Mein Morgen: Der Wachtraum
Das laute, pochende Hämmern lässt mir den ohnmächtigen Schlaf entgleiten. Mein Kopf dröhnt und der eiserne Hammerschlag bringt mein Herz zum Stolpern. An diesem lauten morgen ist die Grenze zwischen wach und schlafend, sowie Realität und Traum eine Schwimmende. Neben mir raschelt es, Hose, T-Shirt, Pullover und Jacke werden aus dem Schrank gezogen und meine Aufmerksamkeit verlagert sich auf die Person und verdrängt das Hämmern für kurze Augenblicke aus meinem Verstand. Die süßen, fast dickflüssigen Worte der Zuneigung fließen über das Dröhnen und Pochen über meinen Körper und nisten sich ein in mein Herz. Angekommen an ihrem Platz ist das Hämmern nicht mehr zu stoppen. Ein antworten oder eine Verabschiedung wird erfolglos erwartet. Ich gebe mich dem Hämmern hin, Versuche darin zu schweben, doch jeder Schlag lässt mich fallen. Ich stürze in die Tiefen meines Geistes. Blitzende Bilder tauchen vor meinem geschlossenen Augen auf und wieder ab. Bücher, Charaktere, Familie, mein vierzehn jähriges Ich. Ich denke darüber nach, Versuche das Bild aufrechtzuerhalten, zu spät. Es entgleitet. Mit jedem Hammerschlag kommt und geht ein Bild. Nicht alle schrecklich, aber keins schön. Alle irgendwie verwoben, wie es scheint ohne Sinn oder Zusammenhang. Die Suche nach Konsequenzen. Nach Stunden die so vergehen, vielleicht sind es auch nur Minuten oder Sekunden ist es nicht mehr auszuhalten. Das erste Mal an diesem Morgen, oder ist es das erste Mal überhaupt? Öffne ich meine Augen. Meine Kopf schmerzt, mein Hals brennt meine Nase und Mund sind trocken. Das Hämmern. Mechanisch mache ich mich daran meine Kleider anzuziehen, mich frisch zu machen und Versuche das Pochen und die Schläge mit relevanten Themen zu verdrängen. So viel leid und Qual. Der Mensch ist ein Monster, ich bin ein Mensch, ich bin ein Monster. Mein Verstand verzweifelt, Tierquälerei, Pädophilie, Klimakatastrophen, mein 14 jähriges ich. Wo sind die Konsequenzen für die Verantwortlichen? Das Hämmern wird schlimmer. Der Kaffe ist wässrig und billig, aber das Pochen und die Trockenheit müssen weg. Ich muss mich nicht beeilen ich habe Zeit und warte auf den Aufzug. Der Aufzug kommt nicht. Ich drücke auf den Knopf. Die Minuten verstreichen, vielleicht sind es auch Sekunden. Ich drücke, drücke, drücke. Die Bauarbeiten machen mich verrückt. Drücken, Hämmern, drücken, Hämmern, drücken, Hämmern. Ich nehme die Treppe. Es scheint ruhiger zu sein. Das Hämmern lässt nach. Aber in meinem Kopf bleibt es. Ich trete heraus in den Herbstmorgen. Lange Beine, Helm, blaue Jacke, Stöcke in den Händen und Rollen an den Füßen. Zwei Augen. Meine Mimik versagt und das lächelnde "hallo", verzieht sich in eine Fratze. Ich denke nicht darüber nach und verschwinde auf meinem Weg. Das Hämmern im Unterbewusstsein, immer bei mir. Ich bin ein Monster, bei jedem Schritt. Ich bin ein Monster vier Schritte, ich bin ein Monster.
Du bist das Monster












