische Darsteller hatte, die Ilias so treu verfilmt hat, und überhaupt ein so guter Film war - nur, dass jeder, der das Machwerk ertragen hat, weiß, dass keine dieser Aussagen stimmt. "Troja" war ein grässlicher Film, der den trojanischen Krieg in zehn Tagen anstatt zehn Jahren abhandelt, das Ende geändert hat und nur vom Staraufgebot in den nicht immer passend besetzten Rolllen lebt. Der Rock kann als Herkules im Endeffekt nur unterhaltsamer sein als dieser Film es war, doch auf einmal tun alle so als wäre er ein Geniestreich gewesen. Irgendwas soll uns das sagen, aber ich bin mir nicht sicher was.
Feststeht, dass die Rechten plöztlich scharrenweise in ihren "Heldenepos" laufen, trotz schwazer Helena, Elliot Page (übrigens nicht als Achilles wie vorher von den Hatern behauptet wurde) und nicht-heroischer Sprache, was doch zuvor der Grund war warum dieser Film so schlecht sein soll, und die anderen Leute ihn ansehen gehen, weil sie den Hatern widersprechen wollten oder einen Nolan-Film sehen wollten oder einen Matt Damon- oder Robert Pattinson oder Tom Holland-Film sehen wollten ... Mhm, kommt einen irgendwie bekannt vor? Ja, auch dieser Film lebt scheinbar wieder vom Staraufgebot.
lch meine, wir sollten es positiv sehen. Nachdem die Science Fiction gerade wieder stirbt, Comicverfilmungen schon lange der Untergang prophezeit wird, und Live Action Remakes auch zu scheitern beginnen, könnten wir endlich die Zukunft des Kinos entdeckt haben: Neben Videospielverfilmungen wohl auch Sandalenkino. Ja, klar, aus der Rennaissance der Musical-Filme wurde nichts, da der Mainstream schon bei der Veröffentlichung von "Wicked Part 2" das Interesse verloren hat, und die Spielzeug-Filme haben dieses Jahr mit "Masters of the Universe" lernen müssen, dass sie auch zum Scheitern verurteilt sind, aber vielleicht haben Sandalen-Filme mehr Glück ... Mit ihrer schädlichen Body-Image-Politik, den fragwürdigen politischen Botschaften, die man leicht einbauen könnte, den überwiegenden männlichen Cast und den sexulisierten Frauenrollen, und dem White Washing was damit eingehergeht.
Oh, Gott, bitte nicht. Andrerseits ... vielleicht verirren sich ein paar queere Filme darunter. Wäre nicht das erste Mal in der Geschichte von Hollywood (auch wenn Charlton Heston davon nichts zu wissen behauptet hat). Persönlich glaubte ich aus Kostengründen zwar nicht daran, dass die nächte große Filmwelle das sein wird, aber wenn sie kommt, dann kommen zumindest irgendwelche neuen Filmen neben den gerade mal zwei Wochen laufenden Horror-Filmen, die wir uns sowieo auf Home Media oder Stream anschauen müssen, wenn wir sie sehen wollen, in unsere Kinos. Das wäre besser als gar nichts, nehme ich an....