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@form-und-fabel
Blinder Fleck
Nichts ist mir mehr zuwider als Gemeinheit und Ungerechtigkeit. Was paradox ist – denn ich bin es selbst oft genug. Wie kann das sein? Womöglich liegt es an meiner Selbstwahrnehmung. Ich habe feine Antennen dafür, wenn ein anderer gemein mit- oder über andere redet. Eben so viel Feingefühl habe ich entwickelt, wenn es um Ausbeutung, Unterdrückung oder Gewalt gegen Wehrlose geht.
Mir selbst gegenüber bin ich diesbezüglich jedoch außerordentlich großzügig. Beim herzhaften Biss ins Steak ist mir die Kuh plötzlich egal – obwohl ich leidende Tiere wirklich schwer ertrage. Meine Zunge ist spitz und bisweilen äußerst lästerlich. Und wenn es darum geht andere herumzukriegen etwas für mich zu tun, kann ich mehr als durchtrieben sein.
Was ich bei anderen sehe, blende ich bei mir selbst mit größter Selbstverständlichkeit aus. Vielleicht ist mein, euer, unser blinder Fleck ja der einzige Grund, warum es auf der Welt so niederträchtig zugeht. Bestimmt sogar.
Bild: Francisco de Goya, Saturn verschlingt seinen Sohn
Dummling
Der Dummling ist häufig der jüngste von drei Brüdern, gelegentlich auch ein Einzelkind. Sein Umfeld beurteilt ihn als „tumb“. Er ist nicht einfach dumm oder idiotisch, sondern naiv und weltunterfahren, unangepasst, sich seiner selbst und seiner speziellen Begabung noch unbewusst. Der Dummling trägt deshalb noch etwas vom ursprünglichen Chaos in sich, er wirkt unfertig, linkisch, eckt an. Seine Stunde schlägt, wenn sich die Welt verändert, wenn der König alt oder krank oder impotent wird oder eine andere Notlage eintritt, in der die angepassten Verhaltensweisen aller anderen zwangsläufig versagen und eine neue Lösung für die neuen Probleme erdacht werden muss, eine Innovation, wie es heute gerne heißt. Diese Lösung wird dann durch bislang im Dunkel und Abseits gebliebene Eigenschaften erbracht, die zuvor einmütig verachtet worden waren. Diese Eigenschaften erweisen sich plötzlich als unverbrauchte Möglichkeiten, deren Verwirklichung die Ordnung wiederherstellt. Doch zu diesem Zweck muss der Dummling zunächst beweisen, was in ihm steckt, muss Gefahren und Proben bestehen und sich als Retter und Heiland zeigen.
In der Regel tut sich der Dummling dabei durch symbolisch als weiblich geltende Eigenschaften hervor, Naturnähe oder Warmherzigkeit, und grenzt sich dadurch von männlichen Werten wie Ratio oder Willen zu Macht ab. Er hilft in Not geratenen Menschen oder Tieren, ohne nach dem Nutzen für sich selbst zu fragen, und stellt dann fest, dass sie sich als übermenschliche Mächte erweisen, die in ihrer Dankbarkeit dem Dummling auch bei der Lösung seiner Probleme beistehen. Sie sind damit ein Sinnbild für bisher nicht beanspruchte Kräfte seines eigenen Inneren. Der Dummling tut, was kein sogenannter Vernünftiger tun würde, wenn man es von ihm verlangt, aber die merkwürdige Auflage von außen erweist sich im Nachhinein als Verwirklichung seines innersten Wesens.
Udo Kuckartz
Primitiv
„Ich bin ein Primitiver und stamme aus einem zentraleuropäischen Reservat. Auch wenn ich mir noch so viel Mühe gäbe, mich zu verstellen, jeder wissenschaftlich aufgeklärte Bewohner der großen Zivilisationswüste dort draußen würde mich bald durchschauen. Es sind bestimmte Gesten, ein bestimmter Tonfall, offenbar auch eine bestimmte Art zu schweigen, die unsereinen verraten. "
Michael Ende
Bild: Auryn
Schwarmdummheit
Da schaue ich heute morgen zu meinem Aufwach-Kaffee auf Deutschlandfunk und lese dort, dass die Bundesregierung sich, um das Flüchltlingsabkommen zu retten, laut Spiegel Online von der Armenienresolution des Bundestags distanzieren will. "Mist" denke ich, "hoffentlich machen sie das nicht wirklich". Und: "der Seibert ist ne arme Sau". Jaja, Das Pressesprecher-Leben ist eben hart. Wie schön, dass ich nicht davon leben muss! Danach erst mal zum Arbeiten. Die Weltrettung und Facebook müssen warten.
Das nächste Mal schaue ich in meiner Mittagspause ins Web. Mein Facebook-Stream quillt über vor Empörung. Alles voll mit Merkelhass und Wutbürgertum Deluxe. Der Online Mob ist in seinem Element und einige meiner Bekannten mal wieder: mittendrin. Links, Rechts. Egal. Erst mal drauf hauen! Kennt man ja. Die Meldung geht über alle Kanäle und wird dort nun ja, eifrig "diskutiert". In dem ganzen Chaos, recht unauffällig, titelt wieder der Deutschlandfunk: "Keine Distanzierung von der Armenier Resolution, Regierung dementiert". Na sowas. Eine Ente also. Oder zumindest eine grobe Verzerrung. Merkel und ihre Minister haben versucht eine Formel zu finden, die es ermöglicht auf der Bundestagsresolution zu berharren, ohne das Erdogan und seine Komplizen, die leider unsere offiziellen Verbündeten sind, ihr Gesicht verlieren. Die Regierung hat also Politik gemacht. Wow, was für ein Skandal.
Was eigentlich passiert ist: Spiegel Online, der zwischenzeitlich ohnehin längst zur Bildzeitung der Möchtegern-Toleranten mutiert ist, bekam vermutlich ein Gerücht durchgestochen und titelte unhinterfragt damit. Vermutlich war die Quelle "glaubwürdig" und naja, Time is Money also raus mit dem Rotz bevor die anderen Wind davon bekommen. Alle anderen großen Medien (inklusive FAZ und NZZ!) springen (wie immer!) auf den Zug auf. Die "Meldung" verbreitet sich in Windeseile und wird von der halben Nation als weiterer Beleg dafür abgespeichert, wie verkommen doch die Politikerkaste ist. Na Mahlzeit. Die "Meldung" war vor allem eines: unwahr. Kurz darauf läuft das Dementi der Regierung zum Glück auch über die anderen Kanäle. Außer bei Spiegel Online natürlich. Man müsste ja was eingestehen. Da wiegt man die Millionen von Lesern doch lieber in der Illusion, dass der Bericht gestimmt hätte. Einige Stunden später haut man zwei länglich geschwurbelte Artikel raus, in denen man sich auch noch allen Ernstes mit dem Vorgang brüstet. Plötzlich war dann wohl doch noch Zeit zum Recherchieren vorhanden. Wenn es um die eigene Haut geht, wird man eben sehr gewissenhaft. Na großartig. Läuft doch!
Ganz ehrlich: wir brauchen überhaupt keine AfD und auch keinen Putin um die Demokratie abzuschaffen. Das schaffen wir in unserer kollektiven Dummheit und Ignoranz, die durch das Internet ins Unendliche skaliert und beschleunigt wird, anscheinend schon ganz allein.
Text und Bild
Wenn es mir schlecht geht, texte ich, wenn es mir gut geht, mache ich Fotos. Ich glaube, dass das den Gewohnheiten vieler entspricht. Angenehme Situationen merke ich mir als Reigen von Sinneswahrnehmungen. Wenn ich negative Erinnerungen nicht ohnehin verdränge, grüble ich darüber nach, sortiere die Eindrücke und versuche diesen einen Sinn zu verleihen. Meine Texte sind oft ein Ergebnis dieses Nachdenkens. Leider entsteht dadurch nach außen der Eindruck, das ich mich überwiegend mit Leid beschäftigen würde. Das Gegenteil ist der Fall! So lange man nichts von mir liest geht es mir einfach ganz normal oder gut. Und wenn doch, habe ich es meistens schon verdaut.
Bild: DeviantArt
Im Netz
Wenn ich im Netz unterwegs bin, begegnen sie mir unweigerlich: Links die mir, unterstützt durch grauenhafte Bilder ewige Jugend, den Untergang des Abendlandes, den perfekten Körper oder zumindest ewig währende Potenz prophezeien. Wenn alles nichts mehr hilft, winken zumindest eine bezahlbare private Krankenversicherung oder 50% weniger Bauchfett innerhalb von drei Wochen. WHAT THE FUCK, Internet, ist das wirklich die Botschaft, die Du mir nach 20 Jahren intensivster Beziehung mitzuteilen hast? War es das mit uns? Ja, verdammt, ich habe Angst davor zu altern. Ich möchte nicht hässlich, krank und unattraktiv werden. Wie überraschend, wenn man bald 40 wird... Aber wie konnte es dazu kommen, dass sich kleine, widerliche Agenten an meine digitalen Füsse heften, die mich beständig dazu auffordern für 30-X Euro gegen mein ohnehin unaufhaltsames Sterben anzugehen? Du analyisierst meine Ängste und spielst sie gegen mich aus? Vielen Dank Du Arschloch von Netzwerk!
Ich erinnere mich gut an meine erste Internet-Suchanfrage. Ich war 18. Ich interessierte mich für Vulkane auf anderen Planeten und diversen Esokram. Darüber gab es in der Stadtbibliothek nichts. Das Resultat war: wow! Die Anzeigen waren auch damals vorhanden und nervig, aber so dumm, dass sie wirklich niemanden interessierten (“Hit the monkey!”). Heute sind die Suchergebnisse immer noch gut. Sogar viel besser! Aber vor allem: Bauchfett, Muskelaufbau, Krankenversicherung, Weltuntergang. Wenn es gut läuft vielleicht mal ein Buchtipp über Astronomie bei Amazon. Die Lösungen für meine nicht vorhandenen Probleme lauten: Trump, Putin, AfD und natürlich: hochwertige Hormon- und Proteinpräparate. Möglichst viel davon! Als Belohnung winken hochwertige Beziehungen zu noch hochwertigeren Ladies. Gerne auch als Seitensprung. Yeah! Diese Narrative sind zum Kotzen! Mein Surfverhalten wird ausgewertet und auf die primitivst denkbaren Impulse reduziert.
Ich würde mich nie auf einen Mist aus diesen Angeboten einlassen. Aber sie beeinflussen mich trotzdem. Niederschwellig. Unterirdisch. Subversiv. Ist mein Bauch zu dick? Geht das Land vielleicht doch den Bach runter? Bin ich es wert geliebt zu werden? Wie hoch wohl mein Marktwert ist? Das nobelste Projekt, das der Mensch bis heute geschaffen hat, verbreitet immer mehr Angst, Hass, Gier und belanglosem Müll. Und zwar sowohl offen als auch im Hintergrund. Es überrascht mich keineswegs. Und dennoch: es macht mich unendlich traurig. Und: sehr müde.
Bild: https://de.pinterest.com/pin/54395107971734202/
Liebe
Kein Gefühl wird von Künstlern und Denkern so gelobt wie die Liebe. Warum eigentlich? Liebe ist unkontrollierbar und darin meistens ungerecht. Oft werden nicht diejenigen geliebt, die es am dringendsten Brauchen, sondern die, die am Besten zum Selbstbild des Liebenden passen. Wieviel Leid wird dadurch verursacht? Gibt es ein schlimmeres seelisches Leiden als Eifersucht? Ist Eifersucht nicht Hass, der direkt aus dem Gefühl verschmähter Liebe entsteht? Und überhaupt: wer die Liebe kennt, kennt auch die Schmerzen die daraus entstehen: Sorge, Angst vor Zurückweisung und Verlust. Sehnsucht. Ich denke: all die Texte die zum richtigen Umgang mit der Liebe geschrieben wurden sind Brandschutzliteratur. Sie sind schön, wichtig und oft ganz schön unehrlich. Mit der Liebe ist nicht zu spaßen. Sie macht uns einzigartig und kann das Beste in uns zum Vorschein bringen, aber sie ist ein gefährliches Biest. Nehmt Euch in Acht vor Ihr!
Bild: Tara McPherson ‘My Love Flows Out Like A Waterfall'
Quelle: http://www.postersandprintsblog.com/postersandprintsblog/2014/2/5/tara-mcpherson-my-love-flows-out-like-a-waterfall-print-avai.html
Drehzahl
Ich bin hochtourig. Sagt mein Therapeut. Stimmt. Ich mag das aber! Im Gegensatz zu ihm. Naja, er meint es nur gut. Ich rauche zu viel. Ich trinke zu viel. Ich liebe zu viel und ich lebe zu viel. Und das die ganze Zeit. Ich bin anstrengend. Für mich. Für Menschen die es gut mit mir meinen. Aber hey: es ist einfach mein Ding! Ich könnte anders, wenn ich wollte. Will ich aber nicht. Es fühlt sich nämlich nicht nur nicht gut an, wenn ich versuche weniger ich selbst zu sein. Es macht mich unglücklich. Naja: ehrlich gesagt trifft das auf ziemlich viele Aspekte in meinem Leben zu. Aber nicht auf DIESE Art. Es fühlt sich an, als wenn ich mich verlieren würde. Das wäre schrecklich. Deshalb werde ich weiter hochdrehen. Werde es womöglich bereuen. Menschen verlieren. Hin und wieder traurig sein. Aber ich denke wirklich, dass es das wert ist.
Bild: Sean Yoro, Quelle: http://byhula.com/
Prince with a Thousand Enemies
El-ahrairah, your people cannot rule the world, for I will not have it so. All the world will be your enemy, Prince with a Thousand Enemies, an whenever they cath you, they will kill you. But first they must catch you, digger, listener, runner, prince with the swift warning. Be cunning an full of tricks and your people shall never be destroyed."
Richard Adams, Watership Down
Erinnerungen
Schöne Erlebnisse, an die ich mich erinnere, haben oft mit der Landschaft am Bodensee, mit Büchern und mit Sommersonne zu tun. Ich liebte es, im kniehohen Gras zu liegen und Grashüpfer zu fangen. Wenn ich im Sommer mit dem Fahrrad in die Schule gefahren bin, habe ich mir vorgestellt, dass ich im Auenland wäre. Ich habe verborgene Reiche hinter Büschen und unter Obstbäumen entdeckt. Und ja, die Bauernhäuser, die alten Leute, die Dorfkätzchen und all die unterschiedlichen Gerüche habe ich sehr gemocht.
Mein Leben ist ein Traum. Ich habe fantastische Freunde mit denen ich nächtelang an Gesprächsfäden spinne. Ich habe eine wunderbare Frau. Ich telefoniere regelmäßig mit meinen Eltern. Ich habe Einfluss. Die Menschen hören mir zu. Ich wohne in meinem eigenen Haus. Ich treibe die digitale Revolution voran. Ganz vorne, wo mir der Wind um die Nase weht.
Aber ich möchte gar nicht raus aus meinem Loch. Ich fühle mich irgendwie geborgen in meinem Elend. Es bietet mir eine Konstante, die mir nichts und niemand bis jetzt geboten hat. Oder bieten könnte. Das schweißt zusammen, das verbündet.
Dank an: Karolina Plachetko
The memory of our intimacy holds onto me. I’m cursed. The shape of your left ear when you moved your face towards mine. The rustling sound of my fingers diving into your hair when you kissed me. The scent of your eyebrows in the morning when you mumbled hello. I used to kiss your closed eye lids, and the place where your collarbones met. I remember the sound of your voice when you left the house for work. You whispered, whispered so sweetly. I’m cursed.
Things That Never Happened by Karolina Plachetko (via karolinaplachetko)
Nicht genug
Zwei Tage fast ohne Unterbrechung geredet, geliebt, gearbeitet, gefeiert, Sport gemacht und Neues gelernt. Nicht geruht. Statt dessen: gelebt! Und dennoch: der Drang nach Erlebnissen ist immer noch unersättlich. Am Ende sitze ich hinter dem Smartphone und schaffe es nicht, schlafen zu gehen. Obwohl ich völlig erschöpft bin. Ich tippe. Und warte mitten in der tiefsten Nacht darauf, das etwas bedeutsames geschieht. Was natürlich nicht passieren wird. Wie immer. Es war nicht genug. Es wird nie genug sein. Denn in mir ist eine Leere, deren Einsamkeit durch keine Macht der Welt gefüllt werden kann. Jetzt, genau jetzt, fühle ich es endlich ganz deutlich. Die Mühe hat sich also gelohnt.
Das Alles ist für mich weder schlimm noch neu. Ich weiß seit vielen Jahren, dass ich so bin. Wirklich spüren und begreifen kann ich es aber nur selten. Vermutlich geht es vielen so. Ich weiß es nicht! Zumindest finde ich diesen Gedanken tröstlich. Davon abgesehen will ich mich in dieser Hinsicht nicht ändern. Denn ich beziehe einen großen Teil meiner Kraft aus der Tatsache, dass ich rastlos und ewig unzufrieden bin. Es würde auch keinen Sinn ergeben. Ich glaube nicht daran, dass man seinen Charakter mal eben so korrigieren kann. Ausgeglichenheit ist meine Sache nicht und damit kann ich leben.
Natürlich ist es nicht einfach mit einem Menschen umzugehen, der auf einer rast- und endlosen Suche ist. Der niemals ans Ziel kommt und der ewig zerrissen, unfertig und trotz allerbester Gesellschaft ständig von Einsamkeit bedroht ist. Für die Menschen die mich lieben ist mein Gefühl der inneren Leere oft verletzend. Zum Glück habe ich es gelernt gute Gesellschaft wertzuschätzen, meinem Gegenüber zuzuhören und wenn es nötig ist, offen über meine Gefühle zu reden. Der Weg dahin war steinig. Ansonsten wäre ich wohl nicht nur einsam, sondern auch allein.
Kindgott und Heldenkind
“Die Haupttat des Helden ist die Überwindung des Dunkelheitsungeheuers: es ist der erhoffte und erwartete Sieg des Bewußtseins über das Unbewußte. Tag und Licht sind Synonyme des Bewusstseins, Nacht und Dunkel die des Unbewußten. Die Bewusstwerdung ist wohl das stärkste urzeitliche Erlebnis, denn damit ist die Welt geworden, von deren Existenz vorher niemand etwas wusste. »Und Gott sprach: Es werde Licht!« ist die Projektion jenes Vorzeitlichen Erlebnisses der vom Unbewußten sich trennenden Bewußtheit.”
C. G. Jung, Archetypen, Kindgott und Heldenkind
Bild: Iku Turso
Leben
Der Tod eines Freundes. Die Taufe des Sohnes eines anderen Freundes. Beides im milden Licht eines Sommerwochenendes. Lange Gespräche. Lange Nächte. Eine Predigt. Motto: Schuld und Strafe. Die alten Gesänge. Lachende Kinder. Zu viel Alkohol. Eltern, die in Vollkommenheit in die Bedürfnisse ihrer Lieben eingebunden sind. Schattenwürfe. Das Funkeln des Wassers unter den Weiden. Zweifel. Und dennoch: alles ist gut. Es ist Leben. Irgendwie.
Schule fürs Leben
Meine Hauptschulzeit war eine unglaubliche Aneinanderreihung von Demütigungen, unglücklicher, romantischer Verliebtheiten und ständig wiederkehrender Niederlagen. Durch das Urteil einer übelmeinenden Klassenlehrerin, verbrachte ich fünf Jahre an Orten, die nicht meine sein konnten und deren feindselige Umwelt mein Kinderherz langsam zerfraß. Ich erlebte einen Albtraum aus Misshandlung, Missbrauch, Einsamkeit und einem ständigen furchtbaren Gefühl des sich nicht verstanden Fühlens. Ich flüchtete mich damals in fantastische Traumwelten der Fantasyliteratur, von denen mich manche bis heute begleiten und trösten. Als ich 1993 auf die Berufsschule wechselte, begann ein völlig neues Leben für mich! Endlich Freiheit. Doch die Kindheit war vorbei. Ich hatte gelernt Gegner erst zu taxieren und dann auszuschalten. Ich wusste wie man Schmerzen zufügt. Und ich hatte verstanden, dass nur derjenige etwas bekommt, der notfalls bereit dazu ist, es sich mit Gewalt zu nehmen. Hello World!
Bild: Málmhaus / Metalhead (2013), Quelle: VICE Magazine
Das Kind
"Es ist unmöglich, ein Kind zu haben und die Welt, so wie sie ist, zu verachten, denn in diese Welt haben wir es hinausgeschickt. Wegen des Kindes hängen wir an der Welt, denken an ihre Zukunft, beteiligen uns gern an ihrem Getöse, ihrem Treiben, nehmen ihre heillose Dummheit ernst."
Milan Kundera, Die Identität
Bild: Santoroas Gorjuss. Quelle: http://www.tagnity.com/de/item/9276253/bilder-welten-net-de/wandbild-santoroa-s-gorjuss-ich-liebe-dich-kleiner-hase-kinder-zimmer-madchen-comic-puppe-romantik-tier