Der berührendste Moment auf dem Kirchentag 2013
In den letzten fünf Tagen habe ich mir einiges an Veranstaltungen, Gesprächen, Eindrücken und Momenten auf dem Kirchentag angeschaut. Dieser war in meinen Augen der mit Abstand berührendste und mein ganz persönliches Highlight.
Eine Konzertlesung, wie stellt man sich das vor? Jemand spielt ein paar Töne auf einer akustischen Gitarre, während jemand anderes mit zarter Stimme aus seinem Buch vorliest. Bei dieser Konzertlesung war das anders. Die zwei jungen Männer sind viel mehr zwei Freunde, die herumalbern, sich gegenseitig dazu auffordern Geschichten aus ihrem Leben zu erzählen und einander auf ihre ganz eigene Weise Halt geben. Der Schauspielstudent Samuel Koch, der seit einem Unfall bei Wetten, dass..? im Dezember 2010 querschnittsgelähmt ist, liest schmerzhaft ehrliche Seiten aus seinem Buch „Zwei Leben“ vor. Einige sind lustig, wie als sein Rollstuhl sich selbstständig machte und das in einem unangenehmen Chaos aus Pizza, Softdrinks und Ketchup resultierte. Dann lacht der Singer & Songwriter Samuel Harfst mit dem Publikum und ergänzt mit seiner Band noch ganz eigene Geschichten. Einige Seiten sind weniger lustig und erzählen von MRT-Untersuchungen, Halofixateuren, qualvollen Schmerzen und Angst: „Selbst die Pfleger fragten sich, ob ich die Prozedur überleben würde.“ Dann wird es im Publikum still. Der andere Samuel steht auf und drückt seinen Freund einen Moment ganz fest. Er wischt sich mit der Hand übers Gesicht und die Künsltler drücken in Musik aus, was alle Anwesenden fühlen. Die meisten der Seiten, ob lustig, traurig, rührend oder spannend, sind jedoch vor allem eins: hoffnungsvoll. Als Samuel und Samuel von Wundern sprechen, von der Hoffnung, eines Tages wieder zusammen joggen zu gehen, von dem festen Glauben, dass er sich spätestens im Himmel wieder problemlos bewegen kann, flieβen im Publikum Tränen. Samuel Harfst und seine Band spielen das Stück „Das Privileg zu sein“ an und die Zuschauer singen es zu Ende. Noch beim Verlassen der Halle A2 des Messegeländes und an den U-Bahnstationen ist überall ein leises Summen zu hören:
„Der Herr tut heute noch Wunder. Stunde um Stunde, Tag für Tag.“












