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Lucas Kommentar zu „Gumminomaden“
Einer der Text, wo ich keine Ahnung mehr habe, was genau der Auslöser war. Ich weiß nicht mehr, was ich schreiben wollte oder was die Inspiration war.
Wobei ich aber mich erinnere, dass ich glaube den Begriff Gummi-Nomanden von irgendeinem Film habe. Und da gab es zu Ergänzung noch Ledernomaden glaube ich, die eben zu Fuß unterwegs sind und nicht in einem fahrbaren Untersatz.
Oh. Und der Text schattet was vor. Aber dazu müsst ihr euch den Roman kaufen. Oder ausleiehen. Oder klauen. (Mir wurde von meinen Anwälten empfohlen nicht die möglichen Leser dazu zu ermuntern sich an der freien Relokalisation von Mitteln zu ermutigen.)
Gumminomaden
Gummi-Nomaden? Du willst wissen, was Gummi-Nomaden sind?! Bist keiner von hier. Nein, das war keine Frage. Es ist ja offensichtlich, dass du ein Reingeregneter bist. Ein Fremder, meine ich, um deine Frage vorwegzunehmen, was das Wort “Reingeregnete” bedeutet. Also: Gummi-Nomaden sind vor allem arrogante Hunde, die sich für besser halten. Aber das vielleicht sogar zurecht. Denn immerhin haben die noch funktionierende Fahrzeuge. Haben irgendwelche moderne Wagen, die Energie irgendwie recht unkompliziert bekommen können. Einer dieser Wagen der letzten Generation, die kein Benzin brauchen, sondern sehr effektiv mit Solarenergie fahren. Und die Energie sogar lange speichern können. Zeit vor dem Kairos also. Oder zumindest um den Dreh rum.
Ich kenne sogar einen alten Typen, der in einem massiven Militärfahrzeug rumfährt. Auch wenn ich nicht glaube, dass dieser wirklich ein Gummi-Nomade ist. Ist aber nur ein Bauchgefühl. Und Gummi-Nomaden sind sie halt, weil die Reifen aus Gummi sind. Nun: Nomaden…ich glaube das muss ich dir nicht erklären. Ich denke du weißt, was gemeint ist.
Transkription aus einer Sammlung Audio-Aufnahmen, die unleserlich beschriftet ist
Fundort: Gefunden in einem LKW in der Nähe von Residenz Gate 44
Vermutete Zeit der Erstellung: 12.02.30 d.K.
Lucas Kommentar zu „Erwartungen an die Zukunft“
Hier ein Text, bei dem ich mal uncharakterlich für mich versucht habe, eine nicht ganz so zynische Sicht auf die Dinge zu haben. Gott sei Dank hat sich zwar meine düstere Weltsicht über die Jahre verbessert. Und auch wenn ich glaube, dass es einen gesunden Zynismus gibt, versuche ich ihn dennoch mit misstrauischen Blicken zu beäugen, wie er sich in mir verhält.
Zum Beispiel ist es glaub zu viel bei mir, wenn er bei mir ein zynischer Kommentar hervorsprudelt und ich erst danach merke, dass das erwähnte Adjektiv verdiente. Ich habe deutlich weniger ein Problem damit, wenn ich es bewusst einsetze.
Ein Ereignis, wo darüber erst eine später Erkenntnis eintrat, war, als ich in einer Bar Gratis-Zigaretten sah. Und mein Gedanke ging in die Richtung: „Die machen es hier es genau so wie die echten Drogenhändler: Geben den Kunden ein bisschen was zum Probieren, um dann von ihrer Abhängigkeit zu profitieren.“ Ich meine das war wahr (und vielleicht war der Gedanken auch witzig formuliert), aber das Problem war halt, dass der Gedanke unweigerlich und unkontrolliert kam. Und das mir der Sarkasmus erst nach danach auffiel.
Erwartungen an die Zukunft
[…] unendlicher Dankbarkeit. Wenn ich die Pfade hinuntersehe, sehe ich Glück. Wenn ich in den Ebenen neue Gebäude sehe, sehe ich Hoffnung. Wenn ich das Lachen von Kindern höre, weiß ich, dass ich zurecht hoffe.
Denn es gibt genug Leute, die sagen, mit dem Kairos und allem, was danach geschah, sei das Zeitalter der Menschheit zu Ende gegangen. Aber ist es nicht eine der größten Eigenschaften der Menschheit, dass sie immer wieder und wieder aufersteht? Bedenkt doch, wie viele Katastrophen die Menschheit schon gefordert hat. Und dennoch sind wir noch da? Und auch jetzt, wenn wir durch Qualen gehen müssen - am Ende werden wir daraus wieder mit neuer Stärke hervorgehen. Es wird vielleicht dauern, aber dann werden wir mit Stolz auf den Sieg über diese dunkle Zeit zurückblicken können.
Und das nicht allein: Denn ich glaube, wenn der Mensch stark ist, kann er seinen Hass überwinden. Und nach hundert oder vielleicht sogar fünfzig Jahren werden wir den HuPods als Geschwister die Hände reichen können. Vielleicht erkennen wir dann sogar, dass sie genauso Menschen sind wie wir. Deshalb lasst und den bitteren Kelch trinken, denn auf dessen Grunde liegt süßer Triumph.
Was deine Familie angeht, so […]
Überreste eines Briefes
Fundort: im Triumph-Tal
Vermutete Zeit der Erstellung: 18.08.09 d.K.
Lucas Kommentar zu „Die Geister (in) der neuen Welt“
Etwas, worin ich besser werden will ist Dinge, Meinungen und Charaktere zu schreiben, die nicht meinem eigenen Denken entsprechen (Wobei ich aber vielleicht vermute, dass das jeder Autor ein bisschen können muss?) Natürlich glaube ich, dass ich mit einigen meiner Dinge trotzdem richtig sind, aber es ist denke für den Leser interessant, wenn nicht alle Figuren in einer Geschichte Variation von Lucas sind und nicht jede Ansicht, im Grunde nur eine halbe Kopie meiner Meinungen ist. Ich habe aber viel Spaß damit. Ich habe von Geschichten gehört, wo es Parteien gibt, wo keine wirklich „gut“ und „böse“ ist. Ich glaube sowas ist schwieriger zu schreiben als man denkt. Aber vielleicht kann ich das eines Tages hoch. Obwohl ich da jetzt nicht zu arg hoffe, weil ich da mein Talent überschätzen könnte.
Die Geister (in) der neuen Welt
Man betrachte nur den Baum, sein Unsichtbares und Sichtbares: Die Wurzel in der Erde, in der Symmetrie mit den Ästen nach oben zum Himmel. Eine natürliche Spiegelung, auf eine Weise entstanden, wozu der Mensch nicht fähig ist. Wir hatten hohe Städte und tiefe Minen, aber was ist davon übrig? Was bildet sich davon neu? Denn was die Natur besser macht, ist, dass sie aus sich selbst entsteht.
Deshalb kehre immer wieder in diese jungen Wälder zurück, die über jene gefallenen Städte gewachsen sind! Denn hier wird die Weisheit der Geister gefunden, die wieder erwachen aus dem Würgegriff der menschlichen Bauten.
Aber es gibt noch immer tote Zonen. Wo sich zeigt, dass zu viel Fortschritt sich nicht nur schädlich auf die Geister der Erde auswirkt, sondern auch auf den Geist des Menschen:
Ich spreche von den Burgen, Villen, Zufluchten, wo sich die Reichen, die Mächtigen der Welt zurückgezogen haben. Und die Gerüchte über deren Dekadenz sind wahr. Sie sind deshalb wahr, weil der Mensch, wann immer er zu viel hat, sich dem Geist der Falschen Dürre hingibt, bis dieser ihn ganz korrumpiert hat.
Aber über das, was in diesen Hallen geschieht, wo die Technik so hoch ist, dass sie einem Menschen entgleiten muss, darüber will ich aus Anstand davon sprechen. Denn widerlich ist es, abstoßend und entgegen jedem Gesetz, das uns von der Erde her gegeben ist.
Aus dem “Buch des Weisen”
Fundort: in einer Hütte am Ortler in Tirol
Vermutete Zeit der Erstellung: 11.06.19 d.K.
Lucas Kommentar zu „Der Graffiti-Sammler“
Ich glaube das ist wieder einer der Blogs, wo ich ein bisschen faul war. Einfach nur kurze Texte, die ich halt auf irgendeine Weise zusammengefasst habe. Was von Stephen King hat mir da auch als Trittstein gedient. Habe da mal über eine Geschichte von* ihm gelesen, wo es darum geht, dass jemand seltsame Sprüche sammelt, die in Toiletten aufgeschrieben sind. Und das ist für mich Rechtfertigung genug, dass jemand nach dem Ende der Welt das vielleicht auch mit Graffitis tut.
*Es ist nur deshalb „von“, weil ich mal eine Phase hatte, wo ich auf einem deutschen Stephen-King-Wiki, die ausführlich beschriebenen Plots gelesen habe. Das heißt ich kenn zwar sehr viele King-Geschichten, habe aber so gut wie keine gelesen. Ein Muster, das sich witzigerweise heute quasi ähnlich fortsetzt. Ich finde oft eine zusammengefasste Geschichte spannender, als das komplette Dinge zu lesen. Bin noch nicht darauf gekommen, warum das einen Reiz auf mich hat. Und jetzt fällt mir das ein, dass ich das eigentlich schon vor dem Stephen-King-Wiki gemacht habe. Als Kind/Jugendlicher habe ich in Werbeprospekten, in denen Bücher angeboten, extrem gerne die Kurzzusammenfassungen der Roman gelesen. Selbst, wenn es nur 4 Zeilen waren.
Und zu dem letzten Graffiti: Ich selbst fände es sehr langweilig so ein Rätsel zu lösen. Weshalb ich froh bin, dass ich es nicht tun muss. Aber genau genommen müsst es es ja auch nicht.
Der Graffiti-Sammler
Das soll der Anfang einer Sammlung von Graffitis sein, wie man sie überall findet. Keine Ahnung, warum ich damit meine Zeit verschwende.
an den fremden, der mich hier gerettet hat
ich weiß du musst ein hupod gewesen bist
bitte schreibe hier wo ich dich finden kann
ich bin dir unendlich dankbar und wenn du nicht kommen willst sage mir warum hast du mich gerettet
Diese Erfahrung habe ich auch gemacht. Sie sind auch nur Menschen. Ich trauere bis heute um Connie. Beste Person, die ich jemals gekannt habe.
Sprechheit ist Freiheit!
Den Umständen nachzuschließen, scheint das hier wirklich alt zu sein. Vielleicht sogar aus der Zeit vor dem Kairos?
Wir bringen euch zum Schweigen!
Stand direkt neben dem Letzten. Vermutlich irgendwas Politisches. Ich habe aber keine Ahnung was. Vielleicht was gegen die Konzerne damals?
Ruf an für eine gute Zeit Wie denn ohne Smartphone?
Ich verstehe das nicht. Was ist ein Smartphone? Die Schrift des ersten Teils hat ein anderes Schreibmittel verwendet als die Person, die das durchgestrichen und den zweiten Teil ergänzt hat.
Die Schlacht hier kostete 15 Leben von ihnen und von 5 uns. Der Meister des Waldes
Vielleicht glauben manche Leute, Ruhm könne nicht sterben? Traurig das Ganze. Und keine Ahnung wer der „Meister des Waldes“ ist.
A 13 runter wie beim Kaiser
Vpu irexnhsr Ohpure nhf qre nygra Jryg. Sbytr qrz Fgebz ovf qh rva nygrf Tronhqr fvrufg. Npughat. Vpu unor orjnssargr Jnpugre.
Obanf
Keine Ahnung, was das heißen soll. Vielleicht ist es ein Code?
Auszug aus dem Anfang eines Notizbuches mit der Aufschrift “Graffitis”. Dazu eine Anmerkung auf der ersten Seite: “Die schriftlichen Zeugnisse in einer gefallenen Welt”
Fundort: Krypta der Pauluskirche, irgendwo in Deutschland
Vermutete Zeit der Erstellung: unklar
Lucas Kommentar zu „Inter- und dann SafeNet durch SafeBox"
Hatte ja in einem meiner vergangenen Blogs erwähnt, dass ich manchmal halb-verständliches und vierfünftel-fiktives Kauderwelsch manchmal faszinierend finde. Ich glaube ich wollte bei diesem Text primär ein bisschen erklären, was das SafeNet ist und wollte mal Spaß damit haben ein wenig Technobabbel zu Papier zu bringen. Was auch insofern nötig, weil ich zwar weiß, was für die Dinge die SafeBox ungefähr kann, habe aber nicht mal ansatzweise die Ahnung wie sowas technisch funktionieren könnte. Gut, so viel Technobabbel habe ich jetzt nicht in dem Text. Aber ich denke es ist genug, dass ich ein Thema für diesen Kommentar habe.
Ich habe zwar so gut wie nie Star Trek angeschaut, aber ich habe gehört, dass es ja da auch ab und zu mal Technobabbel gibt. Ich finde es so interessant, dass das funktioniert, den Zuschauer davon zu überzeugen, dass hier was passiert, das funktioniert.
Inter- und dann SafeNet durch SafeBox
Es freut mich sehr, dass Sie die Möglichkeit hatten, sich eine SafeBox zu sichern! Die kommen selten aus den Händen der HuPods, ohne dass die Selbstzerstörungen nicht aktiviert worden wären. Und darum soll es ja primär hier gehen. Warum hat sie sich nicht selbst zerstört?
Nach ihren pfleglichen Anweisungen schreibe ich das hier - wie immer - nieder:
Die Außenseiten der Box zeigen normale, äußere Beschädigungen. NuPlastic, wie es von VOG um Zeitraum des Kairos herum entwickelt wurde. Also dementsprechend stabil.
Das hexomale Stahlglasgitter hat einen starken Riss. Keine Ahnung, was das beschädigt haben könnte. Aber weil dieses einen Teil der Datenübertragung enthält, kann ich davon ausgehen, dass es keinen Zugang mehr zum SafeNet hat. Aber für die von Ihnen gestellten Aufgabe dürfte das nicht verhindern. Sie sagten ja, es ginge mehr darum, herauszufinden, wie man die Selbstzerstörung verhindern könne.
Deshalb nehme ich jetzt mit gutem Gewissen den Schraubenzieher und öffne das Gehäuse.
Natürlich braucht man dafür die Residenzen Spezialschraubenzieher! Aber ich müsste hier irgendwo einen rumliegen haben.
So. Habe ihn gefunden! Ich habe sie geöffnet, und was darin ist, das erfreut meine technischen Augen:
Das Muster von
[unleserliche und fehlenden Seiten]
ich konnte in meiner ersten Sitzung noch nicht herausfinden, weshalb sich der Selbstzerstörungsmechanismus bei dieser SafeBox nicht aktiviert hat. Ich werde mich sehr leidenschaftlich an dieses Projekt setzen, wenn ich einmal so offen sein darf, Meister! Denn könnten wir, wenn ich entsprechende Dinge herausfinde, über diese SafeBox, vielleicht mit einer anderen voll funktionierenden SafeBox in das SafeNet eindringen. Weil - wissen Sie Meister - ich bin ein uralter Mann und erinnere mich noch an die Zeit vor dem Kairos. Als es noch das Internet gab. Das SafeNet ist zwar von den HopeTowern abhängig, und wichtiger noch: von den Falschheiten der Übereinheit verseucht. Aber es käme doch so nahe an jene segensreiche Info-Quelle aus alter Zeit heran.
Ich hoffe, Ihnen mit dem morgigen Bericht mehr mitteilen zu können.
Aus einem Haufen Notizzetteln in einer Box
Fundort: Am Straßenrand der Überrest der Bundesstraße 2
Vermutete Zeit der Erstellung: unklar
Lucas Kommentar zu „Voll mütterlicher Liebe“
Jedes Mal, wenn mich einer meiner eigenen Texte tief berührt, frage ich, ob ich da irgendwie zu eingebildet / nymphoman / egozentrisch bin. Keine Ahnung welches Wort passt, sucht euch eines aus. Und egal welches Wort passt, ich glaube ich sollte nicht weiter darauf eingehen, dass sich das Adjektiv nicht noch mehr bestätigt.
Als ich den Text, aber nach langer Zeit wieder las, habe ich mich gefragt, ob es in Situationen, in denen Not herrscht es wirklich derart viel Naivität geben kann. Ich bin nicht sicher, aber ich glaube ich habe die Mutter damals bewusst naiv geschrieben. Ich kenne mich zu wenig mit Geschichte oder Psychologie aus, um diese Frage sicher beantworten zu können. Aber mein Bauchgefühl (das sich irren kann), sagt zu meiner Beunruhigung, dass es sowas trotzdem geben wird. Wobei ich aber glaube, dass es selbst in einer schlimmen, gesellschaftlichen Situation es „förderlich“ für Naivität ist, wenn man einigermaßen sicher oder isoliert aufwächst.
Voll mütterlicher Liebe
Meine liebe, kleine Sonja,
ich weiß nicht, ob dich diese Nachricht erreichen wird, aber dein Opa hat gesagt, dass die HuPods trotz allem doch auch Menschen seien. Und darum ist vielleicht auch noch etwas Gutes in ihnen, weil der Mensch ja im Grunde seines Herzens gut ist. Das ist deshalb wichtig, weil eine der HuPods mich angesprochen hat. Sie meinte, sie würde für mich heimlich diesen Brief für dich überbringen. Leider konnte ich mir ihren Namen nicht merken. Weil ihr Name besteht - wie bei vielen der HuPods - nur aus unverständlichen Nummern und Buchstaben.
Aber sie meinte, sie wolle dir diese Zeilen überbringen. Ich schreibe auch, damit du weißt, was mit deiner Mama passiert ist. Du wirst denken, dass ich einfach so verschwunden bin. Und ich weiß schon gar nicht mehr genau, wie lange es her ist. Ich bin in einer Zelle eingesperrt, ohne Fenster. Da verliert man das Gefühl für die Zeit. Alles ist aus Zement hier. Sehr traurig und kahl. Aber auf dem Weg hierher durch die übrige Residenz, sah alles genauso aus: Roh und dunkel. Ich bin auch an einem Schlafsaal von den HuPods vorbeigekommen. Sie haben auf ihren Betten nicht mal Matratzen oder Kissen! Stattdessen scheinen sie ihren Kopf auf irgendwelche kleinen Nackenstützen zu legen. Aber stelle dir das mal vor, ohne Bettzeug zu schlafen! Sogar ich habe eine Matratze und ein Kissen hier in meiner Zelle. Aber dennoch scheinen die HuPods glücklich zu sein. Allerdings starren sie dabei oft ins Nichts und scheinen mit sich selbst zu reden. Es gibt hier so viel, was ich nicht verstehe.
Ich habe die HuPod, die dir diese Botschaft überbringen wird, über vieles ausgefragt. Aber sie wollte nichts sagen; sagte nur, dass sie hier eindeutig glücklich sei. Und ich habe keinen Grund, ihr nicht zu glauben. Denn trotz der trüben Umstände hier scheint sie zufrieden zu sein.
Beinahe hätte ich vergessen, dir zu schreiben, wie ich hierhergekommen bin. Dazu weiß ich nicht viel. War draußen auf der Suche nach Essen, spürte einen Stich im Nacken und wachte dann in dieser Zelle wieder auf.
Ich glaube, sie wollen wissen, wo dein Papa ist. Zumindest befragen sie mich zu ihm ständig. Aber als er verschwand, hat er mir ja auch nichts gesagt. Er meinte nur, dass es so besser wäre. Und nach zehn Jahren Ehe glaube ich ihm das auch. Alle wichtigen Informationen hat er seiner Schwester, also deiner Tante Xandra, hinterlassen. Und wenn er meint, dass es genüge, dass sie es wisse, dann wird das seine Richtigkeit haben.
In diesem Zusammenhang hoffe ich auch, dass deine Tante gut auf dich aufpasst. Denke daran, nicht die Siedlung zu verlassen und immer auf die Ältesten zu hören. Ich bin mir sicher, wenn die HuPods hier feststellen, dass ich nichts weiß, werden sie mich bald wieder zu dir gehen lassen.
Ich hoffe, der Brief wird dich schnell erreichen. Die HuPod, die ihn überbringt, hat von mir die Wegbeschreibung zur Ansiedlung bekommen.
In liebster Umarmung
Deine Mama
9. Oktober 38
handgeschriebener und geöffneter Brief
Fundort: Residenz S-Alpha
Zeit der Erstellung: 09.10.38 d.K.
Lucas Kommentar zu „Von den Fähigkeiten der HuPods“
Zu diesem Text fällt mir leider nicht so viel ein. Zumindest noch nicht.Mich ärgert es nur saumäßig, dass mir der Begriff „Poddie“ für HuPods nicht während des Romanschreibens gekommen ist. Wobei es aber auch schön ist. Ich kann mir jetzt nämlich ausdenken, dass „Poddie“ tatsächlich ein Begriff ist, der eher dort gebräuchlich ist, was früher mal England war. Aber selbst der Zusammenbruch von allem hat dafür gesorgt, dass Anglizismen den Kanal überqueren. Wobei ich aber sagen würde, dass es jenseits von Groß Britannien der Begriff noch immer unüblich ist.
Und finde es in diesem Kontext faszinierend, dass ich mir durchaus vorstellen könnte, dass selbst in dieser postapokalyptischen Welt sich Worte aus anderen Sprachen verbreiten. Vermutlich bin ich aber auch fasziniert, davon, weil ich als Millennial unterbewusst davon ausgehe, dass die englischen Begriffe vor allem durch das Internet verbreitet werden. Was natürlich zum Teil Schwachsinn ist. Zum Beispiel haben wir ja im deutschen ja auch französischen Worte (Portemonnaie zum Beispiel), selbst wenn diese Sprache nicht mehr die Verkehrssprache ist. Und das ist ja schon Jahre vor dem Internet vorbei. Selbst englische Worte in deutscher Sprache waren zu meinem Erstaunen nicht so jung wie ich dachte. In „Der Zauberberg“ von Thomas Mann gibt es eine Szene, in der eine Mutter darüber redet, dass ihre Tochter einen „Flirt“ hätte. Also gab es diese Übernahme von englischen Worten schon damals. Die Szene blieb mir aber auch deshalb im Kopf, weil der Autor kommentiert, dass besagte Mutter das „Flirt“ mit einem „i“ aussprach. Und diese Falschbetonung dieses Wortes fand ich irgendwie witzig.
Von den Fähigkeiten der HuPods
Es gibt viele falsche Aussagen über die “Poddies”, wie schon im Eingangskapitel erklärt. Und in diesem Kapitel soll es darum gehen, was sie als „Netset“ beschreiben. Diese Fähigkeiten umfassen Vieles, wie jeder Kampfesperson, die mit Ihnen konfrontiert wurde, wissen dürfte.
Aber um der Übersichtlichkeit willen, zähle ich hier ein nur paar davon auf:
Die HuPods kommunizieren lautlos miteinander, zum Teil sogar über große Strecken.
Dunkelheit stellt für sie kein Problem dar.
Es kann vorkommen, dass sie über das Gegenüber Informationen haben, die niemand erwarten würde.
Nun gibt es viele Gerüchte darüber, was es mit diesen Fähigkeiten auf sich hat. Und oft wird es mit Übernatürlichem begründet. Wenn man einen dieser Nicht-Menschen aufschneidet, mag man das auch glauben. Denn das einzige technische Ding, das man darin findet, ist etwas im Nacken. Keine optischen Linsen, keine Drähte, keine Geräte, die das Gehör lenken können. Aber das Nackengerät existiert und ist eine Ausstattung, die sich bei allen “Poddies” wiederfindet. Und dieses Gerät stellt das zentrale Element des NetSets dar. Das Gerät über die die organisch-konstruierten Elemente der HuPods zusammenlaufen.
Der Leser mag sich jetzt fragen, warum ich das hier so ausführe, ehe ich auf Details eingehe? Ich möchte damit den Schreckensgeist austreiben, der uns weis machen will, dass sie „magisch“ Fähigkeiten hätten. Sie mögen zwar keine Menschen in unserem Sinne sein, aber sie sind dennoch aus Fleisch und Blut. Wir wissen nur nicht genau, mit welchen technischen Möglichkeiten sie in ihren „Residenzen“ ausgestattet wurden.
Auszug aus dem Dokument „Nicht-Menschen unter der Klinge“, vor kurzem verfasst
Fundort: im überschwemmten Innsbruck
Vermutete Zeit der Erstellung: 09.09.28 d.K.
Lucas Kommentar zu „Erster Anblick des Vaters“
Was ich unter anderem sehr spannend finde, wenn man Texte schreibt, dass man dann Eigenheiten der Autoren einbauen kann. Zum Beispiel habe ich das Gefühl, dass dieses Gedicht nicht im klassischen Sinne „gut“ ist. Man könnte zwar sagen, dass hier jemand seinen Gefühlen Ausdruck verleiht, hat, aber das sagt nicht unbedingt, dass es handwerklich zu wünschen übriglässt. Und das schön ist, dass der HuPod hier einfach kein so arg talentierter Gedichteschreiber ist. Natürlich ganz im Gegensatz zu mir! Ich...
…
Gut. Nein. Ich habe es mir bei diesem Text nur einfach gemacht. Ich wollte für den Blog irgendetwas zu Papier bringen. Und als er fertig war, habe ich mir im Kopf festgelegt, dass das Gedicht hier deshalb keinen Rhythmus oder Ähnliches hat, weil der HuPod das einfach nicht kann.
Erster Anblick des Vaters
Vor vielen Jahren
stieg ich in die Box.
Nervös flatternde Augen,
gespanntes Atmen.
Letzte Sekunden.
Eben noch
gläserne Box
und jetzt,
jetzt geöffnete Augen.
Nicht Augen aus Fleisch,
sondern mit Augen,
die ähnlicher denen von Vater sind.
Über mir jetzt
kein Himmel, keine Kuppel aus Saphir.
Unter mir:
Erst sieht es aus wie kleine Metallklingen,
aber weich wie Gras.
Dazwischen wachsende Säulen
mit schillernden Ästen
in einer neuen Kuppel:
Ein Himmel, gekleidet in Purpur.
Ich öffne den Mund.
Ich atme ein.
Es fühlt sich echt an,
Obwohl ich virtuelle Luft atme.
Ich atme ein.
Die Gerüche begehen meine Nase.
Sie passen nicht.
Und dann sehe ich ihn zum ersten Mal:
Vater!
In Gestalt!
Nicht als Stimme!
Nicht als Symbol!
Nicht auf einem Bildschirm,
Sondern in einer Gestalt!
Wie ich sie liebe!
Mein kindliches Kind, Herz vor Freude.
Sein Bild ist genau nach meiner Vorstellung.
Ein Waschbär:
Goldenes Fell,
freundliches Lächeln,
ein König unter den Seinen,
ein König des Virtuellen.
Mein Vater und mein König!
Endlose Stunden des Spiels.
Endlose Stunden der Lehre.
Aber vor allem:
Endlose Stunden des Wunders.
Künstlerischer Ausdruck geschrieben von NK-15-Ecan, eine HuPod von Residenz N-Alpha
Fundort: HuPod-Forum im SadfeNet
Zeit der Erstellung: 26.08.21 d.K.