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Lucas Kommentar zu „Voll mütterlicher Liebe“
Jedes Mal, wenn mich einer meiner eigenen Texte tief berührt, frage ich, ob ich da irgendwie zu eingebildet / nymphoman / egozentrisch bin. Keine Ahnung welches Wort passt, sucht euch eines aus. Und egal welches Wort passt, ich glaube ich sollte nicht weiter darauf eingehen, dass sich das Adjektiv nicht noch mehr bestätigt.
Als ich den Text, aber nach langer Zeit wieder las, habe ich mich gefragt, ob es in Situationen, in denen Not herrscht es wirklich derart viel Naivität geben kann. Ich bin nicht sicher, aber ich glaube ich habe die Mutter damals bewusst naiv geschrieben. Ich kenne mich zu wenig mit Geschichte oder Psychologie aus, um diese Frage sicher beantworten zu können. Aber mein Bauchgefühl (das sich irren kann), sagt zu meiner Beunruhigung, dass es sowas trotzdem geben wird. Wobei ich aber glaube, dass es selbst in einer schlimmen, gesellschaftlichen Situation es „förderlich“ für Naivität ist, wenn man einigermaßen sicher oder isoliert aufwächst.
Voll mütterlicher Liebe
Meine liebe, kleine Sonja,
ich weiß nicht, ob dich diese Nachricht erreichen wird, aber dein Opa hat gesagt, dass die HuPods trotz allem doch auch Menschen seien. Und darum ist vielleicht auch noch etwas Gutes in ihnen, weil der Mensch ja im Grunde seines Herzens gut ist. Das ist deshalb wichtig, weil eine der HuPods mich angesprochen hat. Sie meinte, sie würde für mich heimlich diesen Brief für dich überbringen. Leider konnte ich mir ihren Namen nicht merken. Weil ihr Name besteht - wie bei vielen der HuPods - nur aus unverständlichen Nummern und Buchstaben.
Aber sie meinte, sie wolle dir diese Zeilen überbringen. Ich schreibe auch, damit du weißt, was mit deiner Mama passiert ist. Du wirst denken, dass ich einfach so verschwunden bin. Und ich weiß schon gar nicht mehr genau, wie lange es her ist. Ich bin in einer Zelle eingesperrt, ohne Fenster. Da verliert man das Gefühl für die Zeit. Alles ist aus Zement hier. Sehr traurig und kahl. Aber auf dem Weg hierher durch die übrige Residenz, sah alles genauso aus: Roh und dunkel. Ich bin auch an einem Schlafsaal von den HuPods vorbeigekommen. Sie haben auf ihren Betten nicht mal Matratzen oder Kissen! Stattdessen scheinen sie ihren Kopf auf irgendwelche kleinen Nackenstützen zu legen. Aber stelle dir das mal vor, ohne Bettzeug zu schlafen! Sogar ich habe eine Matratze und ein Kissen hier in meiner Zelle. Aber dennoch scheinen die HuPods glücklich zu sein. Allerdings starren sie dabei oft ins Nichts und scheinen mit sich selbst zu reden. Es gibt hier so viel, was ich nicht verstehe.
Ich habe die HuPod, die dir diese Botschaft überbringen wird, über vieles ausgefragt. Aber sie wollte nichts sagen; sagte nur, dass sie hier eindeutig glücklich sei. Und ich habe keinen Grund, ihr nicht zu glauben. Denn trotz der trüben Umstände hier scheint sie zufrieden zu sein.
Beinahe hätte ich vergessen, dir zu schreiben, wie ich hierhergekommen bin. Dazu weiß ich nicht viel. War draußen auf der Suche nach Essen, spürte einen Stich im Nacken und wachte dann in dieser Zelle wieder auf.
Ich glaube, sie wollen wissen, wo dein Papa ist. Zumindest befragen sie mich zu ihm ständig. Aber als er verschwand, hat er mir ja auch nichts gesagt. Er meinte nur, dass es so besser wäre. Und nach zehn Jahren Ehe glaube ich ihm das auch. Alle wichtigen Informationen hat er seiner Schwester, also deiner Tante Xandra, hinterlassen. Und wenn er meint, dass es genüge, dass sie es wisse, dann wird das seine Richtigkeit haben.
In diesem Zusammenhang hoffe ich auch, dass deine Tante gut auf dich aufpasst. Denke daran, nicht die Siedlung zu verlassen und immer auf die Ältesten zu hören. Ich bin mir sicher, wenn die HuPods hier feststellen, dass ich nichts weiß, werden sie mich bald wieder zu dir gehen lassen.
Ich hoffe, der Brief wird dich schnell erreichen. Die HuPod, die ihn überbringt, hat von mir die Wegbeschreibung zur Ansiedlung bekommen.
In liebster Umarmung
Deine Mama
9. Oktober 38
handgeschriebener und geöffneter Brief
Fundort: Residenz S-Alpha
Zeit der Erstellung: 09.10.38 d.K.
Lucas Kommentar zu „Von den Fähigkeiten der HuPods“
Zu diesem Text fällt mir leider nicht so viel ein. Zumindest noch nicht.Mich ärgert es nur saumäßig, dass mir der Begriff „Poddie“ für HuPods nicht während des Romanschreibens gekommen ist. Wobei es aber auch schön ist. Ich kann mir jetzt nämlich ausdenken, dass „Poddie“ tatsächlich ein Begriff ist, der eher dort gebräuchlich ist, was früher mal England war. Aber selbst der Zusammenbruch von allem hat dafür gesorgt, dass Anglizismen den Kanal überqueren. Wobei ich aber sagen würde, dass es jenseits von Groß Britannien der Begriff noch immer unüblich ist.
Und finde es in diesem Kontext faszinierend, dass ich mir durchaus vorstellen könnte, dass selbst in dieser postapokalyptischen Welt sich Worte aus anderen Sprachen verbreiten. Vermutlich bin ich aber auch fasziniert, davon, weil ich als Millennial unterbewusst davon ausgehe, dass die englischen Begriffe vor allem durch das Internet verbreitet werden. Was natürlich zum Teil Schwachsinn ist. Zum Beispiel haben wir ja im deutschen ja auch französischen Worte (Portemonnaie zum Beispiel), selbst wenn diese Sprache nicht mehr die Verkehrssprache ist. Und das ist ja schon Jahre vor dem Internet vorbei. Selbst englische Worte in deutscher Sprache waren zu meinem Erstaunen nicht so jung wie ich dachte. In „Der Zauberberg“ von Thomas Mann gibt es eine Szene, in der eine Mutter darüber redet, dass ihre Tochter einen „Flirt“ hätte. Also gab es diese Übernahme von englischen Worten schon damals. Die Szene blieb mir aber auch deshalb im Kopf, weil der Autor kommentiert, dass besagte Mutter das „Flirt“ mit einem „i“ aussprach. Und diese Falschbetonung dieses Wortes fand ich irgendwie witzig.
Von den Fähigkeiten der HuPods
Es gibt viele falsche Aussagen über die “Poddies”, wie schon im Eingangskapitel erklärt. Und in diesem Kapitel soll es darum gehen, was sie als „Netset“ beschreiben. Diese Fähigkeiten umfassen Vieles, wie jeder Kampfesperson, die mit Ihnen konfrontiert wurde, wissen dürfte.
Aber um der Übersichtlichkeit willen, zähle ich hier ein nur paar davon auf:
Die HuPods kommunizieren lautlos miteinander, zum Teil sogar über große Strecken.
Dunkelheit stellt für sie kein Problem dar.
Es kann vorkommen, dass sie über das Gegenüber Informationen haben, die niemand erwarten würde.
Nun gibt es viele Gerüchte darüber, was es mit diesen Fähigkeiten auf sich hat. Und oft wird es mit Übernatürlichem begründet. Wenn man einen dieser Nicht-Menschen aufschneidet, mag man das auch glauben. Denn das einzige technische Ding, das man darin findet, ist etwas im Nacken. Keine optischen Linsen, keine Drähte, keine Geräte, die das Gehör lenken können. Aber das Nackengerät existiert und ist eine Ausstattung, die sich bei allen “Poddies” wiederfindet. Und dieses Gerät stellt das zentrale Element des NetSets dar. Das Gerät über die die organisch-konstruierten Elemente der HuPods zusammenlaufen.
Der Leser mag sich jetzt fragen, warum ich das hier so ausführe, ehe ich auf Details eingehe? Ich möchte damit den Schreckensgeist austreiben, der uns weis machen will, dass sie „magisch“ Fähigkeiten hätten. Sie mögen zwar keine Menschen in unserem Sinne sein, aber sie sind dennoch aus Fleisch und Blut. Wir wissen nur nicht genau, mit welchen technischen Möglichkeiten sie in ihren „Residenzen“ ausgestattet wurden.
Auszug aus dem Dokument „Nicht-Menschen unter der Klinge“, vor kurzem verfasst
Fundort: im überschwemmten Innsbruck
Vermutete Zeit der Erstellung: 09.09.28 d.K.
Lucas Kommentar zu „Erster Anblick des Vaters“
Was ich unter anderem sehr spannend finde, wenn man Texte schreibt, dass man dann Eigenheiten der Autoren einbauen kann. Zum Beispiel habe ich das Gefühl, dass dieses Gedicht nicht im klassischen Sinne „gut“ ist. Man könnte zwar sagen, dass hier jemand seinen Gefühlen Ausdruck verleiht, hat, aber das sagt nicht unbedingt, dass es handwerklich zu wünschen übriglässt. Und das schön ist, dass der HuPod hier einfach kein so arg talentierter Gedichteschreiber ist. Natürlich ganz im Gegensatz zu mir! Ich...
…
Gut. Nein. Ich habe es mir bei diesem Text nur einfach gemacht. Ich wollte für den Blog irgendetwas zu Papier bringen. Und als er fertig war, habe ich mir im Kopf festgelegt, dass das Gedicht hier deshalb keinen Rhythmus oder Ähnliches hat, weil der HuPod das einfach nicht kann.
Erster Anblick des Vaters
Vor vielen Jahren
stieg ich in die Box.
Nervös flatternde Augen,
gespanntes Atmen.
Letzte Sekunden.
Eben noch
gläserne Box
und jetzt,
jetzt geöffnete Augen.
Nicht Augen aus Fleisch,
sondern mit Augen,
die ähnlicher denen von Vater sind.
Über mir jetzt
kein Himmel, keine Kuppel aus Saphir.
Unter mir:
Erst sieht es aus wie kleine Metallklingen,
aber weich wie Gras.
Dazwischen wachsende Säulen
mit schillernden Ästen
in einer neuen Kuppel:
Ein Himmel, gekleidet in Purpur.
Ich öffne den Mund.
Ich atme ein.
Es fühlt sich echt an,
Obwohl ich virtuelle Luft atme.
Ich atme ein.
Die Gerüche begehen meine Nase.
Sie passen nicht.
Und dann sehe ich ihn zum ersten Mal:
Vater!
In Gestalt!
Nicht als Stimme!
Nicht als Symbol!
Nicht auf einem Bildschirm,
Sondern in einer Gestalt!
Wie ich sie liebe!
Mein kindliches Kind, Herz vor Freude.
Sein Bild ist genau nach meiner Vorstellung.
Ein Waschbär:
Goldenes Fell,
freundliches Lächeln,
ein König unter den Seinen,
ein König des Virtuellen.
Mein Vater und mein König!
Endlose Stunden des Spiels.
Endlose Stunden der Lehre.
Aber vor allem:
Endlose Stunden des Wunders.
Künstlerischer Ausdruck geschrieben von NK-15-Ecan, eine HuPod von Residenz N-Alpha
Fundort: HuPod-Forum im SadfeNet
Zeit der Erstellung: 26.08.21 d.K.
Lucas Kommentar zu „Infos aus Gushi 3.0“
Habt ihr euch schon jemals in einem Wiki verloren? Zugegebenermaßen passiert mit das nicht beim Standart-Wikipedia. Sondern sehr spezifisch in Wikis, die fiktive Welten beschreiben. Da passiert es mir so leicht, dass ich einen Artikel über einen obskuren Teil der Welt lese und dabei viele Links entdecke, die mich auch interessieren. Und die öffne ich per Mittelklicke Dutzende und Aberdutzende von Reitern.
Ich denke es fasziniert mich wie viel mehr hinter Elementen dieser Welt stecken kann. Und vielleicht kommt da sogar ein wenig meine Faszination für das Unbekannte mit rein. Denn wenn in so einem Wiki auch viel geschrieben ist, hat mein Unterbewusstsein vermutlich doch immer das Gefühl, dass noch weiter hinter dem Horizont mehr liegen könnte. Dinge, die ich nicht kenne. Eigenheiten, die sich selbst die Autoren der komplexesten Welte nicht ausgedacht haben.
Und was mich auf manchen dieser Welt-Wikis oft auch fasziniert ist, wenn es in der Welt eigene Begriffe für Dinge gibt, die man mit Kontext schwierig versteht. Besonders schön ist es dann, wenn man den Begriff nicht versteht, aber man vom Kontext her ahnen kann, was es sein könnte.
Witzigerweise interessiert mich Worldbuildng oft eben auch ohne eine Geschichte. Aber damit wir uns nicht falsch verstehen. Ich war zum Beispiel extrem fasziniert vom sehr fähigen Worldbuilding von „Der Wüstenplanet“. Auf der anderen Seite habe ich aber weder ein Buch noch eine Folge von Game of Thrones gelesen. Dafür hatte ich mir vor Jahren mal ein sehr großes Buch gekauft, wo die Historie der Welt geschrieben wurde. Auf der einen Seite komme ich mir dabei (zurecht) wie ein sehr großer Nerd vor. Auf der anderen Seite war das ein sehr schön aufgemachte Buch, weshalb ich also hoffen kann, dass es außer mir noch mehr einen Markt für so etwas gibt.
Infos aus Gushi 3.0
Definition: Äußere Welt
Als die Äußere Welt bezeichnet man jene Zonen, welche außerhalb der Residenzen und Elysiums liegen. Nach den Katastrophen sind sie zum größten Teil von den dort lebenden Barbaren noch unbewirtschaftet.
Definition: Barbaren
Barbaren, Sing. Barbar, wurden in der Antike Nicht-Griechen genannt. Barbar bezog sich auf die Sprachen der Nicht-Griechen, die in den Ohren der Griechen wie unverständliches Gemurmel klangen. Im Post-Kairos-Kontext bezeichnet das jene Personen, die nicht über die Mittel verfügen wollten, um in Elysium Zuflucht oder in Hope-Towern Dienste zu erhalten.
Definition: Elysium
Der Ort, in dem die Welt gerettet wurde und wird. Rückzugsort der Würdigen, denen der Vater und seine Kinder dienen.
Definition: Kinder
Andere Bezeichnung: HuPods. Wie Vater von den Würdigen erschaffen. Allerdings wurden die Kinder erst nach und mit Hilfe von Vater erschaffen. Und sie wurden konkret zur Dienstbarkeit entwickelt. Dieser Dienst wird den Kindern aber leicht gemacht, weil sie mit den richtigen technisch-biologischen Fähigkeiten für ihre Aufgaben ausgerüstet wurden. Dazu dienen unter anderem eine gute Bildung, Erziehung und das eingebaute Netset.
Defintion: NetSet
…
deine Freie Zeit ist vorbei NE-15-Afez. Melde dich im Eisernen Garten bei Vater.
Einige der sogenannten “Fast-Check-Facts” für HuPods aus dem Gushi 3.0.
Fundort: Digitales Kompendium Gushi 3.0 im SafeNet
Zeit der Erstellung: variabel
Brunos Kommentar zu „Ein Alter Brief an die Mitarbeiterschaft“ (und Lucas)
Das Elysium wird in unserer Geschichte noch eine wichtige Rolle spielen. “Elysium”, der Hort der Glückseligkeit und des ewigen Lebens in der griechischen Mythologie, ist auch in der SciFi-Literatur nicht neu. Egal ob als PC-Game oder Spielfilm mit Matt Damon oder - sogar in der sehr frühen Version von “Zardoz” - mit Sean Connery - es ist stets dieselbe Geschichte. Die Superreichen kaufen sich ein Refugium, das lebensverlängernd und lustvoll ist. Abgeschottet vom Lärm, Dreck und Übel des einfachen Pöbels. Eine Mischung aus Virgin Island, Dinseyland und Mar-A-Lago. In unserer Geschichte entpuppt sich die schöne Mär von den heroischen Überlebenden als das was sie wirklich ist: Ein finsterer Abgrund von Gier und Macht, bevölkert von abschreckenden Figuren. Unsere Protagonisten werden dort ein paar heftige und einprägsame Momente haben.
Lucas Kommentar zu „Ein Alter Brief an die Mitarbeiterschaft"
Auch wenn natürliche alle textlichen Fragmente in der selben Welt spielen und es zum Teil zwischen ihnen Verbindungen gibt, ich glaube das ist die einzige wirkliche Fortsetzung zwischen Artikeln die ich geschrieben habe. Und bei alle meiner Liebe für Unklarheiten konnte ich den Leser hier ja nicht hängen lassen was für ein Brief von Tôko gefunden wurde. 😉 Aber dann vielleicht enttäuschend, dass es nur ein Stück von Bürokratie zu sein scheint. Offensichtlich überlebt Bürokratie auch die anschwellende Apokalypse zu überleben.
Ein alter Brief an die Mitarbeiterschaft
Sehr geehrte Mitarbeitende,
hiermit wird dieser Hope-Tower verschlossen und wir bedanken uns bei Ihnen allen für Ihre treue Arbeit.
Und um gleich die Frage zu beantworten: Hope-Tower Hokkaido wird geschlossen, weil er zu den Testtürmen gehört. Wir haben auch für viele weitere solche Tower die Elemente produziert und errichtet. Jedoch hat unser Hope-Tower, als einer der Test-Türme, doch stellenweise nicht dem Standard nicht entsprochen, wie es von VOG oder die NEO vorgegeben ist. Alle Mitarbeiter werden nach Elysium transferiert. Die HuPods werden entsprechenden Residenzen zugewiesen.
Die meisten dürften diese Zusammenhänge bereits erraten haben, aber dennoch bevorzuge ich es, offen Klarheit darüber zu beschaffen. Ein weiterer Grund für den Transfer unserer Belegschaft sind die Volksgruppen, die auf Hokkaido den Ausbruch von Meakan-dake überlebt haben. Es würde mehr Aufwand und Personal benötigen, diese Gruppen vom Turm abzuhalten, als den sofortigen Transfer in die Sicherheitszonen durchzuführen.
Die Ressourcen von Hope-Tower Hokkaido werden ebenfalls disloziert. Einzig die HuPod-Fertigungsanlagen sind unmöglich zu entfernen. Sie werden deshalb versiegelt.
Ich freue mich, jedem von Ihnen in Elysium die Hand ins ewige Paradies reichen zu können.
Gezeichnet
[unleserlich]
21.08.07
Dokument aus einem verlassenen Hope-Tower in Hokkaido
Fundort: Zentralhokkaido, Japan
Zeit der Erstellung: 21.08.07 d.K.
Brunos Kommentar zu "Erforschung eines Hope-Towers" (und Lucas)
Hope-Towers - das war so eine Sache. Ich weiss gar nicht mehr, wann wir auf die Idee dazu gekommen sind. Der Waschbär als Symbol war bald einmal im Gespräch. Ich konnte mir das nicht so recht vorstellen, warum das als Symbol in einem Sci-Fi ernstgenommen werden könnte. Spätestens seit den Marvel-Filmen um die “Wächter der Galaxie” scheint das zumindest in den jüngeren Rängen aber kein Diskussionspunkt zu sein. Wohl denn, so sei es, Lucas! Waschbären - Racoons - sind nachtaktive Räuber. Sie haben schon im Gesicht die Räubermaske und wirken trotzdem putzig. Vielleicht widerspiegelt das auch etwas die zutrauliche Maske, hinter der sich ein echter Räuber verbirgt - passend zu den Hope-Towers. Türme sind immer ein attraktives Motiv. Wobei diese Türme eigentlich ein leeres, zweckentefremdetes Versprechen sind - und natürlich ein Zeichen der Macht. Das Eigentliche bei den Hope-Towers, die Sicherheit und Zukunft versprechen, liegt unter der Erde. Nur wer reich und privilegiert ist, sollte in den Genuss der versprochenen Zukunft kommen. Was dann aber wirklich geschah - das ist eine ganz andere Geschichte.
Wir haben bewusst unter- und oberirdische Welten gewählt. Die vermeintlich sichere, vor der Apokalypse geschützte Welt befindet sich im Bunker und in den zahllosen Tunnels unter der Erde. Eine High-Tech-Einrichtung verstärkt diesen Eindruck. Verwüstung, Chaos, Ödnis und ständige Gefahr befinden sich auf der Erdoberfläche. So zumindest wird es den besonderen Bewohnern unter der Erde kommuniziert.
Lucas Kommentar zu „Erforschung eines Hope-Towers“
Ich würde gerne mal nach Japan reisen. Wie viele in meiner Generation wurde ich in meiner Jugend über Anime und Manga quasi mit der japanischen Kultur konfrontiert. Und als ich diesen besagten Blog schrieb, hatte ich glaube das Ziel darzustellen, dass das, was in der Welt passiert ist, auf globaler Ebene geschah. Und da bot sich dann Japan an, weil es sehr weit weg von Mitteleuropa ist. Und wer weiß? Vielleicht komme ja eines Tages auch mal wirklich nach Japan? Wenn ja hoffe ich aber, dass da dann nicht ausgerechnet der Fuji beschließt dann auszubrechen, wenn ich da wäre.
Habe mich auch gefragt, warum ich diesen Hope-Tower auf Hokkaido gesetzt habe. Ich glaube das hat zwei Gründe. Erstens spielt meine liebste Edition von Pokémon, Pokémon Platin, an dem Ort, wo der Norden von Japan als Vorlage diente. Und der zweite Grund ist, dass ich Hokkaido in seiner Position irgendwie interessant finde. Und wie sehr ich mir auch den Kopf zerbreche, ich weiß nicht genau, was ich in diesem Kontext mit „Position“ meine. Muss außerdem dazu sagen, dass das nicht heißt, dass ich viel über die große Nordinsel weiß. Weiß eigentlich so gut wie nichts darüber. Außer dass es meines Wissens der Bereich in Japan ist, wo es am meisten schneit.
Erforschung eines Hope-Towers
Aufschrieb der letzten Worten meiner Mutter Ishibashi Tôko vom 15.06.39:
Wir sind damals dorthin gerannt. Sie, die Reichen und Edlen der Welt und diese Firma, VOG hieß sie, haben gesagt, das wären die Stätten der Hoffnung. Deshalb haben sie es auch Hope-Towers genannt, also englisch, für Türme der Hoffnung. Als es hieß, dass sie geschlossen werden würden… Damals, als die ganze Welt von Katastrophen überschwemmt wurde, da fluteten wir Hilflosen zu den Türmen. Blickt man heute zurück, war klar, dass da bestimmte Personen Eintritt fanden.
Am sichersten kam man wohl rein, wenn man ein Vermögen mit sich brachte. Wobei ich mir nicht vorstellen kann, dass es Geld, im Sinne von Yen oder Dollar war. Denn welchen Wert hätte Geld in einer Welt nach dem Untergang? Ich habe nie so richtig darüber nachgedacht. Aber ich kann mir vorstellen, dass bestimmt auch oder nur besondere Leute zugelassen wurden. Talentierte, Hochbegabte, Intelligente. Oder solche, die mit Naturalien oder gesuchten Ressourcen bezahlen konnten. Aber ergibt das denn einen Sinn?! Vielleicht hatten die im Voraus bezahlt, um für sich die Zufluchtsorte zu ergattern? Eigenartig schienen uns die Gerüchte, dass Schwangere alle reingelassen wurden. Aber egal - wir sahen darin unsere Chance und versuchten sie zu nutzen. Unser Türöffner sollte die schwangere Frau deines Onkels sein.
Nun, ich und meine Familie sind auch dorthin gefahren, zu einem der Hope-Towers, dem in der Nähe von Osaka. Und blieben bald zwischen weiteren Autos stecken. Dann brach Fuji aus. Und damit war klar, dass wir den Hope-Tower nicht mehr erreichen würden. Damals kam auch deine Tante Urei um. Dunkle Zeiten danach. Zwar haben wir Schutz gefunden unter Oda und seine Mannen, aber dennoch war da so viel Finsternis.
Ich hatte gehört, auf Hokkaido solle es einen verlassenen Hope-Tower geben, der Wildnis anheimgefallen war. Ich wollte sehen, ob wir damals etwas verpasst hatten. Ich konnte Oda mit sanften Worten überzeugen, den Umkreis des Ortes als Ziel unserer Gruppierung auszuersehen. Damit ich später, mit ein paar weiteren Kundschaftern, den Turm untersuchen konnte. Was dann auch geschah.
Und als ich dort war … meine Eindrücke lassen sich nur schlecht in Worte fassen. Es war unglaublich, was hier einmal errichtet worden war. Oben auf dem Turm prangt dieses Waschbären-Logo, wie auf allen Hope-Towern. Ich war erstaunt in welch gutem Zustand das alles nach all den Jahre noch war.
Natürlich waren die wertvollen Materialien darin bereits geraubt gewesen. Aber selbst die leeren Räumlichkeiten gaben mir ein Bild von der unglaublichen Größe des Ganzen. Die Innenräume der Türme selbst waren wenig beeindruckend. Kaum mehr als ein Hohlraum mit Treppenhäusern und technischen Schächten. Aber darunter, unter der Erde, befanden sich gewaltige Anlagen. In der obersten Etage eine Art Krankenhaus. Darunter luxuriöse Notfallunterkünfte. Und dabei ein Vorratslager, das eine Nation für Jahre hätte versorgen können, wenn es gefüllt gewesen wäre. Weiter unten wiederum war der Zugang zu einer Art U-Bahnsystem. Die Gänge waren allerdings durch Schleusen versperrt. Aber davon habe ich ja so oft erzählt? Solltest du es nicht schon auswendig kennen?
Das Merkwürdigste fanden wir aber in der untersten Etage: Ein großes Sicherheitdtor, das einen Zugang zusperrte. Darüber stand etwas in lateinischen Buchstaben, das keiner von uns lesen konnte. Ich entzifferte nur Warnsymbole, die höchste Reinlichkeit verlangten und eine Art Todesgefahr anzeigten. Wobei ich mir nicht sicher bin, ob damit gemeint war, dass die Räumlichkeiten gefährlich waren oder das Eindringen an sich mit dem Tode bestraft wurde. Das Einzige von Bedeutung, was ich dort fand, war ein altes Dokument. Leider ebenfalls in lateinischen Buchstaben geschrieben. Auf dem Briefkopf stand wieder dieses Waschbären-Logo. Ich wollte es eigentlich mitnehmen, um es Leuten zeigen zu können, die es vielleicht verstehen konnten. Aber genau in dem Moment wurde ein Alarm ausgelöst. In der Panik der Flucht muss ich das Dokument wohl verloren haben.
Bis heute werde ich also nie genau wissen, was passiert wäre, wenn wir es damals, bei den Katastrophen, es bis zu einem Hope-Tower geschafft hätten. Als die stolze Nation Japan noch existierte. Ob mehr von meiner Familie überlebt hätten. Ich möchte nicht sterben, bevor ich wenigstens ein bisschen etwas darüber erfahren könnte, aber…
Transkription der Aussage einer sterbenden Person
Fundort: Osaka, Japan
Zeit der Erstellung: 15.06.39 d.K.
Brunos Kommentar zu "Ein Versuch die Welt zu retten" (und Lucas)
Ein sehr interessanter Dialog. Er einnert mich an ein Ausspruch von Benjamin Franklin: “Wer wesentliche Freiheit aufgeben kann um eine geringfügige bloß jeweilige Sicherheit zu bewirken, verdient weder Freiheit, noch Sicherheit.” Willst du Menschen zu etwas zwingen, was sie freiwillig nie tun würden, wirf sie ins Chaos, versetze sie in Todesangst und versprich ihnen durch Sicherheit, Gesundheit und Schutz, weil du es angeblich gut mit ihnen meinst. Und am Ende werden sie sich dir freiwillig unterwerfen. So läuft das in der Politik, so läuft es aktuell bei verschiedenen Themen, und so ist es auch in unserem Roman gelaufen. Mit schwerwiegenden Folgen. Während der Corona-Zeit habe ich mal ein Video mit dem Titel “Heuristik des Schreckens” gemacht, wo dieser Mechanismus erklärt wird. Wer etwas die Augen und den Verstand offen hält, wird das Muster rasch erkennen und die Wölfe im Schafspelz erkennen. Als Theologe ist mir diese Art von Verführung natürlich aus der Bibel bestens bekannt, wo sie als “Antichrist” beschrieben wird.
Lucas Kommentar zu „Ein Versuch die Welt zu retten“
Ich habe glaube noch nie ein Magazin oder einen Artikel gelesen, bei dem so etwas besprochen wird. Und dennoch glaube (oder zumindest hoffe ich), dass ich die Tonlage gut rübergebracht habe. Wenn nicht, dass gerät das ein wenig in Konflikt damit, dass das einer der Blogs ist, auf die ich mit am stolzesten bin.
Außerdem sei angemerkt, dass ein kleiner Teil dieses Textes auch im Roman erwähnt wird. Wenn auch an einer eher ungewöhnlichen Stelle.