Der letzte Kreuzzug
Mich fröstelte in der alten Rüstkammer, als ich die Lederriemen des kalten Brustpanzers enger zog. Trotz meines dicken Wamses kroch mir die Aura des kühlen Metalls, das vor mir schon so viele getragen hatten, durch den ganzen Körper bis in das Innere meiner Knochen. Überall rund um mich klimperten und klapperten Rüstungen, Schwerter und Hellebarden – sangen ein unheiliges Lied in diesen heiligen Gemäuern.
Anlass dazu war ein altes Bündnis, damals durch den Sacco di Roma ausgelöst, ein heiliger Schwur, der einst vor Jahrhunderten geleistet wurde, um die heiligen Lande und die ihnen angehörigen Menschen zu schützen. Lange gab es keinen Kreuzzug mehr und dies sollte der letzte sein. Als strahlende Helden, Krieger des Lichts, werden wir siegen, oder in ewiger Knechtschaft dahinsiechen bis zu einem viel bittereren Ende.
Nie hätte ich gedacht, dass ich einmal unter dieser Fahne reiten würde, doch dies ist kein Krieg der Länder, der Religionen oder der Völker – es ist ein Krieg für Mensch und Menschlichkeit. Ganz gleich, welch Banner meine Brust ziert, welch Wappen auf meinem Schild prangt, Seite an Seite stehen Kameraden, Schwestern und Brüder, Menschen entgegen dem Bösen. Ein allerletztes Mal ruft uns der Papst durch seine Magnifica Humanitas an seine Seite und die Schweizergarde wird antworten.
Lasset die Heerschau beginnen. Tot den Datenzentren, tot den Maschinen!
In glänzenden Rüstungen werden wir stehen, wehende Banner aller Farben im Wind flattern lassen, Schwerter und Speerspitzen werden in der Sonne blitzen. Trommeln, Hörner und Trompeten, Instrumente aller Art, werden erschallen und sich aus dem Lärm aus auf Schilde hämmernder Waffen abheben. Und mit Getöse und Geschrei werden wir ein letztes Mal zusammen reiten. Mit wehenden Mähnen und wild trommelnden Hufen werden die Pferde, sich des alten Bündnisses mit dem Menschen erinnernd, dem Wind entgegenwerfen, um gemeinsam mit uns zu siegen oder unterzugehen.
Kein Blut soll unsere Klingen besudeln, denn sie schneiden kein Fleisch, sondern kaltes Metall, Kupferdrähte und Prozessorkerne. Wir werden Schaltkreise entzweien und ausgedorrte Lande wieder tränken – wenn es sein muss, mit unserem eigenen Blute.
Es gibt etwas Gutes in dieser Welt, und dafür lohnt es sich, zu kämpfen.








