Die Froschkönigin oder doch die zwölf Schwestern?
Ich habe mir gerade drei zufĂ€llige MĂ€rchen der GebrĂŒder Grimm durchgelesen. Der Froschkönig oder der eiserne Heinrich, die zwölf BrĂŒder und Aschenputtel.Â
Der Froschkönig oder der eiserne Heinrich
Die jĂŒngste Königstochter ist natĂŒrlich die schönste, immerhin trauern wir ja alle der âSchönheit der Jugendâ nach. Sie ist schön, eingebildet, arrogant und auch naiv. Eigenschaften die wir wohl vielen Reichen, Jungen und Schönen zuschreiben wĂŒrden. Sie verliert ihre goldene Kugel und ein ekeliger schmieriger Frosch holt sie ihr nur zurĂŒck, verspricht sie ihn an ihrer Seite leben zu lassen. Sie verspricht es, der Frosch holt die Kugel und das MĂ€dchen geht ohne den Frosch. Das reiche und schöne MĂ€dchen nutzt den armen ekligen Frosch aus. Der Frosch fordert das Versprechen ein und der König, ehrenhaft wie er ist, unterstĂŒtzt ihn. Die arme Prinzessin weint viel, nimmt den Frosch und wirft ihn an die Wand und was passiert? Der Frosch verwandelt sich in einen wunderschönen Königssohn. Sie heiraten. Zum Schluss kommt der liebe Diener Heinrich und die unverwechselbare MĂ€nnerfreundschaft blĂŒht wieder auf. Die Prinzessin so unverschĂ€mt, reich und hĂŒbsch, bekommt ihr Happy End. Durch den Vater wird sie zu ihrem GlĂŒck gezwungen, durch den Königssohn erhĂ€lt sie ihr GlĂŒck.Â
MĂ€nnlich: nett, lieb, ehrenhaft, treu, hilfsbereit
Weiblich: hĂŒbsch, naiv, arrogant, beeinflussbar, gehorsam
Zwölf Königssöhne die von ihrem Vater umgebracht werden sollen, ist das dreizehnte Kind ein MĂ€dchen. Das Töchterlein soll den ganzen Reichtum alleine haben. Die Königin verrĂ€t den Plan des Vaters, die zwölf Buben reiĂen aus und warten auf das Zeichen der Mutter, in Form einer Fahne am Schlossturm, ob ein MĂ€dchen oder Junge geboren worden ist. NatĂŒrlich wird ein MĂ€dchen geboren und die BrĂŒder mĂŒssen in einer verwunschenen HĂŒtte im Wald leben. Der kleinste und schwĂ€chste soll die Hausarbeit erledigen (gilt diese Aufgabe deshalb immer der Frau?). Das erste MĂ€dchen, welches sie treffen soll als Rache sterben. Die Königstochter wird Ă€lter und sucht, der Mutter zur Liebe, ihre BrĂŒder. Findet das HĂ€uschen und den kleinsten Bruder, dieser freut sich und ĂŒberredet die anderen BrĂŒder nicht das erste MĂ€dchen zu töten, alle freuen und lieben sich. Das MĂ€dchen bleibt bei ihren BrĂŒdern, will ihnen einen Freude machen, pflĂŒckt zwölf Blumen und ihre BrĂŒder verwandeln sich in Raben. Wer hat dieses Unheil angerichtet? NatĂŒrlich eine böse alte Frau. Einzige Chance, das MĂ€dchen muss sieben Jahre schweigen und darf nicht lachen. Auf einem Baum, einsam im Wald versteckt sich das MĂ€dchen. Ein Prinz kommt vorbei wĂ€hlt sich das MĂ€dchen als Gemahlin aus, die böse Stiefmutter redet dem armen Sohn ein, seine Gemahlin wĂ€re böse, wĂŒrde sie doch weder lachen noch sprechen. Das MĂ€dchen soll verbrannt werden, doch ach welch GlĂŒck, die sieben Jahre sind verstrichen, die Raben kommen herbeigeflogen und verwandeln sich zurĂŒck in ihre zwölf BrĂŒder. Das MĂ€dchen wird erlöst und kann ihrem Gemahlen alles erzĂ€hlen. Die böse Stiefmutter stirbt.
MĂ€nnlich (Jungen): nett, Retter, ehrenhaft,Â
MĂ€nnlich (Mann): böse, rĂŒcksichtslos, hinterlistig
Weiblich (MĂ€dchen): naiv, gutmĂŒtig, fehlerhaft, hilflos
Weiblich (Frauen): böse, hinterlistig (ausgeschlossen Königin)
Die Mutter stirb und der Vater findet eine neue Frau. Die neue Frau entpuppt sich als böse Stiefmutter und bringt zwei böse Stiefschwestern fĂŒr das arme Aschenputtel mit. Aschenputtel hat an ihrer Mutter Grab, WĂŒnsche frei. Trotz der ErfĂŒllung der Aufgaben der Stiefmutter, durch Hilfe der lieben Tiere, darf Aschenputtel nicht mit auf den Ball des Prinzen, der eine Gemahlin sucht. Aschenputtel darf nur ihre Stiefschwestern hĂŒbsch machen. Das arme MĂ€dchen wĂŒnscht sich schöne Kleider, geht dreimal zum Ball. Tanzt mit dem Prinzen der nur Augen fĂŒr sie hat und entwischt ihm alle drei Male, als er sie nach Hause bringen will. Beim dritten Mal, verliert sie durch eine List des Prinzen einen Schuh. Der Prinz sucht Aschenputtel mit dem Schuh. Die Stiefschwestern verletzen sich um in den Schuh zu passen, die LĂŒgen werden jedoch aufgedeckt. Unter dem Neid der Stiefmutter und der Stiefgeschwister findet der Prinz seine rechte Braut (Aschenputtel) und heiratet diese. Bei der Hochzeit werden die Stiefschwestern fĂŒr ihr Verhalten durch Blindheit bis an ihr Lebensende, bestraft.Â
MĂ€nnlich (Vater von Aschenputtel): beeinflussbar, naiv, geblendet, ehrenlos
MĂ€nnlich (Prinz): hinterlistig, verliebt, ehrgeizig
Weiblich (Aschenputtel): fromm, gut, gutmĂŒtig, schlau, mutig, lieb,Â
Weiblich (Stiefmutter und Stiefschwester): böse, gemein, hinterlistig, neidisch, naiv, eingebildet,
Was lÀsst sich bei Betrachtung der mÀnnlichen und weiblichen Rollen feststellen?
Im GroĂen und Ganzen ist es doch immer der Prinz, der die arme Prinzessin erlöst. Der Froschkönig erlöst die Prinzessin von sich selbst, die Königstochter im zweitgenannten MĂ€rchen wird erst vom Prinzen aus ihrer Einsamkeit geholt und dann von ihren zwölf BrĂŒdern (Prinzen) erlöst und dann Aschenputtel, die durch den Prinzen von ihrem erniedrigenden Leben unter der Stiefmutter und ihren Stiefschwestern, erlöst wird. AuĂerdem gibt es oft diese böse Frau. Bei Aschenputtel die Stiefmutter und zugleich noch die bösen Stiefschwestern, alle weiblich. Im MĂ€rchen der zwölf BrĂŒder, die alte böse Frau die fĂŒr die Verwandlung der BrĂŒder verantwortlich ist und dann gibts es da die böse Hexe, die den armen Königssohn in einen Frosch verwandelt hat. Der Mann als starker Held, die Frau als arme hilflose naive Prinzessin.Â
Meiner Meinung nach werden hier klare Rollenbilder von den MĂ€rchen vermittelt. Nach reiflicher Ăberlegung finde ich, dass MĂ€rchen gerade deswegen ihre Berechtigung im Deutschunterricht haben. Die SuS werden bestimmt schon einiges ĂŒber ihre âRolle als mĂ€nnlicher oder weiblicher Part in der Gesellschaftâ wissen und sich auf ihre Weise Gedanken darĂŒber gemacht haben. Ich möchte mit meinem Unterricht erreichen, dass die SuS lernen, dass jeder in verschiedenen Lebenssituationen verschiedene Rollen einnimmt. Diese Rollen sich jedoch nicht auf das Geschlecht beziehen sollten.Â
Dazu fĂ€nde ich es schön, eine Projektwoche zum Thema âvöllig von der Rolleâ mit einem abschlieĂenden TheaterstĂŒck, umzusetzen. Innerhalb dieser Woche lernen die SuS verschiedene MĂ€rchen kennen, diese kann vielleicht auch SchulĂŒbergreifend fĂŒr verschiedene Jahrgangsstufen ausfallen. Jedes âMĂ€rchenâ wird von einer Lehrkraft betreut. Die SuS setzen sich intensiv mit dem Inhalt und den verschiedenen Figuren auseinander. Ihre Aufgabe ist es das MĂ€rchen âverkehrt herumâ vorzuspielen. Die Geschlechter werden vertauscht, die Eigenschaften bleiben. Nachdem die StĂŒcke am Ende der Woche aufgefĂŒhrt wurden, soll es verschiedene Reflexionsphasen geben. Wie haben sie sich wĂ€hrend des Spielens gefĂŒhlt? Wie war es ein solches StĂŒck anzusehen? Welche GefĂŒhle haben sie dabei entwickelt und was haben sie gedacht? Vielleicht sollten die StĂŒcke auch auf zwei verschiedene Arten geprobt werden. Einmal in der vorgeschriebenen und einmal in der umgekehrten Geschlechterrolle. Daraufhin sollen die SuS selbst entscheiden welches StĂŒck sie auffĂŒhren oder ob sie Mischen zwischen mĂ€nnlich in dem MĂ€rchen wird zu weiblich oder mĂ€nnlich in dem MĂ€rchen bleibt mĂ€nnlich und ebenso mit der weiblichen Rolle. Ich erhoffe mir, dass die SuS allein in der Debatte darĂŒber, wie das StĂŒck gespielt wird und ihrer Erfahrung mit dem Spielen selbst, bemerken wie sich das andere Geschlecht in seiner Rollenzuschreibung fĂŒhlt. Das Thema âFairnessâ kann durchaus auch eine Rolle spielen.Â
Ich hoffe ich konnte euch inspirieren, sagt mir doch euere Meinung in den Kommentaren.
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